|
An vier Tagen präsentierten gut 2500 Aussteller aus mehr als 85 Ländern von allen Kontinenten in Nürnberg (Bayern) Bioprodukte sowie Dienstleistungen für den Biosektor. Mit 103 Anbietern war Österreich nach Deutschland, Italien, Spanien und den Niederlanden die fünftgrößte Ausstellernation bei der "BioFach"-Messe 2011. Die Alpenrepublik ist auf dem europäischen Biomarkt im Vergleich zur Größe des Landes überproportional stark vertreten. Vor allem auf dem Hauptexportmarkt Deutschland sieht Europas größter Biobauernverband, Bio Austria, noch ein großes Marktpotenzial. Handelt es sich dabei doch um den größten Markt für Biolebensmittel in der EU. 2010 dürften dort aktuellen Schätzungen zufolge Bioprodukte im Wert von rund 6,1 Mrd. Euro verkauft worden sein. Etwa die Hälfte des Biobedarfs wird mangels ausreichender Eigenproduktion durch Importe gedeckt. Österreichische Bioprodukte haben in Deutschland einen sehr guten Ruf, vor allem wenn es um Regionalität als Einkaufsmotiv geht, bestätigt Jens Schinnerling, Einkaufsleiter der Denree GmbH, eines führenden Biohandelsunternehmens in Deutschland und Österreich und ergänzt: "Da ist noch Potenzial vorhanden" – nicht nur aufgrund des jüngsten Dioxinskandals in Deutschland, der die Nachfrage nach Bioprodukten zumindest vorübergehend stark beflügelt hat. "Den Bonus, den österreichische Bioprodukte in Deutschland genießen, wollen wir weiter ausbauen", sagt Hubert Zamut, Leiter des Geschäftsfeldes Markt bei Bio Austria. Nach dem erfolgreichen Start 2010 in Hamburg sollen nach und nach auch in anderen Ballungszentren im Nachbarland gemeinsam mit Agrarmarkt Austria Marketing große Präsentationen österreichischer Bioprodukte für den Lebensmittelhandel durchgeführt werden. Für 2012 werden ähnliche Veranstaltungen auch für andere europäische Hauptstädte angedacht. Die in Österreich wie in anderen Industrieländern wachsende Nachfrage nach Bioprodukten stimmt Biobauernvertreter und Lebensmittelverarbeiter, die auf Biowaren setzen, zuversichtlich. Der Obmann von Bio Austria, Rudi Vierbauch, sieht gute Chancen für eine Ausweitung der Bioproduktion durch neue Biobauern in Österreich. 2010 bewirtschafteten hierzulande 16,2 Prozent der Biobetriebe 19,4 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Vierbauch weist auf den überdurchschnittlichen Anteil an Vollerwerbsbetrieben unter den Biobauern hin. Vorrang hat in Vierbauchs Augen zurzeit aber der weitere Ausbau des Marktes durch Unternehmen, die "voll und aus Überzeugung" auf die Verarbeitung und Vermarktung von Bioprodukten setzen. Die meisten österreichischen Aussteller bei der Weltleitmesse der Biobranche – 44.000 Besucher aus aller Welt, darunter 25.000 Facheinkäufer – versprühten, was die weitere Entwicklung des Biomarktes betrifft, Optimismus. Die Liste der rot-weiß-roten Teilnehmer reichte vom Frucht-, Kartoffel- und Zuckerrübenverarbeiter Agrana bis zur steirischen Schokolademanufaktur Zotter, alphabetisch "dazwischen" – auszugsweise – Molkereiunternehmen wie Ennstal Milch oder Pinzgau Milch (mit ihrer gemeinsamen neuen Exportmarke BioAlm) oder Kärntnermilch, die Spezialölmühle Stöger, die Rannersdorfer Biomühle, Erdäpfelbauer Niedermayer (alle drei aus NÖ), BioAlpin mit Milchprodukten, Obst, Gemüse der Marke "Bio vom Berg" aus Tirol, Mühlviertler Alm Biofleisch (OÖ), "Von Herzen Bio" (Obst, Stmk.) oder mehrere Weingüter, wie etwa Michlits aus dem Burgenland oder Jurtschitsch aus Niederösterreich. Bei den erstmals von der BioFach vergebenen "Best New Product Awards" wurde auch eine Honig "Bio Selection" der Salzbuger Firma Honigmayr ausgezeichnet. Ob sich die Messeteilnahme letztlich gelohnt hat, lässt sich oft erst nach Monaten sagen. "Manchmal", schildert ein Aussteller der BauernZeitung, "kommt es vor, dass erst nach einem halben Jahr das Telefon läutet und ein Einkäufer anruft, dann aber prompt bedient werden will." (Österreichische Bauernzeitung)
|