Holzenkamp befürwortet Milchmengendrosselung bei Absatzproblemen

Die Corona-Krise hat die Absatzmöglichkeiten für Milchprodukte stark verändert. Der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Franz-Josef Holzenkamp, appellierte am 8. April an die ehren- und hauptamtlichen Verantwortlichen der genossenschaftlichen Unternehmen, sich bei Vermarktungsproblemen für eine geringere Produktion einzusetzen, um Verwerfungen zu vermeiden. „Molkereigenossenschaften, die in der aktuell schwierigen Situation am Milchmarkt mit Absatzeinbußen zu kämpfen haben, sollten ihre Lieferanten zur Drosselung ihrer Milchmengen auffordern“, erklärte Holzenkamp in Berlin. Dem DRV-Präsidenten zufolge führt die Corona-Pandemie zu einem erschwerten Exportgeschäft sowie gänzlich weggebrochenen Absatzmöglichkeiten nach Südeuropa, in der Gastronomie und im Großverbraucherbereich. Dem stehe eine auch durch Bevorratungskäufe der Verbraucher hohe Nachfrage aus dem Lebensmitteleinzelhandel gegenüber. Die Molkereigenossenschaften seien durch diese gegenläufigen Entwicklungen in Abhängigkeit von ihren Produktsortimenten sehr unterschiedlich betroffen. Während eine Gruppe von Molkereien zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Milchprodukten derzeit einen hohen Milchbedarf habe, sähen sich andere mit Absatzproblemen und stark rückläufigen Umsätzen konfrontiert. Insgesamt stelle das Corona-Geschehen für alle Beteiligten am Milchmarkt eine besondere Herausforderung dar, stellte Holzenkamp fest. Wie in der „Sektorstrategie Milch 2030“ festgehalten, liege die Verantwortung für das Management der Anlieferungsmengen allein in den Händen der Marktakteure. Die Abmilderung von Volatilitäten komme als Aufgabe den Milcherzeugern und ihren Molkereien zu. „Die derzeit unterschiedlichen Entwicklungen am Milchmarkt verlangen differenzierte und damit unternehmensindividuelle Antworten“, hob Holzenkamp hervor. Diese sollten bei betroffenen Unternehmen auch eine sinnvolle Milchmengenreduzierung umfassen.
Der stellvertretende agrarpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Wilhelm von Gottberg, befürchtet, dass der Milchmarkt in den nächsten Wochen kurzfristig zusammenbrechen könnte, weil die höhere Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel die starken Umsatzeinbrüche beim Absatz an die Gastronomie, die Großverbraucher oder im Export nicht ausgleichen könne. Die Europäische Union müsse nun dringend handeln, um eine weitere Katastrophe für den Milchmarkt mit niedrigen Milcherzeugerpreisen zu verhindern. Die Kurse der Futures für Milchprodukte an der European Exchange (EEX) in Leipzig würden für die kommenden Monate nur noch einen abgeleiteten Milcherzeugerpreis von 25 Cent/kg anzeigen. Gottberg wies darauf hin, dass durch eine öffentliche Intervention der EU-Kommission im Krisenjahr 2016 insgesamt 380 000 t Milchpulver angekauft und somit der Milchpreis wieder stabilisiert worden sei. „Dies sehen wir als eine gute Möglichkeit an, um den Preisverfall entgegenzuwirken“, erklärte der AFD-Politiker. Da die EU-Kommission seit Juli 2019 die Lagerbestände aufgrund der guten Marktsituation am Milchmarkt vollständig verkauft habe, sei dies eine selbstverständliche Maßnahme, um jetzt ein Zeichen zu setzen und den Bauern zu helfen.
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sorgt sich dem Landesverband Mitteldeutschland zufolge ebenfalls um den Milchpreis, erteilt Interventionsmaßnahmen jedoch eine klare Absage. „Jetzt werden Stimmen laut, mit staatlichen Hilfen die private Lagerhaltung der Molkereien zu fördern und dadurch Milchüberschüsse vorläufig vom Markt zu nehmen. Das kostet öffentliche Gelder, aber die Überproduktion bleibt und die Lagerbestände verlängern die Krise noch“, warnte die Milchbäuerin Elisabeth Waizenegger aus dem AbL-Bundesvorstand. Ihr zufolge ist es wesentlich zielführender, wenn die überschüssige Milch gar nicht erst entsteht. Einzelne Molkereien gingen bereits voran und forderten ihre Landwirte auf, die Menge zu drosseln. Nötig sei aber ein EU-weiter Anreiz, die Milchmenge zu senken. „In der aktuellen Situation braucht es eine Honorierung für die Milchbauern, wenn sie auf betrieblicher Ebene weniger Milch liefern als in einem Vergleichszeitraum“, so Waizenegger. Die AbL erinnerte an das Vorgehen in der Milchmarktkrise 2015/2016, als Zuschüsse an die Mengendisziplin geknüpft wurden. Das Beispiel der Molkerei FrieslandCampina in der Milchkrise vor einigen Jahren habe gezeigt, dass das Instrument der Mengenreduzierung auf Molkereiebene zu einer Entlastung auf dem gesamten Markt führe. (AgE)

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