Neuseeland: Milchpreisprognosen angehoben

Die neuseeländische ANZ Bank hat ihre Milchpreisprognose für die laufende Saison 2021/22 nach oben korrigiert. Die Analysten gehen nun davon aus, dass die durchschnittliche Vergütung für einen Kilogramm Milchfeststoff in Neuseeland bei 8,20 NZ$ (4,92 Euro) liegen wird; das entspricht einer Anhebung um 6,5 % gegenüber der vorherigen Erwartung. Das von der Bank vorausgesagte Milchpreisniveau liegt um 0,20 NZ$ (12 Cent) über der zuletzt von Fonterra geäußerten Erwartung von 8,00 NZ$ (4,80 Euro) als Mittel einer Spanne von 7,25 NZ$ (4,35 Euro) bis 8,75 NZ$ (5,25 Euro). „Die Preise für Milchprodukte haben sich seit Saisonbeginn und zuletzt gut entwickelt. Oft schwächen sie sich zu dieser Jahreszeit ab, aber diesmal haben sich die Preise stattdessen gefestigt“, erklärte die ANZ-Agrarökonomin Susan Kilsby. Die Erlöse der Landwirte befänden sich jetzt auf einem Niveau, welches Gewinne ermögliche. Auch Analysten anderer neuseeländischer Finanzinstitute haben zuletzt ihre Erwartungen für die Milchgeldzahlungen angehoben, da begrenzte Milchmengen die globalen Preise stützten und kaum negative Wechselkurseinflüsse in Sicht seien. So liegt die aktuelle Prognose der Bank Westpac für den mittleren Preis in der Saison 2021/22 bei 8,50 NZ$ (5,10 Euro) für das Kilogramm Milchfeststoff; damit würde der bisherige Auszahlungsrekord von 8,40 NZ$ (5,04 Euro) von Fonterra aus dem Jahr 2013/14 übertroffen. Die Erwartungen der ASB Bank liegen bei 8,20 NZ$ (4,92 Euro), die der BNZ Bank bei 8,30 NZ$ (4,98 Euro). Im Gegensatz dazu hat die neuseeländische Rabobank vergangenen Monat ihre Prognose auf 7,80 NZ$ (4,68 Euro) gesenkt; sie verwies dabei auf die hohen Lagerbestände in China. Die Importmengen der Volksrepublik müssten sich folglich verlangsamen oder sinken, um den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, so die Rabobank. Auch Kilsby gab zu bedenken, dass die globale Nachfrage nach Milchprodukten fragil sei, da die asiatischen Volkswirtschaften teilweise noch unter der Corona-Pandemie litten und die Auswirkungen der Verwerfungen im chinesischen Immobiliensektor unklar seien. Doch steige das globale Milchangebot nur langsam, auch weil hohe Futterkosten die Erzeugung in der nördlichen Hemisphäre dämpften. Ein mögliches Angebotswachstum, so die Expertin, werde vor allem in den Produktionsländern absorbiert. Sie erwarte deshalb keine starke Zunahme des Angebots an Milchprodukten auf dem Weltmarkt (Umrechnungskurs 1 NZ$ = 0,5995 Euro). (AgE)

Österreich: Ruf nach breiter Unterstützung für die Milchwirtschaft

Für eine breite Unterstützung der heimischen Milchwirtschaft hat der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, geworben.
„Die Milchwirtschaft prägt das Gesicht unseres Landes, besonders in den Berg- und benachteiligten Gebieten, und sichert die Versorgung mit Lebensmitteln auf höchstem Qualitäts- und Nachhaltigkeitsniveau“, betonte Petschar am 15. Oktober auf der Generalversammlung des Verbandes. Diese Stärken müssten weiter ausgebaut werden und dürften nicht durch falsche Maßnahmen in Gefahr geraten. Daher brauche die Milchbranche im nationalen Interesse Unterstützung und die richtigen Rahmenbedingungen. Der VÖM-Präsident zeigte sich erfreut darüber, dass die Österreicher, aber auch die Kunden im Ausland die Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie der Milchwirtschaft unterstützten. Schade sei es allerdings, wenn die Verbraucher mangels einer verpflichtenden Kennzeichnung die Herkunft und damit die unterschiedlichen Qualitätsstandards der Produkte im Regal nicht erkennen könnten. Damit werde der Beitrag der Konsumenten für eine regionale und klimabewusste Ernährung erschwert, beklagte Petschar und verlangte rasche Fortschritte bei der Herkunftskennzeichnung. Kritisch sieht die VÖM einzelne Maßnahmen der Farm-to-Fork-Strategie der EU. Der Verband warnte davor, dass durch deren Umsetzung die heimische Produktion beschränkt werden könnte. Zudem könnten Lebensmittel importiert werden, die unter weit schlechteren Umwelt- und Klimastandards erzeugt würden als in der EU. Diese Gefahren zeigten die nunmehr veröffentlichten Evaluierungsstudien zu der Brüsseler Strategie. „Wir fordern die Förderung einer nachhaltigen Produktion in der EU. Es kann nicht sein, dass die heimische Produktion und Wertschöpfung bedenklichen Importen geopfert werden und nach den Erfahrungen der Corona-Krise die Versorgungssicherheit der EU in mehreren Bereichen gefährdet wird“, so Petschar, der auf der Generalversammlung für eine weitere Periode als Präsident der VÖM wiedergewählt wurde. (AgE)

Frankreich: Roquefort will keinen Nutri-Score

Auch in Frankreich formiert sich Widerstand gegen die Nährwertkennzeichnung Nutri-Score. An die Spitze der Gegenbewegung setzten sich in der vergangenen Woche die Hersteller des Blauschimmelkäses Roquefort. Sie fordern für den Fall einer Kennzeichnungspflicht eine Ausnahme für ihr Produkt und letztlich für alle Käse mit einem offiziellen Qualitätszeichen. Der Nutri-Score würde nach Angaben der Käseerzeuger auf Roquefort ein „E“ und damit die schlechteste Bewertung ausweisen. Für die Erzeugergemeinschaft ist die Kennzeichnung ein „kontraproduktives und vereinfachtes“ System, dass bedeutende Lebensmittel mit eindeutigem Gesundheitsnutzen benachteilige und nur bei stark verarbeiteten Produkten sinnvoll angewendet werden könne. Es sei nicht angemessen, Lebensmittel nach einer begrenzten Auswahl von Kriterien und nicht ganzheitlich zu bewerten. Die etwa 3 500 angeschlossenen Schafhalter und die 2 000 Beschäftigten der Käsereien sehen ihr Produkt „an den Pranger gestellt“ und die „Freude an gutem Essen“ bedroht. Unterstützung erhielten die Roquefort-Hersteller von der Interprofession für Käsespezialitäten (CNAOL). Der Branchenverband will Medienberichten zufolge alle Produkte mit geschützten Herkunftskennzeichnungen von einer möglichen Kennzeichnungspflicht ausnehmen, aber zugleich die Debatte nicht in die Öffentlichkeit tragen. Die Verbraucherschutzorganisation „Consommation, logement et cadre de vie“ (CLCV) betonte derweil, ein fettiger und salziger Käse bleibe auch mit einer geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) salzig und fettig. Auch bei Lebensmitteln mit einem Qualitätssiegel müssten die Gehalte an Fett, Salz und Kalorien beachtet werden. Der Nutri-Score solle es den Verbrauchern ermöglichen, eine fundierte Wahl anhand eines Vergleiches der ernährungsphysiologischen Qualität von Produkten der gleichen Familie zu treffen; dies müsse auch bei Käse möglich sein. Von offizieller Seite scheint indes die Überarbeitung des Nutri-Score-Algorithmus in Betracht gezogen zu werden. Landwirtschaftsminister Julien Denormandie signalisierte bei einer Fragestunde im Parlament Verständnis für die Bedenken der Käsehersteller und stellte in Aussicht, dass die Einstufung „an die Realitäten des Konsums“ angepasst werde. (AgE)

Anuga: Messeleitung zieht positive Bilanz

Eine äußerst zufriedene Bilanz der diesjährigen Allgemeinen Nahrungs- und Genussmittelausstellung (Anuga) hat die Koelnmesse GmbH gezogen. Wie die Messeleitung am 13. Oktober zum Abschluss in Köln mitteilte, übertraf die 36. Anuga alle Erwartungen. Mit mehr als 70 000 Besuchern aus 169 Ländern und rund 4 600 Ausstellern aus 98 Nationen habe die Weltleitmesse für Lebensmittel und Getränke einmal mehr unter Beweis gestellt, dass Messen in dieser Größenordnung wieder möglich seien. „Wir freuen uns sehr über dieses Ergebnis. Dies unterstreicht die globale Bedeutung der Anuga und das Vertrauen, das uns als Messegesellschaft entgegengebracht wird“, betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Koelnmesse GmbH, Gerald Böse. Er berichtete, dass der hybride Ansatz „sehr gut“ funktioniert und großen Zuspruch gefunden habe. Der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), Friedhelm Dornseifer, zog ebenfalls eine positive Bilanz. „Mit der Anuga 2021 haben wir die Welt der Ernährungsmessen erfolgreich aus dem Corona-Lockdown geholt“, stellte Dornseifer fest. Nach seiner Einschätzung hat die Anuga 2021 bewiesen, dass die Branche den Weg der Transformation des Ernährungssystems entschlossen weiter beschreiten müsse. Der BVLH-Präsident verwies hierzu auf zahlreiche Neuheiten nachhaltig erzeugter und verarbeiteter Produkte. Diese zeugten von der Innovationskraft der Branche. Dornseifer zeigte sich sehr zuversichtlich, dass die Lebensmittelwirtschaft einen wirksamen Beitrag zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und damit zur Bekämpfung des Klimawandels leisten könne. Über den erfolgreichen Ablauf der Anuga freute sich auch der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Christoph Minhoff. Er wertete die Durchführung der Anuga 2021 als „einen wichtigen Schritt zurück zur Normalität“. Die Koelnmesse habe bewiesen, dass sie die weltgrößte Messe für Ernährung auch unter Corona-Bedingungen sicher durchführen könne. Die erste Leitmesse seit dem Ausbruch von Covid-19 sei somit „ein wichtiger Mutmacher und Taktgeber für den weltweiten Handel mit Nahrungsmitteln“. (AgE)

Ein Fünftel der Kosten bei Milcherzeugern nicht gedeckt

Trotz gestiegener Milchpreise sind die Erzeuger in Deutschland weiterhin weit davon entfernt, kostendeckende Erlöse zu erwirtschaften. Darauf haben am 15. Oktober die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board und der Dachverband European Milk Board (EMB) aufmerksam gemacht. Sie verwiesen auf entsprechende Berechnungen des Büros für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL) zum Milch Marker Index, wonach im Juli 2021 durchschnittlichen Produktionskosten für ein Kilogramm Rohmilch von 45,30 Cent ein mittlerer Milcherzeugerpreis von nur 35,79 Cent/kg gegenüber stand. Zur Vollkostendeckung fehlten den deutschen Milchbauern somit 9,5 Cent/kg oder 21 %, so MEG und EMB. Immerhin hat sich die Situation etwas verbessert, denn zu Jahresbeginn klaffte bei den Erzeugern noch eine Lücke von 13,9 Cent/kg beziehungsweise 30 % zur Vollkostendeckung. Der Vorstandsvorsitzende der MEG Milch Board, Frank Lenz, wies darauf hin, dass die lange Unterdeckung zu einem deutlichen Rückgang der Erzeugung geführt habe und den Molkereien jetzt der Rohstoff wegbreche. „Dadurch bekommen die Bauern und Bäuerinnen die Möglichkeit, den Takt selbst vorzugeben. Denn wenn eine sinkende Milchmenge auf eine stabil hohe Nachfrage nach Milcherzeugnissen trifft, passiert nach den Gesetzen des Marktes etwas ganz Normales: Der Preis steigt“, hob Lenz hervor. Er kritisierte, dass einige Molkereien diesen Mechanismus offensichtlich nicht akzeptieren wollten. Dabei seien die Preiserhöhungen für Milchprodukte noch gar nicht vollständig bei den Erzeugern angekommen. Durch die begrenzte Produktion rechnet er in den kommenden Wochen und Monaten mit kontinuierlich steigendem Wachstum der Milcherzeugerpreisen. Auch ein starker Anstieg sei möglich, wie die hohen Spotmilchpreise zeigten. Das Heft des Handelns bleibe in den Händen der Milcherzeuger und Milcherzeugergemeinschaften. Sie sollten, so Lenz, jetzt mutig und entschlossen für höhere Milchpreise eintreten. (AgE)

Preise für Milchpulver und Molkenpulver vom 6. Oktober

Der saisonale Rückgang der Milchanlieferung in Deutschland ist zuletzt kurzfristig unterbrochen worden. Nach dem starken Rückgang in der Vorwoche erfassten die Molkereien laut Schnellberichterstattung der ZMB in der 38. Woche wieder 0,3 % mehr Milch. Das Vorjahresniveau wurde weiter deutlich um 2,3 % unterschritten. In Frankreich war die Milchmenge gleichzeitig ebenfalls etwas umfangreicher als in Vorwoche und der Rückstand gegenüber der Vorjahreswoche hat sich dort auf 2,8 % verringert. Bis Mitte November geht das Milchaufkommen in Deutschland erfahrungsgemäß jahreszeitlich bedingt zurück. Die Preise für flüssigen Rohstoff an den Spotmärkten haben bei geringer Verfügbarkeit weiter angezogen. Sahne und Magermilchkonzentrat werden erneut zu höheren Preisen gehandelt.
Am Markt für Magermilchpulver sind erneut festere Tendenzen zu beobachten. Das Angebot ist weiter sehr gering. Für die Zeit bis zum Jahresende sind die Molkereien überwiegend ausverkauft und können in der Regel keine Mengen mehr anbieten. Vielmehr ist man bemüht, die bestehenden Kontrakte fristgerecht zu erfüllen. Die Abwicklung der Geschäfte ist durch die Knappheit von Containern und Frachtraum erschwert, was einen größeren zeitlichen Vorlauf notwendig macht.
Unsicherheit besteht darüber, wie sich das Milchaufkommen in den kommenden Monaten weiter entwickeln wird. Aufgrund der knappen Versorgungslage nimmt das Bedürfnis bei den Kunden in der EU und in Drittländern zu, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Damit steigt die Kaufbereitschaft und gleichzeitig die Zahlungsbereitschaft. Für das erste Quartal wird die zurückhaltende, abwartende Haltung, die in den vergangenen Wochen zu beobachten war, zunehmend aufgegeben. Es werden inzwischen mehr Abschlüsse konkret verhandelt.
Die Preise für Magermilchpulver in Lebensmittel- und Futtermittelqualität sind weiter gestiegen, wobei Futtermittelware kaum angeboten wird. In laufenden Verhandlungen werden erneut höhere Preise gefordert.
Die Nachfrage nach Vollmilchpulver trifft auf ein geringes Angebot. Bei der geringen Verfügbarkeit von Rohstoff und hohen Kosten im Zukauf ist die Herstellung nicht lukrativ. Die Preise sind in Bewegung nach oben und es werden höhere Preise aufgerufen.
Die Lage am Markt für Molkenpulver ist weiter stabil. Lebensmittelware wird in normalem Rahmen nachgefragt und die Preise bewegen sich in der Bandbreite der Vorwochen. Futtermittelware wird bei unveränderten Preisen ohne besondere Impulse nachgefragt. Sehr fest sind nach wie vor die Preise für Molkenkonzentrat. (Süddeutsche Butter- und Käse-Börse e.V. Kempten (Allgäu)/proplanta.de)

Schweiz: SBV mit deutlicher Kritik am Nutri-Score

Eine Überarbeitung der freiwilligen Lebensmittelkennzeichnung Nutri-Score hat der Schweizer Bauernverband (SBV) gefordert. Der Nutri-Score solle den Konsumenten bei der Wahl von gesunden Lebensmitteln helfen, weise aber noch große Mängel auf, schreibt der Bauernverband in seiner Mitteilung an den zuständigen Lenkungsausschuss. Dieses wissenschaftliche Gremium war im Rahmen der europäischen Ausweitung des Nutri-Score von den offiziell an dem System beteiligten Ländern – Frankreich, Belgien, Deutschland, Luxemburg, die Niederlande, Spanien und auch die Schweiz – eingesetzt worden, um mögliche Änderungen des Nutri-Score-Algorithmus unter Wahrung seiner wichtigsten Kernprinzipien zu bewerten. Generell moniert der Bauernverband, dass der Nutri-Score in seiner heutigen Form zu stark vereinfache. Zudem hänge eine gute Ernährung nicht von einzelnen Lebensmitteln ab, sondern auch von den Mengen und der gesamten Zusammensetzung. „Eine gesunde Ernährung lässt sich nicht an einen Algorithmus delegieren“, so der SBV. Im Einzelnen schlägt der Verband vor, dass der Verarbeitungsgrad eines Lebensmittels sowie die Verwendung von Zusatzstoffen in den Nutri-Score-Algorithmus einfließen sollten. Gemäß wissenschaftlichen Erkenntnissen würden nämlich hochverarbeitete Lebensmittel dazu beitragen, dass Menschen insgesamt mehr äßen und ihr Körpergewicht steige. Bemängelt wird auch, dass reine Fruchtsäfte in den Ampelstufen C oder D eingeteilt sind und damit als ungesund eingestuft werden. Verdünnte Apfelsäfte wie beispielsweise Schorlen kämen trotz einer Verdünnung nicht besser weg als reine Säfte. Diese Naturprodukte seien somit schlechter bewertet als beispielsweise künstliche zero- oder light-Produkte, die überhaupt keine gesunden Inhaltsstoffe aufwiesen. Hier sei eine Korrektur im Algorithmus zur Differenzierung von Naturprodukten notwendig. Im Weiteren regt der SBV an, unterschiedliche gesättigte Fettsäuren im Nutri-Score-Algorithmus differenziert zu bewerten. Milch und Milchprodukte, die positive Stoffwechseleffekte hätten und gemäß der Lebensmittelpyramide zu einer ausgewogenen Ernährung gehörten, hätten dann nicht per se ein schlechtes Nutri-Score-Rating. AgE

Britische Milcherzeuger verschenken Millionen Euro

Milcherzeuger im Vereinigten Königreich können erhebliche Einnahmeausfälle haben, wenn sie die Anforderungen der Milcheinkäufer an die Mindestgehalte von Fett und Eiweiß nicht einhalten. Wie die britische Absatzförderungsorganisation für Landwirtschaft und Gartenbau (AHDB) am 6. Oktober mitteilte, erfüllte laut ihren Analysen in der Saison 2020/21 über 40 % der Rohmilch für den Flüssigmilchsektor und 55 % der Milch für die Herstellung anderer Milchprodukte nicht die Zielwerte für den Fettgehalt. Dies habe zu einer Mindereinnahme von 38 Mio £ oder umgerechnet 44,4 Mio Euro geführt. Weitere 19,9 Mio Euro gingen den Landwirten bei Lieferungen verloren, die den notwendigen Proteingehalt nicht erreichten. Beim Rohstoff für den Trinkmilchbereich liegt der normalerweise geforderte Basisfettgehalt bei 4,0 %, für Verarbeitungsmilch bei 4,2 %. Bei Eiweiß liegen die Grenzen für Trinkmilch bei 3,3 % und bei 3,4 % für die Produktion anderer Produkte. Ein Problem sei, so die Absatzorganisation, dass höhere Proteinwerte als 3,3 % bei Lieferungen für den Flüssigmilchbereich normalerweise nicht vergütet würden, aber zu höheren Produktionskosten führten. Bei Verarbeitungsmilch werden laut AHDB Zuschläge oberhalb der Marke von 3,4 % Eiweiß gezahlt, doch hat 64 % der angelieferten Milch wegen Unterschreitung dieses Niveaus davon nicht profitiert. Einnahmen seien dadurch verloren gegangen. Generell sei, so die Absatzorganisation, bei der Erzeugung von Rohmilch mit einem höheren Feststoffanteil auch mit zunehmenden Erzeugungskosten zu rechnen. Jeder Betrieb sollte deshalb prüfen, ob bei einer Erhöhung des Fett- oder Proteingehaltes die höheren Mehreinnahmen die Kosten überwögen. Die AHDB bietet dafür Kalkulationsrechner an. Auch könnten die Milcherzeuger mit ihrem Tierarzt oder Berater über eine Änderung der Futterzusammensetzung sprechen oder über Genetik höhere Inhaltsstoffe erzielen (Umrechnungskurs 1 £ = 1,1692 €). (AgE)

Milchwirtschaft muss sich den gesellschaftlichen Erwartungen stellen

Um den gesellschaftlichen Anforderungen an das Tierwohl, den Klima- und Umweltschutz sowie der Biodiversität gerecht zu werden, muss sich auch die Milchwirtschaft ändern. Das hat Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser beim 14. Forum Milch NRW der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen (LV Milch) am 28. September in Schwerte betont. Die Milchbranche könne sich dabei auf ihre Stärken stützen, die sie auch in der Corona-Pandemie mit der Aufrechterhaltung der Versorgung unter Beweis gestellt habe. Die Ministerin machte laut LV Milch klar, dass die notwendigen Änderungen gemeinsam verfolgt werden müssten, wobei mit der Sektorstrategie bereits ein guter Grundstein gelegt worden sei. Klar sei dabei, dass ein gesellschaftlich gewollter oder gesetzlich festgeschriebener höherer Aufwand durch einen entsprechenden finanziellen Ausgleich kompensiert werden müsse. Der Geschäftsführer der Molkerei Gropper, Heinrich Gropper, erklärte, dass die deutsche Milchwirtschaft in Zukunft vor allem eine Vision und Leidenschaft brauche. Ihre Ziele realisiere sie am besten mit Reaktionsschnelligkeit, der entsprechenden Kostenstruktur und einem verstärkt an den Bedürfnissen der Verbraucher orientierten Produktportfolio. Dabei könnten beispielsweise Mehrwertkonzepte zu den gesellschaftlichen Fokus-Themen wie Tierwohl, Regionalität oder Nachhaltigkeit, die in Partnerschaften zwischen Erzeugern, Molkereien und Handel erarbeitet und umgesetzt würden, eine wichtige Rolle einnehmen. So könne ihr Bestehen im Wettbewerb mit anderen internationalen Unternehmen auf den Märkten abgesichert werden.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Rind und Schwein (BRS) und Mitglied in der Borchert-Kommission, Georg Geuecke, hob hervor, dass die hiesige Milchwirtschaft auch zukünftig einen festen Platz in der Agrar- und Ernährungswirtschaft habe. Dies begründe sich mit Blick auf die Klimadiskussion schon allein aus dem Wirtschaften in einer Gunstregion, in der Milch vergleichsweise ressourcenschonend produziert werde. Auch könne die Branche einen Beitrag zur Welternährung liefern. Wichtig sei, dass Rahmenbedingungen geschaffen würden, die die Position der Familienbetriebe stärkten. Für den Geschäftsführer vom QM Milch und Referatsleiter Milch im Deutschen Bauernverband (DBV), Ludwig Börger, benötigt die deutsche Milchwirtschaft für den langfristigen Erfolg vor allem Unternehmer, die bereit sind, die Erwartungen des Marktes zu erfüllen. Diese würden sich mit Blick auf Umwelt-, Klima- und Tierschutz mit immer höherer Schlagzahl weiterentwickeln.

Der Erfolg derart gerichteter Initiativen müsse sich vor allem daran messen lassen, in welchem Maß sie zu einer höheren Verlässlichkeit für landwirtschaftliche und milchwirtschaftliche Unternehmen beitrügen, betonte Börger. Es zeige sich, dass die Akteure aus der Lebensmittelkette schneller agierten als die Politik; dies sollte bei allen politischen Aktivitäten wie der Umsetzung der Vorschläge der Borchert-Kommission und der Zukunftskommission Landwirtschaft beachtet werden. Der Ausschussvorsitzende für Öffentlichkeitsarbeit der LV Milch NRW, Benedikt Langemeyer, betonte, dass zukünftig verlässliche Rahmenbedingungen durch Politik und Handel und eine Honorierung für den in Deutschland geleisteten Mehraufwand bei höheren Standards erforderlich seien. Zudem sei eine Diskussionskultur anzustreben, die ehrlich, vertrauensvoll und von gegenseitigem Respekt geprägt sei. (AgE)

Knappes Rohstoffangebot am Milchmarkt

Die saisonal rückläufigen und zuletzt deutlich unter dem Vorjahresniveau liegenden Milchanlieferungen haben am deutschen Milchmarkt zu einer knappen Rohstoffverfügbarkeit geführt. Der Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) berichtete vergangene Woche, dass die geringe Milcherzeugung nicht immer für die Verarbeitungswünsche der Molkereien ausreiche; die Zentrale Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) sprach trotz eines bereits hohen Niveaus von weiter anziehenden Preisen für Industrierahm, Magermilchkonzentrat und Rohmilch am Spotmarkt. Bei Blockbutter machte sich laut der Süddeutschen Butter- und Käsebörse in Kempten die knappe Verfügbarkeit am vergangenen Mittwoch (29.9.) in einem weiteren Anstieg der amtlichen Notierung bemerkbar, die um 5 Cent auf 4,20 Euro/kg bis 4,40 Euro/kg angehoben wurde. Die lose Ware war damit teurer als die Päckchenbutter, doch dürfte der neue Butterkontrakt auch die Notierung der geformten Ware ansteigen lassen. Bei Schnittkäse sollen sich die Bestände in den Reifelagern wegen der guten Nachfrage zusehends leeren. Die amtliche Kommission in Hannover hob am vergangenen Mittwoch ihre Notierung für Gouda und Edamer als Brotware um 5 Cent auf 3,35 Euro/kg bis 3,55 Euro/kg an; bei Blockware wurde der obere Spannenwert um 5 Cent auf 3,45 Euro/kg nach oben korrigiert. Weiter fest tendierten auch die Pulvermärkte. Die Preise für ein Kilogramm Magermilchpulver in Lebensmittelqualität stiegen der Kemptener Börse zufolge vergangene Woche im Schnitt um 4 Cent auf 2,72 Euro bis 2,80 Euro; das war das höchste Niveau seit sieben Jahren. Die Futtermittelware verteuerte sich um drei Cent auf 2,62 Euro/kg bis 2,65 Euro/kg. Laut ZMB gibt es bei einer rohstoffbedingt geringen Produktion kaum freie Menge für den Verkauf. Auch das Angebot von Vollmilchpulver war laut Experten knapp bemessen, zumal die Milch in lukrativeren Verwertungen eingesetzt wird. Produziert wurde laut ZMB meist auftragsbezogen. Die Verkaufspreise zogen nach Angaben der Kemptener Börse im Schnitt um 4 Cent auf 3,40 Euro/kg bis 3,45 Euro/kg an. Lediglich bei Molkenpulver gab es in der vergangenen Woche bei stabiler Nachfrage für die Hersteller keinen Spielraum für Preisaufschläge. Die Futtermittelware wurde zu unveränderten Konditionen gehandelt; bei der Lebensmittelware sank der Preis am unteren Spannenende sogar um 2 Cent auf 1,03 Euro/kg. (AgE)

DBV bescheinigt Schulmilchprogrammen international große soziale Bedeutung

Die gesellschaftliche Relevanz von Schulmilchprogrammen hat der Deutsche Bauernverband (DBV) hervorgehoben. Zum Weltschulmilchtag der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der in diesem Jahr auf den 29. September fiel, wies der DBV darauf hin, dass weltweit derzeit mehr als 160 Millionen Kinder von Schulmilch profitierten. Untersuchungen hätten gezeigt, dass diese Programme aus gutem Grund eingeführt worden seien, betonte der Verband. Schulmilch könne dazu beitragen, Probleme der Mangelernährung zu bekämpfen und gesunde Ernährungsgewohnheiten zu fördern. Schulmilchprogramme seien deshalb als wichtiger sozialer Schutzmechanismus identifiziert worden, da sie den Kindern eine gute Ernährung und Bildung böten und die lokale Wirtschaft unterstützen könnten. Um diese Programme nachhaltig zu gestalten, bedarf es laut Bauernverband einer sorgfältigen Vorbereitung, Überwachung und Auswertung. Für diesen Zweck habe der Internationale Milchwirtschaftsverband (IDF) die digitale und interaktive Plattform „School Milk Knowledge Hub“ entwickelt, auch um das Wissen und die Expertise zur Umsetzung und Organisation dieser Programme zusammenzuführen. Wie der DBV weiter ausführte, wird die Abgabe von Milch und bestimmten Milchprodukten an Kinder in Bildungseinrichtungen im Rahmen des EU-Schulprogramms gefördert. In Deutschland liege die Verantwortung für die Organisation der Schulmilchprogramme in den Bundesländern und bei milchwirtschaftlichen Landesorganisationen. Diese hätten auf den Social Media-Kanälen der Landesorganisationen zum Weltschulmilchtag auf die Bedeutung der Milch für die gesunde Ernährung der Schülerinnen und Schüler hingewiesen. In einigen Ländern seien Unterrichtseinheiten durchgeführt worden, wie das Programm „Gemeinsam schmausen in den Pausen“ in Niedersachsen oder das Projekt „Frühstücksexperten“ in Nordrhein-Westfalen. (AgE)

Ökologische Milchproduktion mit besserer Umweltbilanz

Bei der Erzeugung von Milch haben ökologische Produktionsverfahren gegenüber konventionellen eine bessere Umweltbilanz, und zwar auch dazu, wenn die geringeren Milchleistungen mit einbezogen werden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die das Öko-Institut gemeinsam mit dem Schweizer Forschungs- und Beratungsunternehmen INFRAS und dem Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) durchgeführt hat. Dabei wurden die potentiellen Umweltauswirkungen unterschiedlicher Systeme der konventionellen und ökologischen Milcherzeugung jeweils mit und ohne Weidegang verglichen. „Insgesamt hat die ökologische und weidebasierte Milcherzeugung Vorteile für den Umweltschutz, und auch aus Sicht des Klimaschutzes kann hier kein Nachteil ausgemacht werden“, resümierte die Leiterin der Gruppe „Nachhaltige Ernährungssysteme“ im Institutsbereich Produkte & Stoffströme, Dr. Jenny Teufel. Wichtige Hebel zur Minimierung der Umweltauswirkungen seien der Einsatz heimischer Futtermittel, Weidegang sowie Heu im Grundfutter. Nicht geeignet ist laut Teufel hingegen der Ansatz, die durchschnittliche Milchleistung von Kühen in der ökologischen Landwirtschaft weiter zu erhöhen. Der Effekt für den Klimaschutz sei gering und andere Umweltbelastungen wie der Flächenbedarf und der Energieaufwand nähmen zu. Laut der Studie weisen die ökologischen Betriebsmodelle bei Betrachtung einer massenbezogenen Vergleichsgröße in den meisten Fällen einen „mehr oder weniger deutlichen Umweltvorteil“ auf. Lediglich in Bezug auf das terrestrische Versauerungspotential und bei der Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen schnitten die konventionellen Modelle im direkten Vergleich besser ab. Diese Ergebnisse werden den Wissenschaftlern zufolge bestätigt, wenn auf Basis von ökonomischen, funktionellen Einheiten beziehungsweise flächenbezogenen Bezugsgrößen verglichen wird. Laut der Studie liefern die direkten Emissionen der Milcherzeugung, vor allem von Methan, und die Futtermittelbereitstellung die größten Einzelbeiträge zum Treibhausgaspotential. Demnach sind bei konventionell wirtschaftenden Betrieben etwa 30 % der Emissionen direkt der Erzeugung und bis zu 36 % der Futtermittelbereitstellung zuzurechnen. Für die ökologischen Produktionsmodelle wird der Anteil der direkten Emissionen auf knapp 50 % beziffert, wobei der höhere Beitrag „ganz wesentlich“ auf die niedrigere Milchleistung zurückgeführt wird. Betont wird, dass die Bereitstellung des Milchleistungsfutters für alle Wirkungskategorien einen entscheidenden Beitrag zum Gesamtergebnis verursacht. In diesem Zusammenhang könnten der Studie zufolge durch den Einsatz von einheimischen Futterleguminosen anstelle von importierten sojabasierten Komponenten potentielle Umweltverbesserungen erzielt werden. Allerdings bestehe hinsichtlich der Skalierbarkeit der Substitution noch Forschungsbedarf, heißt es. Kaum niedergeschlagen in den Ergebnissen hat sich die Größe des Tierbestandes. Die Auswirkungen seien angesichts der „Dominanz anderer Prozesse“ vergleichsweise geringfügig.

Erstmals einbezogen wurden im Rahmen der Studie laut Öko-Institut die externen Kosten der Milcherzeugung. Diese werden für die untersuchten Betriebsmodelle zwischen 21 Cent und 34 Cent pro Liter Rohmilch veranschlagt. Die Systeme mit Weidegang verursachen dabei zwischen 0,6 Cent und 6,6 Cent geringere Kosten als Modelle ohne Weidegang; die ökologischen Betriebssysteme schneiden im Vergleich zu konventionellen Modellen zwischen 0,5 Cent und 5 Cent besser ab. Die geringsten Umweltkosten verursacht der Studie zufolge somit die ökologische Milcherzeugung mit Weidegang, deren Umweltkosten zwischen 15 % und 24 % niedriger als die der übrigen Systeme liegen. Im Durchschnitt sämtlicher untersuchten Betriebsmodelle werden die Umweltkosten auf rund 30 Cent pro kg Milch beziffert, wobei sich der Anteil der einzelnen Wirkungskategorien deutlich unterscheidet. Mit etwa 62 % machen die Klimakosten den größten Anteil aus, gefolgt von der Landnutzung mit 17 %. Dahinter liegen mit 10 % die Versauerung und mit 6 % die Eutrophierung. (AgE)

EuRH-Sonderbericht: Außergewöhnliche Unterstützung für Milcherzeuger

Agrar Europe hat den Sonderbericht des Europäischen Rechnungshofs (EuRH) „Außergewöhnliche Unterstützung für Milcherzeuger in der EU im Zeitraum 2014-2016 – Verbesserungsbedarf hinsichtlich der Effizienz“ veröffentlicht: Nach einer Zusammenfassung, Einleitung sowie Skizzierung des Prüfungsumfangs und Prüfungsansatzes folgen Ausführungen der Rechnungsprüfer zu vier Bemerkungen: „Die Kommission reagierte schnell auf das russische Einfuhrverbot, brauchte aber länger, um gegen die zugrundeliegenden Marktungleichgewichte vorzugehen“, „Die Kommission nahm eine allgemeine Bewertung der Auswirkungen der Marktstörung vor und überließ die Ausrichtung der Unterstützung den nationalen Behörden“, „Die Mitgliedstaaten bevorzugten einfache Regeln und eine breite Streuung der Beihilfen“ sowie „Die Kommission hat aus der Erfahrung gelernt, ihre Bewertung der Maßnahmen jedoch nicht abgeschlossen“. Daran schließen sich die Schlussfolgerungen und Empfehlungen des Hofes an. Festgestellt wird unter anderem, dass die Kommission und die Mitgliedstaaten zwar umfassende Maßnahmen ergriffen hätten, um Landwirten während der Milchmarktstörung 2014 bis 2016 zu helfen; die zugrundeliegende Analyse sei jedoch im Allgemeinen unzureichend gewesen, um Entscheidungen über die Höhe und die Zielausrichtung der benötigten Unterstützung zu treffen. Die Prüfer empfehlen deshalb erstens dass die Kommission ihre Verfahren dahingehend aktualisiert, dass sie vor jeder Gewährung von Unterstützung für eine Produktionsverringerung künftig untersucht, ob die an die GAP-Unterstützung geknüpften Bedingungen wie etwa eine gekoppelte Stützung zu einem Überangebot beitragen könnten und ob das Risiko von Mitnahmeeffekten reduziert werden kann. Um eine effizientere Verwendung öffentlicher Mittel sicherzustellen, sollte die Kommission laut der zweiten Empfehlung des Rechnungshofs unter anderem Schwellenwerte für die Analyse potentiell erheblicher Marktstörungen festlegen. Darüber hinaus wird drittens empfohlen, dass die Kommission die Wirkung der verschiedenen Modelle für die Gewährung von Sonderbeihilfen auf das Verhalten und die Liquidität von Milcherzeugern und auf die Marktstabilisierung sowie die Umwelt zusammen mit der Rolle von Erzeugern und Molkereien beim Risikomanagement analysieren und ihre Feststellungen veröffentlichen sollte. Als Zieldatum für die Umsetzung nennt der EuRH das Jahr 2024. Aus den im Bericht abgedruckten Antworten der Kommission geht hervor, dass sie die erste Empfehlung zum Vorgehen bei künftigen Marktungleichgewichten annimmt. Abgelehnt werden Schwellenwerte, da Marktstörungen „mehrdimensionaler und unvorhersehbarer Natur“ seien. Mit Blick auf die dritte Empfehlung kündigt die Kommission die Durchführung einer Studie an. (AgE)

Russland: Produzenten von Milchersatzwaren erwarten kräftige Absatzzuwächse

Der Markt für pflanzliche Alternativen zu Milch- und auch Fleischprodukten dürfte auch in Russland in den nächsten Jahren kräftig wachsen. Davon geht zumindest die Geschäftsführerin der Union der Produzenten von pflanzlichen Lebensmitteln, Valeria Rodina, aus. Das liegt ihrer Einschätzung nach auch an den klimatischen Bedingungen Russlands. Hinzu kämen die Entwicklung neuer Technologien im Bereich Foodtech sowie die allgemein steigende Nachfrage nach pflanzlichen Produkten. Das Sortiment an Ersatzprodukten für Milch- und Fleischerzeugnisse werde stetig erweitert, und die Nachfrage nach diesen steige in Russland und auch im Ausland, erklärte Rodina vergangene Woche gegenüber Medien. Der Koordinator des Eat-Better-Projekts, Aleksej Iwanow, verwies ergänzend auf eine Studie des Consultingunternehmens Deloitte, wonach sich der russische Markt für Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten im Jahr 2020 auf umgerechnet gut 107 Mio Euro belaufen habe, wovon 30 Mio Euro auf „pflanzliches Fleisch“ und 77 Mio Euro auf „pflanzliche Milch“ entfallen seien. Erhebungen von Marktforschern zufolge betrug das Umsatzwachstum in Russland bei pflanzlichen Milchersatzprodukten im Zeitraum von Juni 2020 bis Mai 2021 rund 25 %. Die niederländische Rabobank kam kürzlich in einer Studie zu diesen Segmenten und mit Blick auf die EU-28 zu dem Schluss, dass der Verbrauchsmengenanteil der Fleischsubstitute bis 2035 im Vergleich zu 2020 um 3,5 Prozentpunkte auf 4 % und der der Substitute am Gesamtmarkt für Milchprodukte um 6 Prozentpunkte auf 9 % steigen wird. Laut einer Prognose von Bloomberg Intelligence (BI) wird der globale Markt für pflanzliche Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten von geschätzten gut 25 Mrd Euro im Jahr 2020 auf 139 Mrd Euro im Jahr 2030 anwachsen. (AgE)

Danone mit neuem Generalsekretär

Beim französischen Molkereikonzern Danone hat es einen weiteren Wechsel beim Führungspersonal gegeben. Wie der Konzern mitteilte, hat Laurent Sacchi zum 1. Oktober die Nachfolge von Bertrand Austruy als Generalsekretär angetreten. Sacchi wird den Unternehmensangaben zufolge weiterhin als Sekretär des Verwaltungsrats fungieren, während Austruy noch die Personalabteilung verantworten und dem Vorstand angehören wird, bis ein geeigneter Nachfolger auch für diese Tätigkeiten gefunden ist. Laut Danone scheidet Austruy auf eigenen Wunsch aus dem Konzern aus, um beruflich neue Wege zu gehen. Erst Mitte September hatte Antoine de Saint-Affrique seinen neuen Posten als Chef des Molkereikonzerns angetreten, nachdem sein Vorgänger Emmanuel Faber im März von seinen Aufgaben an der Spitze von Vorstand und Verwaltungsrat entbunden worden war. Ein Grund für die Trennung war nicht genannt worden. Medienberichten zufolge hatten letztlich aktivistische Aktionäre den Führungswechsel herbeigeführt. Zuvor hatten die aktivistischen Investoren einen Umbau der Konzernspitze gefordert und dabei die ihrer Meinung nach unzureichende Entwicklung beim Aktienkurs und dem Umsatz geltend gemacht. (AgE)

Preise für Milchpulver und Molkenpulver vom 29. September

In Deutschland setzt sich der saisonale Rückgang der Milchanlieferung fort und die Vorjahreslinie wurde zuletzt deutlicher unterschritten. In der 37. Woche war der Rohstoffeingang der Molkereien laut Schnellberichterstattung der ZMB im Schnitt 1,2 % niedriger als in der Vorwoche und um 3,1 % niedriger als in der Vorjahreswoche.
Die Lage am Rohstoffmarkt ist von einem sehr geringen Angebot gekennzeichnet. Die Preise für Industrierahm, Magermilchkonzentrat und Rohmilch haben zuletzt weiter angezogen.
Magermilchpulver entwickelt sich weiter sehr fest. Die Produktion ist saisonal niedrig und durch die sinkende Milchanlieferung und hohen Kosten im Rohstoffzukauf zusätzlich gedämpft. Die Mengen aus der laufenden Produktion sind überwiegend fest verplant und bereits im Vorfeld verkauft. Gleichzeitig besteht weiter Kaufinteresse.
Bei den Werken gehen weitere Anfragen ein, sowohl aus dem Binnenmarkt wie auch von den Exportmärkten. Allerdings hat sich die Wettbewerbsfähigkeit von EU-Ware am Weltmarkt aufgrund der steigenden Produktpreise trotz des aktuell schwachen Eurokurses verschlechtert. Hinzu kommen die stark gestiegenen Transportkosten. Bei der geringen Verfügbarkeit kommen nur wenig neue Abschlüsse zu Stande.
Die Preise für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität tendieren erneut fester. Auch für Futtermittelware werden steigende Preise erzielt.
Der Markt für Vollmilchpulver ist ebenfalls von einem geringen Angebot geprägt. Die Produktion ist niedrig und erfolgt vor allem auftragsbezogen. In Anbetracht der gegebenen Verwertungsalternativen werden höhere Preise gefordert und bei dringendem Bedarf auch durchgesetzt. Es wird weiter über uneinheitliche Preise innerhalb der EU berichtet.
Bei Molkenpulver sind weiter stabile Tendenzen zu beobachten. Die Nachfrage von Lebensmittelware verläuft stetig und die Preise bewegen sich in der Bandbreite der Vorwoche. Bei Futtermittelware hat das Angebot in der vergangenen Woche punktuell etwas zugenommen. Die Preise sind auf dem Stand der Vorwoche stabil. (Süddeutsche Butter- und Käse-Börse e.V. Kempten (Allgäu))

Fonterra: Guter Abschluss für das Geschäftsjahr 2020/21

Der neuseeländische Molkereikonzern Fonterra konnte gute Zahlen für das am 31. Juli 2021 beendete Geschäftsjahr 2020/21 vorlegen. Dies sei vornehmlich der nach der Corona-Krise global wieder anziehenden Nachfrage für Milchprodukte in den Bereichen Foodservice und Verbraucher zu verdanken.
Die Molkereigenossenschaft teilte am 23. September 2021 mit, dass der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode um +0,7 % auf 21,12 Mrd. NZ$ (12,64 Mrd. Euro) stieg. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erhöhte sich um +8,3 % auf 570 Mio. Euro. Der bereinigte Gewinn nach Steuern wuchs um +47,7 % auf 352 Mio. Euro und die Nettoschulden konnten um 522 Mio. Euro auf 2,27 Mrd. Euro abgebaut werden.
Fonterra-Vorstandschef Miles Hurrell wies darauf hin, dass die Genossenschaft in den vergangenen drei Jahren die Geschäfte neu geordnet und sich von ausländischen Beteiligungen getrennt habe. Man werde auch in Zukunft an der Strategie der Wertmaximierung ihrer neuseeländischen Milch festhalten.
Den Milcherzeugern wird Fonterra für das abgelaufene Wirtschaftsjahr ein Milchpreis einschließlich Genossenschaftsdividende von 7,74 NZ$ (4,63 Euro) für das Kilogramm Milchfeststoff zahlen. Plus 7,6 % mehr als in der Vorsaison und das dritthöchste Auszahlungsniveau in der Historie der Genossenschaft.
Die Milchpreisprognose für das Vermarktungsjahr 2021/22 wurde im Durchschnitt mit 8 NZ$ (4,79 Euro) je Kilogramm Milchfeststoff beibehalten. (Umrechnungskurs: 1 NZ$ = 0,5986 Euro) (AgE)

Fonterra liefert gute Jahreszahlen und will Kapitalstruktur verändern

Dank der global wieder anziehenden Nachfrage für Milchprodukte in den Bereichen Foodservice und Verbraucher nach der Corona-Krise hat der neuseeländische Molkereikonzern Fonterra gute Zahlen für das am 31. Juli beendete Geschäftsjahr 2020/21 vorlegen können. Wie die Molkereigenossenschaft am 23. September mitteilte, legte der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode um 0,7 % auf 21,12 Mrd NZ$ oder umgerechnet 12,64 Mrd Euro zu; das normalisierte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um 8,3 % auf 570 Mio Euro. Der bereinigte Gewinn nach Steuern wuchs sogar um 47,7 % auf 352 Mio Euro, und die Nettoschulden konnten um 522 Mio Euro auf 2,27 Mrd Euro abgebaut werden. Fonterra-Vorstandschef Miles Hurrell wies darauf hin, dass die Genossenschaft in den vergangenen drei Jahren die Geschäfte neu geordnet und sich von ausländischen Beteiligungen getrennt habe. „Wir haben an unserer Strategie der Wertmaximierung unserer neuseeländischen Milch festgehalten, sind zu einem kundenorientierten Betriebsmodell übergegangen und haben unsere Bilanz gestärkt“, erklärte Hurell. Er sei auch stolz, die Umweltbelastung weiter gesenkt zu haben: „Allein in diesem Jahr haben wir unsere CO2-Emissionen aus Kohle um mehr als 11 % reduziert.“ Neuseelands Milchwirtschaft habe den niedrigsten CO2-Fußabdruck der Welt, müsse aber noch mehr für den Klimaschutz tun, so der Vorstandsvorsitzende. In Zukunft gehe es darum, den Vorsprung in punkto Nachhaltigkeit im internationalen Wettbewerb zu verteidigen. Die Konzernführung gab zudem bekannt, dass den Farmern für das abgelaufene Wirtschaftsjahr ein Milchpreis einschließlich Genossenschaftsdividende von 7,74 NZ$ (4,63 Euro) für das Kilogramm Milchfeststoff gezahlt wird. Das sind 7,6 % mehr als in der Vorsaison, und es ist das dritthöchste Auszahlungsniveau in der Historie der Genossenschaft. Die Milchpreisprognose für das begonnene Vermarktungsjahr 2021/22 wurde im Spannenmittel mit 8 NZ$ (4,79 Euro) je Kilogramm Milchfeststoff beibehalten. „Ein hoher Milchpreis ist gut für die Bauern und gut für die neuseeländische Wirtschaft. Dies hat jedoch das Potential, unsere Umsatzmargen zu drücken und das Ergebnis zu beeinträchtigen“, so Hurrell.
Große Beachtung fanden auch Fonterras strategische Ankündigungen für die Zukunft. Die Genossenschaft will sich stärker auf neuseeländische Milch konzentrieren sowie führend bei Nachhaltigkeit und Innovationen sein. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen bis 2030 um 50 % gesteigert werden, um Lösungen zur Senkung von Treibhausgasemissionen oder Produkte mit höherer Wertschöpfung zu entwickeln, beispielsweise im Bereich Gesundheit und Wellness. Für die Umsetzung der strategischen Pläne werden laut Hurrell Änderungen in der Kapitalstruktur benötigt. So soll die chilenische Molkereimarke Soprole samt Rohmilcherfassung und Produktherstellung verkauft werden. Zudem wird erwogen, für größere Teile des Geschäfts in Australien andere Eigentümer zu finden, wobei ein Börsengang eine ernsthafte Option ist. Im eigenen Land will Fonterra die Beteiligung am Unternehmen verändern und flexibler gestalten, damit neue Landwirte leichter in die Genossenschaft eintreten können. So soll beispielsweise für einen Genossenschaftsanteil nicht mehr nur 1 kg Milchfeststoff geliefert werden dürfen, sondern 3 kg. Auch Vertragsmelker oder Farmverpächter sollen Anteile erwerben können. So könnten inländische Marktanteile bei der Milcherfassung zurückzugewonnen werden. Gleichzeitig sollen Investitionen von Nichtlandwirten in den börsennotierten Fonterra Shareholders Fund eingeschränkt werden, um die Kontrolle der Landwirte über ihre Genossenschaft zu schützen. (Umrechnungskurs: 1 NZ$ = 0,5986 Euro) (AgE)

Preise für Milchprodukte tendieren fester

Die saisonal und auch im Vorjahresvergleich rückläufigen Milchanlieferungen in Deutschland haben vergangene Woche am Produktmarkt für Milcherzeugnisse teilweise zu weiter anziehenden Preisen geführt, sofern diese nicht durch Kontrakte festgeschrieben waren. Das galt insbesondere für den Bereich Milchpulver. Nach Angaben der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) war das verfügbare Angebot an frei verkäuflichem Magermilchpulver sehr begrenzt. Die Produktion für die kommenden Monate sei bereits verkauft. Außerdem böte der Verkauf von flüssigem Rohstoff am Spotmarkt bessere Verwertungsmöglichkeiten. Der Süddeutschen Butter- und Käsebörse in Kempten zufolge konnten die Verkäufer von lebensmitteltauglicher Ware im Schnitt Zuschläge von 4 Cent realisieren und zwischen 2,67 Euro/kg und 2,77 Euro/kg erlösen; das war das höchste Niveau seit Sommer 2014. Auch auf globaler Ebene zogen die Magermilchpulverpreise weiter an; auf der Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) legte der Durchschnittswert über alle Lieferkontrakte hinweg am vergangenen Dienstag (21.9.) gegenüber der vorherigen Auktion um 0,9 % auf 3 302 $/t (2 813 Euro) zu. Zudem verzeichnete Vollmilchpulver dort eine Preissteigerung von 2,2 % auf 3 777 $/t (3 218 Euro). Fonterra hatte seine Angebotsmenge auf der Plattform gekürzt, da es außerhalb dieses Vermarktungskanals eine „extrem starke“ Nachfrage bei Vertragskunden gebe und die erwartet verhaltenen Milchanlieferungen in dieser Saison größere Produktionssteigerungen unwahrscheinlich machten. In Deutschland zog der Preis für Vollmilchpulver laut Kemptener Börse vergangene Woche recht deutlich, nämlich um 7 Cent auf eine Spanne von 3,35 Euro/kg bis 3,42 Euro/kg an. Ware werde nur produziert, wenn es konkrete Bestellungen gebe, hieß es dazu. Fester tendierte hierzulande auch der Markt für Molkenpulver: Das Kilogramm Futtermittelware ließ sich mit 0,97 Euro/kg bis 0,99 Euro/kg um 1 Cent teurer als in der Vorwoche verkaufen; bei der Lebensmittelware ging es im Schnitt um 1,5 Cent auf 1,05 Euro bis 1,11 Euro nach oben.
Der Milchfettmarkt war nach Angaben der Kemptener Börse bei guter Nachfrage ebenfalls von einem knappen Angebot geprägt. Bei der Blockbutter führte das am vergangenen Mittwoch zu einem Notierungsplus von 10 Cent beim unteren Spannenwert auf 4,15 Euro/kg; am oberen Ende wurde der Wert um 15 Cent auf 4,35 Euro/kg heraufgesetzt. Bisher hätten die Restbestände an gefrosteter Ware den Preisanstieg begrenzt, doch würden diese nun langsam zu Ende gehen, erklärten die Berichterstatter aus Kempten. Frische Butter zum aktuellen Preisniveau zu produzieren sei wenig lukrativ. Bei Schnittkäse hat Analysten zufolge die Nachfrage nach dem Ferienende in Süddeutschland zugenommen. Die Vorräte in den Reifelagern würden weiter sinken, und der Käse müsse aufgrund des begrenzten Angebotes immer jünger ausgeliefert werden. Die amtliche Notierung für Edamer und Gouda in Hannover blieb vergangene Woche aber unverändert, doch rechnen Experten mit anziehenden Preisen, zumal auch der Auslandsverkauf nicht schlecht laufen soll. Allgäuer Emmentaler aus Rohmilch ist laut der Börse ebenfalls nur begrenzt verfügbar, doch leidet der Absatz unter dem Ausfall der sonst verkaufsfördernden Volksfeste. Bei normalen Emmentaler und Viereckhartkäse sorgte die sehr gute Nachfrage bei geringen Beständen am vergangenen Mittwoch in Kempten für einen Notierungsanstieg von 10 Cent auf 4,20 Euro/kg bis 5,40 Euro/kg. (Umrechnungskurs: 1 $ = 0,8519 Euro) (AgE)

FAO will Führungsrolle bei der Gestaltung der Nahrungsmittelsysteme

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) will bei der angestrebten effizienteren, widerstandsfähigeren und nachhaltigeren Gestaltung der globalen Ernährungssysteme eine Führungsrolle übernehmen. Das hat FAO-Generalsekretär Dr. Qu Dongyu am 23. September auf der Abschlussveranstaltung des Ernährungssystem-Gipfels der Vereinten Nationen (UN) in New York angekündigt. Dort wurde erstmals ein umfassender Ansatz für die Umgestaltung der Agrar- und Ernährungssysteme verabschiedet. UN-Generalsekretär António Guterres forderte die Regierungen und Partner dazu auf, die von ihnen eingegangenen Verpflichtungen zur Erreichung der insgesamt 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung bis 2030 zu erfüllen. Zu den künftigen fünf Schlüsselbereichen zählte Guterres die Ernährung aller Menschen, die Förderung naturbasierter Lösungen und gerechter Lebensbedingungen, menschenwürdige Arbeit, die Stärkung der Widerstandsfähigkeit sowie die Unterstützung von Umsetzungsmaßnahmen. Ein starker Fokus soll laut Qu künftig auf der Stärkung der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik liegen. Zudem seien „mehr und gezieltere sowie nachhaltigere Investitionen“ notwendig. Die FAO schätzt, dass umgerechnet 35 Mrd Euro bis 43 Mrd Euro an jährlichen Investitionen für gezielte Maßnahmen erforderlich sein werden, um den Hunger bis 2030 zu beenden. Der Präsident des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), Gilbert F. Houngbo, gab zur Umgestaltung der Lebensmittelsysteme zu bedenken, dass zunächst die Frage der Finanzierung geklärt werden müsse. Er forderte, hierzu neue Mechanismen vorzuschlagen, um die Ressourcen auf Länderebene zu erhöhen und die nationalen Wege zu unterstützen. Zugleich müsse aus Altbekanntem ausgebrochen werden, um den Ländern mehr Mittel zur Verfügung zu stellen. Der Präsident vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), Jörg-Andreas Krüger, betonte mit Blick auf den Ernährungsgipfel, es bestehe ein direkter Zusammenhang zwischen der Nahrungsmittelproduktion, dem Konsumverhalten sowie dem Artensterben und der Erdüberhitzung. Der World Wide Fund For Nature (WWF) sieht die Welt an einem Scheideweg. (AgE)