Geringeres Rohmilchangebot für deutsche Molkereien

ie Molkereien in Deutschland konnten im ersten Halbjahr 2021 weniger Kuhmilch verarbeiten als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Laut Daten der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) ging das Gesamtaufkommen um 283 030 t oder 1,7 % auf 16,39 Mio t zurück. Zu berücksichtigen ist hierbei allerdings, dass es 2020 einen Schalttag gab. Bereinigt waren die Anlieferungen laut der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) um 1,2 % rückläufig. Für das kleinere Rohstoffangebot waren ausschließlich die verringerten Anlieferungen von konventionell erzeugter Kuhmilch der heimischen Milchbauern verantwortlich. Diese fielen unbereinigt mit 15,36 Mio t um 306 070 t oder 2,0 % geringer aus als in der ersten Jahreshälfte 2020. Dagegen nahmen die Anlieferungen von Biomilch erneut zu, und zwar um 16 630 t oder 2,6 % auf 647 400 t. Auch die aus dem Ausland an deutsche Molkereien gelieferte Milchmenge legte im Vorjahresvergleich zu; sie stieg um 6 420 t beziehungsweise 1,7 % auf 380 870 t. Den BLE-Daten zufolge ist der Rückgang des konventionellen Milchaufkommens in Ostdeutschland relativ gesehen mit 3,5 % deutlich stärker gewesen als in Westdeutschland mit 1,6 %. Auf der anderen Seiten war der Zuwachs bei der Andienung von Biomilch in den neuen Bundesländern mit 4,0 % höher als der im alten Bundesgebiet mit 2,5 %. Laut AMI hat die geringere Milcherzeugung mehrere Gründe. Zunächst habe zu Jahresbeginn die winterliche Witterung für rückläufige Anlieferungen gesorgt. Danach hätten abfallende Futterqualitäten und teures Zukauffutter als Bremse gewirkt. Zudem mache sich der Strukturwandel in der Milcherzeugung mit abnehmenden Milchkuhbestand bemerkbar. Auch zu Beginn des zweiten Halbjahres lagen die Milchanlieferungen in Deutschland laut der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) weiterhin klar unter der Vorjahreslinie, in einzelnen Wochen mehr als 2 %. Den aktuellsten verfügbaren Zahlen zufolge wurde in der ersten Augustwoche im Vergleich zur Vorjahreswoche 1,7 % weniger Rohstoff von den Molkereien im Bundesgebiet erfasst.
Am Markt für Milchprodukte machte sich vergangene Woche laut Analysten das Ende der Schulferien in mehreren Bundesländern durch einen zunehmenden Absatz bemerkbar. Die Süddeutsche Butter- und Käsebörse in Kempten sprach bei Päckchenbutter von einer guten und bei loser Ware von einer belebten Nachfrage. Bei der Blockbutter konnte sich deshalb der Preisanstieg fortsetzen; die Notierung in Kempten legte am 18.8. am unteren Ende um 10 Cent auf 3,95 Euro/kg und am oberen um 14 Cent auf 4,04 Euro/kg zu. Die Bewertung der kontraktgebundenen Päckchenbutter blieb unverändert. Auch die inländische Käsenachfrage wurde als gut bis sehr gut bezeichnet. Während das bei Schnittkäse nicht für ein Notierungsplus reichte, wurde die amtliche Preisfeststellung für Emmentaler und Viereckhartkäse erstmals seit Mitte März wieder angehoben, und zwar um 10 Cent auf 4,10 Euro/kg beim unteren Notierungswert. Bei Magermilchpulver sorgte die Marktbelebung erneut für festere Preistendenzen. Der Kemptener Börse zufolge zogen die Verkaufspreise der Futtermittelware je Kilogramm im Schnitt um 2 Cent auf 2,42 Euro bis 2,46 Euro an; bei der lebensmitteltauglichen Ware stieg der Mindestpreis um 2 Cent auf 2,47 Euro. Vollmilchpulver wurde zu unveränderten Konditionen gehandelt. Bei Molkenpulver mussten die Verkäufer jedoch bei den Futtermittelqualitäten einen Abschlag von 1 Cent/kg einräumen; bei der Lebensmittelware waren es 2 Cent/kg.
Am internationalen Markt für Milcherzeugnisse ist der seit Ende April anhaltende Rückgang der Preise für Standardmilcherzeugnisse vorerst gestoppt worden. Bei der Auktion auf der Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) konnte am Dienstag vergangener Woche (17.8.) der gewichtete Index aller sechs gehandelten Standardmilchprodukte gegenüber der Auktion von Anfang August 0,3 % hinzugewinnen. Mit Ausnahme von Vollmilchpulver, das über alle Kontrakte und Liefertermine hinweg einen Preisrückgang von 1,5 % auf 3 552 $/t (3 017 Euro) verzeichnete, kam es bei allen Produkten zu einer Verteuerung. Am deutlichsten war diese bei Butter mit 4,0 % auf 4 771 $/t (4 053 Euro). Zudem erhöhte sich der Preis für Cheddarkäse um 2,8 % auf 4 184 $/t (3 554 Euro); wasserfreies Milchfett kostete 1,5 % mehr als Anfang August. Auch für Magermilchpulver waren die Kunden bereit, etwas mehr Geld auszugeben. Der Preis an der GDT stieg im Mittel aller Kontrakte um 1,1 % auf 3 052 $/t (2 593 Euro) und lag damit noch etwas über dem jetzigen Niveau der Kemptener Börse. (AgE)

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