Kurz und knapp

Neuseeland: Rekordmilchgeld für Fonterra-Lieferanten

Neuseelands größte Molkerei Fonterra hat jetzt bereits zum dritten Mal in der noch bis Ende Mai laufenden Saison 2021/22 die Prognose für ihren Milchauszahlungspreis angehoben.
Wie das genossenschaftliche Unternehmen heute mitteilte, soll die Vergütung für das Kilogramm Milchfeststoff auf einem Rekordniveau zwischen 8,90 NZ$ (5,27Euro) und 9,50 NZ$ (5,62 Euro) liegen. Im Vergleich zur Prognose von Anfang Dezember wurde das jetzige Spannenmittel von 9,20 NZ $ (5,44 Euro) um 0,50 NZ$ (0,30 Euro) heraufgesetzt; gegenüber der Erstschätzung zu Saisonbeginn Juni 2021 ist das ein Plus von 1,20 NZ $ (0,71 Euro). Das bereits überdurchschnittliche Auszahlungsniveau der Vorsaison würde damit um 22,0 % übertroffen, der bisherige Rekord von 8,40 NZ$ (4,97 Euro) aus der Kampagne 2013/14 um 9,5 %.
Laut Fonterra-Geschäftsführer Miles Hurrell ist die aktuelle Milchpreisprognose „das Resultat einer guten Nachfrage nach Milchprodukten in einer Zeit eingeschränkter globaler Milchversorgung“. Die Nachfrage bleibe, mit regionalen Unterschieden, weltweit stark. Gleichzeitig werde ein nur unterdurchschnittliches Wachstum der globalen Milcherzeugung erwartet, die in Europa hinter dem Vorjahr zurückbleibe und in den USA durch hohe Futterkosten gebremst werde. Fonterra selbst hatte im Januar seine Erwartungen für die verarbeitete Menge an Milchfeststoff für die Saison 2021/22 um 1,6 % auf 1,50 Mio. t zurückgeschraubt.
Hurrell räumte ein, dass der Anstieg des Milchpreises die Margen der Molkereigenossenschaft unter Druck setze, doch bleibe die Gewinnprognose je Anteil bestehen. Das höhere Auszahlungsniveau sei sowohl für die Landwirte als auch für die neuseeländischen Gemeinden „eine gute Nachricht“, denn es würden in dieser Saison rund 13,8 Mrd. NZ$ (8,2 Mrd. Euro) über das Milchgeld in den ländlichen Raum fließen. Der Fonterra-Geschäftsführer wies zugleich auf eine Reihe von Faktoren hin, auf die geachtet werden müsse. So wirke sich die hohe Inflationsrate auf die Betriebskosten aus, und es gebe ein größeres Potential für Volatilitäten infolge hoher Milchpreise und wirtschaftlicher Störungen durch Covid mit der neuen Omikron-Variante. (AgE)

Ein herausforderndes Jahr der Pandemie – MIV zum Milchmarkt

Die Corona-Pandemie hat den Milchmarkt der vergangenen Jahre beeinflusst und ihn auch Anfang 2022 fest im Griff. Während die Produktpreise noch im Jahr 2020 teils nur das niedrige Preisniveau der Intervention erreichten, so erklimmen diese Anfang 2022 lange nicht mehr erreichte Bestmarken beispielsweise für Magermilchpulver-, Vollmilchpulver und Butter. „Die Volatilität trifft die Molkereien direkt, doch auch in anderen Märkten im vor- und nachgelagerten Bereich herrschen ähnliche dynamische Bedingungen“, sagt Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV) anlässlich der Pressekonferenz zum Milchpolitischen Frühschoppen in Berlin.
Somit steigen Erlöse wie Kosten nicht nur bei den Molkereien, auch die Milcherzeuger sind durch hohe Futtermittel- oder Energiepreise stark betroffen. Für das Jahr 2021 rechnet die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Bonn mit einem durchschnittlichen Milchpreis von rund 36 Cent/kg Rohmilch bei 4,0 Prozent Fett ab Hof und damit rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr. „2022 erwarten wir steigende Milchpreise, die natürlich auch an die Verbraucher weitergereicht werden müssen. Angesichts der gestiegenen Erzeugungs- und Verarbeitungskosten ist ein ‚weiter so‘ der niedrigen Preise nicht zu kompensieren. Der Wert der Produkte und die Wertschätzung muss sich im Preis widerspiegeln“, sagt Stahl. Im Januar werden viele deutsche Molkereien 40 Cent/kg zahlen, andere Betriebe werden nachziehen. Die Auszahlungsleistung der einzelnen Molkereien hängt allerdings vom jeweiligen Produktportfolio und Kundenkreis ab. Je mehr Ware derzeit als Bulkware, also als Massengut in großen Einheiten, angeboten wird, desto höher tendieren die ausgezahlten Milchpreise. „Eine Entwicklung, die nicht gesund sein kann, wenn Rohstoffe mehr Wertschöpfung erzeugen als ein hochwertiges verarbeitetes Produkt“, warnt der Vorsitzende.
Erfolgsmotor im Jahr 2021 war wieder der Käsemarkt. Deutschland bleibt größter Käseproduzent in Europa, fast die Hälfte der deutschen Milch fließt in diesen Bereich. Mit der höheren Käseproduktion fiel auch erneut mehr Molke an, die zu hochwertigen Produkten wie Laktose und Molkenproteinen veredelt wurde.
Schwächen zeigt der Markt für Frischeprodukte. Zu Beginn der Pandemie war die Nachfrage der privaten Haushalte nach haltbarer Trinkmilch sehr hoch, was sich im Laufe des Jahres 2021 abkühlte. Ein Aspekt dabei ist sicherlich der Absatzerfolg der veganen Getränke. Allerdings flachen die Steigerungsraten im Absatz der Drinks deutlich ab und die Preise sind gefallen.
Kosten steigen
In fast allen Bereichen der Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung sind die Kosten gestiegen. Insbesondere der Energiemarkt bereitet hier Sorgen und trifft auch die Zulieferindustrie wie die Hersteller von Verpackungen. Nicht immer ist die Verfügbarkeit der Bedarfsmittel und Ersatzteile für die Molkereien gewährleistet und es muss mit teils langen Lieferfristen gerechnet werden. „Aus zunächst teuer wurde knapp“, schätzt Peter Stahl die Situation ein. Dazu kommen weitere und mit Kosten verbundene Auflagen im Verpackungsrecht. Die Rezyklatquoten bei einzusetzenden Materialien steigen und die Pfandpflicht bei Kunststoffflaschen für das Jahr 2024 wird gerade vorbereitet. Die Gewerkschaften winken bereits mit hohen Tarifforderungen, die Inflation ist wieder da und stellt die Unternehmen vor enorme Herausforderungen.
Agrardialog gestartet
Der deutsche Handel und Teile der deutschen Landwirtschaftsverbände hatten sich im „Agrardialog“ zusammengefunden, um u. a. auch mit Vertretern der Milchindustrie Inhalte zu diskutieren. Derzeit liegen erste Entwürfe von möglichen Vereinbarungen beim Kartellamt zur kritischen Prüfung. „Wir glauben, dass der Dialog sehr wichtig ist, unabhängig von der Wahl der Plattform“, so Stahl. Die Milchindustrie ist für vernünftige Vorschläge immer offen und unterstützt jedes Bemühen zur Mehrung der Wertschöpfung bei den Erzeugern sowie in den Molkereien.
Neue Agrarpolitik
Die politischen Signale der neuen Bundesregierung deuten zu Beginn der Legislaturperiode auf viel Gestaltungswillen hin. Die Bundesminister Özdemir und Lemke haben bereits viele Reformen und zuletzt eine enge auch inhaltliche Zusammenarbeit der Ministerien Landwirtschaft und Umwelt angekündigt. Der Verband ist gespannt, wie die politischen Forderungen umgesetzt werden sollen und welche Auswirkungen hier für die Wertschöpfungskette Milch abzuleiten sind. Der MIV steht für einen zielgerichteten Austausch zu den verschiedenen Fragestellungen jederzeit zur Verfügung.
Nicht zu vergessen sind die Regelungen im europäischen Wettbewerbsrecht, die gerade durch die Agrarreform 2023 noch bestätigt wurden.
Die neue Farm-to-Fork-Strategie soll nun in Brüssel umgesetzt werden. Mit diesem Thema hatte sich der Milchpolitische Frühschoppen in Berlin beschäftigt. Die Experten waren sich einig, dass es vielleicht noch zu früh ist, alle Auswirkungen der Reformpakete bewerten zu können. Auf jeden Fall muss Brüssel die Milcherzeuger und Molkereien auf diesem schwierigen Weg der Umsetzung durch eine zielführende Politik begleiten, so der Verband.

Tierwohl – ein wichtiges Thema für Milcherzeuger und Molkereien in 2022

„Ein Mehr an Tierwohl ist wichtig und gewinnt auch beim Verbraucher zunehmend an Bedeutung“, unterstreicht Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV) die Position des Verbandes. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel hat mit seinem System www.haltungsform.de nun auch den Milchmarkt in sein vierstufiges Kennzeichnungssystem für Handelsmarkenprodukte einbezogen. Bereits zuvor hatten Verbraucher die Möglichkeit, sich z. B. über Labels auf Milch und Milchprodukten über Haltungsbedingungen von Rindern zu informieren und sich bewusst für oder gegen einen Kauf zu entscheiden.
Zunächst soll die Haltungskennzeichnung nach haltungsform.de im Markt für Konsummilch eingeführt werden. Erste Produkte liegen bereits in den Regalen des Handels. In Zukunft werden dann verschiedene Systemanbieter wie QM-Milch, DLG oder der Deutsche Tierschutzbund u. a. für das Label anerkannt und weitere Produkte mit haltungsform.de gekennzeichnet.
Den Mitteilungen der Handelshäuser ist zu entnehmen, dass man in kurzer Zeit möglichst viel Milch aus den höheren Stufen 3 und 4 bekommen will und gleichzeitig niedrige Stufen ausgeschlossen werden. Ein Wettlauf um den höchsten Standard und die Verbrauchergunst hat begonnen, die dafür benannten Zeiträume sind je nach Handelshaus unterschiedlich bemessen.
Milcherzeuger und Molkereien stehen für eine Weiterentwicklung im Sinne des Tierwohls und sind bereit, hier auch zu investieren. Zum Thema Anbindehaltung hat sich der Milchindustrie-Verband bereits 2020 klar positioniert: In der Branchenstrategie Milch haben sich die Verbände zum Auslaufen der Anbindehaltung bis 2032 bekannt und die amtliche Statistik weist auf ein Auslaufen dieser Haltungsform hin. Ein ähnlicher Übergangszeitraum für die ganzjährige Anbindehaltung wird nun auch von der neuen Koalition benannt und gibt daher gerade den betroffenen häufig kleinen Milcherzeugern die Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten. Die Molkereien werden alles dafür tun, dass die Milch auch aus anderen Haltungsstufen einer guten Vermarktung zugeführt wird.
Klar ist aber auch: Ein hohes Maß an Tierwohl kann es nicht zum Nulltarif geben. „Wir erwarten daher auch, dass sich Handel und somit die Verbraucher entsprechend an den höheren Produktionskosten für Milcherzeuger und Molkerei beteiligen werden“, sagt Stahl. Denn auch ohne die vier neuen Stufen gibt es bereits heute eine große Menge an verschiedenen Milchsorten. Sammelwagen fahren jeweils für Kleinstmengen ins gleiche Gebiet, es müssen mehr kleinere Tanks gebaut werden, das verursacht Kosten auch auf Molkereiebene. Die Herausforderung wird daher für jede Molkerei individuell sein, welche Milchmengen für die jeweiligen Stufen vorhanden sind.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass Deutschland die Hälfte seiner Milchprodukte im Ausland verkauft, wo rein nationale Systeme wie haltungsform.de keine Rolle spielen und auch nicht vergütet werden.
Der Milchindustrie-Verband vertritt die Molkereien und ist aktiv in der Weiterentwicklung von QM-Milch sowie durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in die Arbeit zum staatlichen Tierwohllabel eingebunden. „Eine große Herausforderung wird daher in Zukunft sein, wie eine Koexistenz der Wirtschaftsinitiativen und ein staatliches Tierwohllabel zusammenpassen werden, ohne Milcherzeuger und Vermarkter zu überfordern“, merkt der MIV-Vorsitzende an.

Internationale Süßwarenmesse findet statt

Die Internationale Süßwarenmesse (ISM) und die ProSweets Cologne werden nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause vom 30. Januar bis 2. Februar als Präsenzveranstaltungen stattfinden. Wie die Koelnmesse GmbH am 19. Januar mitteilte, sind beide Fachausstelllungen unverzichtbare Termine für alle relevanten Marktteilnehmer. Gemäß der aktuellen Coronaschutzverordnung seien Messen als Business-Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen unabhängig von der Höhe der Sieben-Tage-Inzidenz und unter 3G-Bedingungen, also geimpft, getestet, genesen, weiterhin erlaubt. In den Messehallen werde die gesamte Wertschöpfungskette von aktuellen Trends und Produktinnovationen bis hin zu Verpackungslösungen, Produktionstechnologien und neuesten Zutaten und Rohstoffen erlebbar. Die Messe verwies zugleich auf ihr bewährtes Hygienekonzept, dass für die umfassende Sicherheit aller Messeteilnehmer sorge. Der Geschäftsführer der Koelnmesse, Oliver Frese betonte, dass die Sicherheit und Gesundheit der ausstellenden Unternehmen, des Fachpublikums und der eigenen Mitarbeiter dabei „höchste Priorität“ habe. (www.ism-cologne.de/die-messe/messen-der-branche/) (AgE)

Natürlichkeit entscheidend bei der Bewertung von Lebensmitteln

Wie „natürlich“ Lebensmittel sind, spielt eine zentrale Rolle bei der Wahrnehmung derselben und der Beurteilung, inwieweit sie der Gesundheit dienen. Bereits Jugendliche und junge Erwachsene achten sehr auf die Natürlichkeit von Nahrungsmitteln. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie des Max-Planck-Instituts (MPI) für Bildungsforschung und der Universität Aarhus, die in der Fachzeitschrift „Journal auf Experimental Psychology: Applied“ erschienen ist. Wie das MPI am 18. Januar berichtete, haben sich in der Studie zudem Gemeinsamkeiten in den Urteilen von Jugendlichen und Fachleuten gezeigt. „Für alle Gruppen war ein zentraler Faktor bei der Wahrnehmung der Lebensmittel, wie natürlich sie sind. Lebensmittel, die wenig verpackt waren, wenig Zusatzstoffe enthielten und kaum verarbeitet waren, wurden als ähnlich und zusammengehörig wahrgenommen“, erklärte Studienleiter Thorsten Pachur vom MPI für Bildungsforschung. Die Natürlichkeit sei zentral bei der Beurteilung gewesen, wie gesund die Lebensmittel seien. Je höher die Ausprägung auf der Natürlichkeitsdimension sei, desto gesünder sei ein Lebensmittel eingestuft worden. Diese einfache Regel bei der Beurteilung der Gesundheit habe sich nicht nur bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gezeigt, die Ernährungsexperten seien ihr offenbar ebenfalls gefolgt. Insgesamt hätten die Gesundheitseinschätzungen der Jugendlichen, der jungen Erwachsenen und der Fachleute viele Ähnlichkeiten aufgewiesen. Äpfel, Wasser, Bananen und Milch seien als sehr gesund wahrgenommen worden, sonnengetrocknete Tomaten und Müsliriegel hätten im mittleren Bereich gelegen und für Schokoladenriegel und Kekse habe es niedrige Gesundheitswerte gegeben. Neben diesen Parallelen zeigten sich dem MPI zufolge aber auch Diskrepanzen zwischen den Teilnehmergruppen. Einzelne Lebensmittel wie Orangensaft und Fischstäbchen seien von den Jugendlichen deutlich gesünder eingeschätzt worden als von den Experten. Zudem habe es einen Unterschied bei der Streuung der Antworten gegeben. Während sich die Experten in der Beurteilung der Lebensmittel meist recht einig gewesen seien, habe es bei den Jugendlichen teils erhebliche Unterschiede bei den Antworten gegeben. Dies deute darauf hin, dass ein Teil der 13- bis 16-Jährigen eher uninformiert gewesen sei und bei einigen Antworten geraten habe. (AgE)

Neue Professur zur Sicherheit von Lebensmitteln berufen

Die Technische Universität München (TUM) und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) haben eine gemeinsame Professur eingerichtet. Mit dieser sollen die neuen lebensmittelchemischen Analyseverfahren und deren Anwendung in der behördlichen Kontrollpraxis entwickelt werden. Wie die Hochschule mitteilte, ist es das Ziel, Verbraucher in Bayern künftig noch besser vor lebensmittelbedingten gesundheitlichen Risiken zu schützten. TUM-Präsident Prof. Thomas Hoffmann erläuterte, dass mit dieser gemeinsamen Berufung die innovativen Analysemethoden zur Bewertung der Sicherheit und Authentizität von Lebensmitteln effizienter in die Praxis der amtlichen Lebensmittelüberwachung gebracht werden sollten. Davon profitiere der wissenschaftliche Fortschritt ebenso wie die Bürger. LGL-Präsident Jonas Walter wertete moderne Analyseverfahren als essenziell, um die Lebensmittelsicherheit weiterhin auf einem hohen Niveau gewährleisten zu können. Das Landesamt entwickelte die Methoden der Lebensmittelüberwachung in enger Zusammenarbeit mit seinen Partnern aus der Wissenschaft ständig weiter. Die „Brückenprofessur“ zwischen der TUM und dem LGL ist laut Walter ein weiterer Schritt, um Wissenschaft und Praxis der Lebensmittelüberwachung in Bayern eng zu vernetzen. Die zu berufende Person soll laut TUM mit dieser „Brückenprofessur“ die Verbindung zwischen Theorie und Praxis in Forschung und Lehre weiter ausbauen. (AgE)

Nahrungsmittelpreise 2021 deutlich gestiegen

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im vergangenen Jahr so stark gestiegen wie lange nicht mehr. Wie das Statistische Bundesamt am 19. Januar mitteilte, lag die Inflationsrate im Jahresmittel bei 3,1 % und damit so hoch wie seit 1993 nicht mehr. Neben Basiseffekten durch die Mehrwertsteuererhöhung und höheren Energiepreisen, die um 10,4 % anzogen, trug auch die Teuerungsrate für Nahrungsmittel von 3,2 % zum allgemeinen Preisauftrieb bei. Vor allem im zweiten Halbjahr stieg der Verbraucherpreisindex deutlich an und erreichte im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat mit 5,3 % seinen höchsten Wert. Für Nahrungsmittel mussten die Verbraucher im vergangenen Monat im Mittel sogar 6,0 % mehr Geld bezahlen. Im Gesamtjahr 2021 hat sich den Wiesbadener Statistikern zufolge Gemüse um 3,9 %, Fleisch und Fleischwaren um 3,0 % und Obst um 1,7 % verteuert. Laut den aktuellen Daten für Dezember war der Preisanstieg gegenüber dem Vorjahresmonat ungleich höher. So musste für Speiseöle und Fette 15,6 % tiefer in die Tasche gegriffen werden; bei Gemüse lag der Preisaufschlag bei durchschnittlich 9,9 %. Zudem mussten die Verbraucher beim Einkauf von Molkereiprodukten im Mittel 6,8 % mehr Geld bezahlen; die Teuerung bei Fleisch und Fleischwaren lag zuletzt bei 5,3 %. Nur unterdurchschnittlich zugelegt haben die Preise für Obst, das im Vergleich zum Dezember 2020 um 2,7 % teurer offeriert wurde. (AgE)

Preise für Milchpulver und Molkenpulver vom 19. Januar

In Deutschland hält der saisonale Anstieg der Milchanlieferung an und das Vorjahresniveau wird weiter unterschritten. In der ersten Woche von 2022 erfassten die Molkereien laut Schnellberichterstattung der ZMB 1,1 % mehr Milch als in der Vorwoche. Die Milchmenge war damit um 2,7 % niedriger als in der Vorjahreswoche. In Frankreich wurde die Vorjahreslinie zuletzt um 1,2 % unterschritten. Am Markt für flüssigen Rohstoff hat sich die Verfügbarkeit zuletzt etwas verbessert, was vor allem auf die saisonal schwächere Nachfrage nach abgepackter Butter und H-Milch zum Jahresbeginn zurückgeführt wird. Industrierahm wurde zuletzt etwas schwächer gehandelt, während Magermilchkonzentrat stabil tendiert. Die Lage am Markt für Magermilchpulver ist weiterhin sehr fest und von einer anhaltend knappen Verfügbarkeit gekennzeichnet. Bei den Werken gehen immer wieder neue Anfragen für verschiedene Liefertermine ein. Kaufinteresse besteht bei der Industrie im europäischen Markt wie auch bei Importeuren am internationalen Markt. Der Nachfrage steht nur ein begrenztes Angebot gegenüber, das außerdem absehbar nicht wachsen wird und zu hohen Anteilen bereits verplant ist. Neue Kunden können meist nicht angenommen werden. Die bestehenden Kontrakte werden kontinuierlich abgewickelt, wobei die Auslieferung zum gewünschten Zeitpunkt bei der geringen Verfügbarkeit eine Herausforderung darstellt. Die Preise für Lebensmittelware tendieren erneut fester. Sehr knapp ist das Angebot an Futtermittelware, während noch kurzfristiger Bedarf besteht. Hier müssen höhere und ähnliche Preise wie für Lebensmittelware angelegt werden. Auch am Weltmarkt sind festere Preissignale zu beobachten. Unverändert knapp ist das Angebot an Vollmilchpulver. Zuletzt sind weitere Abschlüsse zu höheren Preisen zu Stande gekommen, da in der Lebensmittelindustrie noch Bedarf besteht. Sehr fest ist auch der Markt für Molkenpulver. Futtermittelware wird zu erneut höheren Preisen gehandelt. Auch Lebensmittelware wird weiter als fest eingeschätzt. Ungewöhnlich hohe Preise werden außerdem für verschiedene Molkenderivate erzielt. (Süddeutsche Butter- und Käse-Börse e.V. Kempten (Allgäu)/proplanta.de)

GDT: Internationale Milchpreise um 4,6 % gestiegen

Der Durchschnittspreis über alle Produkte und Zeiträume beim Global Dairy Trade stieg in dieser Woche um 4,6 % auf 4.463 $/t. Der Global Dairy Trade-Preisindex ist damit um 64 Punkte auf 1.397 Punkte gestiegen. Ein Plus gab es bei den Preisen für Vollmilchpulver (+5,6 % auf 4.082 $/t), Butter (+5,0 % auf 6.158 $/t), Magermilchpulver (+5,0 % auf 3.963 $/t), Cheddar (+1,1 % auf 5.546 $/t) und wasserfreiem Milchfett (+0,6 % auf 6.720 $/t). Für Süßmolkenpulver und Lactose sind keine Preise verfügbar. Buttermilchpulver wurde nicht verhandelt. Die gehandelte Menge lag mit 30.644 t knapp unterhalb des Niveaus der vergangenen Auktion (30.685 t)
Die GDT-Events-Plattform erreichte nun das 300. Handelsereignis. Seit der Gründung 2008 wurden auf dieser Plattform mehr als 30 Mrd. US-$, was über 9 Mio. t entspricht. Die durchschnittliche Abwicklungsrate liegt bei 97 %. Auf der Handelsplattform stehen Molkereiprodukte von sechs globalen Unternehmen zum Angebot: Fonterra (Neuseeland), Dairy America (USA), Amul (Indien), Arla (Dänemark), Arla Foods Ingredients (Dänemark) und Polish Dairy (Polen). (Topagrar.com)

BrauBeviale 2022 setzt auf Wunsch der Branche aus

Nächster Termin: BrauBeviale 2023: 14. – 16. November 2023
Die Covid-Pandemie wirbelt auch 2022 den internationalen Veranstaltungskalender der globalen Getränketechnologie-Wirtschaft durcheinander. Nach intensiven Beratungen mit den im Messebeirat der BrauBeviale vertretenen Unternehmen und Verbänden hat die NürnbergMesse als Veranstalter nun entschieden, die BrauBeviale 2022, vom 8. bis 10. November 2022, auszusetzen. „Damit reagieren wir frühzeitig auf das Anliegen des Marktes und geben der Branche Planungssicherheit“, so Andrea Kalrait, Executive Director BrauBeviale und Beviale Family. Die nächste BrauBeviale findet somit vom 14. bis 16. November 2023 in Nürnberg statt.

Terminverschiebung: BIOFACH und VIVANESS 2022 finden vom 26. – 29. Juli statt

Um dem vielfach geäußerten Wunsch der bereits angemeldeten Aussteller gerecht zu werden und maximale Planungssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen, gibt es diesen neuen Termin für die internationale Bio- und Naturkosmetik-Community im Sommer. In enger Abstimmung mit den Ausstellern fiel der Entschluss, das Messe-Duo sowie den begleitenden BIOFACH und VIVANESS Kongress dieses Jahr einmalig zu verschieben.

Weniger Milch bei Fonterra

Neuseelands größte Molkerei Fonterra wird in der noch bis Ende Mai laufenden Saison 2021/22 wahrscheinlich weniger Milch als im Vorjahr verarbeiten können. Wie das genossenschaftliche Unternehmen am 11. Januarmitteilte, wird mit einer Rohstoffverfügbarkeit des aus den Trockengehalten von Fett und Eiweiß gewonnenen Milchfeststoffs von 1,50 Mio. t gerechnet; das wären 25 Mio. kg oder 1,6 Prozent weniger als zum Anfang der Saison erwartet wurden. Zu Beginn des Wirtschaftsjahres hätten ungünstige Witterungsbedingungen zu schwierigen Aufwuchsbedingungen auf den Wiesen und Weiden in vielen Teilen des Landes geführt, begründete Fonterra-Geschäftsführer Miles Hurrell die nach unten korrigierte Zahl. In den vergangenen Monaten seien die Anlieferungen unter dem Vorjahresniveau geblieben. „Wir hatten erwartet, dass sich die Bedingungen über Weihnachten und Neujahr verbessern würden, aber dies ist nicht eingetreten“, so der Fonterra-Manager. Aufgrund des rückläufigen Milcheingangs und der hohen Nachfrage außerhalb der Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) sei bei den Versteigerungen auf der GDT das Angebot bereits verringert worden. In der aktuellen Saison 2021/22 wurden von Juni bis November in Neuseeland insgesamt 10,54 Mio. t Milch an die Molkereien geliefert; das waren 317.000 t oder 2,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei den Milchfeststoffen war im gleichen Zeitraum ein Rückgang von 2,6 Prozent auf 0,88 Mio. t festzustellen. Wird das Kalenderjahr 2021 betrachtet, sieht die Lage wegen der Zuwächse im ersten Halbjahr anders aus. In den ersten elf Monaten nahm die Milcherzeugung in Neuseeland um 0,8 Prozent auf 19,28 Mio. t zu; das Aufkommen an Milchfeststoffen wuchs um 1,3 Prozent auf 1,69 Mio. t. Seit August werden im Vergleich zu den Vorjahresmonaten jedoch geringere Milchmengen verzeichnet. Da in den vergangenen Monaten auch die Milcherzeugung in der Europäischen Union sowie in den USA nicht wuchs, stiegen bei guter weltweiter Nachfrage die globalen Preise für Milchprodukte merklich an. (AgE)

Corona sorgt für Versorgungsengpässe in der Lebensmittelkette

Nicht nur in Europa, sondern auch in Australien geht es mit den Corona-Infektionen steil nach oben. Anfang vergangener Woche lag dort die 7-Tage-Inzidenz über der Marke von 2.100. Die stark zunehmende Zahl infizierter Beschäftigter und deren Kontaktpersonen in Quarantäne führen nun zu ernsthaften Störungen der Lebensmittelkette. In den Medien werden leere Regale gezeigt, vor allem in den Segmenten Frischware und Fleisch. Australiens Woolworths-Chef Brad Banducci warnte, dass die Lieferunterbrechungen wahrscheinlich noch einige Wochen andauern werden. In den Vertriebszentren des Konzerns fehlten 20 bis 40 Prozent der Mitarbeiter, in den Läden etwa zehn Prozent. Bei der Handelskette Coles soll derzeit rund ein Drittel der Beschäftigen nicht zur Arbeit kommen. Transport- und Logistikunternehmen meldeten den Ausfall von bis zu 50 Prozent der Fahrer. Auch bei der vorgelagerten Stufe, insbesondere in der Fleischwirtschaft mit hohen Infektionszahlen, sieht es kaum besser aus. Einige Schlachtbetriebe an der Ostküste Australien mussten bereits zeitweise die Produktion einstellen. Die Kette Coles hat die Abgabe von mehreren Fleischprodukten rationiert. Anfang vergangener Woche reagierte die Regierung und lockerte die Isolationsregeln für Beschäftigte im Lebensmittelsektor. Geimpfte Beschäftigte ohne Symptome dürfen wieder arbeiten, auch wenn sie enge Kontaktpersonen von Corona-Infizierten waren. Regierungschef Scott Morrison betonte jedoch, dass die Änderungen nicht für Mitarbeiter mit Kundenkontakt gelten würden, etwa für Kassenpersonal. Es gehe um Fahrer, Lagerarbeiter oder Schlachthofmitarbeiter. Er kündigte an, dass die neuen Regeln für kritische Lieferketten auf weitere Sektoren ausgeweitet werden könnten. Der Geschäftsführer des australischen Fleischindustrieverbandes, Patrick Hutchinson, begrüßte die Lockerung, „die eine Verbesserung bei der Versorgung mit Rind- und Lammfleisch“ bringen werde. Noch weiter scheint laut Presseberichten der Staat South Australia zu gehen. Dieser erlaubte sogar einer Gruppe von Corona-Infizierten, wieder zur Arbeit im Schlachtbetrieb Teys zu gehen. Um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, sei einer kleinen Gruppe von kritischen Mitarbeitern, die positiv getestet und asymptomatisch seien, erlaubt, in einem abgelegenen Gebiet – entfernt von anderen – weiter zu arbeiten, erklärte ein Sprecher des Gesundheitsamtes. (AgE)

Arla hebt eigene Klimaschutzziele drastisch an

Der europäische Molkereikonzern Arla Foods setzt sich ehrgeizige neue Ziele beim Klimaschutz. Statt der bisher angepeilten 30 Prozent will das Unternehmen nun bis 2030 insgesamt 63 Prozent weniger Treibhausgas-(THG)-Emissionen ausstoßen als im Basisjahr 2015. Das mehr als doppelt so hohe Einsparziel soll im Bereich „Operations“ umgesetzt werden, was die Arla-Produktionsstandorte und die konzerneigene LKW-Flotte wie Milchtankwagen und sonstige Transportfahrzeuge einschließt. Für die Erzeugerstufe bleibt es beim bisherigen Reduktionsziel von minus 30 % THG-Emissionen bis 2030. Nach eigenen Angaben will der Konzern die drastische Senkung der Klimagasemissionen beispielsweise durch einen Umstieg auf fossilfreie Kraftstoffe für die gesamte Flotte von Milchtankwagen und Transportfahrzeugen sowie eine Reduzierung der gefahrenen Kilometer erreichen. Geplant ist zudem die vollständige Umstellung auf erneuerbaren Strom an allen europäischen Produktionsstandorten bis 2030. Ein weiterer Teil des neuen Klimaschutzpakets von Arla ist die Steigerung des Anteils recyclebarer Verpackungen auf 100 Prozent bis 2025; im Jahr 2020 hatte dieser noch bei 85 Prozent gelegen. Der Anteil von neu hergestelltem Kunststoff aus fossilen Quellen soll von derzeit 85 Prozent bis zum Ende der Dekade auf null sinken. Zudem will das Unternehmen die eigene Lebensmittelverschwendung in diesem Zeitraum halbieren. Der neue Klimaschutzplan wurde bereits im Dezember von der Initiative für wissenschaftsbasierte Ziele (SBTi) validiert und anerkannt. Damit steht er nach Einschätzung dieser quasi-offiziellen Stelle im Einklang mit den Zielen des Internationalen Pariser Klimaabkommens, also auch mit dem dort formulierten 1,5 Grad-Ziel zur Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs. Arla ist damit eines von weltweit nur 61 Lebensmittelunternehmen, die dieses Kriterium erfüllen.
Auch auf Ebene der Milcherzeuger setzt Arla Foods auf mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Hier soll jedoch das bestehende 30-Prozent-Ziel für die Senkung der Emissionen bis 2030 vorerst beibehalten werden, da dies laut Arla der aktuellen „Best-Practice“ entspricht. Wie das Unternehmen berichtete, wurden inzwischen bereits in fast 8.000 landwirtschaftlichen Mitgliedsunternehmen Klimachecks durchgeführt, auf deren Basis Empfehlungen für klimaschonende Maßnahmen erarbeitet werden. Auch hier zielt Arla auf weiter sinkende THG-Emissionen. Vorstandschef Peder Tuborgh wies darauf hin, dass dies mit erheblichen Änderungen bei den Produktionsmethoden und hohen Investitionen verbunden sei. Er will deshalb diese Anstrengungen für die Endverbraucher sichtbar machen und in „Werte für die Kunden“ ummünzen. Der Klimaschutz soll nach Darstellung des Konzerns die unternehmerischen Ziele nicht gefährden. Stattdessen müssten die nun formulierten Ziele erreicht werden, während Arla seinen Lieferanten weiterhin einen der wettbewerbsfähigsten Preise der Branche biete, heißt es in dem Strategiepapier. (AgE)

Biofach auf Ende Juli verschoben

Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Unsicherheiten wird die Biofach auch in diesem Jahr nicht wie gewohnt Mitte Februar stattfinden. Wie die NürnbergMesse am 14. Januar mitteilte, wird die Weltleitmesse für Biolebensmittel nun auf vielfachen Wunsch der bereits angemeldeten Aussteller verlegt, und zwar auf den Zeitraum 26. bis 29. Juli. Ursprünglich sollte die Messe vom 14. bis 18. Februar ihre Tore öffnen. Mit der Verlegung erhielten alle Beteiligten maximale Planungssicherheit, betonte die NürnbergMesse. Biofach-Leiterin Danila Brunner bedankte sich für die vielen konstruktiven Gespräche mit Branchenvertretern, die für diese Entscheidung wichtige Impulsgeber gewesen seien, ebenso für das beeindruckende Engagement. Laut Angaben der Messe wird die Biofach im Sommer 2022 vor Ort mit digitalen Ergänzungen stattfinden. Aussteller, Besucher und Medienvertreter könnten in Nürnberg das umfassende Produkt- und Leistungsangebot sowie Neuheiten und Trends erleben. Zudem gebe es Möglichkeiten zum Netzwerken und Austausch. Auch könnten Kommunikations- und Terminvereinbarungstools genutzt werden. Der parallel zur Messe laufende Kongress findet der NürnbergMesse zufolge ebenfalls in Präsenz mit digitalen Elementen statt; in diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf dem Thema „Organic.Climate.Resilience“. Der Geschäftsführende Vorstand vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Peter Röhrig, zeigte sich erfreut, „dass sich Wirtschaft, Politik und Presse im Juli live auf der Biofach begegnen können“. Das feste Datum ermögliche Ausstellern und Biointeressierten jetzt Planungssicherheit. Der BÖLW ist ideeller Träger der Bio-Messe. Die Corona-Pandemie hatte bereits in den vergangenen Wochen für eine Vielzahl von Absagen oder Verschiebungen von Agrarmessen und Veranstaltungen beziehungsweise eine Verlegung in das Internet gesorgt. Betroffen waren unter anderem die Internationale Grüne Woche (IGW) in Berlin, die Internationale Pflanzenmesse (IMP) in Essen sowie die Agritechnica in Hannover. (AgE)

Gute Perspektiven für den Milchmarkt 2022

Der Milchmarkt ist fest in das neue Jahr gestartet, und die Preise dürften vorerst auf einem vergleichsweise hohen Niveau bleiben. Doch damit sei längst noch nicht „alles in Butter“, stellte der Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in Nordrhein-Westfalen (LV Milch), Dr. Rudolf Schmidt, bei der Jahrespressekonferenz der Vereinigung am 12. Januar fest. Es gebe einen „dramatischen Rückgang“ bei den Milcherzeugern, deren Zahl in den vergangenen elf Jahren in Nordrhein-Westfalen um rund 40 Prozent abgenommen habe; auch der Kuhbestand sinke stetig. Dies hat sich dem Experten zufolge im vergangenen Jahr in einer um rund zwei Prozent geringeren Milchproduktion niedergeschlagen und dürfte sich tendenziell auch 2022 fortsetzen. Das schwächere Angebot habe bei einer guten Nachfrage zuletzt deutlich gestiegene Milcherzeugerpreise zur Folge gehabt, die im Jahresmittel 2021 in Nordrhein-Westfalen für eine Standardmilch inklusive aller Zu- und Abschläge bei etwa 34,8 Cent/kg Milch liegen dürften; das wären 1,9 Cent mehr als im Vorjahr. Das Milchpreisniveau habe bei einigen Molkereien im Bundesgebiet im Dezember bereits die 40-Cent-Marke geknackt, und dieses Niveau dürfte sich angesichts der Marktlage auch in der ersten Jahreshälfte 2022 verfestigen, prognostizierte der Experte. Doch wird laut Schmidt das höhere Milchgeld „durch die stark gestiegenen Produktionskosten relativiert“. Angesichts der gesellschaftlichen und politischen Anforderungen an die Milchbauern seien weitere Preissteigerungen nötig; ansonsten werde sich der Strukturwandel weiter verschärfen. Laut dem rheinischen Vorsitzenden der LV Milch, Hans Stöcker, kommt es nun im Binnenmarkt darauf an, „dass der Handel die Kosten in der Kette berücksichtigt, Gewinne weitergibt und sie nicht als Inflationsbremse missbraucht“. Der westfälische Vorsitzende Benedikt Langemeyer hob hervor, dass „die Anspannung auf den Milchviehbetrieben aufgrund der Kostensituation groß ist“ und bei anhaltender Teuerung selbst 40 Cent/kg Milch wohl noch zu knapp bemessen seien.
Nach Einschätzung von Stöcker wird es bei den Milchpreisen 2021 im Bundesgebiet zu einer Spreizung kommen. Im Norden Deutschlands würden vermehrt Basisprodukte wie Butter und Magermilchpulver hergestellt, deren Preise auch weltweit stark gestiegen seien. Deshalb seien dort die Milcherzeugerpreise bereits schneller und deutlicher nach oben gegangen. In Nordrhein-Westfalen würden mehr Frischeprodukte hergestellt, weshalb das Land bei den Milchpreisen etwas hinterherhinke. Ganz wichtig für die Branche sei der Export, vor allem nach Asien, hob Stöcker hervor. Ohne die dort zuletzt gute Nachfrage, insbesondere in China, wäre der jüngste Preisanstieg kaum möglich gewesen. Es müsse nun gelingen, dies auch in den Kontraktverhandlungen mit dem LEH umzusetzen. Stöcker betonte, „dass die Milchwirtschaft grundsätzlich hinter eindeutigen Kennzeichnungen, auch der neuen Haltungskennzeichnung des Handels, steht“. Nur so ließen sich die Anstrengungen der Milcherzeuger für mehr Tierwohl sichtbar machen. Allerdings, so der Vorsitzende, sei der bisher ausgehandelte Zuschlag zwischen den Handelsunternehmen und der Milchwirtschaft zu gering; er decke nicht die vollen Kosten.
Langemeyer wies darauf hin, dass die Erzeuger bereits mit Laufställen und anderem in Vorleistung getreten seien, ohne dass dies honoriert worden sei. Der Handel müsse sich darüber im Klaren sein, dass jede Erweiterung der Anforderungen Investitionen und Geld koste, was nicht alle Erzeuger leisten könnten. Ein weiteres Problem sei, dass die Initiative Tierwohl (ITW) Programmphasen von drei Jahren habe, Stallbauinvestitionen jedoch längerfristig kalkuliert würden. Die Vorschläge der Borchert-Kommission böten hingegen längerfristige Planungssicherheit, weshalb diese noch umgesetzt werden sollten.
Laut LV Milch hat der Absatz von Milchprodukten im Lebensmittelhandel 2021 nicht mehr an die Rekordmarken des Vorjahres heranreichen können, als es wegen Corona teilweise Hamsterkäufe in den Geschäften und längere Schließungsphasen für Restaurants, Kantinen und Hotels gab. So wurden weniger Butter, Joghurt, Quark und Käse in der Selbstbedienungstheke gekauft. Besonders deutlich war der Absatzrückgang von Januar bis Oktober gegenüber dem Vorjahreszeitraum 2020 mit 7,1 Prozent bei der Trinkmilch. Ausgenommen hiervon waren jedoch die Biomilch mit einem Plus von 3,3 Prozent sowie die Weidemilch mit einem kräftigen Verkaufsanstieg von 21,1 Prozent. Weiter deutlich zulegen konnten in der Verbrauchergunst auch die Milchimitate wie Soja- oder Hafermilch, die mit einer Absatzmenge von rund 250 Mio. Litern mittlerweile fast zehn Prozent des gesamten Konsummilchverbrauchs ausmachten. Für diese zahlen die Kunden in den Läden zudem höhere Preise als für normale Trinkmilch, weshalb immer mehr Molkereien auch in diesem Geschäftsfeld tätig sind und einen Teil der Wertschöpfung in die Branche zurückholen wollen. „Wir lassen diesen Markt nicht an uns vorbeigehen“, erklärte Stöcker, der auch Vorstandsmitglied bei FrieslandCampina ist. Er kündigte an, dass sich die Brancheninitiative Milch dieses Themas annehmen und über die Vorzüge der „echten Milch“ informieren werde. (AgE)

Irland: 2021 für die Lebensmittelindustrie ein Exportrekordjahr

Ungeachtet der Folgewirkungen der Covid-19-Pandemie und des Brexit haben die Lebensmittel- und Getränkeexporteure in Irland 2021 ein Rekordjahr verbucht. Wie die Absatzförderungsorganisation Bord Bia am 12. Januar berichtete, ist der Wert der Lieferungen von Lebensmitteln, Getränken und Gartenbauerzeugnissen gegenüber 2020 um vier Prozent auf insgesamt rund 13,5 Mrd. € gestiegen. Erneut steuerte der Milchsektor mit 5 Mrd. € den größten Anteil an den Agrarexporten bei. Dahinter folgt die Vieh- und Fleischwirtschaft mit einem Exportumsatz von mehr als 3,5 Mrd. €, während die Ausfuhr an zubereiteten Lebensmitteln rund 2,5 Mrd. € in die Kassen brachte. Irland lieferte 2021 laut Bord Bia etwa 90 Prozent seiner gesamten Lebensmittel- und Getränkeproduktion außer Landes. Insgesamt 4,6 Mrd. beziehungsweise 34 Prozent der Exportsumme wurden auf Drittlandsmärkten – ohne das Vereinigte Königreich – eingenommen; jeweils rund 4,5 Mrd. € oder 33 Prozent entfielen auf die EU-27 sowie den Handel mit Großbritannien. Während die Exporte in das Vereinigte Königreich damit gegenüber 2020 leicht zurückgingen, erholte sich laut Bord Bia das Geschäft mit den USA deutlich. Der Wert der betreffenden Lieferungen legte um 22 Prozent auf 1,3 Mrd. € zu, was insbesondere auf den starken Absatz von Whiskey und Likör zurückzuführen war. Dies ist auch auf die Aussetzung der zuvor erhobenen US-Strafzölle zurückzuführen. Der Wert der irischen Lebensmittel- und Getränkeausfuhren nach Afrika legte um 12 Prozent auf 918 Mio. € zu; die Lieferungen nach Südostasien erhöhten sich um ein Fünftel und übertrafen erstmals die Marke von 500 Mio. €.
Die Bord-Bia-Vorstandsvorsitzende Tara McCarthy sprach bei der Vorstellung der Ausfuhrzahlen 2021 von einer „außergewöhnlichen Leistung“ der Branche. Die Fähigkeit des Sektors, seine Leistung von 2019 noch zu übertreffen und Rekorderlöse im Export zu erzielen, „ist wirklich beeindruckend“. Dafür verdienten die heimischen Lebensmittel- und Getränkeerzeuger und -verarbeiter große Anerkennung. Im Hinblick auf die Arbeit von Bord Bia stellte McCarthy fest, dass die Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren ein zentrales Thema sein werde. Mit der „Origin Green-Kampagne“ werde die Branche ihren Beitrag leisten, um die irischen Umwelt- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Herausforderungen für die Branche sieht die Bord-Bia-Vorstandsvorsitzende aufgrund der zuletzt stark gestiegenen Produktionskosten durch die weitere Vollendung des Brexits mit Inspektionen von Lebensmittel- und Getränkelieferungen ab Juli sowie die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt.
Landwirtschaftsminister Charlie McConalogue lobte die Branche ebenfalls für ihren Exporterfolg und bezeichnete den Lebensmittel- und Getränkesektor als „einen der hellsten Leuchttürme unserer Wirtschaft“. Angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie und des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der europäischen Zollunion sei dies „wirklich eine hervorragende Exportleistung“ gewesen. Der Präsident des irischen Bauernverbandes (IFA), Tim Cullinan, sieht in den Exportzahlen einen Beleg für die Bedeutung des Sektors für die irische Wirtschaft insgesamt. Vor dem Hintergrund des „massiven Anstiegs“ der Produktionskosten mit höheren Aufwendungen für Futtermittel, Energie und Dünger forderte er höhere Erzeugerpreise in allen Bereichen ein, um dies auszugleichen. „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass der zusätzliche Wert, der durch unsere Lebensmittelexporte entsteht, in vollem Umfang an die Landwirte zurückfließt“, betonte Cullinan. Die Landwirtschaft müsse als wichtigster heimischer Sektor gefördert und unterstützt werden. (AgE)

Verbraucheraufklärung steigert Zahlungsbereitschaft für Bio

Informierte Verbraucher sind eher bereit, deutlich mehr für Bioprodukte zu bezahlen als weniger aufgeklärte Konsumenten. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung, die das Future of Food Institute in Den Haag im Auftrag des niederländischen Ökoverbandes Bionext durchgeführt hat. Demnach waren 75 Prozent der Studienteilnehmer bereit, für Bioprodukte nach einer Aufklärung über deren Mehrwert einen Aufpreis von zehn Prozent gegenüber konventioneller Ware zu akzeptieren. Bei der Kontrollgruppe, die die Frage nach der Zahlungsbereitschaft ohne zusätzliche Hintergrundinformationen zu beantworten hatte, lag der betreffende Anteil bei lediglich 52 Prozent. Laut Bionext wurde den Verbrauchern der höhere Preis für Bioprodukte damit erklärt, dass bei deren Anbau unter anderem keine chemischen Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger verwendet werden dürfen; deshalb sei der Ökoanbau arbeitsintensiver. Außerdem werde den Tieren in Biobetrieben mehr Platz zur Verfügung gestellt, was höhere Kosten verursache als die konventionelle Haltung. Dem Bioverband zufolge ergab die Studie außerdem, dass 56 Prozent der Verbraucher der Unterschied zwischen Bio- und konventionellen Produkten gar nicht klar ist. Es gebe also noch viel Spielraum, um das Wissen der Konsumenten zu verbessern. Für 43 Prozent der Studienteilnehmer sei das überzeugendste Argument für den ökologischen Landbau der Verzicht auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel gewesen. An zweiter Stelle habe der Tierschutz mit einem Anteil von 27 % gestanden, und an dritter Stelle mit 26 Prozent der Verzicht auf künstliche Farbstoffe, Aromen und Geschmacksstoffe. Derweil hätten die Studienteilnehmer als „stärkste negative Assoziation“ den höheren Preis von Ökoware angeführt. Bionext-Direktor Michaël Wilde schlussfolgerte, dass die Branche beim Marketing besser und häufiger kommunizieren müsse, was „bio“ bedeute. „Solange wir das nicht erklären, wird sich nichts ändern. Wir müssen als ganze Kette arbeiten, um den Verbraucher vom Mehrwert des ökologischen Landbaus zu überzeugen“, so Wilde. (AgE)

Internationaler DLG-Preis für Nachwuchskräfte ausgeschrieben

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) vergibt auch in diesem Jahr wieder Stipendien zu Fortbildungszwecken an qualifizierte Nachwuchskräfte der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Dies erfolgt im Rahmen des Internationalen DLG-Preises, der jetzt ausgeschrieben wurde. Wie die DLG am 13. Januar dazu mitteilte, warten auf junge, in der Berufsausbildung stehende Nachwuchskräfte im Alter zwischen 18 und 24 Jahren mit jeweils 2.500 dotierte Juniorenpreise. Für junge Fachleute bis zum Alter von 36 Jahren, die eine abgeschlossene Berufsausbildung und/oder ein zum größten Teil abgeschlossenes Studium beziehungsweise eine weiterführende Ausbildung vorweisen können, gibt es Fortbildungspreise, die mit jeweils 4.000 € dotiert sind. Voraussetzungen für eine Bewerbung sind laut DLG eine gute fachliche Qualifikation, ehrenamtliches Engagement sowie Aufgeschlossenheit und Interesse an der internationalen Zusammenarbeit. Bewerbungen nimmt die Landwirtschafts-Gesellschaft bis zum 1. Februar entgegen. Die Verleihung der Preise soll im Juni im Rahmen der Jahrestagung der Jungen DLG erfolgen. (www.jungedlg.org/nachwuchsfoerderpreise/internationaler-dlg-preis) (AgE)

Preise für Milchpulver und Molkenpulver vom 12. Januar

In Deutschland setzt sich der saisonale Anstieg der Milchanlieferung fort. Die Molkereien erfassten laut Schnellberichterstattung der ZMB in der 51. Woche 0,6 % und in der 52. Woche 0,8 % mehr Milch als in der Vorwoche. Damit bewegte sich die Milchmenge um 3,0 % bzw. 2,8 % unter der Vorjahreslinie. In Frankreich hat sich der Rückstand zur Vorjahreslinie in der 52. Woche auf 1,6 % verringert.
Am Markt für flüssigen Rohstoff hat die Verfügbarkeit von Industrierahm zuletzt zugenommen und die Preise haben etwas nachgegeben, sind für die Jahreszeit aber weiter ungewöhnlich hoch. Magermilchkonzentrat wird weiter gut nachgefragt und erzielt stabile Preise.
Der Markt für Magermilchpulver entwickelt sich zum Jahresauftakt von 2022 erneut fester. Das Kaufinteresse hält ungebrochen weiter an. Aus der Industrie am Binnenmarkt wie auch von den Exportmärkten gehen immer wieder neue Anfragen bei den Werken ein. Der vergleichsweise frühe Ramadan im laufenden Jahren dürfte zu der guten Exportnachfrage mit beitragen. Der Nachfrage steht nur ein recht begrenztes Angebot gegenüber. Für die kommenden Monate haben die Molkereien bereits umfangreiche Mengen unter Vertrag. Bei zwar saisonal steigender, aber dennoch unter Vorjahresniveau liegender Milchanlieferung und hoher Käsenachfrage ist die Rohverfügbarkeit für die Herstellung von Magermilchpulver limitiert, so dass in Deutschland überwiegend kaum noch freie Mengen verfügbar sind.
Auch in den USA ist die Erzeugung in den letzten Monaten zunehmend geschrumpft. Diese Entwicklungen führen zu höheren Preisforderungen.
Für Lebensmittelware wurden zuletzt höhere Preise aufgerufen und durchgesetzt. Auch für Futtermittelware müssen bei sehr knappem Angebot höhere Preise bezahlt werden.
Am Markt für Vollmilchpulver trifft eine niedrige Produktion auf eine kontinuierliche Nachfrage. Vor allem in der Lebensmittelindustrie am Binnenmarkt besteht Bedarf. Auch aus den Exportmärkten gehen in gewissem Umfang Anfragen ein. Die Preise tendieren auf hohem Niveau seitwärts bis etwas fester.
Von einem knappen Angebot ist auch der Markt für Molkenpulver gekennzeichnet. Die Preise für Futtermittelware haben seit Jahresanfang kräftig angezogen. Die Preise für Lebensmittelware tendieren bei geringer Verfügbarkeit ebenfalls fester, wobei sich der Preisabstand zur Futtermittelware merklich verringert hat. (Süddeutsche Butter- und Käse-Börse e.V. Kempten (Allgäu)/proplanta.de)