Schmal kritisiert angekündigte Milchpreissenkung

Einige größere Molkereien in Deutschland haben für Februar angekündigt, die Rohmilchpreise für ihre Erzeuger zu senken. Darauf hat der Milchpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Karsten Schmal, am 2. Februar mit deutlicher Kritik reagiert. Ihm zufolge lagen im Dezember 2020 die Auszahlungspreise für die Milchbauern deutschlandweit durchschnittlich bei 33 Cent/kg. Seitdem seien die Notierungen für fast alle Milchprodukte jedoch national und international zum Teil deutlich gestiegen. „Die Molkereien sind im Moment also grundsätzlich in der Lage, ein Mehr an Wertschöpfung zu generieren“, stellte der DBV-Vizepräsident fest. Die Ankündigungen von größeren Molkereien, die Auszahlungspreise im Februar zu senken, seien deshalb angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage vieler Milchviehhalter nicht nur ein fatales Signal, sondern auch nicht nachvollziehbar. „Ich erwarte eine zeitnahe Korrektur dieser Preisrücknahmen“, betonte Schmal. Der DBV-Milchpräsident ging in diesem Zusammenhang mit den Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) hart ins Gericht. „Auch die abgeschlossenen Butterkontrakte zum Jahreswechsel zwischen Molkereien und den Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels entsprechen nicht dem aktuellen Marktverlauf“, monierte Schmal. Abgepackte Butter sei das einzige Milchprodukt, dessen Preisnotierung seit Dezember auf Grund des desolaten Kontraktabschlusses nachgegeben habe. Gleichzeitig sei vom LEH kaum Bereitschaft zu erkennen, für ein Mehr an Tierwohl und Tiergesundheit den Milchbauern auch eine längerfristig verlässliche finanzielle Vergütung des Mehraufwands zu gewährleisten. Schmal forderte, dass „Aussagen von Verbänden und Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels, ein Interesse an einer zukunftsfesten deutschen Landwirtschaft zu haben, nicht mehr als ein – im wahrsten Sinne des Wortes – billiges Lippenbekenntnis sein dürften“.
Die für Februar angekündigten Abzüge vom Milchgeld bei sogenannten „Leuchttürmen der Molkereiwirtschaft“ stießen auch beim Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) auf Kritik. Dies passe nicht zur aktuellen Marktlage, und die gebeutelten Milcherzeuger bräuchten unbedingt höhere Preise, machte der Verband klar. Das zentrale Problem sei die unzureichende Beteiligung der Bauern an der Wertschöpfung in der gesamten Vermarktungskette. Um hier voranzukommen, sei eigentlich die von der Molkereiwirtschaft und dem Bauernverband getragene Sektorstrategie 2030 ins Leben gerufen worden. „Wir können jedoch nicht erkennen, dass es im Rahmen dieser Sektorstrategie 2030 irgendeinen Ansatz dafür gibt, dass sich die Milcherzeugerpreise erhöhen könnten“, monierte der BDM-Vorsitzende Stefan Mann. Stattdessen habe man sich dort auf Maßnahmen verständigt, die weitere Kosten für die Milchviehbetriebe bedeuteten. Beispiele seien die Branchenkommunikation, die letztlich von den Milchbauern zu bezahlen sei oder weitere Nachhaltigkeitsmodule für das Qualitätsmanagementsystem Milch (QM-Milch). „Wenn sich jetzt DBV-Milchpräsident Karsten Schmal über die angekündigten Milchpreissenkungen der Molkereien aufregt, ist das nicht glaubwürdig“, erklärte Mann. Wer zuerst alle marktwirtschaftlichen Überlegungen, wie die Bauern eine bessere Marktstellung und eine höhere Wertschöpfung erzielen könnten, vom Tisch wische, dürfe sich hinterher nicht verwundert zeigen, wenn alles genauso weiterlaufe wie bisher. „Von einer Lösung der Marktprobleme der Milchviehbetriebe, die von der Molkereiindustrie mitgetragen wird, sind wir weit entfernt“, betonte der BDM-Vorsitzende. (AgE)

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