Spotmilchpreise stabil bis leicht geringer

Die EU Milchmarktbeobachtungsstelle teilte zuletzt zum 22. September 2019 einen stabilen Verlauf für die Spotmilchpreise in Italien mit, diese halten sich wie in der Vorwoche bei 46,0 €/100 kg Milch (3,6% Fett). Die Milchmarktexperten der niederländischen Trigona Dairy Trade teilten zum 27.09.2019 eine etwas schwächere, von der DCA Groep ermittelte, Notierung für freie Milch in den Niederlanden mit, diese verringerte sich um 1,0 € auf 36,0 €/100 kg Rohmilch (4,4% Fett). In Deutschland wurde, den Informationen der Molkerei Industrie nach, Versandmilch mit einem Fettgehalt von 3,7% in der letzten Septemberwoche in einer Spanne von 38,93 € (Süd) bis 34,73 € (Nord) pro 100 kg Rohmilch gehandelt. (elite-magazine)

BDM erneuert Forderung nach Leitplanken für auskömmliche Milcherzeugung

Eine „grundsätzliche Richtungsdiskussion“ für eine zukunftsfähige Milcherzeugung hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) gefordert. Wie der Verband am Rande der Agrarministerkonferenz (AMK) am 27. September in Mainz deutlich machte, müssen dafür sowohl die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) als auch die Gemeinsame Marktordnung (GMO) weiterentwickelt werden. Eine Schlüsselfunktion für die Erreichung der zunehmend umweltpolitischen Ziele der GAP nimmt für den BDM das Einkommen der Landwirte ein. Solange die Direktzahlungen ganz überwiegend eine Ausgleichsfunktion hätten und damit eine existenziell notwendige Einkommenskomponente darstellten, seien die Möglichkeiten echter Politikgestaltung relativ begrenzt, erläuterte der BDM-Vorsitzende Stefan Mann. Die GMO müsse daher so ausgestaltet werden, dass sich die Betriebe wirtschaftlich nachhaltig aus den Verkaufserlösen ihrer Produkte weiterentwickeln könnten. Nur so hätten Politik und Landwirte die nötige – auch finanzielle – „Beinfreiheit“ für eine sinnvolle Ausgestaltung und Umsetzung der GAP-Ziele, erläuterte Mann. Erst wenn die Agrargelder nicht mehr im Wesentlichen zur Einkommensstützung verwendet werden müssten, könnten sie mit mehr Wirkungskraft für die Erreichung wichtiger gesellschaftlicher Ziele eingesetzt werden. Laut Darstellung des BDM-Vorsitzenden werden die Fördergelder aktuell jedoch schrittweise mit höheren Anforderungen und damit höheren Kosten verknüpft, ohne gleichzeitig über die grundlegenden Möglichkeiten der Marktausrichtung nachzudenken, die den Bauern ein mindestens kostendeckendes Wirtschaften ermöglichten. In einer Situation, in der die Milchviehhalter dauerhaft rund 10 Cent pro Liter Milch von einer Kostendeckung entfernt seien, bedeute damit jede weitere Anforderung einen zusätzlichen Substanzverlust, warnte Mann. Es sei fatal, wenn man den Landwirten einerseits eine Schlüsselrolle für Klima-, Arten- und Naturschutz zuweise, sie aber nicht gleichzeitig für diese Anforderungen stärke. (AgE)

LVN startet „My KuhTubeKids“

HANNOVER. Ihr Informationsangebot rund um die heimische Milchproduktion hat die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen (LVN) jetzt um Filme speziell für Kinder ergänzt. Unter www.mykuhtube-kids.de können sich Kinder, Lehrer und Interessierte neue, jeweils etwa fünf Minuten dauernde Filme zu Themen rund um den Milchviehbetrieb anschauen. Geboten werden beispielsweise Informationen zum Leben der Kühe, zur Kälberaufzucht und zum Melken. Ziel ist es laut LVN-Geschäftsführerin Kristine Kindler, auch Kindern ein „realistisches Bild der heutigen Landwirtschaft näherzubringen“. Mit dem Angebot richtet sich die LVN nach eigenen Angaben auch an Mädchen und Jungen, die vielleicht noch nie einen Bauernhof gesehen und nicht die Möglichkeit haben, einen zu besuchen. Lehrer könnten die Videos im Unterricht einbinden und zu jedem Film das kostenlose Begleitmaterial nutzen. In den kommenden Monaten würden außerdem weitere Filme eingestellt. „My KuhTubeKids“ basiert auf dem Format „My KuhTube“, das erwachsenen Zuschauern seit sechs Jahren Einblicke in die Milchviehhaltung bietet. Laut Zahlen der LVN sind aktuell 18 „My KuhTube“-Landwirte mit ihren Kameras unterwegs. Insgesamt produziert worden seien bislang mehr als 600 Filme. (www.mykuhtube.de) (AgE)

Kaniber: EU-Schulmilchprogramm eine „echte Erfolgsgeschichte“

Als „echte Erfolgsgeschichte“ hat Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber das EU-Schulmilchprogramm im Freistaat gelobt. Landesweit bekämen aktuell mehr als 270 000 Kinder wöchentlich eine Lieferung von Milch, Quark, Joghurt, Käse oder Buttermilch, berichtete die Ministerin zum Weltmilchtag am 25. September). Bei mehr als 60 % der insgesamt ausgelieferten Milchprodukte handele es sich um Trinkmilch. Diese sei bei den Jungen und Mädchen besonders beliebt. Im ganzen Land nähmen mehr als 2 400 Schulen an dem Programm teil. Fast drei Viertel davon hätten sich für Bioware entschieden. Vom Freistaat gefördert werden der Ministerin zufolge nur reine Milchprodukte ohne Zuckerzusatz. Milchprodukte seien eine ideale Pausenmahlzeit, weil sie leicht verdaulich seien und schnell Energie lieferten. Das enthaltene Kalzium unterstütze das Knochenwachstum. Daneben sei das Programm aber auch deshalb wichtig, weil es dafür sorge, dass Schüler auf den Geschmack von Milch und gesunder Ernährung kämen. Die Bedeutung der Schulverpflegung für die Ernährungsbildung wurde auch auf der Fachtagung „Schulessen besser machen – nachhaltig und professionell“ unterstrichen, die das Nationale Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (NQZ) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung (KNB) am 23. September in Bonn ausrichteten. Wie BLE-Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden mitteilte, widmet die BLE der Wertschätzung von Lebensmitteln in der Gemeinschaftsverpflegung an Schulen vermehrt ihre Aufmerksamkeit. Für die Vergabestellen sei es aber oft eine Herausforderung, Nachhaltigkeitsaspekte im konkreten Fall zu berücksichtigen und gleichzeitig wirtschaftlichen Belangen Rechnung zu tragen. (AgE)

Fonterra generiert Geld für Schuldenabbau

Der neuseeländische Molkereikonzern Fonterra hat eine weitere Unternehmensbeteiligung veräußert, um mit den Einnahmen seinen hohen Schuldenstand zu drücken. Wie das genossenschaftliche Unternehmen am 25. September mitteilte, wurde nun sein Anteil von 50 % an DFE Pharma, einem Joint Venture mit Royal FrieslandCampina, für 633 Mio NZ$ (362 Mio Euro) an den Investmentfonds CVC Strategic Opportunities II verkauft. „Vor einem Jahr haben wir eine umfassende Portfolioüberprüfung gestartet, um alle Investitionen, wichtige Vermögenswerte und Partnerschaften neu zu bewerten. DFE Pharma wurde aufgrund des erheblichen Kapitalbedarfs für das künftige Wachstum als zum Verkauf bestimmt eingestuft“, erklärte Fonterra-Geschäftsführer Miles Hurrell. DFE Pharma ist ein international tätiges Unternehmen, das auf die Herstellung pharmazeutischer Hilfsstoffe auf Basis von Milchinhaltsstoffen spezialisiert ist und über Produktionsstandorte in den Niederlanden, Deutschland, Neuseeland und Indien verfügt. Laut Hurrell werden durch die Einnahmen aus diesem Verkauf sowie die Erlöse aus anderen Veräußerungen von Vermögenswerten – einschließlich des Eiscremeunternehmens „Tip Top“ – in diesem Jahr mehr als 1 Mrd NZ$ (572 Mio Euro) für den Schuldenabbau zur Verfügung stehen. Laut Geschäftsbericht beliefen sich die Gesamtverbindlichkeiten bei Fonterra am 31. Juli 2018 auf 11,67 Mrd NZ$ (6,68 Mrd Euro). „Wir haben uns ein hartes erstes Ziel für den Schuldenabbau gesetzt und sind mit den Fortschritten, die wir machen, zufrieden“, betonte Hurrell. Bei DFE Pharma sei ein guter Verkaufspreis erzielt und mit dem Käufer ein langfristiger Liefervertrag abgeschlossen worden. „Ein großer Teil des Erfolgs von DFE Pharma war die hochwertige Laktose, die vom Fonterra-Standort Kapuni in Taranaki hergestellt wurde. Es ist ein gutes Ergebnis, diese weiterhin liefern zu können“, hob Hurrell hervor. Das Molkereiunternehmen wies aber darauf hin, dass der Verkauf noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden stehe (Umrechnungskurs: 1NZ$ = 0,5722 Euro). (AgE)

MIV-Geschäftsbericht 2018/19 erschienen

Der Milchindustrie-Verband (MIV) hat seinen Geschäftsbericht 2018/19 veröffentlicht. Mit diesem soll dem Verband zufolge Einblick in die vielfältigen Aufgaben und Tätigkeiten der Geschäftsstelle gegeben werden. Neben der Entwicklung am Milchmarkt wird in dem Bericht auch auf aktuelle politische Themen wie den Brexit, Freihandelsabkommen, die bevorstehende EU-Agrarreform oder die Lebensmittelkennzeichnung eingegangen. Auch Fragen der Nachhaltigkeit, des Tierschutzes und der Kommunikation mit den Verbrauchern und Stakeholdern haben ihren Platz in dem Tätigkeitsbericht. Wie in den Vorjahren stellt der MIV in einem Begleitteil darüber hinaus sehr ausführlich statistische Daten zum nationalen und internationalen Milchmarkt zur Verfügung. Diese beziehen sich auf die Produktion, den Verbrauch, die Preise oder den Außenhandel, wobei die Zeitreihen bis zum Jahr 2018 reichen. Der Geschäftsbericht des MIV kann auf der Verbandsseite kostenlos als E-Paper angesehen oder als PDF-Dokument heruntergeladen werden. (AgE )

Preise für Milchpulver und Molkenpulver vom 25. September

Bei den zuletzt kühleren Temperaturen hat sich die Milchanlieferung in Deutschland etwas erholt. Laut Schnellberichterstattung der ZMB erfassten die Molkereien in der 37. Woche entgegen der üblichen saisonalen Entwicklung 1,0 % mehr Milch als in der Vorwoche. Die Vorjahreslinie wurde damit um 0,8 % überschritten. In Frankreich wurde das Vorjahresniveau gleichzeitig etwas stärker um 1,8 % übertroffen.
Am Spotmarkt ist teilweise eine Preiskorrektur zu beobachten. Die Preise für Magermilchkonzentrat und Industrierahm haben bei verbesserter Verfügbarkeit zuletzt etwas nachgegeben. Sie stellen aber weiter eine gute Verwertung dar. Für Rohmilch werden weiterhin attraktive Preise geboten.
Am Markt für Magermilchpulver wird von einer weiteren Belebung der Nachfrage berichtet, insbesondere für das vierte Quartal 2019. Bei den Käufern scheint noch mehr Deckungsbedarf für die restlichen Monate des Jahres zu bestehen als ursprünglich erwartet. Demgegenüber steht ein geringes Angebot, denn die Werke haben ihre Produktionsmengen bereits zu einem hohen Anteil kontrahiert.
Bestehende Kontrakte werden zügig abgerufen. Für das erste Quartal 2020 werden weiter Gespräche geführt. Abschlüsse kommen derzeit aber nur wenige zu Stande. Das Verkaufsverhalten ist überwiegend abwartend. Zunächst wird offensichtlich die Preisentwicklung weiter beobachtet. Für den Export auf den Weltmarkt ist EU-Ware auch bei der festeren Preistendenz anhaltend gefragt.
Die Preise für Lebensmittelware haben sich erneut fester entwickelt. Auch die Preise für Futtermittelware tendieren weiterhin fester, wenngleich die Versorgung vor allem über Ware aus den Interventionsbeständen erfolgt.
Der Markt für Vollmilchpulver bewegt sich weiterhin in ruhigen Bahnen. Geschäfte finden überwiegend auf dem EU-Binnenmarkt statt. Am Weltmarkt ist EU-Ware nach wie vor nur begrenzt konkurrenzfähig. Die Preise bewegen sich stabil auf dem Niveau der Vorwoche.
Molkenpulver in Lebensmittelqualität wird für das vierte Quartal bei festeren Preisen rege nachgefragt. Futtermittelware wird als ruhig bei stabilen Preisen eingeschätzt. (Süddeutsche Butter- und Käse-Börse e.V. Kempten (Allgäu)/proplanta)

EMB pocht weiterhin auf Kriseninstrument für den Milchmarkt

Das European Milk Board (EMB) hat seine Forderung nach einem Kriseninstrument für die europäische Milchpolitik erneuert. Gebraucht werde ein Instrument wie das von ihm vorgeschlagene Marktverantwortungsprogramm (MVP), erklärte das EMB am 16. September anlässlich der belgischen und französischen Veranstaltungen zur Erinnerung an die europäischen Milchstreiks der Jahre 2008 und 2009. Preiseinbrüche müssten unterbunden werden, so dass die Milchproduktion nicht weiter mit einem „schmerzhaften Verlustgeschäft“ gleichgesetzt werden müsse und die Landwirtschaft insbesondere auch der Jugend wieder eine Perspektive bieten könne. Laut EMB sind in den vergangenen elf Jahren im Milchsektor zwar Anstrengungen zur Verbesserung der Situation unternommen worden. Trotzdem sei immer noch sichtbar, was passiere, wenn unzureichend reagiert werde. Nach wie vor gebe es bei der Milch drastische Preiseinbrüche. Familienbetriebe verschwänden zunehmend, obwohl sozial- und klimapolitisch eindeutig klar sei, wie wichtig diese Familienstrukturen seien. Das MVP ist den Verbandsangaben zufolge ein Instrument für den europäischen Milchsektor, das Marktungleichgewichte verhindern soll. Eine Kombination aus Marktbeobachtung und -reaktion ermögliche es, drohende Krisen zu erkennen und mit einem mehrstufigen Programm zu reagieren, um eine gravierende Kostenunterdeckung zu verhindern. Konkret sieht das vom EMB vorgeschlagene Modell vor, die Milchmenge in einer Krise temporär so anzupassen, dass sich die einbrechenden Milchpreise erholen können. Flexibel an die Marktlage abgestimmt, könnten dann verschiedene Stufen, wie beispielsweise ein freiwilliger Lieferverzicht, aktiviert werden. Nach Überzeugung des Verbandes könnte ein solches Marktverantwortungsprogramm Wertschöpfungsverluste verhindern, die die Erzeuger ansonsten massiv schwächen würden. (AgE)

Proteste in Schweden gegen Anti-Milch-Aufruf eines Unternehmens

In Schweden hat sich der Haferdrink-Anbieter Oatly mit einer neuen Marketingkampagne den Zorn sowohl von Milch- als auch Ackerbauern zugezogen. Medienberichten zufolge wirbt der Hersteller von veganen Haferprodukten aktuell mit dem Slogan „Spola Mjölken“, was sich sinngemäß mit „Kipp´ die Milch weg“ übersetzen lässt. Das Unternehmen verweist in seiner Werbung auf die angeblichen Vorteile von Haferdrinks für den Klimaschutz. So werde beim Anbau von Hafer in Schweden nur ein Viertel der Treibhausgasemissionen freigesetzt wie bei der Kuhmilcherzeugung, so Oatly unter anderem mit Bezug auf Berechnungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und des Unternehmens Carbon Cloud. Nach Darstellung des Unternehmens wäre es daher nachhaltiger, Kuhmilch durch das vegane Hafer-Pendant zu ersetzen. Oatly nimmt dabei nach Einschätzung verschiedener Medien auch Anleihen an einer schwedischen Kampagne aus den 70er und 80er Jahren, als verschiedene Organisationen unter dem Motto „Spola Kröken“ für weniger Alkoholkonsum geworben hatten. Milcherzeuger sehen sich dadurch ungerechtfertigt unter Druck gesetzt und weisen nicht zuletzt die Gleichsetzung von Milch und Alkohol zurück. Kritik kommt aber auch von den Ackerbauern, die Oatly vorwerfen, Landwirte für eine Werbekampagne als Sündenbock zu missbrauchen. Etliche Haferproduzenten wollen das Unternehmen daher jetzt boykottieren. Der Vorsitzende des Verbandes der schwedischen Getreideerzeuger, Johan Karlzén, warnte davor, die Landwirte auseinanderzudividieren und rief Oatly dazu auf, die Kampagne einzustellen. Ein Boykott wäre nach seiner Auffassung hingegen der falsche Weg, da die Firma die Angebotslücke einfach durch Haferimporte schließen würde.( AgE)

Zweifel an der Nachhaltigkeit erhöhter Produktionsstandards

Zweifel an der Nachhaltigkeit von erhöhten Produktionsstandards in der Landwirtschaft und Maßnahmen wie einem Fleischverzicht hat der Agrarökonom Prof. Michael Schmitz von der Universität Gießen. Verlusten in Milliardenhöhe beim Erzeugereinkommen und bei der volkswirtschaftlichen Wohlfahrt stünden nur marginale Gewinne bei Umwelt, Klima und der Welternährung gegenüber, warnte Schmitz auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ) und der Gesellschaft für Tierzuchtwissenschaften (GfT), die Mitte September in Gießen stattfand. Seine Untersuchungen belegten eine extrem schlechte Kosten-Nutzen-Bilanz verschiedener Maßnahmen, wie beispielsweise der Halbierung der Fleisch- und Milchproduktion in Europa, erklärte Schmitz. Er setzt vielmehr auf den technischen Fortschritt und die Innovationskraft der Landwirte, um Umweltziele bei gleichbleibendem Wohlstand zu erreichen (AgE 7/19, Länderberichte 1). Jeanette Huber von der Zukunftsinstitut GmbH in Frankfurt lenkte den Blick auf aktuelle Food Trends und spannte einen weiten Bogen über Mammutjäger bis hin zur aktuellen Klimadebatte. Huber zeigte sich überzeugt, dass die Ära der fleischdominanten Esskultur zu Ende gehe. Treiber dieser Entwicklung seien das wachsende Gesundheitsbewusstsein der Gesellschaft sowie der Wunsch nach mehr Tierwohl und mehr Umweltschutz. Für die Landwirtschaft bedeuteten diese Veränderungen aber auch Chancen, die genutzt werden könnten. Generell gelte es, der Natur mehr Wertschätzung entgegenzubringen, so Huber. Dr. Anke Römer von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern stellte die Ergebnisse der Projektgruppe „Zukunft Milchkuh“ vor, die sich unter Federführung der DGfZ mit Innovationen in der Zucht und Haltung von Milchkühen beschäftigt. Dr. Johannes Simons von der Universität Bonn und Mitarbeiter beim Forschungsprojekt „SocialLab – Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft“, sieht die Rolle des Verbrauchers und einen möglichen Wandel im Konsumverhalten, insbesondere der Ernährungsweise, ausgesprochen kritisch. Eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung neuer Trends, Produktionsweisen und Produkte spielten nicht nur die Gesellschaft und die Akteure der Landwirtschaft, sondern insbesondere der Handel. (AgE)

Österreich: Fast 500 000 Tonnen Trinkmilch exportiert

Der aktuellen Versorgungsbilanzen der Statistik Austria zufolge wurden von Österreichs Landwirten wurden im vergangenen Jahr insgesamt 4,91 Mio t an tierischen Lebensmitteln produziert; gegenüber 2017 war das ein Rückgang um 3 %. Von der Gesamtmenge entfielen allein 3,86 Mio t auf Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch. Für die Ernährung standen den heimischen Verbrauchern 752 700 t Trinkmilch einschließlich Joghurt und Sauermilchgetränke bereit, außerdem 201 500 t Käse und 48 900 t Butter. Der Selbstversorgungsgrad erreichte für Trinkmilch einschließlich Joghurt 164 % sowie für Käse einschließlich Schmelzkäse 115 %. Nicht zur Gänze aus heimischer Erzeugung konnte der Bedarf an Eiern, Butter und Geflügelfleisch gedeckt werden. Der Selbstversorgungsgrad für Eier erreichte nur 86 %; bei Butter waren es 72 % und bei Geflügelfleisch 72 %. Den mittleren Pro-Kopf-Verbrauch beziffern die Statistiker auf 85,2 kg bei Milch, 22,8 kg bei Käse und 5,5 kg bei Butter. Importiert wurden im vergangenen Jahr 57 300 t Trinkmilch und 121 000 t Käse. Im Gegenzug führte das Alpenland 498 100 t Trinkmilch und 151 600 t Käse aus.

Preise für Milchpulver und Molkenpulver vom 18. September

Anfang September setzte sich in Deutschland der saisonale Rückgang der Milchanlieferung fort. Nach dem Ende der Hitzewelle von Ende August ist keine Erholung, sondern lediglich eine Abschwächung des Rückgangs eingetreten. Die Molkereien erfassten in der 36. Woche laut Schnellberichterstattung der ZMB 0,6 % weniger Milch als in der Vorwoche. Damit wurde die Vorjahreslinie um 1,1 % unterschritten. In Frankreich bewegte sich die Milchanlieferung zuletzt auf Vorwochenniveau und war um 0,7 % umfangreicher als in der Vorjahreswoche.
In der zweiten Septemberwoche sind die Preise am Rohstoffmarkt erneut gestiegen. Nach der Monatsmitte haben sich die Preise für Industrierahm bei etwas verbessertem Angebot auf hohem Niveau stabilisiert, auch wenn die absoluten Höchstwerte nicht mehr anzutreffen sind. Magermilchkonzentrat erzielt bei anhaltend geringem Angebot unverändert feste Preise. Versandmilch stellt weiter eine attraktive Verwertung dar.
Am Markt für Magermilchpulver wird die Nachfrage überwiegend als weiterhin gut eingeschätzt. Nach Ende der Ferienzeit gehen noch Anfragen für Lieferungen vor dem Jahresende ein. Die Verfügbarkeit an freien Mengen ist gering, da im Vorfeld umfangreiche Kontrakte geschlossen worden sind und zusätzlich die Milchanlieferung niedriger ausfällt als erwartet. Bestehende Kontrakte werden kontinuierlich abgerufen. Für längerfristige Abschlüsse werden weiter Gespräche geführt. Hier ist das Verkaufsverhalten aktuell eher abwartend, da die Unsicherheit in Bezug auf die weitere Entwicklung der Rohstoffverfügbarkeit und die Preisentwicklung zugenommen hat. Außerdem sind auch hier schon einige Verträge in den Büchern. Die Exporte der EU auf den Weltmarkt haben in den ersten sieben Monaten von 2019 mit 606.133 t ein neues Rekordniveau erreicht und waren damit um 28 % umfangreicher als im Vorjahreszeitraum. Im Juli beliefen sich die Ausfuhren auf mehr als 91.000 t und waren damit die höchsten im bisherigen Jahresverlauf. Es wird über weitere Exportanfragen berichtet.

Die Preise für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität sind erneut etwas gestiegen. Futtermittelware wird ebenfalls etwas fester gehandelt, wenngleich hier von ruhiger Nachfrage berichtet wird.
Der Markt für Vollmilchpulver hat sich teilweise beruhigt. Vorrangig finden Geschäfte innerhalb des Binnenmarktes statt, da die Konkurrenzfähigkeit der EU am Weltmarkt weiterhin eingeschränkt ist. Die Preise werden als stabil bis leicht fester eingeschätzt.
Die Lage am Markt für Molkenpulver wird als stabil und ruhig beschrieben. Lebensmittelware hat sich zuletzt überwiegend auf stabilem Niveau behauptet. Es bestehen weiterhin Exportmöglichkeiten. Die Preise bewegen sich überwiegend auf dem Niveau der Vorwochen. Weiterhin recht ruhig ist der Markt für Futtermittelware. Auch hier wird von stabilen Preisen berichtet. (Süddeutsche Butter- und Käse-Börse e.V. Kempten (Allgäu)/proplanta)

Irland: Bauernverband fordert Begründung für Milchpreis

Der Milchpreis in Irland entfernt sich zunehmend von dem europäischen Preistrend. Der irische Bauernverband verlangt deshalb von den Molkereien eine Erklärung und feste Zusagen.
Tom Phelan, der Vorsitzende des Irischen Bauernverbandes (IFA), hat die Molkereien aufgefordert zu begründen, warum die Milchpreise in Irland so stark unter das europäische Niveau gefallen sind. Das geht aus einer Meldung des Bauernverbandes hervor.

„Die durchschnittlichen Renditen auf dem EU-Milchmarkt, Spot und Futures nahmen in den letzten Wochen zu. Friesland Campina, eine der größten europäischen Genossenschaften, die grenzüberschreitend Milch kauft, hat ihren Preis von 35 €/100 kg (30,57 c/l irisches Äquivalent) für die Monate Juli bis September gehalten“, so Phelan. Für die Molkerei Arla, die in mehreren Mitgliedstaaten Milch kaufe, sei der September der 8. Monat der Stabilität gewesen. Er frage sich deshalb, warum irische Genossenschaften seit Anfang 2019 die Milchpreise mehrmals senkten.
„Die europaweit anerkannte monatliche LTO-Milchpreisüberprüfung wird von der niederländischen landwirtschaftlichen Organisation LTO veröffentlicht und umfasst drei irische Genossenschaften, Dairygold, Glanbia und Kerry“, so Phelan. Im letzten Jahr habe sich die Kluft zwischen dem Durchschnitt der LTO-Überprüfung und dem Durchschnitt der drei irischen Genossenschaften von 1,3 €/100 kg im Juli 2018 auf 3,6 €/100 kg im Juli 2019 vergrößert.
Die irischen Milchpreise seien mehr als die meisten gefallen und der Preis der Genossenschaften habe sich von den europäischen Preistrends entfernt. Deshalb fordere der Bauernverband von den Genossenschaften feste Zusagen zu den Milchpreisen für den Rest des Jahres.
(Topagrar.com)

Russische Milchproduktion legt wohl weiter zu

In Russland zeichnet sich für das laufende Jahr ein erneuter moderater Anstieg der Milcherzeugung ab. Landwirtschaftsminister Dmitrij Patruschew veranschlagte die betreffende Menge am 11. September in Moskau auf voraussichtlich 31 Mio t; das wäre im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 1,2 %. „Bislang haben wir in diesem Jahr 18,5 Mio t Milch produziert“, stellte der Ressortchef bei einem Arbeitstreffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin fest. Zum Produktionswachstum trage das besondere Interesse des Staates an der Entwicklung der heimischen Milchindustrie bei, betonte Patruschew. Nach Daten des Föderalen Statistikamtes (Rosstat) war die Milchproduktion in Russland bereits 2018 gestiegen, und zwar im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 % auf 30,61 Mio t. Der Minister hob hervor, dass die Milchpreise im laufenden Jahr in Russland nicht so stark geschwankt hätten wie sonst. In der Vergangenheit seien die Preise häufig in der Periode von März bis August besonders volatil gewesen; in einigen Regionen seien in diesem Zeitraum mitunter Änderungsraten von bis zu 25 % verzeichnet worden, so Patruschew. (AgE)

London rechnet bei einem No-Deal mit Versorgungsengpässen

Die britische Regierung rechnet bei einem Brexit ohne Abkommen mit der Europäischen Union, einem sogenannten „No-Deal“, mit Engpässen in der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Das geht aus einem Vorbereitungspapier hervor, das Premierminister Boris Johnson auf Druck des Londoner Unterhauses am 11. September veröffentlicht hatte. Unter der Bezeichnung „Yellowhammer“ wird in dem Papier aufgeführt, was im schlimmsten Fall die Konsequenzen eines ungeordneten Austritts aus der Europäischen Union sein könnten. Neben „Protesten und Störungen der öffentlichen Ordnung“ kann es nach Einschätzung der Regierung zu einer unzureichenden Versorgung der Bevölkerung vor allem mit frischen Lebensmitteln kommen. Ein Grund dafür seien beispielsweise drohende Verzögerungen beim Grenzverkehr. Außerdem bestehe das Risiko, dass Panikkäufe die Nahrungsmittelknappheit noch verschlimmerten. Eine Unterversorgung wird auch bei Medizinprodukten sowohl für den Human- als auch für den Veterinärbereich befürchtet. In deren Folge könnten Tierkrankheiten bei Tieren ausbrechen, die auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen könnten, heißt es in den Yellowhammer-Papieren. Zudem werden in den britischen Gewässern Konflikte mit europäischen Fischern über Fangrechte befürchtet. Laut Darstellung der Präsidenten der EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA), Joachim Rukwied, und der ländlichen Genossenschaften (COGECA), Thomas Magnusson, fürchten vor allem die irischen Rindfleischerzeuger einen Markteinbruch; zugleich haben die Erzeuger auf dem Festland Angst vor einer Schwemme irischen Rindfleischs auf ihren Märkten. Vor besonders große Probleme seien allerdings die Erzeuger frischer Lebensmittel wie Obst- und Gemüse gestellt, erklärten die beiden Präsidenten. Sorgen machten sich vor allem Produzenten in den Niederlanden, aus Belgien sowie aus Spanien. Ob es dem Premier Johnson noch gelingen kann, wie angekündigt vor dem 31. Oktober einen No-Deal abzuwenden, bleibt indes fraglich. Für Diskussionen sorgte ein älterer Vorschlag der EU-Kommission, der Nordirland nach einem Austritt in der Zollunion halten würde. So könnte der in London ungeliebte Back-Stop verhindert werden. Eine Zustimmung der Briten dazu gilt allerdings als unwahrscheinlich. Trotz eines entsprechenden Unterhausvotums hatte Johnson eine Verlängerung der Brexitfrist über dem 31. Oktober hinaus abgelehnt. (AgE)

AbL: Mercosur „zementiert“ Exportoffensive der Milchwirtschaft

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat die Bundesregierung aufgefordert, das geplante Mercosur-Freihandelsabkommen der Europäischen Union abzulehnen. Der AbL-Landesvorsitzende in Niedersachsen, Ottmar Ilchmann, kritisierte am 11. September in Hamm, dass das Abkommen die Exportoffensive in der Milchwirtschaft zementiere. „Dass die Milchbäuerinnen und -bauern nicht automatisch an dieser Exportoffensive verdienen, zeigen die aktuell desaströsen Milchpreise“, so Ilchmann. Das Deutsche Milchkontor (DMK), das als größtes Molkereiunternehmen in Deutschland auf den Export setze, zahle gerade einmal 30 Cent/l Milch. Das seien im Bundesvergleich mit die „schlechtesten“ Preise; derweil lägen hier die Kosten der Milcherzeugung bei mehr als 40 Cent/l. Außerdem seien für die Exportoffensive Sojaimporte aus den Mercosur-Ländern vonnöten, gab Ilchmann zu bedenken. Die Folgen seien dort oft Regenwaldabholzung und Menschenrechtsverletzungen durch Vertreibung. Laut AbL fordern unterdessen die Milchbauern in Argentinien, ihre Branche von dem Abkommen auszunehmen. Zudem fürchteten Milcherzeuger in Uruguay um ihre Absatzmargen im Nachbarland Brasilien. Das Abkommen konterkariere also nicht nur die ökologisch gebotene Verkürzung von Lieferketten, sondern auch die regionale Integration im Mercosur. Nach Ansicht der AbL-Bundesvorsitzenden Elisabeth Fresen sollte im Welthandel ein kostendeckender Erzeugerpreis „als soziales Qualitätskriterium eingezogen“ werden. So könnte ein Preisdumping verhindert werden, das in erster Linie bäuerliche und klimaverträgliche Strukturen gefährde und zerstöre. „Welthandel muss wirksam sozial und ökologisch qualifiziert sein. In der europäischen Agrarpolitik ist die Exportoffensive durch eine Qualitätsstrategie abzulösen“, forderte Fresen. Das geplante Abkommen der EU mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sieht unter anderem eine gegenseitige Öffnung des Milchmarktes vor. Die Folge wäre die zollfreie Einfuhr von jährlich 30 000 t Käse sowie 10 000 t Milchpulver und 5 000 t Babynahrung. (AgE)

LfL startet mit 34 Azubis ins Ausbildungsjahr

Insgesamt 34 Jugendliche haben Anfang September ihre Berufsausbildung bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) begonnen. Wie diese am 9. September mitteilte, absolvieren 16 junge Menschen an den Standorten Achselschwang, Almesbach, Grub, Kringell und Schwarzenau ihre Ausbildung zum Landwirt sowie zwei den Weg zur Hauswirtschafterin. Sieben Jugendliche machen eine Ausbildung zum Pferdewirt in Schwaiganger, während jeweils drei neue Auszubildende in Kempten und Triesdorf zu Milchwirtschaftlichen Laboranten sowie in Starnberg und Nonnenhorn zu Fischwirten ausgebildet werden. Darüber hinaus gibt es zwei neue Azubis im Beruf Feinwerkmechaniker in Freising sowie einen, der in Kitzingen mit der Ausbildung zum Tierwirt der Fachrichtung Geflügelhaltung begonnen habe. Viele der 18 Jungen und 16 Mädchen setzen der LfL zufolge ihre Ausbildung mit der Ausgliederung der Bayerischen Staatsgüter (BaySG) ab dem nächsten Jahr zwar am gleichen Standort, aber unter dem neuen Dach der BaySG fort. LfL-Präsident Jakob Opperer betonte bei der Begrüßung der neuen Mitarbeiter, dass sie sich mit ihrer Ausbildung eine optimale Grundlage verschafften, unabhängig davon, welchen weiteren beruflichen Weg sie gingen. BaySG-Geschäftsführer Dr. Hermann Lindermayer unterstrich die Attraktivität der Ausbildungsbetriebe. Zugleich werde von den Auszubildenden aber auch ein hohes Maß an Lernbereitschaft und Eigeninitiative erwartet. (AgE)

Stöcker: Milchbranche muss sich in gesellschaftliche Diskussion einbringen

Wie bei den anderen Agrarsektoren rücken auch in der Milcherzeugung Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz immer stärker in den Vordergrund. Das ist beim 13. „Forum Milch NRW“ der Landesvereinigung der Milchwirtschaft (LV Milch) Nordrhein-Westfalen deutlich geworden, das unter dem Motto „Lebenselixier Milch – gestern, heute und morgen“ am 4. September in Werl stattgefunden hat. Milch sei hierzulande als selbstverständliches Basislebensmittel etabliert; die Branche tue jedoch gut daran, sich in gesellschaftliche Diskussionen einzubringen und regelmäßig selbst zu reflektieren, erklärte der rheinische Vorsitzende der Landesvereinigung, Hans Stöcker, zum Auftakt des Forums. Nach seiner Darstellung geht es nicht mehr nur um Geschmack, Ernährungswert und Lebensmittelsicherheit; auch Tierwohl, Klima und immer wieder die Frage der Nachhaltigkeit stünden heute im Fokus. In seinem Grußwort ging der Staatssekretär im Düsseldorfer Landwirtschaftsministerium, Dr. Heinrich Bottermann, auf die Bedeutung der Milcherzeugung und Tierhaltung für die Landwirtschaft und die ländlichen Räume ein. Allerdings sieht auch er die Milch als Teil einer immer stärkeren gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit den Themen Landwirtschaft, Ernährung und Umweltschutz. Beispielsweise werde von immer mehr Bürgern hinterfragt, wie Lebensmittel produziert und wie mit den Tieren und den Ressourcen Wasser, Boden und Luft umgegangen werde. Die Milchwirtschaft habe hier bereits viel erreicht, stellte Bottermann fest. Ein Beispiel dafür sei die Haltung der Kühe in modernen Laufställen mit viel frischer Luft und Kontakt zum Außenklima. Gleichzeitig gebe es aber auch eine Reihe von Herausforderungen, wie ein schwieriges Marktumfeld, Nährstoffüberhänge oder Emissionen, die es zu meistern gelte. Der Staatssekretär betonte, dass die Milchviehhaltung langfristig nur erfolgreich sein könne, wenn sie von der Gesellschaft anerkannt und akzeptiert werde. In diesem Zusammenhang begrüßte er die Aktivitäten der Wirtschaft zur Erarbeitung von Lösungen in einer übergreifenden Sektorstrategie Milch. (AgE)

Ruf nach stärkerer Förderung des Milchexports

Eine stärkere Förderung des Milchexports hat der Vorsitzende der Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein (MEV), Klaus-Peter Lucht, bei der Milchwirtschaftlichen Kundgebung gefordert, die die MEV am 4. September vor der Eröffnung der Norddeutschen Landwirtschaftlichen Fachausstellung und Verbrauchermesse (Norla) in Rendsburg ausrichtete. Angesichts nur begrenzter Zuwachsraten im EU-Markt sei der Export von Agrarprodukten gut, erklärte Lucht. In Schleswig-Holstein könne man sehr effizient produzieren. Daher sei die Politik gefordert, Exportwege zu öffnen. Zudem punkte „Made in Germany“ im Ausland aufgrund hoher Qualitäts- und Sicherheitsstandards. „Wir müssen lernen, über die Milchproduktion eine Geschichte zu erzählen“, so Lucht. Die Iren könnten das doch auch. Kritisch wertete Lucht das aktuelle Ansteigen der Produktionsstandards. Trotz eines absolut nicht kostendeckenden Milchpreises werde auch vom Lebensmitteleinzelhandel eine Produktdiversifizierung befördert. Preisaufschläge für höhere Produktionsauflagen seien jedoch nicht beständig. Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, forderte, dass Mehrkosten für steigende Produktionsstandards ausgeglichen werden müssten. Die höhere Umschichtung von EU-Geldern in die Zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werde daher hoffentlich der Landwirtschaft zugutekommen. Außerdem müsse die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher dadurch erhöht werden, dass ihnen Probleme der Erzeuger und Zielkonflikte aufgezeigt würden. Auch der Geschäftsführer von CM Milch und gleichzeitige Referatsleiter Milch beim Deutschen Bauernverband (DBV), Ludwig Börger, beklagte, dass der Lebensmitteleinzelhandel ständig neue Standards entwickle, um sich gegenüber Wettbewerbern abzusetzen. Es sei ein strukturelles Problem hierzulande, dass vier große Lebensmittelketten den Markt unter sich aufteilten und mit sehr vielen Erzeugergemeinschaften verhandelten, die untereinander in Konkurrenz stünden. Missstände sieht Börger auch im Bereich des Marketing. Der Milchsektor leiste es sich, föderal zu argumentieren“. Dabei hätten nur die Milcherzeugervereinigungen in Westfalen und Niedersachsen ausreichend Mittel für eine schlagkräftige Öffentlichkeitsarbeit. (AgE)

Fuchtel betont Bedeutung der Nährwertkennzeichnung

Der Parlamentarische Staatssekretär vom Bundeslandwirtschaftsministerium, Hans-Joachim Fuchtel, sieht die erweiterte Nährwertkennzeichnung als einen wichtigen Baustein des ganzheitlichen Ansatzes der Ernährungspolitik seines Hauses. Diese solle es den Verbrauchern leichter machen, sich für eine gesunde Ernährung zu entscheiden, erklärte er am 5. September im Rahmen der Bonner Ernährungstage, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) ausrichteten. Erforderlich sei eine Nährwertkennzeichnung, „die auf den ersten Blick klar und verständlich ist“, stellte der Staatssekretär klar. Für Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner seien die Ergebnisse der derzeit laufenden Verbraucherforschung zur erweiterten Nährwertkennzeichnung maßgeblich. Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Förderung eines gesunden Lebensstils der Verbraucher soll Fuchtel zufolge die nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten leisten. Diese Strategie sei das Ergebnis eines intensiven Dialogprozesses zwischen Vertretern der Bundesregierung und der Wissenschaft sowie mit Verbänden aus den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Lebensmittelwirtschaft und Verbraucherschutz. Ziel sei es, vor allem bei Kindern und Jugendlichen den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen zu senken. Zudem gehe es darum, die Häufigkeit von ernährungsmitbedingten Krankheiten wie Diabetes mellitus des Typs 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern. Allerdings garantierten Rezepturänderungen und eine erweiterte Nährwertkennzeichnung allein noch keine gesündere Ernährung. „Wir müssen auch weiterhin auf Ernährungsbildung und -information setzen, um die Ernährungskompetenz der Verbraucher zu stärken“, betonte Fuchtel. Der Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Dr. Hanns-Christoph Eiden, betonte in seiner Einführungsrede, „uns eint das Ziel, den Menschen einen Ernährungs- und Lebensstil nahe zu bringen, mit dem sie gesund bleiben und gesund alt werden können“. Das bedeute aber in sehr vielen Fällen Veränderung. Die Dinge würden nicht besser, wenn alles so weitergehe wie bisher, erklärte Eiden. (AgE)