Milchviehbetriebe in der Wertschöpfungskette stärken

Eine stärkere Beteiligung der Milcherzeuger an den Umsätzen in der Handelskette hat der Staatssekretär im Thüringer Landwirtschaftsministerium, Torsten Weil, gefordert. „Die Milchbetriebe benötigen für ihr wertvolles Produkt auch einen Preis, von dem sie leben können. Dafür muss ihre Marktstellung gegenüber dem Handel weiter signifikant verbessert werden“, betonte Weil beim 24. Thüringer Milchtag am 1. November in Erfurt. Milchmarktkrisen seien hauptsächlich Erzeugerkrisen; in Preishochphasen profitierten sie weiterhin zu wenig. Bezüglich der Vertragsbeziehungen zu dem Molkereien sieht der Staatssekretär aber Bewegung: „Die Molkereien setzen nun sukzessiv um, was sie seit Jahren angekündigt haben. Die Angebote zur Mengenplanung und -steuerung sowie zur Absicherung der Erzeugerpreise wurden erweitert und die Lieferbeziehungen flexibler gestaltet.“ Das seien Schritte in die richtige Richtung, aber der Status quo reiche noch nicht aus. Für eine wirtschaftliche Rohmilcherzeugung und eine gewisse Preisstabilität müssten den Milcherzeugern eine faire Gewinnbeteiligung und bessere Verhandlungspositionen in der Kette geboten werden. Mit jedem Milchbetrieb, der aufgeben müsse, gingen Arbeitsplätze und Wertschöpfung in den ländlichen Räumen verloren, so Weil. Das sei zu verhindern. „Wenn die Wirtschaft keine weiterführenden Angebote für verbindliche Vertrags- und Lieferkonditionen macht, hält das EU-Recht Möglichkeiten vor“, gab der Staatssekretär zu bedenken. Thüringen werde deshalb beim Bund weiter die nationale Anwendung des Artikels 148 der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) – also den Rechtsanspruch der Erzeuger auf verbindlich vereinbarte und konkrete Vertrags- und Lieferkonditionen – thematisieren. Der Vorsitzende der Landesvereinigung Thüringer Milch (LVTM), Dr. Klaus Wagner, forderte ein „klares Bekenntnis der Landesregierung zur regionalen Milchviehhaltung in Thüringen“ sowie die Schaffung von Rahmenbedingungen zur Stärkung der Milcherzeuger. Investitionen in Tierwohl und bessere Arbeitsbedingungen spiegelten sich nicht in höheren Milchpreisen wider. Derzeit würden die Milchbauern von einer Kostenlawine überrollt. „Von der Landwirtschaft wird verlangt, für immer weniger öffentliches Geld immer mehr zu leisten. Das geht nicht!“, betonte Wagner. Er warnte außerdem vor einer drohenden Verlagerung der Tierhaltung in Länder mit geringeren Produktionsstandards. (AgE)

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