Fonterra liefert gute Jahreszahlen und will Kapitalstruktur verändern

Dank der global wieder anziehenden Nachfrage für Milchprodukte in den Bereichen Foodservice und Verbraucher nach der Corona-Krise hat der neuseeländische Molkereikonzern Fonterra gute Zahlen für das am 31. Juli beendete Geschäftsjahr 2020/21 vorlegen können. Wie die Molkereigenossenschaft am 23. September mitteilte, legte der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode um 0,7 % auf 21,12 Mrd NZ$ oder umgerechnet 12,64 Mrd Euro zu; das normalisierte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um 8,3 % auf 570 Mio Euro. Der bereinigte Gewinn nach Steuern wuchs sogar um 47,7 % auf 352 Mio Euro, und die Nettoschulden konnten um 522 Mio Euro auf 2,27 Mrd Euro abgebaut werden. Fonterra-Vorstandschef Miles Hurrell wies darauf hin, dass die Genossenschaft in den vergangenen drei Jahren die Geschäfte neu geordnet und sich von ausländischen Beteiligungen getrennt habe. „Wir haben an unserer Strategie der Wertmaximierung unserer neuseeländischen Milch festgehalten, sind zu einem kundenorientierten Betriebsmodell übergegangen und haben unsere Bilanz gestärkt“, erklärte Hurell. Er sei auch stolz, die Umweltbelastung weiter gesenkt zu haben: „Allein in diesem Jahr haben wir unsere CO2-Emissionen aus Kohle um mehr als 11 % reduziert.“ Neuseelands Milchwirtschaft habe den niedrigsten CO2-Fußabdruck der Welt, müsse aber noch mehr für den Klimaschutz tun, so der Vorstandsvorsitzende. In Zukunft gehe es darum, den Vorsprung in punkto Nachhaltigkeit im internationalen Wettbewerb zu verteidigen. Die Konzernführung gab zudem bekannt, dass den Farmern für das abgelaufene Wirtschaftsjahr ein Milchpreis einschließlich Genossenschaftsdividende von 7,74 NZ$ (4,63 Euro) für das Kilogramm Milchfeststoff gezahlt wird. Das sind 7,6 % mehr als in der Vorsaison, und es ist das dritthöchste Auszahlungsniveau in der Historie der Genossenschaft. Die Milchpreisprognose für das begonnene Vermarktungsjahr 2021/22 wurde im Spannenmittel mit 8 NZ$ (4,79 Euro) je Kilogramm Milchfeststoff beibehalten. „Ein hoher Milchpreis ist gut für die Bauern und gut für die neuseeländische Wirtschaft. Dies hat jedoch das Potential, unsere Umsatzmargen zu drücken und das Ergebnis zu beeinträchtigen“, so Hurrell.
Große Beachtung fanden auch Fonterras strategische Ankündigungen für die Zukunft. Die Genossenschaft will sich stärker auf neuseeländische Milch konzentrieren sowie führend bei Nachhaltigkeit und Innovationen sein. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen bis 2030 um 50 % gesteigert werden, um Lösungen zur Senkung von Treibhausgasemissionen oder Produkte mit höherer Wertschöpfung zu entwickeln, beispielsweise im Bereich Gesundheit und Wellness. Für die Umsetzung der strategischen Pläne werden laut Hurrell Änderungen in der Kapitalstruktur benötigt. So soll die chilenische Molkereimarke Soprole samt Rohmilcherfassung und Produktherstellung verkauft werden. Zudem wird erwogen, für größere Teile des Geschäfts in Australien andere Eigentümer zu finden, wobei ein Börsengang eine ernsthafte Option ist. Im eigenen Land will Fonterra die Beteiligung am Unternehmen verändern und flexibler gestalten, damit neue Landwirte leichter in die Genossenschaft eintreten können. So soll beispielsweise für einen Genossenschaftsanteil nicht mehr nur 1 kg Milchfeststoff geliefert werden dürfen, sondern 3 kg. Auch Vertragsmelker oder Farmverpächter sollen Anteile erwerben können. So könnten inländische Marktanteile bei der Milcherfassung zurückzugewonnen werden. Gleichzeitig sollen Investitionen von Nichtlandwirten in den börsennotierten Fonterra Shareholders Fund eingeschränkt werden, um die Kontrolle der Landwirte über ihre Genossenschaft zu schützen. (Umrechnungskurs: 1 NZ$ = 0,5986 Euro) (AgE)

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