Jahresendspurt am globalen Milchmarkt

Am internationalen Markt für Milcherzeugnisse hat sich Mitte November die Aufwärtstendenz der Preise fortgesetzt. Bei der Auktion auf der Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) am 16. November ging es mit dem gewichteten Index der sechs gehandelten Standardmilchprodukte gegenüber der Versteigerung von Anfang November um 1,9 % nach oben. Der zusammenfassende Index verfehlte damit nur knapp das Jahreshoch aus dem März und lag auf dem zweithöchsten Niveau seit gut sieben Jahren. Mehrjährige Höchstpreise wurden an der GDT für Magermilchpulver gezahlt. Im Mittel aller gehandelten Kontrakte und Liefertermine erlöste das Pulver 3 676 $/t (3 212 Euro); das waren 1,4 % mehr als vor zwei Wochen und so viel, wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr. Beim umsatzstärksten Produkt Vollmilchpulver konnte der alleinige Anbieter Fonterra ein Erlösplus von 1,9 % auf 3 987 $/t (3 484 Euro) verbuchen. Größter Gewinner war jedoch mit dem relativ stärksten Anstieg die Butter, deren Durchschnittpreis an der GDT gegenüber Anfang November um 3,5 % auf 5 534 $/t (4 835 Euro) zulegte. Gut verkaufen ließ sich zudem Cheddarkäse, für den die Käufer einen Zuschlag von 2,2 % auf 5 162 $/t (4 510 Euro) zahlen mussten. Auch dies bedeute ein neues Mehrjahreshoch. Zudem stiegen bei der jüngsten GDT-Versteigerung die durchschnittlichen Kontraktpreise für Laktose um 1,6 % sowie für wasserfreies Milchfett um 1,3 %.
Unterdessen haben die Preise für den 2016 eingeführten Milchfuture an der neuseeländischen Börse NZX erstmals die Marke von 9 NZ$ (5,56 Euro) für das Kilogramm Milchfeststoff geknackt. Am 15. November stieg der Settlementpreis für den Kontrakt mit Fälligkeit im September 2022 auf das Rekordniveau von 9,07 NZ$ (5,61 Euro). Fonterra hatte Ende Oktober seinen Erzeugern für die bis Ende Mai 2022 laufende Saison einen Auszahlungspreis zwischen 7,90 NZ$ (4,88 Euro) und 8,90 NZ$ (5,50 Euro) für das Kilogramm Milchfeststoff in Aussicht gestellt. Das Spannenmittel von 8,40 NZ$ (5,19 Euro) wäre gemeinsam mit dem Jahr 2013/14 das höchste in der Geschichte des Unternehmens. Der Warenterminmarkt deutet zudem auf einen weiteren Anstieg der Preise für Vollmilchpulver hin; dieses Produkt beeinflusst wesentlich die Milchpreiseentwicklung in Neuseeland. Der Wert des Februar-Future für Vollmilch wurde zuletzt mit 4 200 $/t (3 670 Euro) festgestellt; bis Oktober 2022 lagen alle Futurekurse über der Marke von 4 000 $/t (3 495 Euro). Analysten zufolge sind die hohen Preise auf ein vergleichsweise geringes Angebot im Vergleich zur Nachfrage zurückzuführen. Die Milchanlieferungen waren zuletzt in Neuseeland, aber auch in anderen großen Milcherzeugerländern, wie Frankreich und Deutschland, rückläufig und sind anderenorts weniger gestiegen als in früheren Jahren.
Der Leiter des Derivatehandels beim Konsumgüterhersteller Jarden, Mike McIntyre, wies darauf hin, dass es bei den jüngsten Auktionen an der Global Dairy Trade (GDT) mehr unterschiedliche Käufer für Vollmilchpulver gegeben habe. „Ich vermute, dass liegt daran, dass es zu dieser Jahreszeit ein Problem gibt, das Produkt zu bekommen“, so der Experte. Zur verhalteneren Milcherzeugung trügen neben den hohen Futterkosten auch die Umweltauflagen in mehreren wichtigen Ländern bei, darunter auch Neuseeland. Chinas Anteil an den Käufen bei der GDT-Auktion, der üblicherweise bei mehr als 50 % liege, sei Anfang November auf unter 40 % gefallen. Sollte die Nachfrage der Volksrepublik wieder stärker anziehen, so McIntyre, werde das zu weiteren Preissteigerungen führen. (Umrechnungskurs: 1 NZ$ = 0,6183 Euro; 1 $ = 0,8738 Euro)(AgE)

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