Ernährungsstrategie: Lebensmittelwirtschaft fordert „Realitätschecks“

 

Mit Blick auf die vom Bundeskabinett verabschiedete Ernährungsstrategie hat der Lebensmittelverband Deutschland „Realitätschecks und Folgenabschätzungen für alle Maßnahmen“ angemahnt. Bei einem Ruf nach einer nachhaltigeren Ernährung sollte beispielsweise zunächst ein wissenschaftlich fundiertes Verständnis darüber geschaffen werden, was wie nachhaltig ist und welche Dimensionen und Aspekte hier berücksichtigt werden müssen, erklärte Verbands-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff am 17. Januar. Vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Sachverhalte seien nicht zielführend. Die Ernährungsstrategie müsse sich am Ende des Tages an ihrer Praktikabilität, Realisierbarkeit und Finanzierbarkeit messen lassen. Zugleich betonte Minhoff, dass die deutsche Lebensmittelwirtschaft grundsätzlich für Angebotsvielfalt stehe und offen sei für alle Lebensstile. Bei der Erarbeitung der Strategie habe sich der Verband daher stets dafür eingesetzt, dass weder einzelne Lebensmittel noch damit verbundene Lebenswirklichkeiten diskreditiert würden.
Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) begrüßte das Engagement der Bundesregierung für eine ausgewogene Ernährung der Bevölkerung. Denn Übergewicht sei ein Risikofaktor für ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Einen Fokus auf einzelne Lebensmittel oder sogar Nährstoffe wie Zucker – etwa wenn es um Werbeverbote oder Reduktionsziele geht – lehnt die WVZ aber ab. Wichtig sei die gesamte Ernährung, also die Auswahl aller zugenommenen Lebensmitteln. Lebensmittel in „gut und böse“ aufzuteilen sei hingegen wenig zielführend.
Von Umweltschutzverbänden kam überwiegend Kritik an der Strategie. Nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat die Bundesregierung zwar die grundlegenden Ernährungsprobleme in Deutschland erkannt. Echte Lösungen zeige sie aber nicht auf. Steuerliche Ansätze wie die vollständige Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse oder die Erhebung einer Zuckersteuer fehlten komplett. Außerdem solle es den Menschen erst bis 2050 möglich sein, sich gut zu ernähren, so die DUH. Das Programm bleibe hinter den Dringlichkeiten zurück. Ähnlich äußerten sich der World Wide Fund For Nature (WWF) und foodwatch. (AgE)

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