MIV-Vorsitzender Stahl sieht bei Erzeugerpreisen wenig Luft nach oben

Wenig Hoffnung auf ein strukturell und langfristig höheres Erzeugerpreisniveau am Milchmarkt kann der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Peter Stahl, den deutschen Landwirten machen. Stahl äußerte beim „Milchpolitischen Frühschoppen“ des MIV heute in Berlin Verständnis für die Situation und die aktuellen Proteste der Milcherzeuger, erklärte aber zugleich, dass diese kaum etwas an den Preisverhandlungen und den am Markt erzielbaren Preisen ändern dürften. Er wies darauf hin, dass der europäische Milchmarkt 2020 einen Selbstversorgungsgrad von weit über 100 % aufgewiesen habe. Damit werde der europäische und deutsche Milchpreis maßgeblich vom internationalen Wettbewerb beeinflusst.
Erschwert wird die Situation nach Darstellung des MIV-Vorsitzenden dadurch, dass der Anteil von Markenprodukten im Drittlandsexport gerade einmal bei rund einem Drittel liegt. Wettbewerb und Preisbildung finde daher vor allem über Standardware und damit über den niedrigsten Preis statt, erläuterte Stahl. Veränderungen wären nach Auffassung des Vorstandsvorsitzenden der Hochland-Molkerei nur durch eine echte Mengenreduzierung und über die Steigerung des Markenanteils möglich. Beides sei nur auf „langem Weg“ möglich, bleibe für höhere Erlöse aber unumgänglich.
Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Karsten Schmal, sieht dennoch gute Argumente für höhere Preise. Nach seiner Darstellung reichen die aktuellen Erzeugerpreise schon „bei weitem“ nicht, um die Existenz der Landwirte langfristig zu sichern. Zudem stiegen die Auflagen und Anforderungen an die Produktion und Haltungsbedingungen ständig, was meist mit höheren Kosten verbunden sei. Schmal nimmt deshalb Politik, Gesellschaft und Marktpartner in die Pflicht. Wenn Milchproduktion zu hohen Standards in Deutschland eine Zukunft haben solle, brauchten die Erzeuger eine bessere Perspektive, unterstrich der „Milchpräsident“ des Deutschen Bauernverbandes (DBV). (AgE)

Forderung nach kräftiger Rohmilchpreisanhebung unrealistisch

Morgen werden wieder Landwirte vor die Tore von Molkereien und Schlachtereien ziehen und angesichts ihrer wirtschaftlich angespannten Situation höhere Erzeugerpreise fordern. Die von den im „Milchdialog“ zusammengeschlossenen Organisationen verlangte Anhebung des Rohmilchpreises um mindestsens 15 Cent/kg hält der Milchindustrie-Verband (MIV) jedoch für unrealistisch. „Wir verstehen die Situation der der Landwirte, aber es wird keine Wunder geben“, erklärte MIV-Vorsitzender Peter Stahl heute bei einer Pressekonferenz des Verbandes. Er wies daraufhin, dass Deutschland über seine Ein- und Ausfuhren eng mit anderen Märkten verbunden sei und das Erzeugerpreisniveau hierzulande auf EU-Niveau liege. „Es wäre eine Illusion zu glauben, dass sich daran massiv etwas ändern könnte“, so Stahl.
Der MIV-Vorsitzende wies zudem darauf hin, dass die Corona-Situation nicht nur die Landwirte, sondern auch die Molkereien mit Kostensteigerungen und geringerer Rentabilität fordere. So hätten Fertigungslinien wegen des Wegfalls von Absatzkanälen umgestellt, Hygienemaßnahmen eingeführt oder den Mitarbeitern Zuschläge gezahlt werden müssen. Darüber hinaus seien die Kosten für Verpackungen und Bürokratie gestiegen. Stahl stellte zudem klar, dass die geforderte konzertierte Anhebung der Molkereiabgabepreise nach deutschem und europäischem Kartellrecht nicht möglich sei.
Molkereien und die Landwirte müssten gemeinsam darauf hinarbeiten, die Vermarktung und die Kommunikation für die Milch zu stärken. „Konfrontation oder Blockaden lösen das Problem nicht, nur der Dialog“, betonte Stahl. Ein Baustein, um die Situation zu entspannen, sei aus Sicht des MIV die Exporte weiter zu fördern, um Märkte zu sichern und damit auch langfristig einen guten Milchpreis sicherzustellen. Denn Handelskriege, wie mit den USA oder Russland, schadeten der Milchvermarktung. Erschwerend komme der drohende Brexit hinzu.
Der stellvertretende MIV-Vorsitzende Hans Holtorf merkte an, dass die „Milchproduktion auf Corona nicht reagiert hat“ und der Mengenabfluss über Exporte erfolgt sei, ohne die es einen noch stärkeren Einbruch der Verwertungen gegeben hätte. „Die Exportmärkte sind nicht nur die schlechten“, machte Holtorf klar und erinnerte daran, dass diese durchaus auch schon für höhere Auszahlungspreise gesorgt hätten. Für den Jahresmilchpreis 2020 sei ein durchschnittliches Niveau von 32,50 Cent/kg zu erwarten, was 1 Cent weniger als im Vorjahr und sicher nicht auskömmlich für die Milchbauern sei. Doch angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen durch die Corona-Krise sei das immer noch eine „hervorragende Leistung der Molkereiwirtschaft“. (AgE)

US-Strafzölle: Europäische Milchindustrie richtet Appell an Biden

Die USA sollen die Strafzölle für Käseimporte aus der EU zurücknehmen, fordert der Europäische Verband der Milchindustrie (EDA) in einem Brief an den neuen US-Präsidenten Joe Biden.
Die europäischen Molkereien und US-amerikanischen Käseimporteure beklagen schwere wirtschaftliche Schäden, seitdem die Strafzölle auf Käse aus der EU in Kraft sind, berichtet aiz.info. Die Welthandelsorganisation (WTO) hatte den USA Strafzölle zugestanden, weil die EU ihren Flugzeugbauer Airbus zu sehr subventionierte.
Die Strafzölle für Käse seien dennoch unfair, beklagt die EDA in einem Brief an Biden. Der Molkereisektor habe mit dem Flugzeugbau nichts zu tun, und nach den WTO-Regeln sollen die Produkte für Strafzölle möglichst branchennah ausgesucht werden, erklärt der Verband.
Zudem macht die EDA auf die ohnehin schwierige Lage der Molkereien durch Corona aufmerksam und betonte die Verluste für US-amerikanische Verbraucher durch teure Käseeinfuhren. Auf Schaf- und Ziegenkäse müssten US-Verbraucher zudem weitgehend verzichten, weil es für diese kaum heimische Alternativen gebe. Der neue US-Präsident wird aufgefordert, Käse von der Sanktionsliste zu streichen.
Die EU setzt auf eine Beilegung des Handelsstreits um Flugzeugsubventionen und hofft nach dem Präsidentenwechsel auf eine größere Bereitschaft der USA zu einer einvernehmlichen Lösung. (Topagrar.com)

Milchpreis: 14,05 Cent fehlen zur Kostendeckung

Für den Zeitraum Juli bis Oktober 2020 lagen die Produktionskosten in Deutschland bei 46,69 ct/kg Milch und der durchschnittliche Auszahlungspreis bei 32.64 ct/kg.
Milcherzeugern in Deutschland fehlten bei einem durchschnittlichen Milchpreis von 32,64 ct/kg zwischen Juli und Oktober 2020 rund 14,05 ct zur Kostendeckung. Das berichten European Milk Board und MEG Milch Board.
Die Preis-Kosten-Ratio lag damit bei 0,7. Das hießt, dass das die Produktionskosten zu 70 % über den Milchpreis gedeckt sind. 2019 betrug der Wert 71 %.
Der Milch-Marker-Index (MMI) zeigt Kostenentwicklung der Milchproduktion im Vergleich zum Jahr 2015. Der MMI hatte im Oktober 2020 einen Wert von 113, d.h. dass die Produktionskosten um 13 % gestiegen sind. Das EMB schlägt zur Abhilfe ein sogenanntes „Marktverantwortungsprogramm“ als Kriseninstrument vor.

NRW: Corona stärkt Trinkmilch

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW (LV Milch) hat auf ihrer Jahrespressekonferenz u.a. darüber berichtet, wie sich Corona im Jahr 2020 auf den Milchmarkt in Nordrhein-Westfalen ausgewirkt hat:
• In den Supermärkten haben die Verbraucher mehr Butter, Joghurt, Käse, Quark und erstmals seit längerem auch wieder mehr Konsummilch nachgefragt. Insbesondere Biomilch legte von Januar bis Oktober um 15,5% zu; bei Weidemilch waren es 17,3%.
• Im Gastronomie- und Foodservice-Bereich brach der Absatz um 75% ein. Das konnte auch der Mehrabsatz im LEH nicht vollständig auffangen.
• Milchimitate wie Soja- oder Hafermilch stiegen um 60% auf etwa 180 Mio. l an. Die LV Milch mahnt, dass z.B. Hafermilch weniger werthaltig für die menschliche Ernährung sei als Kuhmilch und auch kein sonst nicht nutzbares Grasland veredele.
Der durchschnittliche Milcherzeugerpreis in Nordrhein-Westfalen belief sich im vergangenen Jahr auf rund 33,3 Cent/kg (4% Fett, 3,4% Eiweiß); 0,4 Cent oder 1,2 % weniger als 2019. Obwohl deutlich mehr Umwelt-, Klima- oder Tierschutzauflagen zu erfüllen sind und auch die Anforderungen des Handels angestiegen sind, hat sich das Preisniveau in den vergangenen Jahrzehnten nicht nennenswert erhöht, kritisiert die LV Milch. Zusätzlich übten Futterknappheit durch Dürrejahre und Kritik aus der Gesellschaft Druck aus, sodass 2020 rund 4% der Milcherzeuger aufgegeben hätten.  (Elitemagazin)

Hochland-Molkerei ändert Werbung

Der Allgäuer Käsehersteller Hochland steht aufgrund seiner Werbung für den „Grünländer Käse“ mit „Freilaufkühen“ noch immer in der Kritik. Das Unternehmen erhielt bereits im September 2020 den „Goldenen Windbeutel“ von der Verbraucherorganisation Foodwatch als Negativpreis für die dreisteste Werbelüge des Jahres. Hochland ließ sich davon bis jetzt allerdings nicht beeindrucken, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Der Vorwurf von Foodwatch: Der Begriff „Freilaufkühe“ führt den Verbraucher in die Irre. Die Hochland-Molkerei täusche dem Kunden ein Weideidyll vor, obwohl die Kühe im Stall gehalten werden.
Erst nachdem sich der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) eingeschaltet und Hochland eine Abmahnung erteilt hat, erklärte sich der Milchverarbeiter bereit, die Werbung zurückzuziehen. Der VSW versteht sich nach eigenen Angaben als Hüter des Wettbewerbsrechts und gilt als sehr angriffslustig. Er habe sich bei der Abmahnung auf das deutsche und europäische Lebensmittelrecht bezogen,. Daraufhin verpflichtete sich Hochland, die Werbung nach einer Umstellungsfrist bis zum 10. Januar 2022 zu unterlassen. (Topargra.com)

Prof. Spiller will Klimalabel für Lebensmittel

Ein Bundesbürger emittiert pro Jahr etwa 9 t CO2, rechnen Wissenschaftler vor. Davon entfallen etwa 2 t auf die Ernährung. Da die EU bis 2050 die Klimaneutralität anstrebt, ist für Prof. Dr. Achim Spiller von der Universität Göttingen völlig klar, dass auch der Ernährungsbereich seinen Beitrag dazu leisten muss. „Bei den Unternehmen hat der Klimaschutz mittlerweile ein große Bedeutung“, stellte der Wissenschaftler bei der Digitalveranstaltung der Uni Vechta am Donnerstag klar. Das Thema: „Noch ein Label? Klimalabel! Gestaltungsempfehlungen für ein Klimalabel auf Lebensmitteln“
„In den nächsten Jahren werden immer mehr Unternehmen aus dem Ernährungsbereich Kennzeichnungen zur Klimawirkung auf ihre Produkte drucken“, ist Spiller überzeugt. Hersteller wie Arla Foods oder die Wiesenhof-Gruppe treten damit bereits offensiv an die Verbraucher heran. Es sei deshalb falsch, sich dem zu verschließen. Man sollte die Diskussion stattdessen aktiv mitgestalten.
Spiller beobachtet bei den Verbrauchern eine große Unsicherheit und Unwissenheit bei Klima und Ernährung. „Ist der Apfel aus Chile wirklich klimafreundlicher als Geflügelfleisch aus Deutschland?“, fragte der Wissenschaftler. Hinzu kämen große Spannweiten bei der Treibhausgasbelastung bei ein und demselben Produkt. 1 kg Tomate könne im besten Fall 500 g CO2-Äquivalent (CO2eq) bedeuten oder aber auch 5 kg CO2eq, wenn es ungünstig liefe.
Eine realistische Einschätzung der Klimawirkung einzelner Lebensmittel sei für Konsumenten derzeit kaum möglich, meint Spiller. Ein Klimalabel könne die Transparenz für klimabewusste Verbraucher erhöhen und auch in der Lebensmittelwirtschaft für mehr Aufmerksamkeit in Bezug auf den Klimaschutz sorgen. Der Effekt kann groß sein. Nach Spillers Daten hat der Ernährungsstil einen großen Einfluss auf die Klimabelastung. Von 1t CO2eq pro Jahr bis über 3 t CO2eq sei alles möglich.
Bei der Form des Labels gibt es nach Aussage des Wissenschaftlers viel Spielraum. Er plädiert für ein mehrstufiges Label, dass durch eine Farbskala den Verbraucher führt. Gleichzeitig solle aber auch der Treibhausgasausstoß in kg CO2eq pro kg Produkt erwähnt werden, um bei den Unternehmen die Motivation zur Verbesserung zu gewährleisten. Um den Start zu erleichtern, sollte man zudem mit Durchschnittwerten beginnen, die mittlerweile für viele Produkte verfügbar seien.
Einzelne Unternehmen könnten sich dann mit einem validierbaren System im Branchenvergleich besser stellen können. So ein Label sollte zudem alle Lebensmittel erfassen und auch Großverbraucher und die Systemgastronomie mit einschließen. Spiller denkt außerdem an ein staatliches und verpflichtendes Label.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie komplex das Thema ist. Zuhörer gaben zu bedenken, dass es zum Teil Zielkonflikte geben dürfte, z.B. beim Thema Tierschutz und Klimaschutz. „Das Fleisch von der extensiv gehaltenen Mutterkuh schneidet vermutlich nicht besonders gut ab“, meinte ein Zuschauer.
Dem Vorschlag das Klimalabel zurückzustellen und zunächst auf das Thema Tierwohllabel zu schauen, um auch die Landwirte nicht zu überfordern, erteilte Spiller eine Absage. „Diese Zeit haben wir nicht.“ Die gesellschaftlichen Diskussionen liefen parallel und der Klimawandel sei im vollen Gange. (Topagrar.com)

Auch Lebensmittelhersteller von Corona-Pandemie betroffen

Auch wenn die Bilder von Hamsterkäufen im ersten Corona-Lockdown womöglich ein anderes Bild suggerierten, sind längst nicht alle Lebensmittelhersteller mit vollen Auftragsbüchern oder ohne Blessuren durch die bisherigen Pandemiemonate gekommen. Wie der Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbandes Deutschland und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungswirtschaft (BVE), Christoph Minhoff, am 14. Januar in Berlin berichtete, konnten beispielsweise die Hersteller von Mehl, Nudeln oder Tiefkühlprodukten im vergangenen Jahr zeitweise zwar große Umsatzzuwächse verbuchen. Diesen seien jedoch oft ebenso große Einbrüche bei der Nachfrage gefolgt, da nach der Bevorratung lange wenig Nachfrage nach diesen Erzeugnissen bestanden habe, stellte Minhoff fest. Vor weitaus größeren Problemen stehen nach Darstellung des Geschäftsführers der beiden Branchenorganisationen allerdings die Lebensmittelhersteller, deren Kundenkreis im Wesentlichen aus der Gastronomie stammt. Der zweite und nun womöglich weitere zwölf Wochen anhaltende Lockdown habe für drastische Nachfrageverluste bei diesen Unternehmen geführt. Minhoff geht auch nicht davon aus, dass sich der Absatz im Gastronomiebereich nach dem Ende der pandemiebedingten Schließungen so bald erholen wird. Er befürchte jedenfalls „dramatische Veränderungen“ in der Restaurantlandschaft, sollte der Lockdown noch lange anhalten, warnte der Geschäftsführer. (AgE)

Milcherzeugung ist ein Minusgeschäft

Die deutschen Milcherzeuger müssen weiterhin ohne kostendeckende Erlöse arbeiten. Darauf hat am 15. Januar die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board aufmerksam gemacht und auf entsprechende Berechnungen des Büros für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL) zum Milch Marker Index verwiesen. Demnach lagen im Oktober 2020 die durchschnittlichen Produktionskosten für ein Kilogramm Milch im Bundesgebiet bei 46,69 Cent, während sich der mittlere Milcherzeugerpreis nur auf 32,64 Cent/kg belief. Zur Vollkostendeckung fehlten den Milchbauern somit 14,05 Cent/kg oder 30 Prozent. „Die Milcherzeugung in Deutschland ist für die meisten Betriebe ein Minusgeschäft und gefährdet sie in ihrer Existenz“, beklagte der Vorstandsvorsitzende der MEG Milch Board, Frank Lenz. In der Gesprächsbereitschaft des Handels und ersten zögerlichen Preiszugeständnissen sieht er jedoch einen ersten Erfolg. „In der Sache besteht eine starke Einigkeit: Die Preise müssen hoch“, betonte Lenz. Über den Weg dahin werde noch diskutiert, obwohl es dazu bereits ausgefeilte Konzepte gebe. Die Verhandlungsebene müsse jetzt dringend auf die Stufe der Verarbeiter verschoben werden. Denn wenn diese bei der nächsten Preisrunde wieder einknickten, purzelten die Preise. Bei Butter habe man dies bereits in diesen Tagen schmerzhaft beobachten können. „Für eine nachhaltige Milchpreisgestaltung reicht es nicht mehr aus, die Preise punktuell zu verhandeln. Vielmehr müssen Kontrakte für einen bestimmten Lieferzeitraum abgeschlossen werden“, betonte der MEG-Vorsitzende. Diese müssten neben dem Preis und der Laufzeit selbstverständlich auch die Liefermenge beinhalten. „Wir können fordern und verhandeln so viel wir wollen. Wenn die Menge der Nachfrage nicht angepasst ist, sind keine höheren Preise für uns zu erwarten“, erklärte Lenz. Erschreckend finde er, dass viele junge Betriebsleiter über die rechtlichen Möglichkeiten nicht Bescheid wüssten. „Die Urproduktion ist vom Kartellverbot befreit. Wir dürfen uns zusammenschließen, als Vermarktungseinheit gegenüber den Molkereien auftreten und genau diese Kontrakte einfordern“, hob Lenz hervor. Während bei den Privatmolkereien zumindest in der Theorie vertragliche Vereinbarungen hinsichtlich Menge und Preis bereits möglich wären, zerstöre die 100-prozentige Andienungspflicht der genossenschaftlichen Milcherzeugern jeglichen Verhandlungsspielraum. Diese gehöre deshalb ausgesetzt. (AgE)

Milchpreise wie vor 40 Jahren

Kräftige Abzüge beim Milchgeld sind den Landwirten 2020 trotz der Corona-Pandemie erspart geblieben; trotzdem fürchten viele Betriebe um ihre Existenz. Woran das vor allem liegt, machte der Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in Nordrhein-Westfalen (LV Milch), Dr. Rudolf Schmidt, bei der virtuellen Jahrespressekonferenz seiner Organisation am 13. Januar deutlich. Nach seiner Schätzung dürfte sich der durchschnittliche Milcherzeugerpreis im vergangenen Jahr für eine Milch mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß in Nordrhein-Westfalen auf 33,3 Cent/kg belaufen haben; das wären 0,4 Cent oder 1,2 % weniger als 2019. Blicke man zurück, dann sei dies ungefähr das Niveau wie vor 20 oder 40 Jahren, erläuterte Schmidt. Gerade in den vergangenen Jahren seien jedoch immer mehr Umwelt-, Klima- oder Tierschutzauflagen zu erfüllen gewesen, und auch die Anforderungen des Handels nähmen stetig zu. „Die dadurch gestiegenen Produktionskosten finden sich jedoch nicht in den Milchpreisen wieder“, monierte der Milchexperte. Hinzu kämen Futterknappheit durch Dürrejahre und eine kritische gesellschaftliche Diskussion, was zu einem erheblichen Druck auf den Betrieben führe. Die Folge sei ein deutlicher Strukturwandel; allein im vergangenen Jahr hätten in dem Bundesland 4,0 Prozent der Milchbauern aufgegeben und die Milchkuhherde sei um 2,0 Prozent gesunken. Der westfälische Vorsitzende der LV Milch, Wilhelm Brüggemeier, betonte, dass die Milchwirtschaft ihrer Verantwortung für eine umweltbewusste und nachhaltige Produktion seit langem gerecht werde. „Doch wir können mit diesen Milchpreisen nicht überleben“, machte er klar. Die Aufwendungen für höhere Umwelt- und Tierschutzstandards müssten den Erzeugern entgolten werden; diese seien mit Milchpreisen wie vor 40 Jahren nicht zu bezahlen. Nach Einschätzung des rheinischen LV Milch-Vorsitzenden Hans Stöcker sind die Marktbedingungen zum Jahresbeginn ausgeglichen, was zunächst auf relativ stabile Milchpreise hindeute. Allerdings gebe es Risiken wie die Corona-Krise, aber auch Chancen, beispielsweise durch eine Verhaltensänderung des Handels aufgrund der Bauernproteste.
Das jüngste Verhalten des Discounters Aldi bei der Butterpreissenkung deute aber kaum auf einen Bewusstseinswandel hin, merkte Stöcker an. Obwohl der Fettmarkt auch international stabil gewesen sei, habe allein die Ankündigung von Aldi, dass die Butterpreise sinken werden, dazu geführt, dass dann auch die Kontraktpreise und Notierungen nachgegeben hätten. „Das ist ein typisches Beispiel dafür, wie groß wirklich die Marktmacht ist und das die Landwirte und Molkereien Schwierigkeiten haben, dagegen anzugehen“, hob Stöcker hervor. Dieser Preisrückgang sei eher struktur- als marktbedingt gewesen. Auch Brüggemeier kritisierte das starke Ungleichgewicht der Handelspartner. Zwar habe das Bundeskartellamt 2011 in einer Sektoruntersuchung festgestellt, dass es für den Verbraucher keine schädigende Einschränkung des Wettbewerbs gebe, doch „wir können es im Jahr 2021 nicht mehr akzeptieren, wenn ein Oligopol von vier großen Lebensmitteleinzelhändlern den ganzen Markt diktiert“, betonte Brüggemeier. Während am Weltmarkt die Preise stiegen, habe der LEH mit seinem Gewicht hierzulande eine Preissenkung herbeigeredet. „Hier brauchen wir die Politik und eine Änderung des Kartellrechtes“, betonte der LV Milch-Vorsitzende. Es dürfe dabei nicht nur das Wohl der Verbraucher gesehen werden, sondern auch das Wohl in der Kette mit Produzenten und Weiterverarbeitern.
Laut LV Milch hat das Corona-Jahr 2020 am nordrhein-westfälischen Milchmarkt im Gastronomie- und Foodservicebereich Absatzeinbußen von bis zu 75 % zur Folge gehabt, die wertmäßig nicht vollständig über den Mehrabsatz im LEH ausgeglichen wurden. Das liegt auch daran, dass an Großkunden in der Außer-Haus-Verpflegung oft Spezialprodukte mit höherer Wertschöpfung verkauft werden. In den Supermärkten stiegen coronabedingt bundesweit die Verkaufszahlen an. Das galt nicht nur für Butter, Joghurt, Käse oder Quark, sondern erstmals seit längerem auch für Konsummilch. Die Landesvereinigung stellte dabei fest, dass es im Basissortiment der Trinkmilch zu einer stärkeren Preisdifferenzierung bei den Handelsketten gekommen ist. Ein erneut starkes Wachstum verzeichnete der Absatz von Biomilch, der laut Daten von Januar bis Oktober 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15,5 Prozent zulegte; bei Weidemilch waren es 17,3 Prozent. Noch stärker ging es jedoch mit den Abverkäufen von Milchimitaten nach oben, die um rund 60 Prozent auf etwa 180 Mio l stiegen und damit den Weidemilchabsatz klar überflügelten. Auch wenn einige Molkereien selbst in diesem Geschäftsbereich tätig sind, sehen das einige Vertreter kritisch. Brüggemeier wies darauf hin, dass beispielsweise Hafermilch von den Inhaltsstoffen her viel weniger werthaltig für die Ernährung sei als Kuhmilch. Zudem werde über die Milcherzeugung ansonsten kaum verwertbares Grasland genutzt und veredelt. Die neue Branchenkommunikation Milch werde sich um dieses Thema kümmern. (AgE)

Thema Butterpreissenkung noch nicht vom Tisch

Nach der vom Lebensmitteleinzelhandel (LEH) Anfang Januar erzwungenen Senkung der Molkereiabgabepreise für Butter um mehr als 50 Cent/kg haben sich die Wogen noch nicht geglättet. Wie das Landvolk Niedersachsen am 11. Januar mitteilte, hat diese Senkung „das Butterfass zum Überlaufen gebracht“. „Weder Verbraucher noch Politik und erst recht nicht die Landwirte – insbesondere die Milchbauern – haben Verständnis für diese asoziale Aktion des Discounters Aldi und für das Geschäftsgebaren des Lebensmitteleinzelhandels allgemein“, betonte Landvolk-Vizepräsident Manfred Tannen. In das internationale Preisgefüge passe die aktuelle Butterpreissenkung des Handels nicht. Doch gehe es hier nicht um Markt, „sondern auch um Macht der Konzerne und um den Kampf von Marktanteilen im Lebensmitteleinzelhandel“, monierte der Vizepräsident. Während der LEH immer weiter steigende Renditen einfahre, treibe er durch seine Einkaufspolitik Zulieferer und landwirtschaftliche Betriebe an den Rand des Ruins. Höhere Standards, Auflagen und Gesetze erhöhten die Produktionskosten bei den Milchbauern, die der Markt nicht ausreichend vergüte. „Hier ist Politik in der Pflicht, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die ein Überleben der hiesigen Betriebe ermöglicht“, forderte Tannen. Der Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) berichtete am vergangenen Montag, dass die Butterpreise für Verbraucher im LEH bisher nicht entsprechend dem Abschlag bei den Einkaufspreisen nach unten angepasst worden seien. Im normalen Preiseinstiegssegment liege der Preis für das 250-g-Päckchen unverändert bei 1,39 Euro. So würden die Verbraucher „geschröpft“ und Molkereien und Bauern unter Druck gesetzt, während sich der Handel „fette Gewinnmargen“ sichere. Dass bei weiter zunehmender Konzentration des Oligopols beim LEH nun auch der Verbraucher nicht mehr – von Angeboten abgesehen – von eigentlich zu billigen Nahrungsmittelpreisen profitieren könne, sollte Politik und auch Verbraucherverbände spätestens jetzt wachrütteln, erklärte der VMB.
Anlässlich der Butterpreissenkung im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) fordertet der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau (BWV), Michael Horper, erneut, dass Werbung mit Ramschpreisen rechtlich untersagt werden müsse. „Der LEH knüppelt erneut die Preise nach unten, wohl wissend, dass die privaten wie genossenschaftlichen Molkereien sich wechselseitig unterbieten“, kritisierte Horper. Obwohl der Weltmarktpreis für Butter zuletzt deutlich gestiegen sei, verweise der Handel darauf, dass Weihnachten vorbei sei und schon immer die Abgabepreise für Päckchenbutter nach den Feiertagen zurückgingen. Eine derartige Vorgehensweise sei keine Partnerschaft zum Wohle aller, sondern eine „marktbeherrschende Diktatur der großen Handelsketten“, so Horper. Gleichzeitig werde der Wert von Nahrungsmitteln mit Füßen getreten. „Das ist politisch und gesellschaftlich skandalös sowie wirtschaftlich ruinös“, monierte der Verbandspräsident. Die jüngsten Protest- und Blockadeaktionen von Milchbauern hätten gezeigt, dass bisher weder Gespräche noch Vernunft zu einem Umdenken in den Führungsetagen des LEH geführt hätten. Dies müssten auch die Parlamentarier im Deutschen Bundestag erkennen und das Kartell- wie auch das Wettbewerbsrecht so ändern, dass unlautere Handelspraktiken und Machtmissbräuche verhindert würden. „Wer die soziale Marktwirtschaft erhalten will, muss eine zerstörerische Marktwirtschaft mit allen Mitteln bekämpfen“, betonte Horper. Dazu gehöre auch ein Verbot der Werbung für Nahrungsmittel mit skandalösen Preisen.
Die im „Milchdialog“ zusammengeschlossenen Organisationen halten die Diskussionen zwischen Handel, Verarbeitern und Politik, wer wie viel Verantwortung für die aktuellen Butterpreissenkungen trägt, für wenig zielführend. „Wir dürfen über der Schuldfrage nicht vergessen, dass es weitaus wichtiger ist, jetzt konstruktiv nach vorn an Lösungen für eine höhere Wertschöpfung für die Erzeuger zu arbeiten“, hieß es am 12. Januar in einer Pressemitteilung. Der Milchdialog habe bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette Verantwortung übernehmen müssten, wenn es darum gehe, den Landwirten eine höhere Wertschöpfung zu ermöglichen. Sollte der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) – wie angekündigt – zu einem Spitzengespräch einladen, seien auch die Verarbeiter aufgefordert, sich aktiv daran zu beteiligen, um Lösungen statt Schuldfragen zu erörtern. Die kurzfristige Öffnung der bestehenden Kontrakte als schnellstes Mittel, um Geld auf die Betriebe zu bringen, müsse dabei unbedingt Teil des Gesprächs sein. Das Ziel der Organisationen des Milchdialogs sei es immer gewesen, mit einer starken Stimme für die Bauern zu sprechen. „Wir müssen klar und deutlich formulieren, worauf es im Wesentlichen ankommt“, betonte der Milchdialog. Für eine kurzfristige Preiserhöhung seien beispielsweise andere Instrumente nötig als für die mittel- und längerfristige Umsetzung höherer Erzeugerpreise. In Verhandlungen mit Politik und Handel dürfe man sich nicht in Detaildiskussionen verlieren, weshalb es dafür eine sorgfältige argumentative und strategische Vorbereitung brauche. (AgE)

Schwälbchen-Molkerei 2020 mit weniger Umsatz

Der Schwälbchen-Chef Günter Berz-List rechnet mit Umsätzen von 150 Mio. € im Gesamtjahr 2020. Das Ergebnis nach Steuern werde nach Schätzungen von 3 Mio. € im Vorjahr 2019 auf einen Fehlbetrag von minus 1,3 Mio. € abfallen, heißt es in einer Pressemitteilung der Molkerei. Das Unternehmen teilt sich in die beiden Geschäftsfelder Molkerei und Frischdienst auf, die sich im vergangenen Jahr sehr unterschiedlich entwickelt haben, berichtet Berz-List.
Der Umsatz des Geschäftsbereichs „Molkerei“ sei leicht angestiegen. Es habe zwar Rückgänge bei dem Verkauf von Getränken für unterwegs gegeben, doch die Nachfrage nach regionalen Produkten habe sich verstärkt und sich positiv auf die sogenannte „Grüne Linie“ ausgewirkt. Dazu gehören zum Beispiel Milch, Quark, Schmand und Sahne.
In der Milchverarbeitung kann Schwälbchen ein Plus von 2,4 % auf 138 Mio. kg verzeichnen, heißt es weiter. Damit rangiert der Milchverarbeiter nach eigenen Angaben über dem Bundesdurchschnitt bei der Milchanlieferung. Der Umsatz im Molkereigeschäft werde um 1,3 % auf 95 Mio. € steigen. Das zweite Geschäftsfeld „Frischdienst“ konzentriert sich insbesondere auf Großverbraucher. Zu den Kunden zählen Betriebskantinen, Hotels und Gastronomen, Schulen, Kliniken und Mensen. Die verschärften Corona-Einschränkungen haben zu deutlichen Einbußen geführt, so Berz-List. Der Umsatz sei um ein Drittel auf 65 Mio. € gesunken. Der Jahresfehlbetrag belaufe sich vermutlich auf ein Minus von 2,3 Mio. €. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen erklärt das Unternehmen, die Strategie des Frischedienstes anzupassen und das Sortiment umdenken zu müssen. (Topagrar.com)

Zum Jahresbeginn Preisaufschläge am Weltmilchmarkt

Der Start ins neue Jahr war zumindest am Weltmarkt für Milcherzeugnisse von anziehenden Preisen geprägt. Bei der Auktion an der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) konnte am vergangenen Dienstag (5.1.) der zusammenfassende Preisindex der sieben gehandelten Standardmilchprodukte gegenüber der Versteigerung von Mitte Dezember um 3,9 % zulegen. Er ging damit auf einem um 2,5 % höheren Niveau ins neue Jahr als 2020 und erreichte den höchsten Stand seit Mitte November 2019. Die Corona-Verluste des vergangenen Jahres sind somit wettgemacht. Bei der jüngsten Handelsrunde wurden alle Standardmilchprodukte mit Aufschlägen gehandelt. Dabei verteuerte sich Laktose mit 7,4 % am stärksten. Fast ebenso deutlich zog über alle Qualitäten und Liefertermine hinweg der Preis für Butter mit 7,2 % auf 4 526 $/t (3 681 Euro) an; das war der höchste Wert seit Juni 2019. Im Vergleich zur aktuellen Blockbutternotierung in Deutschland liegt das Preisniveau an der GDT jetzt um rund 10 % höher. Ebenfalls gut gefragt war Buttermilchpulver mit einem Plus von 6,9 % auf 2 876 $/t (2 339 Euro). Milchpulver konnte weiter von der guten Nachfrage in Asien und insbesondere China profitieren. Vollmilchpulver als umsatzstärkstes Produkt an der GDT zog gegenüber der Auktion von Mitte Dezember 2020 im Mittel aller gehandelten Kontrakte um 3,1 % auf 3 306 $/t (2 689 Euro) an; tiefer in die Tasche greifen mussten die Käufer dafür zuletzt im November 2019. Einen noch stärkeren Wertzuwachs verzeichnete Magermilchpulver mit 4,1 % auf 3 044 $/t (2 476 Euro), was ein neues Zwölfmonatshoch bedeutete. Auch dieses Produkt wurde um rund 10 % teurer als in Deutschland gehandelt, nimmt man die Kemptener Notierung als Maßstab. Cheddarkäse konnte bei der jüngsten Versteigerung seine Aufwärtstendenz aus dem alten Jahr fortsetzen; der mittlere Preis aller gehandelten Kontrakte legte gegenüber Mitte Dezember um 5,0 % auf 4 078 $/t (3 337 Euro) zu. Im Vergleich zum Jahresauftakt 2020 lag das Niveau um 1,6 % höher. Zudem verzeichneten bei der GDT-Auktion wasserfreies Milchfett einen mittleren Preisaufschlag von 5,5 % auf 4 604 $/t (3744 Euro); das waren allerdings 6,6 % weniger als zum Jahresbeginn 2020 (Umrechnungskurs: 1 $ = 0,8133 Euro). (AgE)

Bundesregierung erwartet keine steigenden Lebensmittelpreise durch CO2-Bepreisung

Durch die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Bepreisung in den Bereichen Wärme und Verkehr erwartet die Bundesregierung „keine signifikanten Preissteigerungen“ bei Lebensmitteln, obwohl sie zugleich die Weitergabe nun höherer Produktionskosten in der Landwirtschaft an den Endkunden als zentral für die Frage des Wettbewerbsrisikos der Betriebe einstuft. Das geht aus ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor. Die Frage, ob und um wie viel die landwirtschaftlichen Produktionskosten durch die Einführung der CO2-Bepreisung steigen werden, beantwortet die Bundesregierung lückenhaft. So erläutert sie, dass Diesel für Land- und Forstwirte voraussichtlich 7 % bis 15 % teurer würden, Erdgas um 9 % bis 20 % und Heizöl um 11 % bis 25 %. Zu den Auswirkungen höherer Preise von Betriebsmitteln und Maschinen nennt sie keine Zahlen. Kostensteigerungen in der Landwirtschaft hängen nach Einschätzung der Bundesregierung von der Art des landwirtschaftlichen Betriebs ab. Gartenbaubetriebe mit beheiztem Unterglasanbau sowie Schweine- und Geflügelhalter seien stärker betroffen. Vom nationalen Emissionshandel erfasste Unternehmen könnten auf Grundlage der Carbon-Leakage-Verordnung einen finanziellen Ausgleich erhalten, sofern ihnen durch die CO2-Bepreisung im internationalen Wettbewerb ein Nachteil entstehe. Als Kompensation und Hilfe für die Anpassung durch Energieeinsparung und Umstellung auf erneuerbare Energien sollten das Bundesprogramm zur Steigerung der Energieeffizienz und Kohlenstoffdioxideinsparung in Landwirtschaft und Gartenbau fortgeführt und weiterentwickelt sowie der Einsatz erneuerbarer Energien gefördert werden, erläutert die Bundesregierung. Insgesamt vier Zeilen umfasst die Antwort der Bundesregierung auf die Frage, ob vor Verabschiedung des Ersten Gesetzes zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) eine Folgenabschätzung für die heimische Landwirtschaft vorgenommen worden sei. Man habe insbesondere die Belastungen des Erwerbsgartenbaus mit beheiztem Unterglasanbau untersucht, berichtet die Bundesregierung. Am Thünen-Institut habe man darüber ein Projekt initiiert, um Auswirkungen der CO2-Bepreisung auf den Ernährungssektor zu untersuchen. Projektergebnisse liefert die Bundesregierung nicht. (AgE)

Breite Kritik an Butterpreissenkung

Die Protest- und Blockadeaktionen von Milchbauern gegen den Discounter Aldi vor dem Jahreswechsel haben doch nicht verhindert, dass der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) die Einkaufspreise für abgepackte Butter massiv gedrückt hat. Wie der Verband der Milcherzeuger Bayerns (VMB) am 5. Januar berichtete, hat der LEH bei den Kontraktverhandlungen mit den Herstellern die Abgabepreise für Päckchenbutter um 56 Cent/kg „nach unten geprügelt“. Bestätigt wurde das durch die amtliche Notierung der Süddeutschen Butter- und Käsebörse in Kempten für geformte Butter, die um 56 Cent auf eine Spanne von 3,24 Euro/kg bis 3,34 Euro/kg nach herabgesetzt wurde. Dieser Notierung liegen der Börse zufolge konkrete Verkaufsabschlüsse zugrunde, sie ist keine Meinungsnotierung. Der Kontrakt soll laut VMB bis Ende Februar gelten. Angesichts der überdurchschnittlichen Butternachfrage der Privathaushalte im Lockdown und der festen Preistendenz am Weltmarkt sei die drastische Preissenkung nicht marktkonform, monierte der Verband. Massive Kritik an der Preispolitik des LEH und dem dieses Mal im Vordergrund stehenden Discounter Aldi kam auch von politischer Seite. Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, bezeichnete das Taktieren als „unanständig“. Entgegen aller Versprechungen werde knallhart der Preis gesenkt, und die Bauern seien wieder einmal die Leidtragenden. Dies beweise, dass „Aldi und Co keine ehrbaren Kaufleute sind, schon gar nicht Partner der Landwirtschaft“, stellte die CDU-Politikerin fest. Diese reagierten offenkundig nur auf Druck. Für sie sei klar, dass nun alle Möglichkeiten der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken genutzt werden müssten. Dazu gehörten ein Verbot aller einseitigen Vorgaben und eine Ausweitung des Anwendungsbereiches. Zur Wahrheit gehöre aber auch, so Connemann, dass ein Großteil der Milch von Genossenschaften verarbeitet und gehandelt werde, die sich ebenfalls einen harten Preiswettbewerb lieferten.
Thüringens Landwirtschaftsminister Benjamin-Immanuel Hoff sprach sich dafür aus, den Einfluss der landwirtschaftlichen Produzenten auf die Preisgestaltung ihrer Produkte zu stärken. „Die Niedrigpreispolitik der Discounter ist weiterhin der wesentliche Grund für die schwierige Wirtschaftslage der Agrarbetriebe“, stellte der Minister fest. Er mache sich keine Illusionen über einen Mentalitätswechsel in der Geschäftspolitik des LEH, doch gute Arbeit und gute Produkte müssten gut bezahlt werden. „Für die Landwirtschaft gilt wie für alle Branchen: Von Arbeit muss man leben können“, betonte Hoff. Der Agrarsprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff, erinnerte daran, dass viele Landwirte um Weihnachten vor den Zentrallagern des LEH protestiert und eine Zusage für eine nur moderate Butterpreissenkung erreicht hätten. Nun hätten Molkereien mit dem LEH auf dem Rücken der Bauern die Preise wieder „unnötig stark runtergeknüppelt“. Das sei „schändlich“ und ein „Desaster“. Handel und die Molkereien seien keine verlässlichen Verhandlungspartner und Vertrauen sei kaputtgegangen, beklagte Ostendorff. Der Vizefraktionschef der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, Helmut Dammann-Tamke, forderte den LEH auf, sich „zur heimischen Produktion zu bekennen und dies auch in seiner Preisstruktur abzubilden“. Die erneute Diskussion um Aldi und die Butterpreise zeige, dass dies nicht geschehe. Doch Regionalität und Herkunft hätten ihren Preis. „Die Strukturen unserer heimischen Lebensmittelproduktion drohen durch die Marktmacht des LEH zu zerbrechen“, warnte der CDU-Politiker.
Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern verglich die Situation am Milchmarkt mit dem Kampf von David gegen Goliath, doch sei unklar, ob David am Ende gewinne. Die Landwirte müssten sich zu oft den Bedingungen unterordnen, die der Handel diktiere. Nun würden trotz aller Bauernproteste und öffentlicher Zusagen die Einkaufspreise für Butter stark nach unten gedrückt. Mit dem Geschehen am Milchmarkt seien die niedrigeren Butterpreise im Einzelhandel nicht zu begründen. „Vielmehr ist der aktuelle Butterpreis ein Beispiel dafür, dass die großen Einzelhandelsunternehmen in Deutschland ihren Preiskampf gnadenlos auf dem Rücken der Landwirte austragen“, betonte der Landesbauernverband. Der Milchsprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Ottmar Ilchmann, nannte die jüngste Butterpreissenkung ein „skandalöses Zeichen des LEH“, zumal der Preis am Weltmarkt steige. Aber auch die Molkereien ließen ihre Lieferanten im Regen stehen, denn sie verkauften ihre Butter zu diesem desaströsen Preis an den Handel und gäben die Abschläge bequem an ihre Milchbauern weiter. „Das zeigt doch einmal mehr, dass dieses System falsch ist und dringend geändert werden muss“, betonte Ilchmann. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, merkte kritisch an, dass Billigpreise für tierische Produkte den Landwirten jede Luft nähmen, um in den Umbau von Ställen hin zu mehr Tierschutz zu investieren. (AgE)

Notierung für Päckchenbutter unter starkem Druck

Zu Beginn des neuen Jahres haben sich die amtlichen Notierungen für Hart- und Schnittkäse sowie für Blockbutter am 5. Januar gegenüber der vorherigen Preisfeststellung vom 23. Dezember nicht verändert. Ausnahme war jedoch abgepackte Butter, deren amtliche Notierung bei der Süddeutschen Butter- und Käsebörse in Kempten kräftig, nämlich um 56 Cent auf eine Spanne von 3,24 Euro/kg bis 3,34 Euro/kg nach unten gesetzt wurde. Grund war nach Angaben des Verbandes der Milcherzeuger Bayern (VMB), dass der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) bei den Verhandlungen mit den Herstellern für den bis Ende Februar laufenden Butterkontrakt eine Senkung des Abgabepreises für seine Eigenmarken durchgesetzt hat. Angesichts der überdurchschnittlichen Butternachfrage der Privathaushalte im Lockdown und der festen Preistendenz am Weltmarkt sei die drastische Preissenkung nicht marktkonform, kritisierte der VMB. Auf der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) war der Butterpreis am 5. Januar im Mittel aller gehandelten Kontrakte um 7,2 % gestiegen und lag mit 4 526 $/t (3 681 Euro) rund 11 % über dem deutschen und 9 % über dem EU-Niveau. Bei Milchpulver war Analysten zufolge nach den ruhigen Feiertagswochen wieder eine größere Marktaktivität festzustellen. Bei Magermilchpulver verfügen die Hersteller laut Zentraler Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) zudem über eine gute Auftragslage für die kommenden Monate. Beim Verkauf der Futtermittelware ließen sich der Kemptener Börse zufolge zuletzt Aufschläge von durchschnittlich 2 Cent realisieren; das Kilogramm erlöste zwischen 2,10 Euro/kg und 2,12 Euro/kg. Für lebensmitteltaugliches Magermilchpulver zog der Mindestverkaufspreis um 2 Cent auf 2,29 Euro an. Molkenpulver für die Futtermittelindustrie war weiter gut gefragt und wurde mit Aufschlägen zwischen 1 Cent und 2 Cent in einer Spanne von 0,78 Euro/kg bis 0,81 Euro/kg gehandelt. Die Verkaufspreise von Vollmilchpulver und Molkenpulver in Lebensmittelqualität änderten sich laut Kemptener Börse zum Jahresbeginn nicht.
Der Kieler Rohstoffwert für Milch hat im Dezember 2020 seine sehr verhaltene Aufwärtsentwicklung weiter fortgesetzt. Gemäß den Berechnungen des Kieler Instituts für Ernährungswirtschaft (ife) lag der anhand der Verwertungsmöglichkeiten über Butter und Magermilchpulver kalkulierte Rohstoffwert für ein Kilogramm Standardmilch ab Hof mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß im Berichtsmonat bei 31,7 Cent. Gegenüber November nahm der Milchwert um 0,1 Cent/kg zu; das vergleichbare Vorjahresniveau wurde jedoch um 4,4 Cent oder 12,2 % verfehlt. Das jüngste Miniplus des Rohstoffwertes gegenüber dem Vormonat resultierte allein aus der Entwicklung der Magermilchpulvernotierung, die um 3,90 Euro oder 1,8 % auf 215,00 Euro/100 kg stieg. Der daraus abgeleitete „Nichtfettwert“ je Kilogramm Rohmilch nahm gegenüber November um 0,3 Cent/kg auf 17,3 Cent/kg zu. Die durchschnittliche Butternotierung schwächte sich im Dezember dagegen im Vormonatsvergleich um 4,60 Euro beziehungsweise 1,3 % auf 362,00 Euro/100 kg ab. Die Verwertung der eingesetzten Rohmilch über den Butterverkauf verschlechterte sich damit um 0,2 Cent auf 15,8 Cent/kg. Beide Wertkomponenten zusammengerechnet, belief sich der Milchwert frei Rampe Molkerei im Dezember auf 33,1 Cent/kg; nach Abzug der unterstellten Erfassungskosten von 1,4 Cent/kg hatte die Milch auf Erzeugerstufe somit laut ife rein rechnerisch einen Wert von 31,7 Cent/kg (Umrechnungskurs: 1 $ = 0,8133 Euro). (AgE)

Internationale Milchpreise sind gestiegen

Der Durchschnittspreis auf der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade nahm um 3,9 % auf 3.420 $/t zu. Der Global Dairy Trade-Preisindex steig um 41 auf 1065. Die Preise für wasserfreies Milchfett (+5,5 % auf 4.604 $/t), Lactose (+7,4 % auf 1.099 $/t), Cheddar (+5,0 % auf 4,078 $/t), Vollmilchpulver (+3,1 % auf 3.306 $/t), Butter (+7,2 % auf 4.526 $/t), Buttermilchpulver (+6,9 % auf 2,876 $/t) und Magermilchpulver (+4,1 % auf 3.044 $/t) sind gestiegen. Preissenkungen gab es nicht. Süßmolkenpulver wurde nicht gehandelt. Die gehandelte Menge lag mit 30.313 t unterhalb des Niveaus der vergangenen Auktion (31.701 t). (topagrar.com)

Preise für Milchpulver und Molkenpulver vom 23. Dezember 2020

In Deutschland steigt die Milchanlieferung weiterhin verhalten saisonal an. Laut Schnellberichterstattung der ZMB erfassten die Molkereien in der 50. Woche 0,3 % mehr Milch als in der Vorwoche. Das Vorjahresniveau wurde damit um 1,1 % unterschritten. Das Milchaufkommen in Frankreich ist zuletzt deutlicher um 3,0 % unter die Vorjahreslinie gesunken.
An den Märkten für flüssigen Rohstoff sind die Verhältnisse unmittelbar vor Weihnachten für die Jahreszeit ungewöhnlich ausgeglichen. Es kommen keine zusätzlichen Mengen auf den Markt. Vielmehr wird noch Ware gesucht und die Preise tendieren stabil bis leicht fester.
Am Markt für Magermilchpulver haben sich die Aktivitäten in den letzten Tagen beruhigt, was auf die nun unmittelbar bevorstehenden Feiertage zurückzuführen ist. Es gehen aber weiterhin einzelne Anfragen ein. Diese führen auch noch zu kleineren Abschlüssen, obwohl die Wechselkursverhältnisse für die europäischen Anbieter weiterhin ungünstig sind. Insbesondere in der Region Nordafrika und Mittlerer Osten sind dem Vernehmen nach noch Käufer aktiv. Bei Lebensmittelware bestehen nach wie vor eine gute Auftragslage und kein Angebotsdruck, was sich auch an der für die Jahreszeit festen Entwicklung bei Magermilchkonzentrat zeigt. In den letzten Tagen bestand auch weiteres Kaufinteresse für Futtermittelware, die zu stabilen bis leicht festeren Preisen gehandelt wird.
Bei Vollmilchpulver ist im Vorfeld der Weihnachtsfeiertage ebenfalls Ruhe eingekehrt. Die Geschäfte verlaufen aktuell ruhig mit wenig neuen Abschlüssen. Die Preise sind innerhalb der EU weiterhin uneinheitlich. Bei Molkenpulver hält das gute Kaufinteresse kurz vor dem Jahresende weiter an. Sowohl Futter- wie auch Lebensmittelware wird kontinuierlich gut nachgefragt. Die Preise bewegen sich weiter auf dem Niveau der Vorwoche. (Süddeutsche Butter- und Käse-Börse e.V. Kempten (Allgäu)/Proplanta.de)

Berchtesgadener Land sucht Demeter-Betriebe

Das Ziel der Genossenschaft im vergangen Jahr war es, 20 neue Demeter-Betriebe zu finden. Das hat die Molkerei Berchtesgadener Land nach eigenen Angaben erreicht. Jedoch sei „Bio“ aus der Nische herausgewachsen und längst kein kurzfristiger Hype mehr. Die Nachfrage nach Bio-Milchprodukten steige beim Berchtesgadener Land weiter an. Aktuell würden rund 100 Mio. kg Bio-Milch jährlich von knapp 600 Bio-Betrieben ermolken – das entspreche einem Drittel der Milchmenge von der Genossenschaft. Besonders profitiere von dem Nachfrageanstieg das Produkt frische Demeter-Milch.
Demeter-Milch sei jedoch nur begrenzt vorhanden. Um weitere Betriebe zu gewinnen habe die Molkerei den Demeter-Zuschlag auf Biomilch Anfang dieses Jahres um 0,5 ct/kg auf nun 2 ct/kg Milch angehoben. Auch im kommenden Jahr will die Genossenschaft weitere Demeter zertifizierte Bio-Betriebe dazu gewinnen. Der konventionelle Milchpreis liege bei 43,73 ct/kg Milch. Im Gegensatz dazu erhalten die Lieferanten von Demeter-Milch aktuell 58,67 ct/kg Milch.

Frankreich: Produktionswert der Landwirtschaft erneut gesunken

In Frankreich ist der Wert der Agrarproduktion 2020 zum zweiten Mal in Folge gesunken. Das geht aus der vorläufigen Bilanz des staatlichen Statistikamtes (INSEE) hervor.
Demnach dürfte der Wert der von den französischen Landwirten in diesem Jahr bereitgestellten Waren und Dienstleistungen rund 74,6 Mrd. € ohne Subventionen erreichen; gegenüber 2019 würde das einem Minus von 2,1 % entsprechen.
Die Bruttowertschöpfung verliert gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich 5,4 % an Wert und geht auf 30,2 Mrd. € zurück; zu Faktorkosten soll die Bruttowertschöpfung je selbständigem Landwirt um 4,7 % schrumpfen.
An betrieblichen Subventionen erhielten die Landwirte in diesem Jahr nach Angaben des INSEE insgesamt rund 7,9 Mrd. € und damit 4,5 % weniger als 2019. Sowohl die pflanzliche als auch die tierische Produktion haben 2020 der vorläufigen Bilanz zufolge den Vorjahreswert unterschritten.
Der Produktionswert der Pflanzenproduktion wird auf 43,4 Mrd. € veranschlagt; das entspräche einem Minus von 3,1 %. Die im Schnitt um 1,6 % gestiegenen Preise konnten die um 4,6 % verringerte Produktionsmenge nicht kompensieren.
Deutlich bemerkbar haben sich die klimatischen Herausforderungen des Jahres im Getreideanbau gemacht. Der Wert der Getreideproduktion ist nach Einschätzung der Statistiker um 12,1 % auf 9,5 Mrd. € zurückgegangen, maßgeblich dafür war die um 18,7 % verkleinerte Ernte, der nur um 8,1 % höhere Preise gegenüberstanden.
Auch die Obstbauern haben unter klimatischen Widrigkeiten gelitten, insbesondere der milde Winter und Frosteinbrüche im Frühjahr ließ die Produktionsmenge um 9,3 % schrumpfen. Allerdings haben die Preise für Obst und Gemüse von der Corona-Pandemie und den Einschränkungen des öffentlichen Lebens profitiert und sind um 13,0 % beziehungsweise 13,4 % angezogen. Einen gegenteiligen Effekt hatte die Pandemie allerdings auf den Kartoffelmarkt, wo insbesondere der Wegfall der Außer-Haus-Verpflegung die Preise um 14 % hat einbrechen lassen.
Den Wert der diesjährigen Veredlungsproduktion beziffert das INSEE vorläufig auf 26,2 Mrd. € und damit 1,0 % unter dem Vorjahr. Einen leichten Anstieg der Produktionsmenge um 0,4 %, der laut den Statistikern vornehmlich auf Milch und Eier zurückzuführen ist, stehen dabei um 1,3 % niedrigere Erlöse gegenüber.
Der Produktionswert der Viehproduktion soll insgesamt um 1,6 % auf 11,0 Mrd. € zurückgehen, was überwiegend mit den um 1,4 % gesunkenen Preisen begründet wird. Im Geflügelsektor hielten sich eine um 0,7 % gesteigerte Produktionsmenge und um 0,7 % gesunkene Preise die Waage; der betreffende Produktionswert wird gegenüber dem Vorjahr unverändert auf 4,7 Mrd. € veranschlagt.
Bei Milch und anderen Veredlungsprodukten dürfte die Erzeugung wertmäßig um 0,7 % auf 10,5 Mrd. € geschrumpft sein; hier konnten die um 1,5 % abgesenkten Preise nicht durch die um 0,8 % ausgeweitete Produktionsmenge kompensiert werden. (Topagrar.com)