Ökologische Milchproduktion mit besserer Umweltbilanz

Bei der Erzeugung von Milch haben ökologische Produktionsverfahren gegenüber konventionellen eine bessere Umweltbilanz, und zwar auch dazu, wenn die geringeren Milchleistungen mit einbezogen werden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die das Öko-Institut gemeinsam mit dem Schweizer Forschungs- und Beratungsunternehmen INFRAS und dem Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) durchgeführt hat. Dabei wurden die potentiellen Umweltauswirkungen unterschiedlicher Systeme der konventionellen und ökologischen Milcherzeugung jeweils mit und ohne Weidegang verglichen. „Insgesamt hat die ökologische und weidebasierte Milcherzeugung Vorteile für den Umweltschutz, und auch aus Sicht des Klimaschutzes kann hier kein Nachteil ausgemacht werden“, resümierte die Leiterin der Gruppe „Nachhaltige Ernährungssysteme“ im Institutsbereich Produkte & Stoffströme, Dr. Jenny Teufel. Wichtige Hebel zur Minimierung der Umweltauswirkungen seien der Einsatz heimischer Futtermittel, Weidegang sowie Heu im Grundfutter. Nicht geeignet ist laut Teufel hingegen der Ansatz, die durchschnittliche Milchleistung von Kühen in der ökologischen Landwirtschaft weiter zu erhöhen. Der Effekt für den Klimaschutz sei gering und andere Umweltbelastungen wie der Flächenbedarf und der Energieaufwand nähmen zu. Laut der Studie weisen die ökologischen Betriebsmodelle bei Betrachtung einer massenbezogenen Vergleichsgröße in den meisten Fällen einen „mehr oder weniger deutlichen Umweltvorteil“ auf. Lediglich in Bezug auf das terrestrische Versauerungspotential und bei der Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen schnitten die konventionellen Modelle im direkten Vergleich besser ab. Diese Ergebnisse werden den Wissenschaftlern zufolge bestätigt, wenn auf Basis von ökonomischen, funktionellen Einheiten beziehungsweise flächenbezogenen Bezugsgrößen verglichen wird. Laut der Studie liefern die direkten Emissionen der Milcherzeugung, vor allem von Methan, und die Futtermittelbereitstellung die größten Einzelbeiträge zum Treibhausgaspotential. Demnach sind bei konventionell wirtschaftenden Betrieben etwa 30 % der Emissionen direkt der Erzeugung und bis zu 36 % der Futtermittelbereitstellung zuzurechnen. Für die ökologischen Produktionsmodelle wird der Anteil der direkten Emissionen auf knapp 50 % beziffert, wobei der höhere Beitrag „ganz wesentlich“ auf die niedrigere Milchleistung zurückgeführt wird. Betont wird, dass die Bereitstellung des Milchleistungsfutters für alle Wirkungskategorien einen entscheidenden Beitrag zum Gesamtergebnis verursacht. In diesem Zusammenhang könnten der Studie zufolge durch den Einsatz von einheimischen Futterleguminosen anstelle von importierten sojabasierten Komponenten potentielle Umweltverbesserungen erzielt werden. Allerdings bestehe hinsichtlich der Skalierbarkeit der Substitution noch Forschungsbedarf, heißt es. Kaum niedergeschlagen in den Ergebnissen hat sich die Größe des Tierbestandes. Die Auswirkungen seien angesichts der „Dominanz anderer Prozesse“ vergleichsweise geringfügig.

Erstmals einbezogen wurden im Rahmen der Studie laut Öko-Institut die externen Kosten der Milcherzeugung. Diese werden für die untersuchten Betriebsmodelle zwischen 21 Cent und 34 Cent pro Liter Rohmilch veranschlagt. Die Systeme mit Weidegang verursachen dabei zwischen 0,6 Cent und 6,6 Cent geringere Kosten als Modelle ohne Weidegang; die ökologischen Betriebssysteme schneiden im Vergleich zu konventionellen Modellen zwischen 0,5 Cent und 5 Cent besser ab. Die geringsten Umweltkosten verursacht der Studie zufolge somit die ökologische Milcherzeugung mit Weidegang, deren Umweltkosten zwischen 15 % und 24 % niedriger als die der übrigen Systeme liegen. Im Durchschnitt sämtlicher untersuchten Betriebsmodelle werden die Umweltkosten auf rund 30 Cent pro kg Milch beziffert, wobei sich der Anteil der einzelnen Wirkungskategorien deutlich unterscheidet. Mit etwa 62 % machen die Klimakosten den größten Anteil aus, gefolgt von der Landnutzung mit 17 %. Dahinter liegen mit 10 % die Versauerung und mit 6 % die Eutrophierung. (AgE)

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