Weniger Milchgeld bei Fonterra

 

 

 

 

 

 

Der neuseeländische Molkereikonzern Fonterra hat auf die zuletzt gesunkenen Preise am Weltmilchmarkt reagiert und seine Prognose für den Milcherzeugerpreis nach unten korrigiert. Wie das genossenschaftliche Unternehmen am 9. Mai mitteilte, soll die Vergütung für das Kilogramm Milchfeststoff in der bis noch bis Ende Mai laufenden Saison 2021/22 zwischen 9,10 NZ$ (5,50 Euro) und 9,50 NZ$ (5,74 Euro) liegen; das Spannenmittel wurde damit gegenüber der vorherigen Prognose um 0,30 NZ$ (18,1 Eurocent) auf 9,30 NZ$ (5,62 Euro) gesenkt. Dies wäre in der Geschichte Fonterras allerdings immer noch ein Rekordauszahlungsniveau; der Milchpreis der Vorsaison würde um 23,3 % übertroffen. Laut Fonterra-Geschäftsführer Miles Hurrell hatten zuletzt die Corona-Lockdowns in China, die Wirtschaftskrise in Sri Lanka und der Ukraine-Krieg negative Auswirkungen auf die weltweite Nachfrage nach Milchprodukten. „Obwohl die langfristigen Aussichten für den Milchmarkt weiterhin positiv sind und wir davon ausgehen, dass sich Angebot und Nachfrage im weiteren Jahresverlauf mehr angleichen werden, haben sich die kurzfristigen Auswirkungen auf die Preise an der Global Dairy Trade (GDT) niedergeschlagen“, erklärte Hurrell. So seien beispielsweise die Preise für das wichtige Produkt Vollmilchpulver in den vergangenen vier Auktionen um insgesamt 18 % gesunken. „Als Exporteur in 140 Länder haben wir ständig mit dieser Art von globalen Ereignissen zu tun, aber im Moment sehen wir die Auswirkungen gleich mehrerer Ereignisse“, erläuterte der Fonterra-Geschäftsführer. In Verbindung mit dem Inflationsdruck sei es nicht überraschend, dass die Käufer vorsichtiger würden. Die Senkung der Milchpreisprognose sei für die Erzeuger sicher „enttäuschend“, doch sei das nun anvisierte Auszahlungsniveau immer noch das höchste in der Historie von Fonterra. Für den weiteren Verlauf dieses Jahres erwartet Hurrell, dass die weltweite Milcherzeugung weiterhin eingeschränkt bleiben wird, da die hohen Futtermittel-, Düngemittel- und Energiekosten die Produktion in der nördlichen Hemisphäre bremsen. Die Nachfrage dürfte sich erholen, sobald die kurzfristigen negativen Auswirkungen abklingen. „Während auf den globalen Märkten immer noch ein hohes Maß an Unsicherheit herrscht, ist der größte Teil unserer Milch für die laufende Saison bereits vertraglich verkauft“, berichtete Hurrell. Deshalb sei die Prognosespanne eingeengt worden.(Umrechnungskurs: 1 NZ$ = 0,6041 Euro)(AgE)

 

Nur Käsenotierungen ziehen noch an

Während bei Butter und Milchpulver der Höhepunkt des langanhaltenden Preisanstiegs erreicht oder bereits überschritten ist, konnten die Käsenotierungen vergangene Woche weiter zulegen. Das liegt auch daran, dass Schnitt- und Hartkäse oft in langfristigsten Kontrakten gebunden ist und Preisanpassungen erst mit Verzögerung nach neu verhandelten Kontrakten wirksam werden. So machte an der Süddeutschen Butter- und Käsebörse in Kempten die amtliche Notierung für Emmentaler und Viereckhartkäse am 11. Mai einen regelrechten Satz nach oben; sie stieg im Spannenmittel um rund 68 Cent auf 5,40 Euro/kg bis 6,20 Euro/kg. Zuvor war sie seit Mitte März unverändert geblieben, während in dieser Zeit andere Milchprodukte kräftig zulegten. Ähnliches galt für die Käsespezialität Allgäuer Emmentaler aus Rohmilch, deren unterer Notierungswert in Kempten um 50 Cent auf 6,50 Euro heraufgesetzt wurde, der obere um 20 Cent auf 7,30 Euro/kg. Laut Börse gab es eine sehr gute Nachfrage für Hartkäse, die nicht immer voll bedient werden konnte. Auch die Schnittkäsenotierung in Hannover zog weiter an. Gouda und Edamer als Blockware wurde um 10 Cent auf 4,90 Euro/kg bis 5,30 Euro/kg nach oben korrigiert. Bei der Brotware hob die amtliche Kommission den unteren Notierungswert um 10 Cent auf 5,10 Euro/kg an. Unverändert blieben hingegen die bereits auf sehr hohem Niveau liegenden Notierungen für Päckchen- und Blockbutter in Kempten. Hier wurde von einer normalen Nachfrage für die abgepackte Ware und einem vermehrten Interesse für lose Butter berichtet. Am Markt für Magermilchpulver gaben – von einem Rekordniveau im April kommend – die Preise vergangene Woche weiter nach. Laut Kemptener Börse erlöste die Lebensmittelware zwischen 4,02 Euro/kg und 4,38 Euro/kg; das waren im Spannenmittel 12,5 Cent weniger als in der Vorwoche. Die Futtermittelqualitäten verzeichneten im Verkauf im Schnitt einen Abschlag von 7,5 Cent und wurden zwischen 3,86 Euro/kg bis 3,91 Euro/kg gehandelt. Laut Zentraler Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) war die Nachfrage für Magermilchpulver am Weltmarkt verhalten, teilweise auch wegen der Corona-Lockdowns in China. Auf dem ruhigen Vollmilchpulvermarkt konnten sich die Verkaufspreise dagegen bei einem geringen Angebot halten. Das galt laut Kemptener Börse auch für Molkenpulver in Lebensmittelqualität, während beim Verkauf der Futtermittelware die Preise um gut 5 Cent auf 1,28 Euro/kg bis 1,32 Euro/kg fielen. (AgE)

MRI-Monitoring belegt Engagement der Lebensmittelunternehmen

Der Lebensmittelverband Deutschland sieht die heimische Ernährungsindustrie bei der Reduktion von Zucker, Fett und Salz auf einem guten Weg. Wie der Verband am 13. Mai mitteilte, belegt der aktuelle Monitoringbericht des Max Rubner-Instituts (MRI) zur Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten, dass nicht nur die Unternehmen der beteiligten Wirtschaftsverbände die Prozess- und Zielvereinbarungen ausführen. Auch Hersteller anderer Lebensmittelkategorien entwickelten ihre Rezepturen hinsichtlich der Zutatenzusammensetzung weiter und hätten den Gehalt an Zucker, Fett oder Salz da reduziert, wo es sinnvoll und technologisch möglich sei. Der Lebensmittelverband wies zusätzlich darauf hin, dass Lebensmittel, die sich in ihrer Aufmachung an Kinder richten, laut MRI-Bericht mehrheitlich niedrigere Gehalte an Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz aufweisen als vergleichbare Produkte für Erwachsene. In allen Produktgruppen seien zudem zwischen 2016 und 2021 signifikante Reduktionen von Energie- und Nährstoffgehalten festgestellt worden. „Obwohl die Lebensmittelwirtschaft in den vergangenen zwei Jahren mit ganz anderen Problemen konfrontiert war und mit großem Kraftaufwand die Corona-Pandemie und die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung gemeistert hat, haben die Hersteller ihr Versprechen gegenüber der Politik gehalten“, resümierte der Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands, Christoph Minhoff. Nach seiner Einschätzung lässt sich damit sagen: „Die freiwillige Reduktions- und Innovationsstrategie wirkt“. „Die Zielvereinbarungen laufen bis 2025 und ich bin fest davon überzeugt, dass wir bis dahin noch weitere sehr gute Ergebnisse erzielen“, betonte Minhoff weiter. Deshalb erwarte er, dass auch das Bundeslandwirtschaftsministerium sein Versprechen halte und die Strategie wie vereinbart weitergeführt werden könne. „Wir haben immer gesagt, dass wir ein Teil der Lösung sind und unsere gesellschaftliche Verantwortung mit Blick auf einen gesunden Lebensstil wahrnehmen“, so der Hauptgeschäftsführer. (AgE)

Ukraine-Krieg treibt die Nahrungsmittelpreise

Die Verbraucher in Deutschland müssen für Nahrungsmittel immer tiefer in die Tasche greifen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am 11. Mai mitteilte, lagen die Preise für Lebensmittel im April durchschnittlich um 8,6 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Damit hat sich für diesen Güterbereich der Preisauftrieb noch einmal verstärkt, denn im März betrug dieser 6,2 % und im Februar 5,3 %. Die allgemeine Teuerungsrate in Deutschland lag im Berichtsmonat nach den endgültigen Berechnungen der Wiesbadener Statistiker bei 7,4 %, nach 7,3 % im März und 5,1 % im Februar. „Die Inflationsrate erreichte damit im zweiten Monat in Folge einen neuen Höchststand im vereinigten Deutschland“, erklärte Destatis-Präsident Dr. Georg Thiel. Haupttreiber der Teuerung sind den Statistikern zufolge die Energiepreise, die im Vergleich zum April 2021 um 35,3 % höher lagen und insbesondere seit Beginn des Ukraine-Krieges merklich anzogen. Hinzu kämen Lieferengpässe durch unterbrochene Lieferketten aufgrund der Corona-Pandemie und die deutlichen Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen. Nicht nur die Energieprodukte, sondern auch andere Güter – darunter Nahrungsmittel – hätten sich infolge der Kriegs- und Krisensituation für die Verbraucher zunehmend verteuert. Eine ähnlich hohe Inflationsrate wie jetzt gab es laut Destatis zuletzt im Herbst 1981 im früheren Bundesgebiet, als der erste Golfkriegs zwischen dem Irak und dem Iran die Mineralölpreise ebenfalls stark nach oben getrieben hatte. Bei Lebensmitteln waren nach Angaben von Destatis bei allen Warengruppen Preissteigerungen zu verzeichnen. Besonders deutlich fielen diese im Vergleich zu April 2021 bei Speisefetten und Speiseölen mit 27,3 % aus. Zudem mussten die Verbraucher für Fleisch und Fleischwaren 11,8 % tiefer in die Tasche greifen; für Molkereiprodukte und Eier mussten im Schnitt 9,4 % mehr Geld ausgeben. Außerdem verteuerten sich Gemüse um 9,0 % sowie Brot und Getreideerzeugnisse um 8,7 %. Moderater fielen die Preisaufschläge im Vorjahresvergleich bei Obst mit 3,0 % und bei Zucker, Marmelade sowie anderen Süßwaren mit 0,5 % aus. (AgE)

BLE auf dem Weg zu 100.000 registrierten Biosiegeln

Mehr als 95.000 Anmeldungen zur Nutzung des nationalen Biosiegels sind inzwischen in der Datenbank der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) registriert. Wie die Behörde mitteilte, überreichte BLE-Präsident Dr. Hanns-Christoph Eiden am 9. Mai für das 95.000ste Biosiegel eine Urkunde an die baden-württembergische Firma Topas. Diese hatte bereits im vergangenen Jahr die Anmeldung für das Label für ihr Produkt „Wheaty Veganer Aufschnitt vom Rauch“ eingereicht, doch konnte die Auszeichnung wegen der Corona-Pandemie erst jetzt erfolgen. Das familiengeführte Unternehmen Topas gilt laut BLE als „Vegan-Pionier“ der Biobranche und produziert seit 1993 Fleischalternativen, die europaweit vertrieben werden. Nach Angaben der Bundesanstalt waren zum Stichtag 30. April 2022 insgesamt 97.834 Produkte von 6.582 Unternehmen in der Biosiegel-Datenbank registriert. „Im vergangenen Jahr haben wir das 20-jährige Bestehen des beliebten Sechsecks gefeiert“, hob Eiden bei der Urkundenübergabe hervor. Es freue ihn, dass immer mehr Verbraucher auf das Ökosiegel schauten. Laut einer repräsentativen Umfrage zum Ernährungsreport achteten fast zwei Drittel der Konsumenten 2021 beim Einkauf meistens oder immer auf das Siegel; ein Jahr zuvor war es jeder zweite Verbraucher gewesen. Eiden wies darauf hin, dass es bei der BLE im Internet verschiedene Erklärfilme und Informationen zum nationalen Biozeichen für Verbraucher und Unternehmen gebe. (www.oekolandbau.de/bio-siegel) (AgE)

Preise für Milchpulver und Molkenpulver vom 11. Mai

Die Milchanlieferung in Deutschland steigt weiterhin saisonal moderat an und nähert sich der Saisonspitze. In der 17. Woche nahmen die Molkereien laut Schnellberichterstattung der ZMB 0,8 % mehr Milch an als in der Vorwoche. Der Rückstand zur Vorjahreswoche hat sich damit auf 2,5 % leicht vergrößert. In Frankreich bewegte sich die Milchanlieferung zuletzt wieder deutlicher und zwar um 2,1 % unter der Vorjahreslinie. Die Preise für flüssigen Rohstoff haben bei verbesserter Verfügbarkeit und gleichzeitig sehr knappen Transportkapazitäten etwas korrigiert. Industrierahm und Magermilchkonzentrat werden etwas schwächer gehandelt als in den vergangenen Wochen, bewegen sich aber weiter auf hohem Niveau.
Am Markt für Magermilchpulver sind die Aktivitäten aktuell weiter ruhig. Vorrangig werden die bestehenden Kontrakte abgewickelt, wobei es weiterhin herausfordernd ist, einerseits die Ware im vollen Umfang bereitzustellen und andererseits die Logistikkapazitäten zeitgerecht zu organisieren. Bei den Anfragen für neue Abschlüsse setzt sich die Zurückhaltung, die sich in den vergangenen Wochen bemerkbar gemacht hat, weiter fort. In der europäischen Industrie besteht weiter Kaufinteresse für die beiden kommenden Quartale, zu allerdings etwas niedrigeren Preisen als zuvor. Am Weltmarkt ist die Nachfrage bislang weiter ruhig. Nach dem Ende des Ramadans ist bislang noch keine größere Belebung eingetreten. In China machen sich die anhaltenden Lockdowns in großen Städten anhaltend dämpfend bemerkbar. Die Preise sind weiterhin sehr uneinheitlich, aber in der Tendenz etwas schwächer. Die Bereitschaft bei den Herstellern, Preiszugeständnisse zu machen, ist unterschiedlich ausgeprägt. Teilweise wird etwas günstiger angeboten, teilweise hält man auch an den bisherigen Forderungen weitgehend fest, da für das zweite Halbjahr weiterhin geringes Angebot erwartet wird. Die Preise für Lebensmittelware bewegen sich in einer ungewöhnlich weiten Spanne. Futtermittelware hat bei der verbesserten Verfügbarkeit von Rohstoff erneut etwas nachgegeben.
Die Lage am Markt für Vollmilchpulver ist aktuell ruhig. Die Produktion bewegt sich weiter auf niedrigem Niveau und die Nachfrage ist derzeit zurückhaltend. Die Preise tendieren stabil, und hier und da auch etwas schwächer.
Bei Molkenpulver halten die etwas schwächeren Tendenzen an. Futtermittelware hat zuletzt weiter nachgegeben. Lebensmittelware wird überwiegend als stabil, teilweise aber auch als etwas schwächer eingeschätzt. (Süddeutsche Butter- und Käse-Börse e.V. Kempten (Allgäu/proplanta.de)

Emmi stellt Onken-Geschäft in Deutschland ein

Emmi stellt den Vertrieb der Marke Onken in Deutschland Ende Juni 2022 ein. Grund seien einerseits unzureichende Perspektiven im preislich hart umkämpften deutschen Markt für Joghurt und Quark, andererseits setzt Emmi vermehrt den Fokus auf profitable Wachstumssegmente wie Ready-to-drink-Kaffee mit Emmi Caffè Latte und Spezialitätenkäse mit Emmi Kaltbach.
Dr. Elisabeth Wagner-Wehrborn, Geschäftsführerin von Emmi Deutschland, zufolge, sei das Wachstumspotenzial beschränkt, und auch die ungenügende, durch die anhaltend steigenden
Inputkosten zusätzlich negativ beeinflusste Profitabilität habe das Unternehmen zu diesem Schritt bewogen. Weitere Einflussfaktoren sind die hohe Energieintensität der bestehenden Anlagen und im Rahmen der Auftragsproduktion anstehende Ersatzinvestitionen. Insgesamt ist das Onken-Geschäft in Deutschland für die Emmi Gruppe von marginaler Bedeutung. Von diesem Entscheid nicht betroffen ist das Onken-Geschäft in Großbritannien, wo die Marke gut positioniert ist und bei großformatigen Fruchtjoghurts zu den führenden Anbietern zählt. Die Emmi Gruppe bleibt in beiden Märkten weiterhin in Besitz der Markenrechte von Onken.

Neuseeland: Fonterra erweitert Versuche zur Verringerung der Methanemissionen

Der größte neuseeländische Milchverarbeiter Fonterra will sein Projekt zur Senkung von Methanemissionen bei Milchkühen durch die Beimischung von Asparagopsis-Algen im Futter ausweiten. Wie die Molkereigenossenschaft kürzlich mitteilte, soll in Zusammenarbeit mit dem australischen Algenproduzenten Sea Forest die Zahl der landwirtschaftlichen Versuchsbetriebe auf insgesamt vier erweitert werden, um die Anwendung des Zusatzstoffes in einem größeren Maßstab zu testen. In den vergangenen zwei Jahren waren 900 Milchkühe auf einem Betrieb in Australien mit kleinen Mengen des Algenzusatzes gefüttert worden; die bisherigen Ergebnisse waren laut Fonterra in jeder Phase vielversprechend. „Wie bei allen Methanlösungen, die wir erproben, müssen wir herausfinden, ob wir diesen Zusatzstoff so einsetzen können, dass er für die Kühe und die Verbraucher sicher ist und keine Auswirkungen auf den Geschmack oder die Qualität der Milch hat“, erklärte Fonterras Nachhaltigkeitsmanager Jack Holden. Forschungsarbeiten hätten gezeigt, dass Asparagopsis-Algen in Laborversuchen das Potential besäßen, die Emissionen um mehr als 80 % zu reduzieren. Fonterra sei sich jedoch bewusst, dass die Verringerung außerhalb des Labors davon abweichen könne, weshalb der Versuch jetzt erweitert werde. „Wir streben an, bis 2050 bei den Emissionen netto null zu sein und investieren in Forschung und Entwicklung sowie in Partnerschaften, um eine Lösung zur Verringerung des Methanausstoßes zu finden“, betonte Holden. Der Geschäftsführer von Sea Forest, Sam Elson, berichtete, dass 2021 eine zusätzliche Farm mit 30 ha gekauft worden sei, um die Produktion des Algenzusatzes deutlich zu erhöhen. „Asparagopsis ist eine in den Gewässern Tasmaniens und Neuseelands beheimatete Meeresalge. Wie sind weltweit die ersten, die sie in kommerziellem Maßstab sowohl im Meer als auch an Land in Aquakultur anbauen“, so Elson. Fonterra wies darauf hin, dass es wahrscheinlich keine Einzellösung für das Methanproblem geben werde. Deshalb gebe es auch eine Zusammenarbeit mit Royal DSM, um den Futtermittelzusatz „Bovaer“ zu testen. Gemeinsam mit Nestlé liefen zudem Versuche zur Aufnahme von Wegerich in das Futter von Kühen, um die Menge des produzierten Stickstoffs zu reduzieren, die Kohlenstoffemissionen zu verringern und die Süßwasserqualität zu verbessern. (AgE)

Konsummilchverbrauch deutlich gesunken

Die Verbraucher in Deutschland haben im vergangenen Jahr spürbar weniger Lust auf Trinkmilch von der Kuh gehabt. Wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) am 2. Mai auf Grundlage vorläufiger Daten des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) mitteilte, sank 2021 der Pro-Kopf-Verbrauch von Konsummilch gegenüber dem Vorjahr um 2,2 kg auf durchschnittlich 47,8 kg und lag damit auf dem niedrigsten Niveau seit 1991. Ein Grund dürfte der verstärkte Konsum der immer beliebter werdenden pflanzlichen Milchalternativen gewesen sein, vermutet die BLE. Ein weiterer Faktor dürfte das geringere Rohstoffangebot sein, denn die Milchanlieferungen an Molkereien in Deutschland waren im Vorjahresvergleich um 1,9 % auf knapp 32,0 Mio t rückläufig. Hierbei legte nur die Andienung von ökologisch erzeugter Milch zu, und zwar um 2,6 % auf 1,27 Mio t. Höhere Produktionskosten und die gesunkene Zahl an gehaltenen Kühen bremsten ansonsten das Milchaufkommen. Aus diesem wurden rund 4,4 Mio t Konsummilch hergestellt, was gegenüber 2020 ein Minus von 4,1 % bedeutete. Auf dem Rückzug war 2021 laut BLE auch die Herstellung von Butter sowie Milchfett- und Milchstreichfetterzeugnissen; sie nahm im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 7,0 % auf 471 100 t Butterwert ab. Das knappere Angebot schlug sich auch in höheren Ladenpreisen nieder. Der durchschnittliche Verbrauch ging um 200 g auf 6,1 kg pro Kopf zurück, während der Selbstversorgungsgrad auf 92,4 % sank. Trotz des geringeren Rohstoffaufkommens setzte sich im vergangenen Jahr der langfristige Trend zu einer höheren Käseproduktion fort, wenn auch in abgeschwächter Form. Insgesamt 2,76 Mio t Käse wurden hierzulande produziert und damit 1 % mehr als 2020. Die wichtigsten Sorten waren mit einem Anteil von jeweils 30 % an der Gesamterzeugung weiterhin Frischkäse, Schnittkäse und halbfester Schnittkäse. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Käse insgesamt blieb mit 25,3 kg konstant. Weiter in der Erfolgsspur war deutscher Käse im Ausland; die Exporte stiegen um 3 % auf 1,36 Mio t. (AgE)

BBV: Milchpreise müssen steigen

Der bayerische Bauernverband (BBV) sieht die die Milchproduktion im Freistaat vor einer Zeitenwende, denn die Milch wird knapper, was bei anhaltender Nachfrage zu einer sehr engen Versorgungslage der Molkereien führen wird. Um einen Einbruch zu verhindern, sei eine Anhebung der Molkereiauszahlungspreise dringend nötig, betonte der Verband am 3. Mai. „Der Milchpreis muss jetzt schnell und massiv steigen. Wir werden in Kürze deutlich über 50 Cent sehen, bei massiv steigenden Gestehungskosten für die Bauern“, erklärte BBV-Milchpräsident Günther Felßner. Weltweit sei die Versorgungslage mit Rohmilch bei steigender Nachfrage knapp, weshalb ein Ausgleich durch andere Länder nicht möglich sei. Zudem belaste die Explosion der Kosten bei Energie, Dünge- und Futtermitteln die Betriebe, was die Erzeugungsmengen auf den Betrieben einschränken werde. „Im laufenden Anbaujahr werden Landwirte versuchen, Milch verstärkt nur über Grundfutter zu erzeugen, weil Getreide und Eiweißfutter entweder teuer zugekauft werden müssen oder sehr gut verkauft werden können“, so Felßner. Deshalb werde auch die Milchleistung pro Kuh zurückgehen. Alles hänge deshalb am schnelleren Anstieg der Milchpreise. „Das geht gerade viel zu langsam“, monierte der BBV-Milchpräsident. Er befürchtet zudem, dass durch Vorschriften wie die Düngeverordnung oder neue Tierhaltungsvorgaben die Tierbestände weiter reduziert oder verkleinert werden müssen. Derzeit würden so wenig neue Kuhställe gebaut wie noch nie; und die ausscheidenden Kuhplätze nicht wie bisher durch Neubauten ersetzt. Hinzu komme die hohe Zahl der Bauernhöfe mit Anbindehaltung – in Bayern ist das die Hälfte der Ställe. Diese Betriebe würden auf Druck des Lebensmitteleinzelhandels mit Milchgeldabzügen bestraft und zum Ausstieg genötigt. „Diese Strafabzüge sind umgehend zu beenden. Sonst erlebt die bayerische Milcherzeugung einen totalen Strukturbruch“, warnte Felßner. Um die Milchproduktion im Freistaat für die Zukunft zu sichern, bekräftigte er seine Forderung nach einem deutlich schnelleren und dauerhaften Anstieg der Milchauszahlungspreise. Zudem müssten endlich verlässliche Zukunftsperspektiven durch Politik und Handel geschaffen werden. Ansonsten besteht laut Felßner die Gefahr, dass bis zu 15 % der Milchproduktion verloren gehen. (AgE)

Neuseeland: Molkereisektor baut Schulden ab

Die Risiken für das neuseeländische Finanzsystem, die vom einst hoch verschuldeten Milchsektor ausgingen, haben sich in den letzten Jahren „erheblich verringert“. Zu diesem Ergebnis kam jetzt Neuseelands Zentralbank in einem Bericht zur Finanzstabilität des Landes. Demnach hat der Molkereisektor, auf den rund 7 % des Bruttoinlandsproduktes entfallen, die günstigen Bedingungen und das Niedrigzinsumfeld zur Konsolidierung sowie zum Abbau seiner Verschuldung genutzt. Dies treffe, ermöglicht durch den Anstieg der Milcherzeugerpreise, auch auf die Farmer zu. Diese haben der Bank zufolge in den vergangenen Jahren im Schnitt etwa 3 NZ$ (1,83 Euro) an Bankschulden je Kilogramm Milchfeststoff zurückgezahlt. Die Gesamtverschuldung des Milchsektors ist seit dem Höchststand im Jahr 2018 um rund 5 Mrd NZ$ (3,1 Mrd Euro) oder 12 % Prozent gesunken, was die Kosten für Tilgung verringert. Zu einer stabileren Lage trägt laut Zentralbank auch bei, dass die Kreditinstitute ihre Portfolios in der Landwirtschafft weiter diversifizieren, weg von der Milchwirtschaft, hin zu anderen Branchen, insbesondere dem Gartenbau. Nach Einschätzung der Bank dürften die steigenden Lebensmittelpreise, trotz höherer Inputkosten, für den neuseeländischen Veredlungssektor insgesamt von Vorteil sein. Weil die neuseeländischen Milch-, Schaf- und Rinderhalter überwiegend auf der Grundlage von Weideflächen produzierten, seien sie den Störungen auf den Getreidemärkten infolge des russischen Einmarsches in der Ukraine weniger ausgesetzt als ihre internationalen Konkurrenten. Kurzfristig stünden die meisten landwirtschaftlichen Betriebe aber unter einem ähnlichem Druck wie andere Wirtschaftszweige, der neben hohen Inputkosten auch durch den angespannten Arbeitsmarkt und die Folgen der Corona-Pandemie ausgelöst werde.(Umrechnungskurs: 1 NZ$ = 0,6112 Euro) (AgE)

Niedersachsens Milchwirtschaft bei Klimaeffizienz auf Erfolgskurs

Die heimische Milchwirtschaft sieht sich für einen verbesserten Klimaschutz gut gerüstet und will mit Effizienzsteigerungen in den Betrieben und hohem Einsatz für die Tiergesundheit eine weitere Verringerung klimarelevanter Gase erreichen. Dies machten das Landvolk Niedersachen, die Landwirtschaftskammer und die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen (LVN) am 3. Mai während eines Dialogforums mit Branchen- und Medienvertretern auf dem Milchviehbetrieb Seetzen in Varel deutlich. „In Deutschland und insbesondere in Niedersachsen sind wir, was die Milch angeht, ganz klar Klimaweltmeister“, stellte Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies fest. Klimatische und züchterische Bedingungen sorgten für einen Gunststandort mit einem Fußabdruck von 1,1 kg CO2-Äquivalenten je Liter Rohmilch und dies mit sinkender Tendenz. „Weltweit ist der CO2-Fußabdruck mehr als doppelt so hoch“, verdeutlichte Hennies. Laut LWK-Vizepräsident Hermann Hermeling werden in Niedersachsen in mehr als 8 100 Betrieben knapp 800.000 Milchkühe gehalten, die jährlich mit 6,2 Mio t ein Fünftel der Gesamtmenge an Milch in Deutschland produzieren. „Weil durch die Rinderhaltung Gase wie CO2 und Methan entstehen, glauben viele Verbraucherinnen und Verbraucher, dass die Bereiche Klimaschutz und Milchwirtschaft nicht gut zueinander passen – das stellt sich bei näherer Betrachtung jedoch ganz anders dar“, betonte Hermeling. Würden Rinderbestände hierzulande abgebaut, hätte das mit echtem Klimaschutz ziemlich wenig zu tun. Denn die Produkte, die dennoch konsumiert würden, müssten aus dem Ausland mit schlechterer Klimabilanz importiert werden – die globalen Treibhausgasemissionen würden dadurch eher noch steigen. Der LWK-Fachreferent für Rinder, Dirk Albers, wies darauf hin, dass sich durch eine Abdeckung der Güllesilos sowie eine bodennahe Ausbringung der Gülle mit moderner Landtechnik Treibhausgasemissionen ebenso reduzieren ließen, wie durch eine klimaschonende Nutzung der Moore.
Die Klimaschutzexpertin der Kammer, Friederike Gerken, berichtete, dass bei der Beratung der Betriebe die Klimaeffizienz der Milchviehhaltung genau betrachtet und betriebsindividuell berechnet werde. Anschließend würden Verbesserungsmaßnahmen geplant. Großes Einsparpotential liegt laut Gerken in gesunden und langlebigen Milchkühen, die eine möglichst hohe Milchleistung erbringen. „Damit verteilen sich die entstehenden Treibhausgasemissionen auf eine große Milchmenge“, so die Expertin. Möglichkeiten für einen noch besseren Klimaschutz gebe es auch bei der Dungverwertung in einer Biogasanlage oder in der Grundfuttererzeugung. Wichtig hierbei seien ein effizienter Düngemitteleinsatz, eine positive Humusbilanz, hohe Flächenerträge sowie geringe Futterverluste. Der Gastgeber des Dialogforums, Milchviehhalter Hartmut Seetzen, berichtete, dass die Klimaanalyse der Kammer auf seinem Betrieb gezeigt habe, an welchen Stellschrauben gearbeitet werden könne, um noch klimaschonender zu produzieren. Jetzt liege der Hof beim Ausstoß unter dem Bundesmittel. „Das freut uns sehr und ist eine Bestätigung für unsere Strategie“, so Seetzen. LVN-Vorsitzender Jan Heusmann kündigte an, dass Niedersachsens Milcherzeuger in Zukunft in der Lage sein werden, die Klimabilanz ihres Betriebes unkompliziert und mit einem einheitlichen digitalen Tool zu erfassen. „Die Daten schaffen einerseits eine verlässliche Grundlage für die stetige Weiterentwicklung der Betriebe. Andererseits bieten sie unseren Molkereien eine vergleichbare und aussagekräftige Grundlage für die Errechnung des CO2-Fußabdruckes ihrer Milch und Milchprodukte“, erläuterte Heusmann. Es sei gut, dass Niedersachsen diesen gemeinsamen Branchenweg gehe und transparente Klimadaten für Handel und Verbraucher auf den Weg bringe. (AgE)

EMB fordert sofortiges Handeln gegen explodierende Kosten

Das European Milk Board (EMB) hat aufgrund der „explodierende Kosten“ von „allen Verantwortlichen“ sofortiges Handeln eingefordert. Wie der Dachverband am vergangenen 4. Mai warnte, nehmen die Kostensteigerungen in der Milcherzeugung „alarmierende Ausmaße“ an und bedrohen damit auch die Milchproduktion in Europa. Auch wenn die Milchpreise in den letzten Monaten etwas nach oben gegangen seien, könnten sie den extremen Kostenanstieg aufgrund von Preissteigerungen bei Produktionsmitteln wie Dünger, Futtermittel und Energie bei weitem nicht ausgleichen. Diesen Ausgleich beim Preis müsste es nun unbedingt geben, so die Forderung des EMB-Vorstands. Angaben haben in Deutschland im Februar führende nordrhein-westfälische Molkereien 44 Cent pro Kilogramm Milch an ihre Erzeuger gezahlt. Auch wenn damit das Preisniveau gestiegen sei, ließe sich nach Berechnungen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen der Kostenanstieg von 10 Cent im Vergleich zu Wirtschaftsjahr 2020/2021, der die Gesamtproduktionskosten auf aktuell 53 Cent/kg Milch hochgetrieben habe, so bei weitem nicht ausgleichen. In Frankreich sind die Kosten für Energie laut EMB innerhalb eines Jahres um circa 30 % und für Düngemittel um über 80 % gestiegen. Aus Portugal werden nach Darstellung des EMB für April 2022 im Vergleich zu April 2021 Preissteigerungen von 62 % bei Diesel, 77 % beim Mais und 140 % beim Stickstoffdünger gemeldet. Auch aus Ländern wie Italien und den Niederlanden kommen laut dem Dachverband Informationen, dass viele Milchviehhalter aufgrund der Preisexplosionen bei den Futtermitteln gezwungen seien, Milchkühe vermehrt in die Schlachtung zu geben. (AgE)

Umweltauswirkungen von Lebensmitteln sollen sichtbar werden

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) hat gemeinsam mit führenden Lebensmittelhandelsunternehmen Überlegungen für ein freiwilliges System zur Kennzeichnung der Umweltauswirkungen von Lebensmitteln formuliert. Wie der Verband am 6. Mai mitteilte, sollen Verbraucher dabei unterstützt werden, nachhaltigere Kaufentscheidungen zu treffen. „Anlass für unsere Überlegungen ist unter anderem die Absicht der EU-Kommission, bereits im kommenden Jahr Vorschläge für eine Nachhaltigkeitskennzeichnung bei Lebensmitteln vorzulegen“, erklärte BVLH-Geschäftsführer Christian Mieles. Der Dialog mit führenden Handelsunternehmen für die Gestaltung einer Nachhaltigkeitskennzeichnung hat dem Verband zufolge bereits 2021 begonnen. „Hier zeigte sich, dass bereits zentrale Dimensionen der Nachhaltigkeit inklusive einzelner Aspekte reguliert beziehungsweise durch starke freiwillige Ansätze sowie Initiativen aufgegriffen und umgesetzt worden sind“, berichtet Mieles. Beispiele seien Nährwertangaben, der Nutri-Score und die Initiative Tierwohl (ITW) mit der Haltungskennzeichnung. Es verblieben als wesentliche Dimension eines übergreifenden Ansatzes die Umweltauswirkungen von Lebensmitteln, die nun im Detail weiterverfolgt würden. Aus Handelssicht soll laut BVLH eine mögliche Kennzeichnung am Produkt erfolgen und über eine Selbstverpflichtung europäisch geregelt werden. Bei der Ausgestaltung des Labels würden eine Mehrstufigkeit und Farbigkeit unterstützt. Für kleine Produktverpackungen sollte es Sonderlösungen geben, und zusätzliche Informationen sollten auch online, beispielsweise über einen QR-Code, zugänglich sein. In der europäischen Methode zur Quantifizierung des Umweltfußabdrucks von Produkten (PEF-Methodik) sieht der Handel eine gute Grundlage, die aber weiterentwickelt werden sollte, weil dabei beispielsweise Bioprodukte zu schlecht abschnitten. Für weitere Aspekte, die bei PEF noch nicht optimal berücksichtigt sind, wie Biodiversität, Böden, Pflanzenschutz, Nachhaltigkeitsstandards, Umweltpraktiken der Staaten, Futtermittel, Regionalität oder Verpackung, wird ein Bonus-Malus-System favorisiert. Für besondere Kategorien der Kennzeichnung biete sich die Herausstellung über einen Score-Wert an. Auf Basis der Eckpunkte wollen Unternehmen und BVLH mit den politischen Akteuren auf EU- und nationaler Ebene sowie mit den vor- und nachgelagerten Stufen der Lebensmittelwertschöpfungskette nun weitere Gespräche zur Kennzeichnung führen. (AgE)

Preise für Milchpulver und Molkenpulver vom 4. Mai

Die Milchanlieferung in Deutschland steigt bislang saisonal moderat an und nähert sich der Saisonspitze, die erfahrungsgemäß im Laufe des Mai erreicht werden wird. Insbesondere in der Nordhälfte Deutschlands ist der Aufwuchs des Grünlandes bislang wegen fehlenden Niederschlägen hinter der üblichen Entwicklung zurückgeblieben. Laut Schnellberichterstattung der ZMB erfassten die Molkereien in der 16. Woche erneut 0,4 % mehr Milch als in der Vorwoche. Damit sind 2,4 % weniger angeliefert worden als in der Vorjahreswoche. In Frankreich war die Milchanlieferung zuletzt um 1,6 % niedriger als vor einem Jahr. Am Markt für flüssigen Rohstoff hat die Verfügbarkeit in der entsprechenden Woche zugenommen. Magermilchkonzentrat und Industrierahm wurden zu etwas schwächeren Preisen gehandelt. Zu Beginn der laufenden Woche war der Geschäftsverlauf ruhig.
Die ruhigeren Tendenzen am Markt für Magermilchpulver, die in den letzten Wochen eingetreten sind, haben sich um den Monatswechsel fortgesetzt, vor allem was die Exportnachfrage betrifft. Am Weltmarkt war das Kaufinteresse recht zurückhaltend. Kurzfristig dürfte eine gewisse Belebung einsetzen, wenn die Feierlichkeiten zum Ende des Ramadan vorüber sind. In China wirken sich die aktuellen Lockdowns zur Bekämpfung der Corona-Pandemie offensichtlich weiter dämpfend auf die Nachfrage aus. Der schwache Euro-Kurs ist zwar günstig für die Wettbewerbsfähigkeit von EU-Ware, wird aber durch schwächere Preissignale vom Weltmarkt kompensiert.
In der europäischen Industrie besteht weiter Bedarf. Insbesondere für die zweite Jahreshälfte, für die Versorgungssicherheit noch nicht gewährleistet ist, gehen Anfragen ein. Allerdings gehen die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern auseinander, was zu einem abwartenden Agieren mit beiträgt. Die Hersteller verfügen überwiegend über eine gute Auftragslage und haben keinen Verkaufsdruck, während die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Milchaufkommens anhält. Die Preise für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität sind uneinheitlicher geworden. Kurzfristig hat das Angebot an kleineren Partien, die etwas günstiger angeboten werden, zugenommen. Diese Entwicklung wurde durch die höhere Verfügbarkeit von Magermilchkonzentrat zu günstigeren Preisen ermöglicht. Futtermittelware hat mit der verbesserten Verfügbarkeit von Konzentrat etwas nachgegeben.
Am Markt für Vollmilchpulver ist die Entwicklung aktuell ruhig. In Deutschland tendieren die Preise bei geringen Umsätzen auf dem Niveau der Vorwochen weiter stabil. Innerhalb der EU ist das Preisgefüge etwas uneinheitlich.
Molkenpulver in Futtermittelqualität hat in der vergangenen Woche nochmals nachgegeben. Für spätere Lieferungen wird aber wieder über eine Stabilisierung berichtet. Lebensmittelware ist etwas uneinheitlicher geworden, tendiert aber weitgehend stabil. Das Angebot an Molkenkonzentrat ist kurz vor Erreichen des Saisonhoch der Milchanlieferung weiter umfangreich. (Süddeutsche Butter- und Käse-Börse e.V. Kempten (Allgäu/proplanta)

Belgien: Rückrufaktion: FAVV ruft Milchprodukte von Milcobel wegen Listerien zurück

Die belgische Bundesagentur für Lebensmittelsicherheit (FAVV) ruft eine ganze Reihe von Produkten von Milcobel aus Moorslede (Prov. Westflandern) zurück, nach dem dort eine Verunreinigung mit Listerien-Bakterien festgestellt wurde. Unter anderem handelt es sich dabei um „Brugge Broodje“ und um verschiedene Produkte der Marke „Latteria“-Exportkäse. Die Verunreinigung wurde bereits letzte Woche gemeldet, doch es können einige betroffene Produkte das Werk verlassen haben.
Nach dem Milcobel der FAVV die Listerien-Verunreinigung meldete, untersuchte die Lebensmittelbehörde die Produktion im Werk in Moorslede und stieß in der Tat auf einige Probleme in der Produktionskette. Deshalb ordnete die Behörde einen Rückruf von verschiedenen möglichen Produkten an.
Betroffen sind 200 Gramm-Pakete von „Brugge Broodje“ mit Verfalldatum 31. Mai 2022, die in den Supermärkten von Colruyt und Makro verkauft werden, sowie einige Produkte der Marke „Latteria“-Exportkäse mit Verfalldatum 27. April 2022, die gemeinsam mit einem italienischen Kunden hergestellt wurden. Zu zwei weiteren Produkten, die Milcobel für andere Vertriebsunternehmen produziert, folgt eine weitere Rückrufaktion durch diese Firmen, so die FAVV. Noch laufen Analysen im Werk von Milcobel. (vrt.be)

Bei Gasstopp „bricht vieles zusammen“ in der Milchbranche

 

Ein Gaslieferstopp Russlands auch für Deutschland hätte gravierende Folgen für die Molkereiindustrie und entsprechend die Rohmilcherzeuger. „Dann bricht vieles zusammen“, warnte der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Eckhard Heuser, am 29. April gegenüber AGRA-EUROPE. Er wies darauf hin, dass die Produktion der Milcherzeugnisse sehr energieintensiv sei. Schätzungsweise würden etwa 80 % des Energiebedarfs der Molkereibranche damit gedeckt. Die wenigsten Molkereiunternehmen könnten jetzt umstellen, sagte Heuser. Laut Verbandsangaben vom März wäre ein Brennstoffwechsel bei etwa 85 % der Molkereien aktuell nicht durchführbar. Laut einem Faktenpapier des MIV haben insbesondere die hohen Umweltauflagen sowie die gestiegenen Brennstoffkosten dazu geführt, dass kaum noch Wärmeerzeugungsanlagen auf Heizölbasis in den Molkereien vorhanden sind. Zudem wäre eine Rückumstellung auf Heizöl aus Umweltgesichtspunkten nur bedingt durchführbar, da die hohen Anforderungen der 44. Bundesimmissionsschutzverordnung einen Heizölbetrieb überwiegend nicht mehr möglich machen würde. Um die Emissionsgrenzwerte einzuhalten, wären umfangreiche technische Anpassungen bei der Abgasreinigung und der Betriebstechnik notwendig. Mit Blick auf die Milcherzeuger heißt es in dem Schreiben, dass die Lagerkapazitäten für die angelieferte Rohmilch durchschnittlich nur ein bis zwei Tage betrügen. Die Milch, die von Molkereien nicht mehr beim Erzeuger abgeholt und verarbeitet werden könnte, müsste aufgrund der geringen Haltbarkeit vernichtet werden. Die Entsorgung großer Mengen überschüssiger Milch würde jedoch massive Probleme bereiten, weil Milch weder unbegrenzt in Biogasanlagen eingebracht werden noch unschädlich in Kläranlagen oder auf Äckern entsorgt werden könne.
Heuser erläuterte, dass Gas für die Erzeugung von Dampf und für die Kühlung gebraucht werde. Die vom Bauern abgeholte und gekühlte Milch werde in der Molkerei wieder erhitzt. Die Milchprodukte wiederum würden nach der Herstellung heruntergekühlt und vom Kühllager ins Tiefkühlregal der Supermärkte gebracht. Die Molkereien haben laut dem Hauptgeschäftsführer in den vergangenen 20 Jahren auch aus emissionstechnischen Gründen von Öl auf Gas umgestellt. Da bei Gasmangel ein Rohmilchstau drohe, geht Heuser fest davon aus, dass die Milchindustrie als systemrelevant eingestuft würde. Dies sei schon aus Tierschutzgründen zu erwarten, ebenso für die Fleischindustrie, da ansonsten ein Schweinestau zu befürchten sei, sowie für die Brotfabriken. Nicht dazu gehören dürfte nach Einschätzung des MIV-Hauptgeschäftsführers indes die Süßwarenbranche.
Russland stellte Mitte voriger Woche seine Gaslieferungen nach Polen sowie Bulgarien ein. Beide Länder waren nicht bereit, die Lieferungen in Rubel bezahlen, wie es ein Moskauer Dekret vorsieht. Der polnische Gasversorger PGNiG warf Moskau Vertragsbruch vor. Auch politische Beobachter erklärten, dass Russland damit seinen Ruf als verlässlicher Lieferant von Energieträgern schwer beschädigt habe. Während die Regierung in Warschau wissen ließ, man sei auf den Gasstopp vorbereitet, teilte das zuständige Ministerium in Sofia mit, es habe Schritte zur alternativen Gasversorgung unternommen. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium verlautete derweil, die Gasversorgung in Deutschland sei gewährleistet. „Die Zahlungen erfolgen weiter in Euro und Dollar“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck. Offen sei, wie Russland sein Dekret über Gaszahlungen im Einzelnen interpretiere und anwende. (AgE)

Milcherzeuger können künftig auch im steigenden Markt profitieren

Über Neuerungen bei den Festpreisprogrammen der Molkereien informierte Florian Hildebrand vom Finanzdienstleister StoneX beim Forum Tierische Veredelung des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), das vorige Woche in Berlin stattfand. Aktuell böten verschiedene Molkereien ihren Milcherzeugern börsenbasierte Festpreisangebote an, berichtete Hildebrand. Die Molkereien leiteten dabei aus den Terminmarktkursen für Magermilchpulver und Butter einen Festpreis ab. Die Milcherzeuger könnten dann individuell für einzelne Liefermonate einen Festpreis mit der Molkerei vereinbaren. Im Hintergrund sicherten die Molkereien diese Geschäfte über den Terminmarkt ab. Zusätzlich zu dieser Risikomanagementmaßnahme, die Milcherzeuger durch einen Festpreis gegen fallende Preise schütze, würden erste Molkereien momentan ein Modell implementieren, mit dem Landwirte einen Mindestpreis absichern könnten. „Steigt der Markt über diesen Mindestpreis, so erhöht sich ebenfalls der Preis für den Milcherzeuger“, erläuterte Hildebrand. Dies kombiniere die Sicherheit eines Basispreises mit der zusätzlichen Möglichkeit, einen höheren Preis zu erzielen, sollte der Markt steigen. Erreicht werde diese Flexibilität durch den Einsatz von Optionsstrategien. Bei der Vermarktung von Getreide und Ölsaaten werden dem Risikomanagement-Experten zufolge immer häufiger Optionen genutzt, um Mindestpreisstrategien für die Erzeuger anzubieten. Diese Optionen seien an der europäischen Leitbörse für Getreide und Ölsaaten, der Pariser Matif, gelistet. Optionen auf Milchprodukte würden hingegen bisher ausschließlich außerbörslich gehandelt, beispielsweise über einen Finanzdienstleister wie StoneX. Sascha Siegel von der European Energy Exchange (EEX) bestätigte auf Anfrage von AGRA-EUROPE Pläne der Leipziger Terminbörse zum Einstieg in den Optionshandel auf Milchprodukte. Einen konkreten Starttermin wollte der Leiter des EEX-Agrarproduktsegments aber nicht nennen. Bekanntlich basieren die meisten Festpreismodelle, die Molkereien ihren Milchlieferanten anbieten, auf den an der EEX gelisteten Butter- und Pulverfutures. Daher wäre es aus Sicht von Marktexperten naheliegend, an der Leipziger Terminbörse mit Optionen auf diese beiden Milchprodukte zu starten. (AgE)

Initiative Milch wirbt um weitere Mitstreiter

Die Initiative Milch 2.0 GmbH wirbt aktiv um Molkereien, die sich bislang noch nicht finanziell an der Kommunikationsoffensive der deutschen Milchwirtschaft beteiligt haben. „Die Türen bei der Initiative Milch stehen weiterhin allen Unternehmen offen“, erklärte Gründungsgeschäftsführerin Kerstin Wriedt am 29. April in Berlin beim Forum Tierische Veredelung des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). Wriedt nutzt laut eigenen Angaben jede Gelegenheit, das Leistungsspektrum der Initiative Milch in der Branche bekannt zu machen. Letztlich sei die Initiative Milch die Summe der Teilnehmer, die sie mitgestalteten. „Wir machen das zusammen“, so der Appell der Geschäftsführerin. PR-Expertin Wriedt zeigte sich zufrieden mit dem, was die Initiative im ersten Jahr seit ihrer Gründung geleistet hat, beispielsweise die neue Website, der moderne Auftritt auf den wichtigsten Social-Media-Kanälen, der Aufbau von Netzwerken sowie die gezielte Verbraucheransprache über Journalisten und andere Multiplikatoren. Gut angelaufen sei auch die Zusammenarbeit mit den Milchwirtschaftlichen Landesvereinigungen. „Wir schießen uns aufeinander ein und schauen, wo wir uns ergänzen können“, betonte die Geschäftsführerin der Initiative Milch.
Auch 2022 soll die Branchenkommunikation laut Wriedt zweigleisig laufen. „Einerseits braucht es die sachliche Verbraucherinformation, weil es viele Mythen gibt, zu denen wir Fakten addieren müssen. Gleichzeitig wollen wir mit einer emotionalen Ansprache in den sozialen Medien in die Mitte der jungen Zielgruppe“, erläuterte die Geschäftsführerin die kommunikative Stoßrichtung der Initiative Milch. Kritik, ein zu schmales Budget beschneide die kommunikativen Möglichkeiten der Initiative, wollte Wriedt in der anschließenden Diskussion so pauschal nicht gelten lassen. „Wir können mit dem verfügbaren Geld in den sozialen Medien Gas geben, eine hohe Reichweite in der jungen Zielgruppe aufbauen und Anlässe schaffen, um in den klassischen Medien Berichterstattung zu haben“, argumentierte sie. „Wenn wir aber mittelfristig mit Milchthemen vor die Tagesschau kommen wollen, dann reicht das aktuelle Budget allenfalls für die Nachtausgabe“, so die Kommunikationsexpertin.
Bekanntlich erfolgt die Finanzierung der Initiative Milch auf freiwilliger Basis durch Molkereien. Diese haben sich bereiterklärt, pro Tonne angelieferter Rohmilch 15 ct zu zahlen. Daraus speist sich ein Jahresbudget von anfangs rund 4 Mio Euro. Es ist den Initiatoren nach eigenen Angaben gelungen, zum Start mehr als 80 % der deutschen Milchmenge in der Kommunikationsoffensive zu bündeln. Einige namhafte Molkereien sind bisher aber nicht an Bord. Gesellschafter der 2021 gegründeten Initiative Milch 2.0 GmbH sind neben dem DRV der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Milchindustrie-Verband (MIV). (AgE)

Frankreich: FNSEA fordert Anstrengungen für Ernährungs- und Energiesouveränität

Nach der Wiederwahl von Staatspräsident Emmanuel Macron hat der französische Bauernverband (FNSEA) die großen Herausforderungen der Landwirtschaft in den nächsten fünf Jahren deutlich gemacht. Aus Sicht des Berufsstands erfordern die tiefen Brüche, die in den vergangenen Jahren in Frankreich vor allem in den ländlichen Räumen aufgetreten sind und den Präsidentschaftswahlkampf geprägt haben, „energische Antworten“. Der FNSEA sicherte am 25. April in einer Stellungnahme zu, seine Rolle als „Mittelinstanz“ voll und ganz wahrzunehmen und konstruktive Vorschläge in diesem Sinn einzubringen. Außerdem erwartet der Bauernverband vom künftigen französischen Agrarminister Vorschläge auf die von den Landwirten im Wahlkampf eingebrachten 30 Maßnahmen zur Stärkung der nationalen Nahrungsmittelproduktion. Die Landwirtschaft müsse in der Lage sein, ihren wesentlichen Beitrag zur Ernährungs- und Energiesouveränität Frankreichs zu leisten. Auf diese Weise könne das Land Einfluss bei der Europäischen Union nehmen, um das Ziel einer nachhaltigen Produktion wieder in die Diskussion über den Green Deal einzubringen. Macron hatte bei der am vorvergangenen Sonntag durchgeführten Stichwahl im Rennen um das Präsidentenamt 58,5 % der Stimmen enthalten. Herausforderin Marine Le Pen vom Rassemblement National kam auf 41,5 %. Mehreren übereinstimmenden französischen Medienberichten zufolge soll in dieser Woche der künftige Premierminister ernannt werden. Demnach ist es gut möglich, dass erstmals eine Frau dieses Amt bekleiden könnte. Macron hatte bereits im Wahlkampf gesagt, dass dieser dann für die „ökologische Planung“ und damit für den „ökologischen Wandel“ im Nachbarland zuständig sein solle. In der Folge ist auch mit der Bekanntgabe der künftigen Minister zu rechnen.
Zu den 30 vorgeschlagenen Maßnahmen des FNSEA gehören unter anderem eine Beschleunigung der Harmonisierung von Sozial- und Umweltvorschriften in der EU sowie „Spiegelmaßnahmen“ für alle importierten Agrarprodukte, indem in EU-Freihandelsabkommen obligatorische Sozial- und Umweltklauseln aufgenommen werden. Weiter zählen dazu eine Senkung der Steuern etwa auf unbebaute Grundstücke, die Befreiung von Sozialabgaben und Steuern bei Überstunden, günstigere Bedingungen für Ernteversicherungen sowie eine bessere Unterstützung der Landwirte bei umweltfreundlicheren Anbaumethoden. Darüber hinaus fordert der Bauernverband eine ehrgeizige Strategie für alle landwirtschaftlichen Sektoren, die durch Importe oder Kapitalentzug am stärksten gefährdet sind, insbesondere die Tierhaltung, sowie Erleichterungen bei der Betriebsübergabe oder Förderungen bei der landwirtschaftlichen Ausbildung. Außerdem schlägt der FNSEA vor, dass die Landwirtschaft bis 2030 zum größten Lieferanten erneuerbarer Energien werden soll, indem Biokraftstoffe steuerfrei gestellt werden. (AgE)