Nachfrage für Milchprodukte noch in der „Nachosterdelle“

Die nach den Osterfeiertagen abgeschwächte Nachfrage für Milchfettprodukte hat in der vergangenen Woche noch nicht wieder zu vorheriger Stärke zurückgefunden; sie blieb aber insgesamt gesehen auf einem für die Jahreszeit normalen Niveau. Die Abrufe aus dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) seien noch überschaubar, teilte die Süddeutsche Butter- und Käsebörse in Kempten mit. Preisliche Auswirkungen auf die kontraktgebundene Päckchenbutter gab es jedoch nicht; die Notierung blieb am 21. April in Kempten stabil. Bei der losen Blockbutter wurde die amtliche Preisfeststellung jedoch im Vorwochenvergleich um 5 Cent auf eine Spanne von 3,95 Euro/kg bis 4,05 Euro/kg heruntergesetzt. Die industriellen Nachfrager hielten sich mit Käufen etwas zurück, da sie mit saisonal steigenden Milchmengen ein größeres Angebot und sinkende Preise erwarteten, erläuterte die Börse. Die Hersteller gingen jedoch bei wahrscheinlich bald steigenden Temperaturen von einem höheren Milchbedarf für die Produktion von Frischeprodukten aus, wodurch die Konkurrenz um den Rohstoff auch für die Butterherstellung intensiver werde. Vergleichsweise ruhig wurde Analysten zufolge zuletzt auch Sahne nachgefragt, deren Preise etwas nachgaben. Als relativ stabil wurde der Markt für Käse beschrieben. Die Umsätze für Hartkäse lägen auf einem normalen Niveau, der Absatz an die Industrie und im Export beginne langsam wieder Fahrt aufzunehmen, berichtete die Kemptener Börse. Bei Emmentaler und Viereckhartkäse blieb die Notierung am vergangenen Mittwoch stabil; bei der Rohmilchspezialität wurde der obere Spannenwert um 45 Cent auf 6,45 Euro/kg angehoben. Gänzlich unverändert blieben die Notierungen für Schnittkäse in Hannover. Der Absatz im LEH sei zufriedenstellend, weise aber bei den Exporten nach Südeuropa aufgrund der eingeschränkten Reisemöglichkeiten Schwächen auf, berichtete die Börse. Eher ruhig als rege verlief in der vergangenen Woche das Geschäft mit Milchpulver; die Preise konnten sich aber teilweise weiter befestigen. Nach Angaben der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) war die Exportnachfrage für Magermilchpulver zuletzt schwächer als im März. Dazu trügen die Kaufzurückhaltung von Ländern im Ramadan und günstige Angebote des Wettbewerbers USA bei. Für die zweite Jahreshälfte bestehe aber in der europäischen Lebensmittelindustrie Bedarf, berichtete die ZMB. Ihr zufolge werden gegenwärtig bestehende Kontrakte abgewickelt und freie Ware ist nur wenig verfügbar. Die Preise für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität änderten sich vergangene Woche wenig. Hier und da konnten im Verkauf jedoch Zuschläge realisiert werden, weshalb der obere Spannenwert der festgestellten Verkaufspreise an der Kemptener Börse um 5 Cent auf 2,60 Euro/kg nach oben korrigiert wurde. Bei der nur knapp verfügbaren Futtermittelware konnten die Anbieter im Vorwochenvergleich im Schnitt 3 Cent/kg mehr einnehmen und erlösten zwischen 2,43 Euro/kg und 2,45 Euro/kg. Fortgesetzt impulslos blieben laut ZMB die Geschäfte mit Vollmilchpulver; die Preise tendierten die vierte Woche in Folge seitwärts. Besser gefragt war dagegen knappes Molkenpulver für die Lebensmittelindustrie; für dieses Produkt legten die Preise im Mittel um 1,5 Cent auf eine Spanne von 1,10 Euro/kg bis 1,15 Euro/kg zu. Die Futtermittelware wurde stetig zu unveränderten Konditionen abgerufen.

Unterdessen haben die Preise für Milcherzeugnisse am Weltmarkt ihr hohes Niveau beibehalten. Bei der Auktion auf der Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) blieb der gewichtete Index aller umgesetzten Produkte am Dienstag vergangener Woche (20.4.) gegenüber der vorherigen Versteigerung von Anfang April stabil; im Vorjahresvergleich war ein Plus von 44 % zu verzeichnen. Das wichtigste Produkt Vollmilchpulver erlöste im Mittel aller Qualitäten und Liefertermine 4 097 $/t (3 404 Euro); das waren 0,4 % mehr als vor zwei Wochen und gut die Hälfte mehr als vor genau einem Jahr. Der erzielte Auktionspreis für Magermilchpulver blieb mit 3 365 $/t (2 796 Euro) unverändert. Beide Pulversorten wurden damit teurer gehandelt als in Deutschland, wenn die Notierungen der Kemptener Börse als Maßstab herangezogen werden. Der durchschnittliche Kontraktpreis für Butter gab an der GDT zuletzt leicht um 0,6 % auf 5 736 $/t (4 766 Euro) nach, lag aber ebenfalls über dem deutschen Niveau. Cheddarkäse gewann bei der jüngsten Versteigerung hingegen 1,2 % an Wert hinzu und erlöste im Schnitt 4 436 $/t (3 686 Euro). Fonterra-Geschäftsführer Miles Hurrell zeigte sich mit dem Auktionsergebnis zufrieden. Zwar würden einige Nachfrager aus Afrika und dem Nahen Osten aufgrund der hohen Preise etwas weniger ordern, doch die Nachfrage aus China sei weiter „enorm“. Der leitende Agrarökonom der neuseeländischen Westpac-Bank, Nathan Penny, rechnet für den weiteren Jahresverlauf mit einer anhaltend großen Nachfrage aus China und Südostasien, weshalb auch die Preise fortgesetzt fest tendieren dürften (Umrechnungskurs 1$ = 0,8309 Euro). (AgE)

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