Stegemann: „Milchkrise nicht herbeireden“

Angesichts der globalen wirtschaftlichen Verwerfungen durch die Corona-Pandemie sind auch große Teile des Milchmarktes unter Druck geraten. Der agrarpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Albert Stegemann, warnte am 10. April jedoch davor, „voreilig eine Krise herbeizureden“, weil davon am Ende in erster Linie die Abnehmer von Molkereierzeugnissen in der nächsten Verhandlungsrunde profitieren würden. Die undurchsichtige und überaus instabile Marktlage in Zeiten der Corona-Pandemie resultiert dem CDU-Politiker zufolge aus der asymmetrischen Nachfrage am Milchmarkt. Es seien extreme Mengenverlagerungen zu beobachten, wobei beispielsweise der März von hohen Absätzen von abgepackter Butter an den Lebensmitteleinzelhandel geprägt gewesen sei. Dagegen sei Blockware vom Großhandel und der Gastronomie faktisch gar nicht mehr gefragt gewesen. „In dieser Marktlage helfen keine ,One-size-fits-all-Lösungen`, wie etwa eine pauschale Drosselung der Milchproduktion“, erklärte Stegemann. Die aktuelle Situation verlange vielmehr, dass eine verbindliche Planung und Steuerung von Anlieferungsmengen zwischen Molkereien und Milcherzeuger zwingend notwendig sei. Hier habe sich in der Branche seit der letzten Milchkrise viel getan. „Entscheidend ist, dass die Warenströme am Milchmarkt schnellstmöglich mit der veränderten Nachfrage synchronisiert werden“, hob der Agrarsprecher hervor. So würden in der Übergangsphase beispielsweise Erleichterungen bei den Verpackungsauflagen benötigt, solange die Rückverfolgbarkeit gewährleistet sei. Denn gerade Verpackungen seien momentan ein echter Produktionsengpass. Zudem warb Stegemann dafür, dass sich die Mitgliedstaaten auf europäische Ebene rasch über mögliche Marktmaßnahmen verständigen sollten. Die Milchproduktion über die Private Lagerhaltung abzufedern könne dabei helfen, mögliche lieferkettenbedingte Engpässe im zweiten Halbjahr zu vermeiden. „Sollten Milchbauern oder Molkereien trotz aller Anpassungen unverschuldet in existenzielle Probleme geraten, lassen wir sie als Politik nicht allein“, betonte der CDU-Politiker. Die Branche müsse insgesamt gut durch die schwierige Zeit kommen und gestärkt aus ihr hervorgehen. Hierzu gehöre auch, dass die Verbraucher den Wert der regionalen Landwirtschaft nicht nur als Modetrend, sondern als substantiellen Beitrag zur Versorgungssicherheit wiederentdeckten. (AgE)

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