Molkerei schließt Landliebe-Werke

Der Molkereiriese Müller („Müller-Milch“) legt seine beiden baden-württembergischen Werke Heilbronn und Schefflenz bis zum Sommer 2026 still. Das gab die Unternehmensleitung am 21. Februar bekannt. Betroffen sind rund 400 Mitarbeiter. Die Müller-Gruppe hatte die beiden Werke voriges Jahr zusammen mit dem Großteil des Geschäfts mit Molkereiprodukten für den deutschen Markt und der Marke Landliebe von der niederländischen Molkereigenossenschaft FrieslandCampina gekauft. Teil des Pakets war auch die Übernahme der Milchwerke in Köln, deren Schließung bereits voriges Jahr verkündet worden war.
Molkerei gibt zu hohe Produktionskosten als Grund an
Nach Darstellung der Unternehmensgruppe Theo Müller lassen die Kostenstrukturen an den Standorten Heilbronn und Schefflenz keine wettbewerbsfähige Produktion zu. Zusätzlich bestehe in Heilbronn ein enormer Investitionsbedarf. Die Herstellung von Joghurt, Desserts und anderen Molkereiprodukten soll von den beiden Werken an andere Standorte der Müller-Gruppe verlagert werden.
Standorte von Landliebe tief in den roten Zahlen
Cornelia Heiser, die bei Müller das Landliebe-Geschäft verantwortet, sagte: „Eine umfassende wirtschaftliche Analyse hat ergeben, dass die beiden Produktionsstandorte unter diesen Voraussetzungen keine Perspektive haben, aus den tiefroten Zahlen zurück in ein langfristig profitables Geschäft zu kommen.“ Sie räumte ein, dass die Nachricht über die Schließung bei den Mitarbeitern Bestürzung auslösen werde. Die Unternehmensführung werde zeitnah Gespräche mit dem Betriebsrat aufnehmen, mit dem Ziel, sozialverträgliche Lösungen zu finden.

Danone verkauft Russland-Geschäft an Geschäftsmann Mingasow

Danone plant einem Medienbericht zufolge, sein Geschäft mit Milchprodukten und pflanzenbasierten Erzeugnissen in Russland an einen mit Tschetschenien verbundenen Geschäftsmann zu verkaufen. Das Molkereiunternehmen Vamin Tatarstan, das dem Geschäftsmann Mintimer Mingasow gehört, habe sich bereit erklärt, 17,7 Milliarden Rubel (180 Millionen Euro) zu zahlen, um die Kontrolle über das Russland-Geschäft von Danone zu übernehmen, berichtete die „Financial Times“ unter Berufung auf einen entsprechenden Brief. Im Juli vergangenen Jahres war Jakub Sakrijew, ein Neffe des tschetschenischen Führers Ramsan Kadyrow, zum neuen Leiter der russischen Danone-Tochter ernannt worden. Mingasow wurde in den Vorstand des Unternehmens berufen, nachdem Sakrijew die Kontrolle übernommen hatte, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf Dokumente und mit der Situation vertraute Personen. Danone erhalte zehn Milliarden Rubel (100 Millionen Euro), während 7,7 Milliarden Rubel (79 Millionen Euro) für den Schuldendienst der russischen Einheit verwendet würden, berichtete das Blatt weiter. Der französische Konzern, der nun Ergebnisse für das Gesamtjahr 2023 vorlegt, lehnte eine Stellungnahme ab. Der Kreml hatte als Vergeltung für Sanktionen gegen russische Firmen nach dem Einmarsch Moskaus in die Ukraine das Unternehmen wie auch die russische Carlsberg-Tochter im vergangenen Jahr unter Zwangsverwaltung gestellt. Danone bezifferte daraufhin den Abschreibungsbedarf auf seine russischen Aktivitäten auf rund 700 Millionen Euro. Zuvor hatte der Konzern gewarnt, ein Verkauf der Einheit könne zu einer Abschreibung von bis zu einer Milliarde Euro führen. (handelsblatt.com)

Biomilchpreis zu niedrig

Die ökologisch wirtschaftenden Milchbauern von Bioland und Naturland benötigen aktuell einen Erzeugerpreis von 69,6 Cent je Kilogramm Rohmilch, um nachhaltig produzieren zu können. Wie die beiden Öko-Anbauverbände am 14. Februar dazu erläuterten, liegt auf diesem Niveau der von ihnen neu berechnete Orientierungspreis, um den hohen Aufwand der Biomilcherzeugung nach den Richtlinien beider Verbände zu decken. Der Orientierungspreis wurde im Sommer 2023 erstmals kalkuliert und lag damals mit 67,0 Cent/kg um 2,6 Cent niedriger. Seitdem sind jedoch die Produktionskosten durch höhere Aufwendungen für Löhne, Betriebsmittel, Reparaturen und Investitionen für Gebäude und Maschinen gestiegen, was durch etwas niedrigere Preise für Strom und Milchleistungsfutter nicht ausgeglichen wird. Im Dezember lag der durchschnittliche Preis für die Ökomilch laut Bioland bei 55,2 Cent/kg. Im Gesamtjahr 2023 belief sich der Preis im Mittel nach vorläufigen Daten einschließlich Nachzahlungen auf 57,7 Cent/kg. Er lag damit um 0,6 Cent unter dem Rekordniveau des Vorjahres und verfehlte zudem den Orientierungspreis deutlich. Laut Bioland-Präsident Jan Plagge betreiben Bioerzeuger einen enorm großen Aufwand, um einen besonders hohen Nachhaltigkeitsstandard umzusetzen „Mit dem Orientierungspreis wollen wir deutsche Öko-Anbauverbände die Richtung weisen, in die es zu einer Vollkostendeckung gehen muss“, erläuterte Plagge. Wolle man ernsthaft die Erzeugerbasis sichern, müsse dieser Weg gegangen werden. Dazu sei es auch nötig, die Marktstellung der Landwirte zu stärken. „Wer auf Subventionen angewiesen ist, bekommt nicht genug für seine Arbeit“, so Plagge. Naturland-Präsident Hubert Heigl machte deutlich: „Wer besondere Leistungen für Tierwohl, Umwelt, Arten und Klima erbringt, der muss den Gegenwert nachher auch auf seinem Betriebskonto wiederfinden, um auf Dauer nachhaltig wirtschaften zu können.“ Von der Vollkostendeckung seien aber viele Biomilcherzeuger noch ein Stück weit entfernt. „Wenn es künftig nicht weniger, sondern mehr von ihnen geben soll, muss diese Lücke sukzessive geschlossen werden“, betonte Heigl. (AgE)

Höhere Milchpreise bei Fonterra in Sicht

 

 

Der neuseeländische Molkereikonzern Fonterra verzeichnet aktuell eine bessere Nachfrage und steigende Produktpreise. Dies soll auch den eigenen Milchlieferanten zugutekommen. Am 12. Februar hob das Unternehmen seine Milchpreisprognose für die noch bis Ende Mai laufende Saison 2023/24 gegenüber der vorherigen Dezemberschätzung um 0,30 NZ$ (0,17 Euro) auf 7,30 NZ$ (4,14 Euro) bis 8,30 NZ$ (4,70 Euro) je Kilogramm Milchfeststoff an. Das Spannenmittel von 4,42 Euro liegt damit aber immer noch unter dem der Vorsaison von 4,65 Euro und weit unter dem der Rekordsaison 2021/22 mit 5,27 Euro/kg Milchfeststoff. Laut Fonterra-Geschäftsführer Miles Hurrell spiegelt die angehobene Milchpreisprognose „die bessere Nachfrage für Standardmilcherzeugnisse am Weltmarkt, vor allem aus dem Nahen Osten und Südostasien“, wider. Diese hat auch zu einem Anstieg der Verkaufspreise an der globalen Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) geführt.
Insgesamt sind laut Hurrell die GDT-Preise seit der letzten Milchpreisprognose um 10% gestiegen, wobei der Wert des wichtigsten Verkaufsprodukts Vollmilchpulver um 11,5% zugelegt hat. „Mit Blick auf die Zukunft sind mögliche Auswirkungen geopolitischer Instabilität und Unterbrechungen der Lieferkette zu wichtigen Importregionen aber nicht ausgeschlossen“, warnte der Fonterra-Manager. Allerdings sei die Molkereigenossenschaft durch die Marktdiversifizierung und ihre Logistikpartner gut und flexibel aufgestellt, um die Ware zu den Kunden zu bringen. Laut dem Milchpräsidenten des neuseeländischen Bauernverbandes, Richard McIntyre, begünstigte der Wegfall von Einfuhrzöllen für Milchpulver die jüngste Absatzsteigerung in China. Seit Anfang 2024 können nun alle neuseeländischen Molkereiprodukte abgabefrei nach China ausgeführt werden.
In der EU haben nach vorläufigen Kommissionsangaben die Milcherzeuger 2023 im Vorjahresvergleich weniger Geld für ihre Rohmilch erhalten. Der Durchschnittspreis lag mit 47,0 Cent/kg um 3,2 Cent oder 6,4% unter dem Rekordniveau von 2022. Besonders hohe Abschläge von jeweils rund einem Viertel mussten die Milchbauern in Irland, Lettland und Litauen hinnehmen; in Belgien fiel der Preis um ein Fünftel. Für Deutschland wurde ein Rückgang von 7,5 Cent oder 14,1% auf 45,9 Cent/kg ausgewiesen. In den Niederlanden zahlten die Molkereien im Schnitt mit 46,3 Cent/kg ein um 8,9 Cent beziehungsweise 16,2% geringeres Milchgeld.
Es gab jedoch auch Länder mit höheren Milcherzeugerpreisen. Dazu zählten Frankreich mit einem Plus von 2,8 Cent auf 47,3 Cent/kg sowie Italien mit 3,2 Cent auf 51,9 Cent/kg. Besonders stark legten die Milchpreise auf der iberischen Halbinsel zu, und zwar um jeweils rund 17% auf 52,5 Cent/kg in Spanien und 48,8 Cent/kg in Portugal. Das absolut höchste Milchpreisniveau wurde für Zypern mit 64,2 Cent/kg gemeldet, das geringste mit 35,7 Cent/kg für Lettland. (AgE)

Biomilchpreis ist zu niedrig

Die ökologisch wirtschaftenden Milchbauern von Bioland und Naturland benötigen aktuell einen Erzeugerpreis von 69,6 Cent je Kilogramm Rohmilch, um nachhaltig produzieren zu können. Wie die beiden Öko-Anbauverbände am 14. Februar dazu erläuterten, liegt auf diesem Niveau der von ihnen neu berechnete Orientierungspreis, um den hohen Aufwand der Biomilcherzeugung nach den Richtlinien beider Verbände zu decken. Der Orientierungspreis wurde im Sommer 2023 erstmals kalkuliert und lag damals mit 67,0 Cent/kg um 2,6 Cent niedriger. Seitdem sind jedoch die Produktionskosten durch höhere Aufwendungen für Löhne, Betriebsmittel, Reparaturen und Investitionen für Gebäude und Maschinen gestiegen, was durch etwas niedrigere Preise für Strom und Milchleistungsfutter nicht ausgeglichen wird. Im Dezember lag der durchschnittliche Preis für die Ökomilch laut Bioland bei 55,2 Cent/kg. Im Gesamtjahr 2023 belief sich der Preis im Mittel nach vorläufigen Daten einschließlich Nachzahlungen auf 57,7 Cent/kg. Er lag damit um 0,6 Cent unter dem Rekordniveau des Vorjahres und verfehlte zudem den Orientierungspreis deutlich.
Laut Bioland-Präsident Jan Plagge betreiben Bioerzeuger einen enorm großen Aufwand, um einen besonders hohen Nachhaltigkeitsstandard umzusetzen „Mit dem Orientierungspreis wollen wir deutsche Öko-Anbauverbände die Richtung weisen, in die es zu einer Vollkostendeckung gehen muss“, erläuterte Plagge. Wolle man ernsthaft die Erzeugerbasis sichern, müsse dieser Weg gegangen werden. Dazu sei es auch nötig, die Marktstellung der Landwirte zu stärken. „Wer auf Subventionen angewiesen ist, bekommt nicht genug für seine Arbeit“, so Plagge. Naturland-Präsident Hubert Heigl machte deutlich: „Wer besondere Leistungen für Tierwohl, Umwelt, Arten und Klima erbringt, der muss den Gegenwert nachher auch auf seinem Betriebskonto wiederfinden, um auf Dauer nachhaltig wirtschaften zu können.“ Von der Vollkostendeckung seien aber viele Biomilcherzeuger noch ein Stück weit entfernt. „Wenn es künftig nicht weniger, sondern mehr von ihnen geben soll, muss diese Lücke sukzessive geschlossen werden“, betonte Heigl. (AgE)

Mehr Milch in Deutschland verarbeitet

 

Die Molkereien in Deutschland konnten 2023 auf ein größeres Rohstoffangebot zurückgreifen. Laut Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) wurden im vergangenen Jahr rund 32,43 Mio. Tonnen Kuhmilch erfasst; das waren 476.700 Tonnen oder 1,5% mehr als 2022. Hierbei fiel der relative Zuwachs bei der konventionellen Milch mit 1,2% auf 30,07 Mio. Tonnen geringer aus als bei Biomilch mit 4,9% auf 1,38 Mio. Tonnen. Hinzu kamen noch 972.800 Tonnen Kuhmilch von ausländischen Erzeugern, was im Vorjahresvergleich einem Zuwachs von 5,1% entsprach. Während die Andienungsmenge der ökologisch erzeugten Milch aus Deutschland innerhalb von fünf Jahren um 23,7% gestiegen ist, war sie bei der konventionellen Milch um 1,7% rückläufig. Die meiste „Normalmilch“ wurde 2023 erneut in Niedersachsen einschließlich Bremen mit 7,17 Mio. Tonnen verarbeitet; knapp dahinter lag Bayern mit 7,04 Mio. Tonnen. Bei der Biomilch hatte der Freistaat jedoch mit 678.000 Tonnen klar die Nase vorn. Dahinter folgte Baden-Württemberg mit 187.842 Tonnen.
Seit November 2023 wird den hiesigen Molkereien im Vergleich zum Vorjahresmonat weniger Milch angeliefert. Das war laut Zentraler Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) auch Anfang Februar der Fall; die Vorjahreslinie wurde um 1,2% unterschritten. Bei den amtlichen Notierungen für Milcherzeugnisse tat sich Mitte Februar nicht viel. Sie blieben bei Päckchenbutter sowie bei Schnitt- und Hartkäse stabil. Die wieder zunehmende Nachfrage der Industrie für Blockbutter ermöglichte den Herstellern hingegen höhere Verkaufspreise. Die Notierung der Süddeutschen Butter- und Käsebörse in Kempten wurde am Mittwoch (14.2) im Spannenmittel um 15 Cent auf 5,35 Euro/kg bis 5,45 Euro/kg angehoben. Der Schnittkäsemarkt wurde als ausgeglichen beschrieben. Bei der Brotware wurde die Notierung für Edamer und Gouda in Hannover geringfügig um 5 Cent auf 4,10 Euro/kg bis 4,30 Euro/kg zurückgenommen.
Etwas belebt hat sich laut ZMB die Nachfrage für Magermilchpulver. Weil die Produktion für die Jahreszeit recht niedrig ist und Bestände abgebaut wurden, haben die Hersteller keinen Verkaufsdruck. Die Preise haben sich nach Rückgängen stabilisiert. Laut Kemptener Börse konnte für die Futtermittelware im Verkauf sogar ein Zuschlag von 1 oder 2 Cent auf 2,31 Euro/kg bis 2,34 Euro/kg realisiert werden. Bei Vollmilchpulver hielt sich das Kaufinteresse dagegen in Grenzen und es kamen nur wenige Aufträge zustande. Laut Kemptener Börse wurden Neuverkäufe mit einem Abschlag von rund 3 Cent auf 3,59 Euro/kg bis 3,67 Euro/kg getätigt. Bei Molkenpulver blieben die Preise laut Erhebung der Butter- und Käsebörse unverändert. (AgE)

DBV lehnt Kabinettsbeschluss ab

 

Der Deutsche Bauernverband (DBV) lehnt das vom Bundeskabinett beschlossene Berufsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz (BVaDiG) ab. Es schaffe einen Anreiz für einen direkten Berufseinstieg ohne Absolvierung einer dualen Ausbildung, kritisierte der stellvertretende DBV-Generalsekretär Gerald Dohme am 16. Februar. Im Rahmen einer Verbändeanhörung geäußerte Einwände auch des DBV seien kaum berücksichtigt worden. Die marginalen Änderungen im Gesetzentwurf führten zu keinen nennenswerten Verbesserungen hinsichtlich der Risiken für die duale Berufsausbildung. Dohme begrüßte, dass die Bundesregierung das Berufsbildungssystem stärken und modernisieren wolle. Die Vergleichbarkeit der Qualität einer Validierung mit einer regulären Abschlussprüfung sei aber äußerst kritisch zu betrachten. Zudem sei das im Gesetzentwurf beschriebene neue Validierungsverfahren sehr zeit- und kostenintensiv.
Die stellvertretende Generalsekretärin des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), Romana Hoffmann, warnte vor „noch mehr Bürokratie und Kosten in der Ausbildung, ohne dass eine Stärkung der dualen Ausbildung zu erkennen ist“. Positiv zu bewerten seien die Ansätze zur Digitalisierung in der Berufsbildung. Das helfe beim Bürokratieabbau der Unternehmen. (AgE)

Biofach/Vivaness: Veranstalter zieht positive Bilanz

 

Die Messe Nürnberg hat eine positive Bilanz zur diesjährigen Biofach gezogen, die am 16. Februar nach vier Veranstaltungstagen zu Ende gegangen ist. Auf der Weltleitmesse für Biolebensmittel und der parallel ausgerichteten Internationalen Fachmesse für Naturkosmetik (Vivaness) hätten sich insgesamt rund 35.000 Fachbesucher aus 128 Ländern informiert. Außerdem seien auf beiden Messen zusammen 2.550 Aussteller aus 94 Ländern vor Ort gewesen. Die Akteure hätten zukunftsorientiert und mit jeder Menge Gestaltungswillen diskutiert und interagiert. Im Rahmen der Biofach- und Vivaness-Kongresse bewiesen laut Angaben der Messe zusammen 171 fachlich fundierte und hochkarätig besetzte Einzeltermine die zukunftsorientierte Ausrichtung von Biofach und Vivaness. Daneben hob der Veranstalter hervor, dass 2024 erstmals mehr als 10.000 Teilnehmende die Vorteile einer hybriden Messe genutzt und sich digital registriert hätten. Die hybriden Aspekte der Messen seien in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich weiterentwickelt worden. Die Community profitiere immer stärker von den Mehrwerten und nutze vor allem die Interaktionsmöglichkeiten. (AgE)

Neuseeland: Milcherzeugung leicht im Aufwind

 

In Neuseeland ist im Kalenderjahr 2023 mehr Milch gemolken worden als im Vorjahr; besonders deutlich zugelegt hat dabei die Menge der verarbeiteten Milchinhaltsstoffe. Laut Daten des neuseeländischen Molkereiverbandes (DCANZ) nahm die Produktion gegenüber 2022 um 196.000 Tonnen oder 0,9% auf 21,25 Mio. Tonnen Milch zu. Das Aufkommen des aus den Trockengehalten von Fett und Eiweiß gewonnenen Milchfeststoffs lag mit gut 1,88Miot um 2,1% über dem Vorjahresniveau. 2022 war Neuseelands Milcherzeugung noch um 3,8% auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren gesunken. Im vergangenen Jahr waren die Witterungsbedingungen und der Futteraufwuchs auf den Weiden jedoch günstiger für die Erzeuger. Das galt insbesondere für die erste Jahreshälfte, in der bis Mai die jeweiligen Mengen bei Milchanlieferung und verarbeiteten Inhaltsstoffen klar über dem Vorjahresniveau lagen. Ab Juni blieb das Milchaufkommen dann wieder etwas unter den Vorjahreswerten, was allerdings nicht für den Milchfeststoff galt.
In Neuseeland steht in der Regel nicht das Kalenderjahr, sondern das von Juni bis Mai laufende Milchwirtschaftsjahr im Vordergrund. Hier ist festzustellen, dass in den ersten sieben Monaten von 2023/24 die Milcherzeugung um 43.000 Tonnen oder 0,3% unter dem Niveau der Vorjahresperiode lag. Das war das geringste Aufkommen seit mehr als fünf Jahren. Beim Milchfeststoff sah es besser aus; hier konnten im Vorjahresvergleich 1,1% mehr Inhaltsstoffe verarbeitet werden. Im gesamten Milchwirtschaftsjahr 2023/24 wird laut Prognosen die Milcherzeugung in Neuseeland knapp stabil erwartet. Die führende Molkerei Fonterra erwartete zuletzt, dass sie mit knapp 1,47 Mio. Tonnen Milchfeststoff 0,1% weniger Rohstoff als 2022/23 verarbeiten kann. Ein Grund dafür ist der stetige Rückgang des Milchkuhbestandes. Dieser ist 2022/23 um 3,5% auf 4,67 Millionen Tiere gesunken. Produktivitätsfortschritte gleichen davon einiges aus. Doch machen auch den Erzeugern in Neuseeland die verschärften Produktions- und Umweltauflagen zu schaffen, in deren Folge es weniger Kühe gibt. (AgE)

MIV erwartet für 2024 stabile Milcherzeugerpreise

 

Mit Blick auf das laufende Kalenderjahr erwartet die Molkereiwirtschaft stabile Ergebnisse und weiterhin recht hohe Preise. Der Vorsitzende des Milchindustrieverbandes (MIV), Peter Stahl, prognostizierte auf der Grünen Woche in Berlin am 23. Januar einen Milcherzeugerpreis „mit einer vier vor dem Komma“. Im vergangenen Jahr seien die Milcherzeugerpreise im Vergleich zu 2022 zwar deutlich gesunken, hätten aber mit 45,5 Cent je Kilogramm Milch ihren historisch zweithöchsten Wert erreicht. Bei einer voraussichtlich stabilen bis festen Nachfrage nach Molkereierzeugnissen werde ein steigender Absatz in wichtigen Importregionen die Preise stützen, prognostizierte Stahl. Die Preise für Milchprodukte hätten 2023 im Vergleich zu ihren historischen Höchstmarken vom Frühjahr 2022 zwar durchweg nachgegeben, bewegten sich aber im langfristigen Vergleich in den meisten Segmenten auf einem überdurchschnittlichen Niveau.
Mit Blick auf die hohen Produktionskosten zeigte sich der MIV-Vorsitzende besorgt. Die Energiepreise in Deutschland müssten dringend sinken, weil der Sektor sonst seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verliere. Derweil seien Rohstoffe bis hin zu Zutaten wie Zucker und Früchten teuer. Zudem überträfen sich die Gewerkschaften derzeit mit unrealistischen Lohnforderungen zur Tarifrunde 2024, hob Stahl hervor. Zwar werde der Fachkräftemangel im Zuge des demografischen Wandels anhalten; eine Stilllegung von Produktionslinien drohe aber nicht. Allerdings müsse sich die Branche bemühen, für den Nachwuchs attraktiv zu bleiben.
Eine Absage erteilte der Verband den politischen Plänen des Bundeslandwirtschaftsministeriums zum Eingriff in die Lieferbeziehungen zwischen Molkerei und Milcherzeuger nach Maßgabe des Artikels 148 der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO). „Der Staat sollte sich da raushalten“, forderte Stahl. Die Entwicklungen auf den Weltmärkten ließen sich nämlich nicht aushebeln. Mit Blick auf das Ziel der Bundesregierung, den Anteil von Biomilch an der gesamten Milcherzeugung bis 2030 auf 30% zu steigern, zeigte sich der Verbandsvorsitzende skeptisch. Aktuell liege der betreffende Anteil bei lediglich 4%. Derweil sei die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher wegen der hohen Inflation gering. Deshalb bestünden kaum Aussichten, dass das Ziel erreicht werden könne. Dies müsse die Politik zur Kenntnis nehmen, so der MIV-Vorsitzende. (AgE)

Edeka-Initiative: Affront gegenüber Milcherzeugern

Mit deutlicher Kritik hat der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Karsten Schmal, auf die Ankündigung von Edeka reagiert, bis März relevante Käseartikel seiner Einstiegsmarke GUT&GÜNSTIG auf die Haltungsform 3 umzustellen. Schmal sprach gegenüber AGRA-EUROPE von einem Schritt, „der viele Fragen aufwirft“ und bei näherem Hinsehen für Unverständnis bei hiesigen Milcherzeugern sorge. Verwundert zeigt sich der DBV-Milchpräsident insbesondere über die Aussage, dass der Käse des niederländischen Herstellers ohne Aufpreis verkauft werden soll. „Wer trägt die Mehrkosten?“, fragt Schmal. Während man in Deutschland mühsam einen Aufschlag für Frischmilch der Haltungsform 3 von 3 Cent pro Kilogramm ausgehandelt habe, bleibe die Handhabung in diesem Fall unklar.
Der Verzicht auf einen Preisaufschlag für Produkte mit höheren Tierwohlstandards setze zudem ein falsches Signal an die Verbraucher, monierte der DBV-Milchpräsident. Im Ergebnis unterlaufe die Initiative von Edeka den Ansatz, dass Leistungen der Landwirte für mehr Tierwohl vom Verbraucher an der Ladentheke honoriert müssen. Zudem seien die Kriterien unklar, nach denen der Rohstoff für den betreffenden Käse erzeugt wird, so Schmal. Dies sei umso enttäuschender, als die Umstellung von Milchviehbetrieben auf das Zusatzmodul QM++ für Milch der höheren Haltungsstufe 3 erfolgreich angelaufen sei. Der Vizepräsident vom Landvolk Niedersachsen, Frank Kohlenberg, sprach von einem „Affront gegenüber der Landwirtschaft“.
Edeka hatte die Umstellung seines „gelben Käses“ auf Haltungsform 3 am 22. Januar angekündigt. Den Bedarf an tierwohlgerechter Milch für diesen Käse veranschlagt das Unternehmen für den Edeka-Verbund einschließlich seiner Tochter Netto Marken Discount künftig auf mehr als 300 Mio. Liter. Das entspricht laut Unternehmensangaben umgerechnet etwa einem Drittel seiner Menge an Scheiben-, Reiben- und Stückkäse. Laut Unternehmenschef Markus Mosa sieht sich Edeka mit seiner Initiative in einer „Vorreiterrolle im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.“ „Wir hoffen, dass wir damit Bewegung in den Markt bringen und viele Händler unserem Beispiel folgen werden“, erklärte Mosa. Der Großteil der Artikel solle bereits im März 2024 auf Milch aus höherer Haltungsform umgestellt sein. Weitere Käseprodukte folgten in Kürze. (AgE)

Initiative Milch: Social-Media-Projekte kommen an

 

Die Initiative Milch hat mit ihren Kommunikationsprojekten im vorigen Jahr insgesamt 14 Millionen Konten auf Instagram und TikTok erreicht. Das hat Carola von und zur Mühlen von der Initiative am 22. Januarauf der Grünen Woche bei einem Fachforum des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zur Milchviehhaltung berichtet. Auf TikTok seien die Filme zur nachhaltigen Milchproduktion in Deutschland insgesamt 36 Millionen Mal angesehen worden. Die sozialen Medien seien wichtige Kommunikationskanäle, weil sich dort „Halbwahrheiten“ leichter verbreiten ließen, erklärte von und zur Mühlen. Hier sei es wichtig, direkt „etwas gegensteuern zu können“. Daneben würden Kampagneninhalte auch über Zeitungen und Plakate verbreitet.
Laut von und zur Mühlen ist die Initiative Milch außerdem mit Projekten direkt in den Supermärkten vor Ort. Hier werde die Künstliche Intelligenz genutzt, um mit Kunden in Kontakt zu treten und Fragen zu beantworten. Die Maßnahmen zeigten Wirkung, so von und zur Mühlen. Als Beispiel nannte sie eine Plakatkampagne zum Tag der Milch 2023. Laut den Ergebnissen einer unabhängigen Befragung von Personen bis 29 Jahren habe dadurch mehr als jeder Zweite eine positivere Wahrnehmung von Milch gehabt. (AgE)

Berliner Agrarministerkonferenz: Die Welt braucht einen nachhaltigen Agrarsektor

 

Auf Grundsätze für die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft haben sich die Agrarministerinnen und Agrarminister aus 65 Staaten bei der 16. Berliner Agrarministerkonferenz verständigt. Sie fand unter dem Vorsitz von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir am 20. Januar in Berlin statt. In ihrer Abschlusserklärung verpflichten sich die Minister, den Pfad der notwendigen Transformation hin zu nachhaltigen und damit widerstandsfähigen Landwirtschafts- und Ernährungssystemen weiterzugehen. Gefördert werden sollen landwirtschaftliche Verfahren und Technologien, die eine nachhaltige Lebensmittelherstellung unterstützen. Die Stärkung einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion und eines nachhaltigen Produktivitätswachstums sei notwendig, um die Ernährungssicherheit für die wachsende Weltbevölkerung zu gewährleisten.
Die Ministerinnen und Minister erkennen die besondere Rolle des Agrarsektors an, der gleichzeitig Treiber und Leidtragender des Klimawandels und des Verlusts der biologischen Vielfalt sei. Nachhaltige Landwirtschafts- und Ernährungssysteme sowie die Bioökonomie spielten eine entscheidende Rolle dabei, einen Ausweg aus der Klima- und Biodiversitätskrise zu finden. Ausdrücklich hoben die Ressortchefs hervor, dass nachhaltige Nutztierhaltungsverfahren einen positiven Beitrag zur biologischen Vielfalt sowie zur Erreichung der langfristigen Klimaziele leisten können.
„Wir verstehen uns als Brückenbauer, die scheinbar gegensätzliche Herausforderungen zusammen lösen“, würdigte Özdemir das gemeinsame Vorgehen mit den Amtskolleginnen und -kollegen aus aller Welt. Das Recht auf Nahrung werde nicht umgesetzt, „wenn wir nur auf Produktionssteigerung setzen, aber Klimakrise und Artensterben ausblenden“. Beides bedrohe schon heute die Grundlagen der Landwirtschaft, so Özdemir. Die Klimakrise sei die größte Bedrohung, die die Landwirtschaft kenne. Die Abschlusserklärung wertet der Grünen-Politiker als „einen Auftrag an uns selbst und Rückenwind, in unseren Regierungen für den Schutz der natürlichen Ressourcen zu streiten“. Alle Politikfelder müssten gemeinsam und kohärent handeln, um das Recht auf Nahrung für alle Menschen dauerhaft zu verwirklichen. Auch das sei Aufgabe der Agrardiplomatie. (AgE)

Aufklärung und Transparenz statt staatlicher Bevormundung

 

Die Kritik des Deutschen Bauernverbandes (DBV) an der Ernährungsstrategie der Bundesregierung hat der stellvertretende Generalsekretär des Verbandes, Gerald Dohme, am 22. Januar, auf der Grünen Woche bei einem Forum erneuert. Der DBV sei gegen eine „Ernährungsbevormundung“, betonte Dohme. Jedes Nahrungsmittel, das verkehrsfähig sei, komme zu recht auf den Teller. „Eine Diskriminierung tierischer Lebensmittel lehnen wir ab“, stellte der stellvertretende Generalsekretär klar. Eine Reduktionsstrategie und staatliche Kampagnen gegen tierische Lebensmittel seien unangebracht. Die Lösung liege in der Vielfalt. Die Politik sollte den Menschen nicht vorschreiben, was auf den Teller komme.
In die gleiche Kerbe schlug Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE). „Verbotspolitik bringt nichts“, brachte er seine Kritik an der Ernährungsstrategie auf den Punkt. Letztlich sollten Ernährungsfragen „auf dem Boden der Wissenschaft“ beurteilt werden, also nach der der Frage „Ist das gesundheitsschädlich oder nicht?“. Statt mit Verboten zu reagieren, sollte die Politik daran setzen, Kinder und junge Erwachsene zu befähigen, Dinge selbst richtig einzuschätzen und sich gesund zu ernähren. Der Präsident vom Bund der Steuerzahler Deutschland, Reiner Holznagel, positionierte sich klar gegen Maßnahmen wie die Tierwohlabgabe und plädierte stattdessen für noch mehr für Aufklärung, Transparenz und Selbstverpflichtung beim Thema Ernährung. Eine Steuerung über die Anpassung der Mehrwertsteuer auf bestimmte Nahrungsmittel sei hingegen „ein schlechter Pate, um die Verbraucher zu mehr gesundheitsfördernder Ernährung zu bewegen“. Das müsse jeder von sich aus tun. „Die Menschen müssen einfach Lust haben, sich gesünder zu ernähren“, so Holznagel. (AgE)

Schulterschluss der Lebensmittelkette

Verbände aus der Land- und Ernährungswirtschaft sowie dem Lebensmittelhandel haben einen Kurswechsel in der Agrar- und Ernährungspolitik gefordert. Bei ihrem traditionellen Gespräch im Rahmen der Grünen Woche in Berlin einigten sich neun Verbandspräsidenten auf ein geschlossenes Vorgehen in der Zukunft. Von der Politik erwarten die Interessenvertreter Pragmatismus, einen Bürokratieabbau und die Rücknahme von Entscheidungen, die die Landwirtschaft und die gesamte Ernährungsbranche ausbremsen.In dem Zuge kündigten sie am 26. Januar im Nachgang an, kurzfristig abgestimmte Maßnahmen vorzuschlagen, um „die deutsche Land- und Lebensmittelwirtschaft zu stärken und so die Ernährungssicherheit zu bezahlbaren Preisen zu gewährleisten“. Die Branchenverbände sind sich einig, dass „fundamentale Fehlentscheidungen die Branche in ihrer Wettbewerbsfähigkeit schwächen“. Teilgenommen an dem Treffen haben die Spitzen vom Deutschen Bauernverband (DBV), dem Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), dem Handelsverband Deutschland (HDE), dem Deutschen Raiffeisenverband (DRV), der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), dem Verband der Fleischwirtschaft (VDF), dem Deutschen Weinbauverband (DWV), dem Bundesverband Deutscher Wurst- & Schinkenproduzenten (BVWS) sowie dem Lebensmittelverband Deutschland. (AgE)

China: Milchproduktion wächst deutlich

Laut den Statistikern verzeichnete die tierische Veredlung in China 2023 starke Zuwächse. So legte die Milcherzeugung bei einem wachsenden Kuhbestand im Vorjahresvergleich um 6,7% auf 41,97 Mio. Tonnen zu. Die Eiererzeugung wuchs um 4,9% auf 35,63 Mio. Tonnen. Die gesamte Fleischerzeugung in der Volksrepublik belief sich im vergangenen Jahr auf 96,41Mio. Tonnen und übertraf damit das Vorjahresergebnis um 4,14 Mio. Tonnen beziehungsweise um 4,5%. Leicht überdurchschnittlich wuchs dabei die Erzeugung von Geflügelfleisch, nämlich um 4,9% auf 25,63 Mio. Tonnen. Dicht dahinter folgte mit einer Steigerungsrate von 4,8% auf 7,53MioTonnen Rindfleisch. Im vergangenen Jahr wurden dafür 50,2Millionen Rinder in China geschlachtet. Nur unterdurchschnittlich legte mit 1,3% auf 5,31Miot die Produktion von Hammelfleisch zu. Ende 2023 gab laut Statistikbüro gut 105 Millionen Rinder und 322 Millionen Schafe im Land. (AgE)

Staatlicher Eingriff in Milchlieferbeziehungen bleibt umstritten

ie verpflichtende Einführung von Milchlieferverträgen zwischen Erzeugern und Molkereien mit fester Vereinbarung von Menge und Preis wird weiter kontrovers diskutiert. Bei einer Expertenbefragung im Ernährungsausschuss des Bundestages zur Lage am Milchmarkt waren sich am Montag (15.1.) die von den Fraktionen geladenen Sachverständigen über die Notwendigkeit einer Aktivierung von Artikel 148 der Gemeinsamen Marktorganisation für landwirtschaftliche Erzeugnisse (GMO) nicht einig. Diese wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium angestrebt, das noch in diesem Quartal einen entsprechenden Verordnungsentwurf vorlegen will. Damit soll die Stellung der Erzeuger im Vermarktungskanal verbessert werden und über eine stärkere Bündelung ihres Rohmilchangebots mehr Verhandlungsmacht entstehen.
Strikt gegen eine solche Regelung ist der Vorstandsvorsitzende der genossenschaftlichen Hochwald Milch, Hans Peter Manderfeld. Dies würde „einen massiven Eingriff in die genossenschaftliche Satzungsautomie“ bedeuten. Die Genossenschaftsmitglieder seien nicht nur Lieferanten, sondern auch Eigentümer und entschieden selbst demokratisch über die Ausrichtung ihrer Molkerei und ihre Lieferbedingungen. „Der Staat soll sich raushalten“, forderte Manderfeld. Der Milchpreis müsse letztlich am Produktmarkt realisiert werden, der stark von Entwicklungen am Weltmarkt und dem Lebensmitteleinzelhandel bestimmt werde. Eine Festpreislösung sei daher „Wunschdenken“, und die Umsetzung des Artikels 148 „bringt mehr Leid als Freud“, so der Vorstandsvorsitzende.
Skeptisch zu staatlich verordneten Lieferverträgen äußerte sich auch die Referatsleiterin Milch beim Deutschen Bauernverband (DBV), Leonie Langeneck. Dadurch entsteht ihr zufolge unnötiger bürokratischer Aufwand auch beim Überwachen der Verträge. „Der Artikel 148 kann die Volatilitäten am Milchmarkt nicht aushebeln“, betonte Langeneck. Notwendig für eine wirtschaftlich starke Milchwirtschaft sei „eine stabile und verlässliche Wirtschafts- und Agrarpolitik, die ein Investitionsklima schafft“. Um die Milchpreisschwankungen abzufedern, müssten das einzelbetriebliche Risikomanagement und eine steuerliche Gewinnverteilung über Wirtschaftsjahre für Krisenzeiten gefördert werden. Zudem sollte das europäische Sicherheitsnetz mit privater Lagerhaltung erhalten bleiben. Eine zentrale Milchmengensteuerung durch die Politik lehnt der DBV jedoch ab.
„Aus wissenschaftlicher Sicht funktioniert der Milchmarkt, wie der Einfluss des Weltmarkts zeigt“, erklärte Agrarökonom Prof. Holger Thiele von der Fachhochschule Kiel. „Mit einem Festpreis ist jedoch für die Erzeuger noch nichts gewonnen“, betonte der Wissenschaftler. Die Molkereien könnten diesen zwar nennen, doch steige dann für sie das Risiko und es werde wahrscheinlich zu einen Preisabschlag kommen. Der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Lademann & Associates, Niels Frank, stellte fest, dass es am Rohmilchmarkt „eine atypische Preisbildung gibt“. Die Erzeuger lieferten ihre Milch ab, ohne zu wissen, was sie dafür bekommen. Dies hänge dann vom Vermarktungserfolg der Molkerei ab. Mit Artikel 148 und verbindlichen Verträgen ließe sich das ändern, zeigte sich Frank überzeugt. Auch er wies darauf hin, dass sich dadurch das wirtschaftliche Risiko vom Erzeuger zur Molkerei verlagere und diese dann weniger Rohmilch abnehmen werde, um das Risiko zu verringern.
Für den Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Milcherzeugergemeinschaft Milch Board, Phillipp Groteloh, ist „die Andienungsplicht von Milch eine Wettbewerbsbeschränkung“. Die Milcherzeuger steckten „in einem Korsett“, und der von den genossenschaftlichen Großmolkereien dominierte Milchpreis decke langfristig kaum die Produktionskosten. Aufgrund der Marktbedeutung der Genossenschaften mit einem Anteil von rund zwei Dritteln der erfassten Milchmenge müssten diese in die Vertragspflicht nach Artikel 148 einbezogen werden. Dies sei rechtlich möglich, da sie laut Satzungsregelungen keine entsprechenden vertraglichen Regelungen über feste Liefermengen und dazugehörigen Preisen hätten. Der Artikel 148 „baut Wettbewerbshemmnisse ab“ und nimmt das alleinige Risiko von den Schultern der Erzeuger, unterstrich Groteloh.
Stark befürwortet wird die Vertragspflicht bei Milchlieferbeziehungen einschließlich der Genossenschaften auch von der Teamleiterin Landwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Reinhild Benning. Sie verwies auf das aus ihrer Sicht positive Beispiel Spanien, wo 2023 eine solche Regelung eingeführt worden sei, um kostendeckende Erzeugerpreise zu ermöglichen. Die Milchpreise seien in Spanien über den EU-Durchschnitt gestiegen, hob Benning hervor. Zudem gebe es in Frankreich Dreierverträge zwischen Erzeugern, Molkereien und dem Einzelhandel. Dabei zahle beispielsweise Lidl rund 5.000 Milcherzeugern „faire Preise“ und werbe mit seinem nachhaltigen Ansatz, was bei den Verbrauchern gut ankomme. Trotz der höheren Erzeugerpreise ist es laut Benning nicht zu einer höheren Milchproduktion gekommen, da die Menge vertraglich festgelegt worden sei. (AgE)

Ernährungsindustrie sieht Standort Deutschland im Sinkflug

Das vergangene Jahr war für die Lebensmittelhersteller wenig zufriedenstellend, und der Standort Deutschland hat für sie spürbar an Attraktivität verloren. Laut der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) sorgten ein weiterhin hohes Preisniveau, große wirtschaftspolitische Unsicherheiten und deutlich verschlechterte Standortfaktoren für einen realen Umsatzverlust. Ersten Schätzungen zufolge erwirtschaftete die Branche im Jahr 2023 einen Gesamtumsatz von 232,7 Mrd. Euro; das waren preisbereinigt 0,9% weniger als 2022. Mit 1,0% fiel das reale Erlösminus im Inland stärker aus als im Exportgeschäft mit 0,7%. Nominal legte der Branchenumsatz 2023 nach den Berechnungen der BVE gegenüber dem Vorjahr um 6,5% zu. Das Inlandsgeschäft wuchs um 7,8% auf 151,4 Mrd. Euro, das Auslandsgeschäft um 4,1% auf 81,3 Mrd. Euro. Die Verkaufspreise im Inland stiegen dabei der Bundesvereinigung zufolge im Mittel um 8,9%, während sie im Ausland um 4,8% anzogen. Aufgrund des nominal stärkeren Wachstums des Inlandsumsatzes ging der Exportanteil von zuvor 35,8% auf 35,0% zurück.
„Die Branche stagniert“, resümierte BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. Ein Aufschwung sei nicht in Sicht. „Im Gegenteil: Die Herausforderungen durch Krisen und eine übermotivierte Politik zehren an der Substanz“, stellte Minhoff fest. Die Branche leidet ihm zufolge unter einem dauerhaft hohen Kostenniveau, neuen zusätzlichen politischen Regularien und einer geringen wirtschaftspolitischen Planungssicherheit. Dementsprechend bewerteten die Lebensmittelhersteller die Entwicklung des Standorts Deutschlands äußerst kritisch, berichtete der Hauptgeschäftsführer. Eine aktuelle Umfrage der BVE unter 160 Unternehmen zeigt, dass die Attraktivität von Deutschland als Wirtschaftsstandort rapide abnimmt. Nur 3% gaben an, dass sich für ihr Unternehmen der Standort Deutschland in den letzten fünf Jahren verbessert hat. Für 83% haben sich die Standortfaktoren hingegen leicht oder sogar deutlich verschlechtert.
Wie die BVE weiter ausführte, schlägt sich diese Entwicklung negativ auf die Investitionspläne der Unternehmen nieder. Nur noch 10% planen, ihre Investitionen in Deutschland zu erhöhen, während 43% diese reduzieren wollen und 6% eine vollständige Einstellung der Investitionen am deutschen Standort in Betracht ziehen. Bei den Auslandsinvestitionen gaben sich die Befragten der Ernährungsindustrie deutlich optimistischer. 35% beabsichtigen, ihre Investitionen im Ausland in den nächsten zwei bis drei Jahren zu steigern. Dem stehen 16% gegenüber, die dort eine Reduzierung planen, und 4%, die eine komplette Einstellung erwägen. In Deutschland fokussieren sich die Lebensmittelhersteller laut BVE weniger auf Kapazitätserweiterungen, sondern mehr auf Rationalisierungen sowie Umstrukturierungen. Dies sei ein klares Zeichen für den Rückgang am Standort.
Mit Blick auf die Bauernproteste betonte Minhoff, dass die deutsche Ernährungsindustrie rund 80% der von den Landwirten erzeugten Rohprodukte verarbeite. Deshalb sei eine funktionsfähige Landwirtschaft auch elementar für die heimischen Lebensmittelhersteller. Der BVE-Hauptgeschäftsführer unterstrich, die Branche wolle eine Selbstversorgung sowie kurze und verlässliche Lieferketten. Zudem betonte er die hohe Qualität deutscher Agrarprodukte. Aber nicht nur die Landwirtschaft sei für die verlässliche Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln verantwortlich, stellte Minhoff klar. Jede der Wertschöpfungsstufen verdiene Respekt. Auch Mitarbeiter der Milch-, Fleisch- und Backindustrie arbeiteten hart und rund um die Uhr, ebenso die Kassiererin, der Filialleiter, der Metzger an der Fleischtheke und auch die Mitarbeitenden im Einzelhandel. (AgE)

Ernährungsstrategie: Lebensmittelwirtschaft fordert „Realitätschecks“

 

Mit Blick auf die vom Bundeskabinett verabschiedete Ernährungsstrategie hat der Lebensmittelverband Deutschland „Realitätschecks und Folgenabschätzungen für alle Maßnahmen“ angemahnt. Bei einem Ruf nach einer nachhaltigeren Ernährung sollte beispielsweise zunächst ein wissenschaftlich fundiertes Verständnis darüber geschaffen werden, was wie nachhaltig ist und welche Dimensionen und Aspekte hier berücksichtigt werden müssen, erklärte Verbands-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff am 17. Januar. Vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Sachverhalte seien nicht zielführend. Die Ernährungsstrategie müsse sich am Ende des Tages an ihrer Praktikabilität, Realisierbarkeit und Finanzierbarkeit messen lassen. Zugleich betonte Minhoff, dass die deutsche Lebensmittelwirtschaft grundsätzlich für Angebotsvielfalt stehe und offen sei für alle Lebensstile. Bei der Erarbeitung der Strategie habe sich der Verband daher stets dafür eingesetzt, dass weder einzelne Lebensmittel noch damit verbundene Lebenswirklichkeiten diskreditiert würden.
Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) begrüßte das Engagement der Bundesregierung für eine ausgewogene Ernährung der Bevölkerung. Denn Übergewicht sei ein Risikofaktor für ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Einen Fokus auf einzelne Lebensmittel oder sogar Nährstoffe wie Zucker – etwa wenn es um Werbeverbote oder Reduktionsziele geht – lehnt die WVZ aber ab. Wichtig sei die gesamte Ernährung, also die Auswahl aller zugenommenen Lebensmitteln. Lebensmittel in „gut und böse“ aufzuteilen sei hingegen wenig zielführend.
Von Umweltschutzverbänden kam überwiegend Kritik an der Strategie. Nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat die Bundesregierung zwar die grundlegenden Ernährungsprobleme in Deutschland erkannt. Echte Lösungen zeige sie aber nicht auf. Steuerliche Ansätze wie die vollständige Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse oder die Erhebung einer Zuckersteuer fehlten komplett. Außerdem solle es den Menschen erst bis 2050 möglich sein, sich gut zu ernähren, so die DUH. Das Programm bleibe hinter den Dringlichkeiten zurück. Ähnlich äußerten sich der World Wide Fund For Nature (WWF) und foodwatch. (AgE)

Nutri-Score: Bisher 1,57 Millionen Euro für Informationskampagne

Für die Information von Verbrauchern und Unternehmen über das Nährwert-Kennzeichen NutriScore hat die Bundesregierung bisher rund 1,57 Mio. Euro ausgegeben. Das hat sie jetzt in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion mitgeteilt. Mit dem Geld seien seit der Entscheidung für die Einführung des Nutri-Score, also seit 2020, eine Internetseite sowie Poster, Broschüren, Erkläranimationen, Info-Grafiken und Info-Posts bezahlt worden. Diese hätten Verbraucher und Unternehmen auch über Print- und Online-Medien sowie das sogenannte Wartezimmer-TV erreicht. Das von einer Agentur erarbeitete Konzept für die Informationskampagne beruhe unter anderem auf den Ergebnissen einer im Sommer 2019 zum Nutri-Score durchgeführten Verbraucherbefragung, erläuterte die Bundesregierung. Die Informationsmaßnahmen seien evaluiert worden.
Mit der Nutzungshäufigkeit des Nutri-Score durch die Verbraucher ist die Bundesregierung zufrieden. Laut dem „Ernährungsreport 2023“ orientierten sich rund 40 % der Befragten bei ihrer Kaufentscheidung am Nutri-Score, heißt es in der Antwort. Angesichts dieser Zahl sei davon auszugehen, dass der Nutri-Score wirke. Zudem dürfe erwartet werden, dass Verbraucher das Kennzeichen künftig häufiger nutzen. Schließlich würden die Informationsmaßnahmen fortgesetzt. Zudem werde das Kennzeichen von immer mehr Unternehmen auf den Produkten angebracht. (AgE)