Milchwirtschaft muss sich den gesellschaftlichen Erwartungen stellen

Um den gesellschaftlichen Anforderungen an das Tierwohl, den Klima- und Umweltschutz sowie der Biodiversität gerecht zu werden, muss sich auch die Milchwirtschaft ändern. Das hat Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser beim 14. Forum Milch NRW der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen (LV Milch) am 28. September in Schwerte betont. Die Milchbranche könne sich dabei auf ihre Stärken stützen, die sie auch in der Corona-Pandemie mit der Aufrechterhaltung der Versorgung unter Beweis gestellt habe. Die Ministerin machte laut LV Milch klar, dass die notwendigen Änderungen gemeinsam verfolgt werden müssten, wobei mit der Sektorstrategie bereits ein guter Grundstein gelegt worden sei. Klar sei dabei, dass ein gesellschaftlich gewollter oder gesetzlich festgeschriebener höherer Aufwand durch einen entsprechenden finanziellen Ausgleich kompensiert werden müsse. Der Geschäftsführer der Molkerei Gropper, Heinrich Gropper, erklärte, dass die deutsche Milchwirtschaft in Zukunft vor allem eine Vision und Leidenschaft brauche. Ihre Ziele realisiere sie am besten mit Reaktionsschnelligkeit, der entsprechenden Kostenstruktur und einem verstärkt an den Bedürfnissen der Verbraucher orientierten Produktportfolio. Dabei könnten beispielsweise Mehrwertkonzepte zu den gesellschaftlichen Fokus-Themen wie Tierwohl, Regionalität oder Nachhaltigkeit, die in Partnerschaften zwischen Erzeugern, Molkereien und Handel erarbeitet und umgesetzt würden, eine wichtige Rolle einnehmen. So könne ihr Bestehen im Wettbewerb mit anderen internationalen Unternehmen auf den Märkten abgesichert werden.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Rind und Schwein (BRS) und Mitglied in der Borchert-Kommission, Georg Geuecke, hob hervor, dass die hiesige Milchwirtschaft auch zukünftig einen festen Platz in der Agrar- und Ernährungswirtschaft habe. Dies begründe sich mit Blick auf die Klimadiskussion schon allein aus dem Wirtschaften in einer Gunstregion, in der Milch vergleichsweise ressourcenschonend produziert werde. Auch könne die Branche einen Beitrag zur Welternährung liefern. Wichtig sei, dass Rahmenbedingungen geschaffen würden, die die Position der Familienbetriebe stärkten. Für den Geschäftsführer vom QM Milch und Referatsleiter Milch im Deutschen Bauernverband (DBV), Ludwig Börger, benötigt die deutsche Milchwirtschaft für den langfristigen Erfolg vor allem Unternehmer, die bereit sind, die Erwartungen des Marktes zu erfüllen. Diese würden sich mit Blick auf Umwelt-, Klima- und Tierschutz mit immer höherer Schlagzahl weiterentwickeln.

Der Erfolg derart gerichteter Initiativen müsse sich vor allem daran messen lassen, in welchem Maß sie zu einer höheren Verlässlichkeit für landwirtschaftliche und milchwirtschaftliche Unternehmen beitrügen, betonte Börger. Es zeige sich, dass die Akteure aus der Lebensmittelkette schneller agierten als die Politik; dies sollte bei allen politischen Aktivitäten wie der Umsetzung der Vorschläge der Borchert-Kommission und der Zukunftskommission Landwirtschaft beachtet werden. Der Ausschussvorsitzende für Öffentlichkeitsarbeit der LV Milch NRW, Benedikt Langemeyer, betonte, dass zukünftig verlässliche Rahmenbedingungen durch Politik und Handel und eine Honorierung für den in Deutschland geleisteten Mehraufwand bei höheren Standards erforderlich seien. Zudem sei eine Diskussionskultur anzustreben, die ehrlich, vertrauensvoll und von gegenseitigem Respekt geprägt sei. (AgE)

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