Preise für Milchpulver und Molkenpulver vom 13. Mai

In Deutschland ist die Milchanlieferung zuletzt entgegen der saisonalen Entwicklung leicht zurückgegangen. In der 18. Woche erfassten die Molkereien laut Schnellberichterstattung der ZMB 0,4 % weniger Milch als in der Vorwoche. Das Vorjahresniveau wurde damit um 0,4 % überschritten. In Frankreich lag die erfasste Milchmenge gleichzeitig um 0,8 % unter der Vorjahreslinie.
Am Markt für flüssigen Rohstoff sind die Preise für Industrierahm und Magermilchkonzentrat zuletzt gestiegen. Die Ankündigungen über die Lockerung der Corona-Restriktionen in Europa haben der Nachfrage offensichtlich Impulse gegeben.
Bei Magermilchpulver halten die festeren Markttendenzen derzeit an. Das verfügbare Angebot in Deutschland für Mai und Juni ist trotz der teilweise ausgeweiteten Produktion begrenzt, da im Vorfeld umfangreiche Mengen kontrahiert wurden. In den letzten Wochen ist es nochmals zu verstärkten Deckungskäufen gekommen. Aktuell werden die bestehenden Kontrakte ausgeliefert und vorrangig Verhandlungen für das zweite Halbjahr 2020 geführt. Bei den Käufern aus der europäischen und internationalen Lebensmittelindustrie besteht ein starkes Kaufinteresse für längerfristige Termine. Auch die Möglichkeit der privaten Lagerung hat die Nachfrage teilweise noch etwas stimuliert. Allerdings gehen die Preisvorstellungen für spätere Lieferungen von Einkäufern und Verkäufern spürbar auseinander, so dass es schwierig ist, sich zu einigen.
Auch vom Weltmarkt besteht weiterhin Kaufinteresse. Jedoch ist derzeit aus den USA eine verstärkte Konkurrenz mit sehr wettbewerbsfähigen Preisen zu spüren. Generell besteht eine gewisse Unsicherheit, wie sich die Corona-Pandemie weiter entwickeln wird und wie sich die Auswirkungen auf die Nachfrage nach Milchpulver darstellen werden. Magermilchpulver in Lebensmittelqualität wird aktuell stabil bis etwas fester gehandelt. Futtermittelware tendiert ebenfalls etwas fester.
Die Lage am Markt für Vollmilchpulver ist recht ruhig. Derzeit kommen nur wenig neue Abschlüsse zu Stande und die Preisvorstellungen der Anbieter stoßen auf Widerstand. Am Weltmarkt bieten sich derzeit nur wenig Absatzmöglichkeiten. Die Preise haben in Deutschland zuletzt etwas nachgegeben. Innerhalb der EU sind sie weiter uneinheitlich.
Bei Molkenpulver sind stabile Tendenzen bei begrenzter Produktion zu beobachten. Lebensmittelware wird am Binnenmarkt bei stabilen Preisen kontinuierlich nachgefragt, während die Nachfrage für Exporte teilweise als abwartend eingeschätzt wird. Futtermittelware tendiert bei normaler Nachfrage stabil bis leicht fester. (Süddeutsche Butter- und Käse-Börse e.V. Kempten (Allgäu/)proplanta)

BDM kritisiert Beschlüsse der Agrarminister

Mit den Beschlüssen der Agrarministerkonferenz zum Milchmarkt spielen die Agrarministerinnen und Agrarminister von Bund und Ländern Roulette mit der Existenz der Milchviehhalter, so der BDM in einer Presseerklärung. Die Beschlüsse der Agrarministerkonferenz zum Milchmarkt bestätigten die Eröffnung der Privaten Lagerhaltung als vermeintlich geeignetes Kriseninstrument für den Milchmarkt. Darüber hinaus setzten die Ministerinnen und Minister auf freiwillige, unternehmensbezogene Milchmanagementmodelle und verwiesen auf die Sektorstrategie 2030 der deutschen Milchwirtschaft, die nun mit Leben zu füllen sei.
„Wer angesichts einer globalen Milchmarktkrise mit prognostizierten Marktstörungen bis weit ins Jahr 2021 hinein erneut auf freiwillige, einzelbetriebliche Mengenmanagementmodelle der Molkereien setzt, obwohl die so genannte Branche seit zwölf Jahren in allen vergangenen Milchkrisen in dieser Hinsicht mit schöner Regelmäßigkeit versagt, setzt mit vollem Bewusstsein die Existenz unzähliger Milchviehbetriebe aufs Spiel“, so der BDM-Vorsitzende Stefan Mann. Die Milch-Beschlüsse dieser AMK seien ein Kniefall vor der Milchindustrie und ein Fußtritt für die Milchviehhalter. „Die Agrarministerinnen und Agrarminister wissen sehr genau, dass die Sektorstrategie 2030 der deutschen Milchwirtschaft unzureichend ist, dass ihre Umsetzung noch nicht ansatzweise fortgeschritten ist. Was möglicherweise ein Versuch sein soll, die Branche stärker unter Druck zu setzen, geht voll auf Kosten der Milchviehhalter“, sagt Mann. Die Sektorstrategie 2030 der Milchwirtschaft enthalte nicht ein Instrument, das geeignet wäre, globale Marktkrisen in den Griff zu bekommen – nur ein Grund, warum der BDM diese Sektorstrategie nicht mitgezeichnet hat.
Die Marktpartner der Molkereien orientierten sich in Preisverhandlungen nach der Marktlage, die sie von globalen Milchproduktpreisen ableiten und nicht daran, welche Märkte die jeweilige Molkerei bedient. Der Appell der Ministerinnen und Minister an alle Wirtschaftsbeteiligten, sich solidarisch zu verhalten und gemeinsam nach Auswegen aus der Krise zu suchen sei der blanke Hohn für die Milchviehhalter. Mann bekräftigt: „Die Milchüberschüsse sollen also nur von den Milchviehhaltern bereinigt werden, die das Pech haben, an eine Molkerei zu liefern, deren Absatzmärkte überwiegend im Großkunden- oder Exportsektor sind? Das ist weder zumutbar, noch realistisch, noch wirksam – und vor allem auf keinen Fall solidarisch.“ (topagrar.com)

Österreich: Preisstabilität bei Milch im LEH „erster Schritt für neues Verständnis“

Die Ankündigung des Lebensmittelhandelskonzerns Rewe in Österreich, die Milchpreise stabil zu halten, ist von Vertretern des landwirtschaftlichen Berufsstandes begrüßt worden. Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger, sprach 5. Mai von einem ersten Schritt für ein „neues Verständnis von Zusammenarbeit“ zwischen den Sektoren. Ein „Österreich-Pakt“ für mehr regionale Lebensmittel sei das ideale Zukunftsinstrument für Landwirtschaft, Verarbeitungswirtschaft und Arbeitnehmer. Wissenschaftliche Studien belegten, dass ein Mehr an heimischen Lebensmitteln ein spürbares Plus an Wertschöpfung und Arbeitsplätzen bedeute. Gerade in der jetzigen wirtschaftlichen Situation sei ein klares Bekenntnis aller Beteiligten zu einem solchen Pakt positiv für die gesamte Gesellschaft, so Moosbrugger. Zugleich forderte er gemeinsam mit Bauernbund-Präsident Georg Strasser den Handel auf, im Sinne von Planbarkeit, Preisstabilität und Sicherheit die Zusage bis zum Herbst gelten zu lassen. Moosbrugger und Strasser wiesen in dem Zusammenhang darauf hin, dass Bäuerinnen und Bauern gemeinsam mit ihren Molkereien bereits erste Schritte gesetzt hätten, um die Märkte zu entlasten. „Diesen Weg wollen wir weitergehen und erwarten uns dabei auch finanzielle Hilfe durch die EU-Agrarpolitik. Denn sie hat es in der Hand, eine freiwillige Rücknahme von Liefermengen zu unterstützen“, betonte der Kammerpräsident. Strasser kündige an, er werde den Dialog mit den Handelsketten fortführen. Ziel sei es, den österreichischen Familienbetrieben eine Perspektive zu bieten. Das funktioniere nur, „wenn wir jetzt gemeinsam an einem Strang ziehen, Systeme und Denkmuster umbauen und somit mehr Wertschätzung für österreichische Lebensmittel generieren“. Das Rennen um den billigsten Preis bei Lebensmitteln könne und dürfe nicht die Lehre aus der Krise sein. (AgE)

Stimmung in der Ernährungsindustrie bricht drastisch ein

Die Corona-Krise macht auch vor der deutschen Ernährungswirtschaft nicht halt. Wie die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) am 5. Mai berichtete, ist die Stimmungslage bei den Unternehmen der Branche im April regelrecht eingebrochen. Der monatlich erscheinende ifo-Geschäftsklimaindex musste deutliche Verluste hinnehmen und lag für April bei minus 26,7 Punkten, nach minus 1,2 Punkten im März. Mit einem Saldo von minus 11,3 Punkten fiel die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sogar um 27,7 Punkte schlechter aus als noch im Vormonat und bewegte sich erstmals im negativen Bereich. Neben dem Geschäftsklima korrigierten die Unternehmen auch ihre kurz- und mittelfristigen Geschäfts- und Exporterwartungen deutlich nach unten. Die Verbraucherstimmung ging in der Aprilerhebung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ebenfalls deutlich zurück. Dabei mussten sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung starke Einbußen hinnehmen. Der Konsumklimaindex der GfK erreichte im April 2020 nur 2,3 Punkte und verlor damit 6,0 Punkte im Vormonatsvergleich. In Anbetracht der aktuellen Situation rechnet das Marktforschungsunternehmen mit einem weiteren Rückgang der Verbraucherstimmung und prognostiziert für Mai einen Indexwert von minus 22,4 Punkten.
In der Preisentwicklung machte sich die Corona-Krise bislang nicht im selben Maß bemerkbar. So legten die Lebensmittelpreise im März gegenüber dem Vormonat lediglich um 0,2 Prozent zu, die allgemeinen Verbraucherpreise ebenfalls um 0,2 Prozent. Im Vorjahresvergleich fiel der Preisanstieg mit 3,8 Prozent bei den allgemeinen und mit 1,5 Prozent bei den Lebensmittelpreisen ebenfalls noch moderat aus. Bei den Rohstoffpreisen der Ernährungsindustrie zeigte sich im März 2020 eine gegenläufige Entwicklung. Der HWWI-Rohstoffpreisindex für Nahrungs- und Genussmittel gab im Vergleich zum Vormonat um 3,3 Prozent nach und erreichte 91,7 Punkte. Im Vorjahresvergleich erhöhte sich der Index jedoch um 6,9 Prozent.
Nach Angaben der BVE erwirtschaftete die deutsche Ernährungsindustrie im noch nicht von der Corona-Krise betroffenen Monat Februar 2020 einen Umsatz von 15,0 Mrd. € und konnte damit das Vorjahresergebnis um 6,9 Prozent steigern. Der Zuwachs sei auf eine gestiegene Absatzmenge von 2,6 Prozent sowie auf höhere Verkaufspreise im In- und Ausland zurückzuführen, erläuterte die Bundesvereinigung. Ein gutes Drittel des Umsatzes entfiel ihr zufolge auch im Februar auf den Export, der sich einmal mehr als Ertragsstütze erwiesen habe. Insgesamt seien Lebensmittel im Wert von 5,1 Mrd. € ins Ausland geliefert worden und damit 6,4 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Zeitgleich habe jedoch der kalender- und saisonbereinigte Produktionsindex im Vorjahresvergleich um 1,0 Prozent nachgegeben. (AgE)

EMB zieht freiwilligen Lieferverzicht der PLH vor

Für einen freiwilligen Lieferverzicht, aber gegen Beihilfen zur Privaten Lagerhaltung (PLH) von Milchprodukten haben sich die beim European Milk Board (EMB) zusammengeschlossenen Milcherzeuger ausgesprochen. „Die Entscheidung, der Milchkrise mit dem Instrument der Privaten Lagerhaltung zu begegnen und keinen Lieferverzicht auf EU-Ebene zu koordinieren, ist falsch“, erklärte der EMB-Vorsitzende Erwin Schöpges und erteilte damit den am 4. Mai von der EU-Kommission vorgestellten Marktmaßnahmen eine klare Absage. Brüssel hat PLH-Beihilfen für Magermilchpulver, Butter und Käse. Während der EU-Milchmarkt aktuell wieder überschwemmt werde und die Preise auf Talfahrt seien, könne nur eine EU-weite Reduktion der produzierten Milchmenge Entspannung bringen, so Schöpges. Das Einlagern von bereits verarbeiteten Produkten wie Milchpulver, Butter und Käse würde hingegen den Preisdruck für die Erzeuger nicht verringern, da diese Produkte weiter ein Bestandteil des zu hohen Angebots an Milcherzeugnissen seien. Die EU-weiten Milchproteste am 7. Mai rechtfertigte Schöpges damit, dass die Milcherzeuger ihrer Enttäuschung über „die aktuelle fehlerhafte Entscheidung“ von Brüssel Ausdruck verleihen wollten. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), Mitglied im EMB, protestierte unter anderem in Berlin mit einer „über 2 m hohen Milchpyramide aus über 300 Milchpulversäcken“ zwischen Bundestag und Bundeskanzleramt gegen die „unzureichenden Krisenmaßnahmen“. Vielmehr brauche es eine verbindliche EU-weite Reduzierung der Milchüberschüsse, um schnell und wirksam massive Wertschöpfungsverluste für die Milchviehhalter verhindern zu können, erklärte der BDM. Dagegen bezeichnete Bayerns Landwirtschaftsministerin Michela Kaniber die Einlagerungshilfen als „richtigen Schritt“: Die Förderung der Privaten Lagerhaltung von Milchprodukten durch die EU sei die richtige Antwort auf die momentane Situation. (AgE)

Rukwied fordert Beteiligung am Wiederaufbau nach der Corona-Krise

Einen stabilen EU-Agrarhaushalt und eine Beteiligung der Land- und Forstwirtschaft an den Maßnahmen zum Wiederaufbau nach der Corona-Krise hat der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und des EU-Ausschusses der Bauernverbände (COPA), Joachim Rukwied, gefordert. Vor dem Hintergrund einer neuen Vorlage für einen Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) von 2021 bis 2027 mahnte der Bauernpräsident am 7. Mai gegenüber Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen an, das Agrarbudget zügig zu verabschieden: „Außergewöhnliche Umstände brauchen außergewöhnliche Maßnahmen.“ Laut Rukwied benötigen die Bauern finanzielle Planungssicherheit, um die Landwirtschaft zu stabilisieren und damit die Ernährungsversorgung für ganz Europa zu gewährleisten. Er bekräftigte daher die Forderung nach einem „starken und angemessenen Budget“ für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) innerhalb des kommenden MFR. Zudem unterstrich der DBV-Präsident mit Blick auf das geplante Wiederaufbauprogramm der EU die Einbeziehung der Land- und Forstwirtschaft, „um einen Anreiz für dringend benötigte Investitionen im Agrarsektor zu geben“. Als COPA-Präsident vertritt Rukwied laut DBV rund 60 europäische Bauernverbände und damit mehr als 10 Mio. landwirtschaftliche Betriebe in der Europäischen Union. (AgE)

Lebensmittel am Weltmarkt erneut preiswerter

Die Weltmarktpreise für wichtige landwirtschaftliche Erzeugnisse sind im April zum dritten Mal in Folge gesunken. Wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am 7. Mai in Rom mitteilte, rutschte der von ihr berechnete Preisindex über alle betrachteten Warengruppen hinweg gegenüber März 2020 um 3,4 Prozent auf 165,5 Punkte; das war der niedrigste Stand seit Januar 2019. Begründet wurde die negative Entwicklung im März vor allem mit negativen Effekten der Corona-Pandemie. Insbesondere die Zuckernotierungen entwickelten sich laut FAO erneut sehr schwach. Der entsprechende Teilindex verringerte sich im April gegenüber dem Vormonat um 14,6 Prozent auf 144 Punkte. Belastend habe hier vor allem die Erwartung gewirkt, dass die Zuckererzeugung wegen des Verfalls der Energiepreise zu Lasten der Ethanolproduktion steigen dürfte. Außerdem sei die Zuckernachfrage wegen der coronabedingten Kontaktbeschränkungen in vielen Ländern zurückgegangen. Der FAO-Preisindex für Pflanzenöl fiel im Monatsvergleich um 5,2 Prozent auf 131,8 Punkte. Als Gründe nannten die Experten aus Rom hier mit Blick auf Palmöl die niedrigen Rohölpreise und eine höher als erwartete Erzeugung in Malaysia. Die Raps- und Sojaölpreise hätten insbesondere nachfragebedingt nachgegeben. Für den Subindex der Milcherzeugnisse meldete die FAO ein Minus von 3,6 Prozent auf 196,2 Punkte. Den Fachleuten zufolge verbilligten sich Butter sowie Mager- und Vollmilchpulver wegen einer schwachen Importnachfrage bei einem gleichzeitig reichlichen Angebot. Derweil gab der FAO-Index für die globalen Fleischpreise um 2,7 Prozent auf 168,8 Punkte nach. Alle Fleischarten hätten sich verbilligt, und zwar als Folge eines coronabedingten Einbruchs der Importnachfrage, so die Organisation. Allein der Getreidepreisindex konnte sein Vormonatsniveau mit 164 Punkte knapp halten. Allerdings verteuerte sich Weizen laut den Experten in Rom im Zuge einer regen Importnachfrage und der raschen Ausschöpfung der Exportquote Russlands für Staaten außerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU). Dagegen habe sich Mais angesichts eines umfangreichen Exportangebots bei einer gleichzeitig schwachen Nachfrage deutlich verbilligt. (AgE)

Regionale Produkte in Corona-Zeiten gefragt

Lebensmittel aus der Region erfreuen sich in Zeiten von Corona einer wachsenden Beliebtheit. Wie das Landvolk Niedersachsen am 4. Mai mitteilte, verzeichnen die Direktvermarkter nicht nur Umsatzzuwächse, sondern können auch viele Neukunden begrüßen. „Seit der Corona-Pandemie sind über die Wochen- und Bauernmärkte sowie in Hofläden die Umsätze um 20  bis 30 Prozent gestiegen und stagnieren jetzt auf einem höheren Niveau als vor der Corona-Zeit“, berichtet die Geschäftsstellenleiterin der Vereinigung Norddeutscher Direktvermarkter (VND), Elke Sandvoß. Anfänglich seien vor allem haltbare Produkte gekauft worden, wobei es auch zu Hamsterkäufen gekommen sei. Nun griffen Kunden in den Hofläden wieder verstärkt zur Frischware. Aufgrund des aktuellen Engpasses bei den Saisonkräften zur Pflanz- und anstehenden Erntezeit rechnen die Hofläden dem Landesbauernverband zufolge mit einem knapperen Angebot bei Obst und Gemüse. Sie hoffen, dass die freiwilligen Kräfte einiges auffangen werden, damit die Verbraucher weiterhin frische Produkte aus der Region und aus Niedersachsen genießen können. Während sich mehrere Direktvermarkter über neue Stammkunden freuen können, hadern laut Sandvoß andere, da ihnen die Gastronomie als Abnehmer für ihre regionalen Produkte und Spezialitäten fehlt. Diese Betriebe hätten die finanziellen Hilfsprogramme des Landes in Anspruch genommen und das Geld in der Regel schnell und unproblematisch innerhalb von drei bis zehn Tagen erhalten. Wo sich der nächste Hofladen befindet, können Interessierte schnell im Internet herausfinden. (www.service-vom-hof.de) (AgE)

Rukwied will eine stärkere Gewichtung der Ernährungssicherheit

Für eine Neujustierung der Agrarpolitik der EU-Kommission in der geplanten „From-Farm-to-Fork“-Strategie und der Biodiversitätsstrategie mit einem stärkeren Fokus auf die Ernährungssicherheit setzt sich der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und des EU-Ausschusses der Bauernverbände (COPA), Joachim Rukwied, ein. In einem Schreiben an den geschäftsführenden Kommissionsvizepräsidenten Frans Timmermans und Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius fordert Rukwied eine bessere Balance zwischen der Ökonomie der landwirtschaftlichen Betriebe und den Umweltanforderungen. Nachdrücklich unterstreicht er zudem die Bedeutung einer unabhängigen Europäischen Lebensmittelproduktion.
„Ernährungssicherheit wird oft als selbstverständlich angesehen, aber sie muss zusammen mit einer gut funktionierenden Lebensmittelversorgungskette innerhalb des EU-Binnenmarktes als ein Thema von höchster Priorität betrachtet werden“, konstatiert der deutsche und europäische Bauernpräsident. Er macht darüber hinaus deutlich, dass die Nachhaltigkeit, die Bekämpfung des Klimawandels und der Schutz der Artenvielfalt im Eigeninteresse der Landwirte lägen. Zudem sei ein entsprechendes Vorgehen inzwischen in die Betriebsabläufe integriert.
Mit Bezug auf die bereits bekanntgewordenen Maßnahmen und geplanten Einschnitte innerhalb der „From-Farm-to-Fork“-Strategie und Biodiversitätsstrategie appelliert Rukwied: „In diesen unsicheren Zeiten müssen neue Maßnahmen behutsam ausgewählt werden, um die landwirtschaftlichen Betriebe und Genossenschaften nicht zu überfordern und somit zukunftsfähig zu halten.“
Insbesondere ein verpflichtendes Reduktionsziel für Betriebsmittel wie Pflanzenschutz- und Düngemittel sei weder realistisch noch zielführend im Hinblick auf die Qualität der Lebensmittel und die zur Versorgung der Bevölkerung notwendige Menge. Überdies pocht Rukwied darauf, die Lehren aus der Corona-Krise auch in die politischen Strategien der EU einfließen zu lassen. Beide Vorhaben sollten nach Auffassung des COPA-Präsidenten daher frühestens zum Ende des Jahres vorgestellt werden.
Auch die Europäische Volkspartei (EVP) im Europaparlament hatte eine Verschiebung auf einen Termin nach der Sommerpause verlangt. Unterdessen verlautete aus gut informierten Kommissionskreisen, dass die „From-Farm-to-Fork“-Strategie und die Biodiversitätsstrategie unter anderem auf Druck von Timmermans offenbar in der zweiten Maihälfte der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Eine Sprecherin der EU-Kommission kündigte gegenüber AGRA‑EUROPE lediglich an, dass die Vorstellung beider Vorhaben „zeitnah“ erfolgen werde. (AgE)

EMB zieht freiwilligen Lieferverzicht der Privaten Lagerhaltung vor

Für einen freiwilligen Lieferverzicht, aber gegen Beihilfen zur Privaten Lagerhaltung (PLH) von Milchprodukten haben sich die beim European Milk Board (EMB) zusammengeschlossenen Milcherzeuger ausgesprochen. „Die Entscheidung, der Milchkrise mit dem Instrument der Privaten Lagerhaltung zu begegnen und keinen Lieferverzicht auf EU-Ebene zu koordinieren, ist falsch“, erklärte der EMB-Vorsitzende Erwin Schöpges und erteilte damit den gestern von der EU-Kommission vorgestellten Marktmaßnahmen eine klare Absage. Brüssel hatte unter anderem PLH-Beihilfen für Magermilchpulver, Butter und Käse, aber auch für Rind- und Lammfleisch in Aussicht gestellt.
Während der EU-Milchmarkt aktuell wieder überschwemmt werde und die Preise auf Talfahrt seien, könne nur eine EU-weite Reduktion der produzierten Milchmenge Entspannung bringen, so Schöpges. Das Einlagern von bereits verarbeiteten Produkten wie Milchpulver, Butter und Käse würde hingegen den Preisdruck für die Erzeuger nicht verringern, da diese Produkte weiter ein Bestandteil des zu hohen Angebots an Milcherzeugnissen seien.
Schöpges kündigte derweil für diesen Donnerstag Proteste an. Die Milcherzeuger in vielen europäischen Ländern wollten ihrer Enttäuschung über „die aktuelle fehlerhafte Entscheidung“ von Brüssel Ausdruck verleihen. Mit verschiedenen Milchaktionen werde man „mit einem konstruktiven Appell an die EU-Kommission“ auf die sofortige Aktivierung eines EU-weiten freiwilligen Mengenreduktionsprogramms pochen.
Dagegen bezeichnete Bayerns Landwirtschaftsministerin Michela Kaniber die Einlagerungshilfen als „richtigen Schritt“: „Die Förderung der Privaten Lagerhaltung von Milch- und Fleischprodukten durch die EU ist die richtige Antwort auf die momentane Situation.“ Nach Ansicht der CSU-Politikerin kann man mit diesem Instrument schnell Mengen vom Markt nehmen, was sich direkt auf die Preise auswirkt. Das diene der Stabilisierung dieser für Bayern wichtigen Märkte und helfe den Landwirten, so die Erwartung der Ressortchefin. (AgE)

Biomilchmarkt trotz Coronakrise stabil

Der deutsche Naturkostfach- und Lebensmitteleinzelhandel setzt den Großteil der hierzulande erzeugten Biomilch- und Molkereiprodukte um. Diese regionalen Strukturen würden der Biobranche in der Coronakrise helfen. Das erklärt Jan Plagge, Präsident des Bioland e.V.
„Unsere Bauern haben sich mit ihren Molkereien in den letzten Jahrzehnten in ihren Wertschöpfungsketten gut aufgestellt. Dazu gehört auch die flexible Mengensteuerung in vielen Bio-Liefergemeinschaften. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit liefern einige Biomilcherzeuger aktuell weniger als geplant“, sagt Plagge. Eine steigende Nachfrage und das aktuelle knappe Biomilch-Angebot, würden auch weiterhin für eine stabile Erzeugerpreisentwicklung sprechen.
Laut Plagge zeige sich in der aktuellen Situation das Ungleichgewicht am konventionellen Markt. Mit einem Exportanteil von bis zu 50 Prozent stünden besonders internationale Wertschöpfungsketten unter Druck. Die Lieferbetriebe seien großen Abhängigkeiten ausgesetzt und hätten wenig Gestaltungsmöglichkeiten. Damit würden geforderte Umwelt-, Klima-, und Tierschutzstandards vordergründig zu Wettbewerbsnachteilen.
Der Ökolandbau setze daher auf einen Umbau in der Produktion und auf die Entwicklung lokaler Märkte. „Wir müssen jetzt nationale Umweltstrategien, die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik sowie die Farm-to-Fork Strategie und den Green New Deal nutzen und eine schnellere sozial-ökologische Transformation gestalten“, sagt Plagge. Dadurch könne man Krisen vorbeugen und die Landwirtschaft in allen Teilbereichen widerstandsfähig gestalten. (topagrar.com)

Corona: Exportverlust von EU-Milchprodukten in Zahlen

Die weltweite Corona-Pandemie hat zu einem Rückgang bei den Milchexporten der Europäischen Union geführt. Aktuelle Daten der EU-Kommission zeigen, dass der Drittlandsabsatz von Magermilchpulver* im Januar und Februar 2020 gegenüber dem Vorjahr um -23,2% (-39.500 t) auf 131.000 t abnahm. Vor allem die geringeren Lieferungen nach Algerien, China und Indonesien waren hier die Ursache. Zu bedenken ist in diesem Vergleich, dass die Ausfuhrmenge von Magermilchpulver im entsprechenden Vorjahreszeitraum durch die Interventionsauslagerungen ungewöhnlich hoch war – so ist der jetzige Rückgang nicht allein auf Corona zurückzuführen. Der EU-Export von Käse lagen im Januar und Februar mit 194.900 t um -8,0% unter der vergleichbaren Vorjahresperiode. Die von Vollmilchpulver nahmen um -1,9% auf knapp 49.800 t ab. Die von Butter wiederum stiegen um gut ein Drittel auf 42.580 t. Insbesondere Kunden in Saudi-Arabien, Marokko, Ägypten bezogen mehr Butter aus der Gemeinschaft. Die Drittlandsausfuhren von nicht konzentrierter Trinkmilch stiegen um +12,2 % auf 235.000 t. Nach Einschätzung des Verbandes der Milcherzeuger Bayern (VMB) ist für März und April 2020 mit weiteren Exportrückgängen zu rechnen, da Handelsbeschränkungen und Logistikprobleme anhielten. Zudem müsse nach dem Verfall der Rohölpreise mit einer schwächeren Nachfrage in den Förderländern gerechnet werden. (*EU 27 ohne Großbritannien(
(elitemagazin)

Milchpreis: Wieviel bekommt der Landwirt?


In seiner neuesten Grafik zeigt das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL), wieviel Milchbauern für einen Liter Milch bekommen haben.
Demzufolge zahlten im Jahr 2019  deutsche Molkereien im Durchschnitt 33,7 Cent pro Kilogramm konventionell erzeugter Milch an Milchbauern. Dabei entspricht 1 Liter Milch 1,02 bzw. 1,03 Kilogramm. Für Biomilch gab es mit 47,6 Cent rund 40 Prozent mehr. Damit erhielten Bio-Milchviehbetriebe gut einen halben Cent weniger, konventionelle Betriebe knapp einen Cent mehr, als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Gegenüber 2018 war sowohl für konventionell erzeugte Milch (-2 Prozent) als auch für Biomilch (-1,5 Prozent) ein Preisrückgang zu verzeichnen. (topagrar.com)

Bayerische Verbände fordern Milchmengendrosselung statt Lagerhaltung

In Bayern haben der Bund Naturschutz (BN) sowie die Landesverbände der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) in einer gemeinsamen Presseerklärung am 27. April eine verbindliche Regelung zur Produktionsbeschränkung bei der Milch gefordert. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber müsse sich auf Ebene der Europäischen Union für solch eine Maßnahme zu Gunsten der bäuerlichen Betriebe einsetzen, anstatt der Milchindustrie 80 Mio Euro für die Einlagerung von Milchüberschüssen bereitzustellen. „Die Milchmenge muss an den europäischen Bedarf angepasst und weiter reduziert werden“, betonte der BN-Vorsitzende Richard Mergner. Es zeige sich in der Corona-Krise, dass die auf Exportmärkte ausgerichtete landwirtschaftliche Produktion sehr krisenanfällig sei und viele Milcherzeuger von einem existenzbedrohenden Preisverfall bedroht seien. Die Krise sei Mahnung, grundsätzliche Veränderungen für eine nachhaltige Milcherzeugung endlich in Angriff zu nehmen, die ohne Futtersoja aus Übersee oder Palmfett für das Kälberfutter auskomme. Der bayerische BDM-Vorsitzende Manfred Gilch nannte es „volkswirtschaftlich dumm“, Produkte für einen nicht bestehenden Bedarf zu erzeugen und Ressourcen zu verschwenden, um diese dann bezuschusst mit Steuergeldern einzulagern. „Was wir jetzt dringend und eilig brauchen, ist die rechtliche Grundlage für Kriseninstrumente für den EU-Milchmarkt, mit denen die EU-Milchmengen organisiert und zeitlich befristet an die eingebrochene Nachfrage angepasst werden können“, forderte Gilch. Die private Lagerhaltung oder die Intervention diene „nur den Interessen der Spekulanten und Lagerbetreibern, aber nicht denen der Bauern“. Bayerns AbL-Vorsitzender Josef Schmid begrüßte, dass einige Molkereien bereits die Initiative ergriffen und ihre Mitglieder zur Mengendisziplin aufgefordert hätten. „Damit diese freiwilligen Bemühungen nicht erfolglos verpuffen beziehungsweise von unvernünftigen Kollegen unterlaufen werden, ist es jetzt dringend erforderlich, auf EU-Ebene die notwendigen Beschlüsse für verpflichtende Mengenreduzierungen zu fassen“, betonte Schmid. Nach dem Einstieg in die Lagerhaltung müssten weitere Steuergelder, sofern überhaupt verfügbar, mit Verpflichtungen zur Reduzierung der Erzeugung verbunden sein. Diese sollten obligatorisch sein, um einen Milchpreisverfall auf 25 Cent/kg zu verhindern. (AgE)

Nutri-Score als Basis für europäisches System gefordert

In einem offenen Brief haben Europaabgeordnete, Wissenschaftler, Verbände sowie Lebensmittelhersteller und Einzelhandelsunternehmen die Europäische Kommission aufgefordert, die Nährwertkennzeichnung in der Gemeinschaft auf Basis des Nutri-Score zu vereinheitlichen. Da das derzeitige EU-Recht nur eine freiwillige Kennzeichnung vorsehe, könne das volle Potential des Systems nicht genutzt werden, argumentieren die Unterzeichner ihrem in der vergangenen Woche veröffentlichten Brief. Den Absendern zufolge ist es wissenschaftlich belegt, dass der Nutri-Score derzeit die am besten geeignete Kennzeichnung ist, um die Verbraucher beim Vergleich des Nährwerts zweier Produkte zu unterstützen und so gesundheitsförderlichere Kaufentscheidungen zu ermöglichen. Sowohl Regierungen als auch internationale Gesundheitsexperten betrachteten die Nährwertkennzeichnung als Schlüsselmaßnahme bei der Unterstützung der Verbraucher hinsichtlich einer ausgewogenen Ernährung, betonen die Briefschreiber. Die Hälfte der Erwachsenen in der EU leide unter Übergewicht oder Fettleibigkeit, weshalb entschlossenere Maßnahmen zur Eindämmung dieser Gesundheitskrise gefragt seien. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören neben den Europaparlamentarierinnen Biljana Borzan, Michèle Rivasi und Véronique Trillet-Lenoir unter anderem auch der Europäische Dachverband der Verbraucherorganisationen (BEUC) sowie die Einzelhandelsunternehmen Rewe, Lidl, Kaufland, Carrefour Belgien und die Lebensmittelkonzerne Danone und Nestlé. (AgE)

Klimawandel bleibt Topthema

Der Klimawandel bleibt für den Deutschen Bauernverband (DBV) auch während der aktuellen Corona-Krise ein Topthema. „Wir dürfen in unseren Bemühungen, diesen einzudämmen, jetzt nicht nachlassen“, erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied am 28. April zum Abschluss des diesjährigen Petersberger Klimadialogs. Die derzeitige Trockenheit verdeutliche nochmals, dass der Klimawandel eine der größten Herausforderungen der Menschheit sei und die Landwirtschaft besonders betreffe. Es wäre schlichtweg unverantwortlich, den Klimaschutz hintenanzustellen, auch wenn aktuell die Bewältigung der Corona-Pandemie alles überlagere. Die heimischen Bauern produzierten regional erzeugte Lebensmittel und stünden für Versorgungssicherheit, unterstrich Rukwied. Vielen Menschen werde in diesen Wochen erst wieder bewusst; wie wichtig die Rolle der Landwirtschaft sei. Klimaschutz und -anpassung sowie Ernährungssicherheit müssten als gleichwertige Ziele verfolgt werden. „Wir Bauern sind uns unserer Verantwortung für die Umwelt und die Versorgung der Bevölkerung bewusst; beides werden wir in Zukunft leisten“, zeigte sich der Verbandschef sicher. Der Petersberger Klimadialog, der seit Jahren als internationale Klimaschutzkonferenz auf Ministerebene durchgeführt wird, fand dieses Jahr als Videokonferenz statt. Die Teilnehmer unterstrichen, dass der Klimawandel ein akute Bedrohung bleibe und der Neustart der Wirtschaft auch dazu genutzt werden müsse, die nötigen Fortschritte im Klimaschutz zu erreichen. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel begrüßte in ihrer Rede das Ziel, in der Europäischen Union die Treibhausgasemissionen bis 2030 auf 50 % bis 55 % gegenüber dem Niveau von 1990 zu verringern. Bundesumweltministerin Svenja Schulze hob hervor, dass das Leitbild für den wirtschaftlichen Neustart nicht „die alte, sondern eine bessere Welt“ sein müsse.
Zum Auftakt der Konferenz wendete sich eine breite Allianz von 68 Unternehmen – darunter neben der Deutz AG weitere Vertreter des Maschinen- und Fahrzeugbaus sowie zum Beispiel der Schwerindustrie, Chemieindustrie und der Finanzbranche – mit dem Appell an die deutsche Bundesregierung, in der Klimapolitik auf dem Erreichten aufzubauen und die Ausgestaltung und Umsetzung klimapolitischer Maßnahmen konsequent weiterzuführen. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wir fragil das globale Wirtschaftssystem sei. Das mache auch deutlich, wie wichtig es sei, die klimapolitischen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Die „Stiftung 2° – Deutsche Unternehmer für Umweltschutz“ forderte Planungssicherheit für die Betriebe. Sie hätten nämlich bereits begonnen, ihre Geschäftsmodelle klimafreundlich auszurichten.
Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland (DSD) unterstrich die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft sowohl für den Klimaschutz als auch die Sicherung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung. Vergleichsweise verhalten fiel die Reaktion des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) aus. Staatliche Haushalte, Unternehmensbilanzen und private Haushalte hätten künftig einen erheblich reduzierten Spielraum für Investitionen jeder Art. Daher müsse aus dem europäischen Green Deal ein Smart Deal werden, in dem über ein intelligentes Investitions- und Entlastungspaket Wachstum, Beschäftigung und ehrgeizige Klimaschutzziele maximal effizient verknüpft würden. (AgE)

Agrarpolitiker unzufrieden über Maßnahmen für Käse- und Weinproduzenten

Das von der Europäischen Kommission geschnürte Maßnahmenpaket zur Unterstützung der EU-Agrarmärkte in der Corona-Krise stößt bei den Mitgliedern des Landwirtschaftsausschusses vom Europaparlament auf Kritik. Unzufriedenheit soll es bei der Mehrheit der Agrarsprecher der Fraktionen vor allem mit den Plänen zur Unterstützungu. a.  der Käseerzeuger geben. Die Koordinatoren stellten sich in der vergangenen Woche hinter ein Schreiben der französischen EU-Abgeordneten Anne Sander von der Europäischen Volkspartei (EVP) an EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski. Der Pole bekam damit bereits einen ersten Vorgeschmack auf die für den 7. Mai geplante Videokonferenz mit dem Landwirtschaftsausschuss, bei der die bisher auf den Weg gebrachten Corona-Hilfen für die Landwirte zur Sprache kommen sollen. „Starke Vorbehalte“ soll es unter anderem an der Ausgestaltung der Beihilfen für die Private Lagerhaltung (PLH) von Käse geben. Dazu hatte es aus gut informierten Kreisen geheißen, dass die Einlagerungshilfen für Käse innerhalb der Kommission zunächst noch auf der Kippe gestanden hätten. Die EU-Agrarpolitiker fordern, dass den Mitgliedstaaten ermöglicht werden solle, die Unterstützung für die fragilsten und von der Krise am stärksten betroffenen Branchen zu priorisieren. Überdies wird darauf gepocht, Käse in allen Reifestadien – inklusive des Käsebruchs – einlagern zu dürfen und nicht nur bereits fertiggestellte Produkte. Des Weiteren wird darauf gedrängt, die minimale Lagerdauer – die laut Kommission bei mindestens 90 Tagen liegen soll – je nach Käsesorte flexibler zu gestalten. (AgE)

USA nimmt EU-Ursprungsbezeichnungen unter Beschuss

In dem am 29. April erschienen jährlichen Sonderbericht 301 des US-Handelsbeauftragten (USTR) Robert Lighthizer wird die Europäische Union scharf für ihr System der geographischen Ursprungskennzeichnung kritisiert. Dieses verwehre ausländischen Anbietern mit gleichwertigen Produkten den Marktzutritt, heißt es in dem Papier. Im Milchbereich betreffe dass beispielsweise Parmesan oder Feta und viele andere Käsesorten. Dabei habe die EU tausende Produkte begrifflich geschützt und es kämen immer mehr hinzu. Diese könnten nur von EU-Herstellern benutzt werden, während Produzenten in anderen Ländern ausgeschlossen würden, obwohl auch sie seit Jahrzehnten Gorgonzola oder Parmesan herstellten. Nicht zu verstehen sei auch, warum beispielsweise Dänemark und Frankreich geschützte Ursprungsbezeichnungen anderer Länder verwendeten und beispielsweise Feta produzierten und diesen auch außerhalb der EU vermarkten würden, moniert Lighthizer. Das System der geschützten Herkunfs- und Produktbezeichnungen sei „besorgniserregend“ und trage zur Asymmetrie im Agrarhandel bei. So exportiere die EU Käse im Wert von rund 1 Mrd $ (922 Mio Euro) in die USA, importiere aber nur für 3,6 Mio $ (3,3 Mio Euro) Käse von dort. Der Handelsbeauftragte kritisiert zudem, dass die EU ihr System geschützter geographischer Angaben auch in Handelsvereinbarungen und in multilateralen Gremien durchsetzen und damit ihre rechtliche Absicherung zementiere wolle. Beispielhaft werden die Verhandlungen zur Genfer Akte des Lissabonner Abkommens über den Schutz der Ursprungsbezeichnungen bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) genannt.
Die US-amerikanische Milchindustrie begrüßte, dass der USTR die protektionistische Handelspolitik der EU in seinem Bericht entschieden kritisiert habe. Der Dairy Export Council (USDEC) und die National Milk Producers Federation (NMPF) stimmten mit den Feststellungen überein, dass die EU ein komplexes Regime von Handelshemmnissen errichtet habe, die die Chancen für US-Exporte nach Europa beeinträchtigten. Darüber hinaus habe die Staatengemeinschaft aggressiv versucht, die US-Exporte auf den Weltmärkten einzuschränken, indem sie den Schutz geografischer Angaben als Waffe eingesetzt habe, um US-Lieferanten weltweit gebräuchliche Namen für die Vermarktung von Käse wie Fontina, Gorgonzola, Asiago und Feta zu untersagen. „Die USTR hat Europa zu Recht für die zerstörerische und unfaire Kampagne gegen in Amerika hergestellte Milchexporte und insbesondere gegen die hochwertigen Käsesorten zurechtgewiesen“, erklärte USDEC-Präsident Tom Vilsack. Dieser Missstand dürfe in zukünftigen Handelsvereinbarungen nicht unberücksichtigt bleiben. NMPF-Präsident Jim Mulhern warf der EU vor, Konkurrenten durch Ursprungsbezeichnungen zu blockieren, anstatt auf Augenhöhe im Wettbewerb zu bestehen. „Das ist inakzeptabel und schadet der amerikanischen Milchindustrie, den Landwirten und den ländlichen Gemeinden“, betonte Mulhern. Die US-Milchindustrie unterstützte voll und ganz die Bemühungen der USTR, sich der EU-Politik zur Behinderung des Handels und des Wettbewerbs entgegenzustellen und solche Hemmnisse abzubauen (Umrechnungskurs 1 $ = 0,9215 Euro). (AgE)

Landwirte für LfL-Umfrage zur Digitalisierung in der Milcherzeugung gesucht

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sucht für eine Umfrage im Rahmen ihres Projektes „DigiMilch“ Landwirte, die bereits erste digitale Erfahrungen im Bereich Wirtschaftsdüngermanagement und sensorgestützte Ertragsermittlung gemacht haben. In dem vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderten Forschungsvorhaben sollen die Verbreitung und die Einsatzerfahrungen der Landwirte anonym erfasst und anschließend die Vernetzung geeigneter Digitaltechniken gefördert werden. Die Digitalisierung hilft dem LfL zufolge den Landwirten bereits jetzt, bedarfsgerecht und umweltschonend zu düngen und die genauen Erträge der einzelnen Schläge zu kennen. So lasse sich mit NIRS-Sensoren am Güllefass der Nährstoffgehalt der vorbeifließenden Wirtschaftsdünger genau messen, während bei der Ernte Sensoren in der Lage seien, die Ertragsmengen aufzuzeichnen. Doch ob diese Methoden wirklich flächendeckend von den Bauern genutzt würden oder die digitalen Helfer nur bei wenigen Technologiefans im Einsatz seien, solle nun mit der Umfrage geklärt werden. Der Fokus liege dabei auf den Bereichen Wirtschaftsdüngermanagement und sensorgestützte Ertragsermittlung. Laut LfL sind neben der technischen Ausstattung vor allem die praktischen Anwendungserfahrungen von großem Interesse. So könne das DigiMilch-Team erkennen, wo die Probleme in der Praxis liegen, wenn digitale Lösungen eingesetzt werden. Mit diesem nutzerzentrierten Ansatz will die Landesanstalt nach eigenen Angaben zusammen mit den beteiligten Industriepartnern effiziente Lösungen für die Zukunft entwickeln. Das Experimentierfeld DigiMilch ist dabei eines von 14 Bereichen zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft. (www.lfl.bayern.de/digimilch) (AgE )

Biomilchmarkt in Corona-Zeiten recht stabil


Die in Deutschland erzeugten Molkereiprodukte unter den Zeichen der Ökoverbände werden hierzulande meist über den Naturkostfach- und Lebensmitteleinzelhandel vertrieben und verzeichnen auch in Corona-Zeiten keinen Absatzeinbruch. „Die Biobranche zehrt in dieser Krise von ihren nachhaltigen und weitgehend regionalen Strukturen“, erklärte der Präsident des Anbauverbandes Bioland, Jan Plagge, am 23. April in Mainz. Es zeige sich, dass auch in der derzeitigen Situation die Nachfrage nach heimischen Bioprodukten weiter zunehme. Die Ökobauern hätten sich mit ihren Molkereien während der vergangenen Jahrzehnte in ihren Wertschöpfungsketten gut aufgestellt, wozu auch die flexible Mengensteuerung in vielen Liefergemeinschaften gehöre. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit würden einige Biomilcherzeuger aktuell weniger Rohstoff als geplant anliefern. „Durch die steigende Nachfrage und das derzeit knappe Biomilchangebot der heimischen Lieferanten spricht auch weiterhin alles für eine stabile Erzeugerpreisentwicklung“, so Plagge. Am konventionellen Markt offenbart sich ihm zufolge in der aktuellen Situation jedoch erneut ein Ungleichgewicht, da viel Ware international abgesetzt wird. „Mit einem Exportanteil von bis zu 50 Prozent stehen diese Wertschöpfungsketten besonders unter Druck“, stellte der Bioland-Präsident fest. Um die Landwirtschaft der Zukunft zu gestalten, brauche es stabilere und nachhaltigere Systeme. Setzte man auf kostenoptimierte Rohstoffproduktion für internationale Märkte, seien Chancen und Risiken für Gewinne und Verluste deutlich höher als in regionalen Wirtschaftskreisläufen. Die einzelnen Lieferbetriebe seien nämlich großen Abhängigkeiten ausgesetzt und hätten wenig eigene Gestaltungsmöglichkeiten. Der Ökolandbau setzte deshalb auf einen Umbau sowohl in der Produktion als auch im Hinblick auf lokale Märkte. Damit faire, kostendeckende Preise zu erwirtschaften seien, müsse auf allen Ebenen ein Umdenken stattfinden, fordert Plagge. Es sollten jetzt nationale Umweltstrategien, die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) sowie die Farm-to-Fork-Strategie und der Green Deal genutzt werden, um eine schnellere sozial-ökologische Transformation zu gestalten. Nur so könne künftigen Krisen vorgebeugt und die Landwirtschaft in all ihren Facetten resilienter gestaltet werden. (AgE)