Weniger Rohmilch verarbeitet

Den Molkereien in Deutschland stand von Januar bis September 2021 weniger Kuhmilch für die Verarbeitung zur Verfügung als im Vorjahreszeitraum. Laut Daten der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) ging das Gesamtaufkommen um 400 617 t oder 1,6 % auf 24,36 Mio t zurück. Zu berücksichtigen ist hierbei allerdings, dass es 2020 einen Schalttag gab und durch die neue Milchgüteverordnung im Sommer 2021 der Umrechnungsfaktor von Volumen auf Gewicht bundesweit von 1,02 auf 1,03 angehoben wurde. Beide Einflüsse sind in den Zahlen nicht bereinigt. Für das kleinere Rohstoffangebot waren ausschließlich die geringeren Anlieferungen von konventionell erzeugter Kuhmilch der heimischen Milchbauern verantwortlich. Diese fielen mit 22,81 Mio t um 456 300 t oder 2,0 % niedriger aus als in den ersten neun Monaten 2020. Dagegen nahm das Aufkommen von Biomilch erneut zu, und zwar um 25 440 t oder 2,7 % auf 966 770 t. Auch die aus dem Ausland an Molkereien in Deutschland gelieferte Milchmenge legte im Vorjahresvergleich zu; sie stieg um 30 240 t beziehungsweise 5,5 % auf 582 650 t. Den BLE-Daten zufolge ist der Rückgang des konventionellen Milchaufkommens in Ostdeutschland relativ gesehen mit 3,2 % deutlich stärker gewesen als in Westdeutschland mit 1,7 %. Auf der anderen Seiten war der Zuwachs bei der Andienung von Biomilch in den neuen Bundesländern mit 3,3 % höher als der im alten Bundesgebiet mit 2,6 %. Der Rückgang der Milchanlieferungen in Deutschland hat sich zuletzt noch verstärkt. Beim konventionellen Rohstoff wurde im September das Niveau des Vorjahresmonats laut BLE um 3,0 % verfehlt; Anfang November lag das Aufkommen der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) zufolge weiterhin um rund 3 % unter der Vorjahreslinie.
Erste Molkereiunternehmen haben nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) ihren Milchauszahlungspreis für die Oktobermilch auf 40 Cent/kg angehoben. Verantwortlich dafür seien die verhalteneren Rohmilchanlieferungen an die Molkereiunternehmen nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in Frankreich. Deshalb seien auch die Preise für Milchprodukte gestiegen, teilte der Verband am vergangenen Mittwoch (17.11.) mit. „Wieder einmal bestätigt sich der marktwirtschaftliche Grundsatz, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen“, stellte BDM-Vorsitzender Stefan Mann fest. Das Argument, dass eine Reduzierung des Milchangebots keine Marktwirkung zeige, erweise sich als falsch. Nicht zutreffend sei auch die Annahme, dass zurückgehende Milchmengen durch eine Ausweitung der Importe kompensiert würden. Mann monierte, dass trotz der sehr guten Marktlage bei der Molkereiwirtschaft weiterhin eine nur verhaltene Bereitschaft zur Anhebung der Milcherzeugerpreise festzustellen sei. Die Molkereien würden ihre Möglichkeiten nicht voll ausschöpfen und wohl ihre Rücklagen weiter ausbauen, so der BDM-Vorsitzende. Eine weitere Aufbesserung des Milchgeldes sei aber angesichts der stark gestiegenen Produktionskosten nötig. Die jetzige Situation mache deutlich, dass eine Erhöhung der Nachfrage niemals der alleinige Ansatz für eine notwendige Verbesserung der Milcherzeugerpreise sein könne. „Die Möglichkeit der Einflussnahme auf das Angebot ist mindestens genauso wichtig – wenn nicht sogar noch wichtiger“, erklärte Mann.

Der Markt für Milchprodukte war Mitte November von einem für die rege Nachfrage eher zu knappen Angebot geprägt. Während dies bei Butter und Käse seit Ende des Sommers zu teilweise deutlich anziehenden Notierungen geführt hat, blieben diese vergangene Woche – trotz der guten Absatzlage – unverändert. Hierbei verhinderten auch bestehende Kontrakte weitere Preisveränderungen. Für Milchpulver galt das allerdings nicht; hier setzten sich die festen Tendenzen weiter fort. Wie die ZMB berichtete, ist die Produktion der kommenden Wochen bereits fast vollständig verplant und verkauft. Die Hersteller würden sich bei Magermilchpulver auf die Abwicklung bestehender Kontrakte konzentrieren, wobei es aufgrund der Rohstoffknappheit auch zu Lieferverspätungen komme. Bei den Neuabschlüssen konnten laut Süddeutscher Butter- und Käsebörse in Kempten vergangene Woche erneut Aufschläge erzielt werden. Diese beliefen sich bei der Futtermittelware je Kilogramm im Schnitt auf 5 Cent, das damit zwischen 3,08 Euro und 3,13 Euro kostete. Magermilchpulver in Lebensmittelqualität wurde zwischen 3,10 Euro/kg und 3,26 Euro/kg veräußert; das waren im Mittel 4 Cent mehr als in der Vorwoche. Für Vollmilchpulver gab es laut ZMB eine gute Nachfrage von Kunden im EU-Binnenmarkt, die jedoch auf ein kleines Angebot traf. So legten die Verkaufspreise im Schnitt recht deutlich, nämlich um 8 Cent auf 3,85 Euro/kg bis 4,04 Euro/kg zu. Eine Vier vor dem Komma hat es seit Einführung des Euro noch nicht gegeben. Auch Molkenpulver verteuerte sich weiter, und zwar um 1,5 Cent/kg bei der Futtermittelware und 4 Cent bei der Lebensmittelqualität. (AgE)

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