Milchindustrie fürchtet harten Brexit

Die Märkte für Milch und Milchprodukte haben sich 2019 dem Milchindustrie-Verband (MIV) zufolge bisher in einem „recht ruhigen Fahrwasser“ bewegt, weil die Volatilitäten geringer als in den Vorjahren ausgefallen sind. Wie der Verband am 24. Oktober mitteilte, wurden bei der Jahrestagung in Frankfurt die Vorgänge um einen möglichen „harten Brexit“ mit Sorge aufgenommen. Zwar habe die alte May-Regierung noch beschlossen, dass es nahezu keine Einfuhrzölle im Vereinigten Königreich beim ungeregelten Austritt geben würden, doch einige Käsesorten und auch Butter würden mit Importabgaben belegt. Hinzu kämen komplizierte Zollverfahren und Kontrollen an den Fähren oder dem Kanaltunnel, welche das Geschäft behinderten. Spannend wird laut MIV die Reaktion der Republik Irland sein, dem Hauptlieferanten für den britischen Einfuhrbedarf. Hier bleibe zu hoffen, dass trotz aller Schwierigkeiten keine anderen Märkte durch Umleitung von Exporten in Mitleidenschaft gezogen würden. Zum Marktverlauf berichtete der Verband, dass sich nach dem Verkauf aller staatlichen Interventionsbestände an Magermilchpulver die Eiweißpreise positiv entwickelt und wieder ein deutlich besseres Niveau erreicht hätten. Milchfett und Butter seien im Jahresverlauf zunächst günstiger geworden; seit Herbst 2019 zögen die Preise aber wieder an. Die schwächere Marktsituation im ersten Halbjahr 2019 führte laut MIV zeitverzögert zu etwas niedrigeren Molkereiauszahlungspreisen an die Milcherzeuger. Jedoch gebe es regional eine stark unterschiedliche Ausprägung. Der durchschnittliche Milchpreis 2019 wird laut MIV-Schätzung netto bei etwa 33,5 Cent/kg Milch mit einem Fettgehalt von 4,0 % und 3,4 % Eiweiß liegen. Im Vorjahr waren es der Bundesanstalt für Ernährung (BLE) zufolge 34,4 Cent/kg.
Mit Spannung und einer gewissen Skepsis erwartet der MIV nach eigenen Angaben die Beratungen in Brüssel zu den Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland. Die EU-Kommission sollte dabei nicht zu große Angebote unterbreiten, denn auf der Gegenseite bestehe kaum größeres Absatzpotential für europäische Milchprodukte, insbesondere in Neuseeland. Neuregelungen auf europäischer Ebene soll es 2020 im Lebensmittelbereich gegen. Ab April sind laut MIV „komplizierte Verordnungen über die freiwillige Herkunftskennzeichnung“ geplant. Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in Deutschland für Milch und Milcherzeugnisse lehnt der Verband nach wie vor ab. Mit der „EU-Richtlinie zum fairen Wettbewerb“, die ab 2021 in Kraft treten soll und in Deutschland noch in nationales Recht umgesetzt werden muss, will die Kommission mehr Markttransparenz schaffen. Dann müssen nicht nur die Molkereien ihre Abgabepreise nennen, sondern auch der Lebensmitteleinzelhandel oder Händler sollen Preisinformationen erstmals zur Verfügung stellen. Die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) wird nach Einschätzung des MIV nur sehr beschränkt Einfluss auf die direkten Preise von Agrargütern wie Milch haben. Im Vordergrund der Beratungen stehe die Verteilung der Einkommenshilfen. Die Gelder der Ersten Säule hätten jedoch eine große Bedeutung für die landwirtschaftlichen Betriebe auch im Milchbereich, gerade in schwachen Marktphasen. Trotz aller politischen Unwägbarkeiten habe die Vergangenheit gezeigt, so der MIV, dass Molkereien und Milcherzeuger in Deutschland in der Lage seien, erfolgreich auch schwierigste Situationen zu meistern. (AgE)

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